Sonntag, 1. November 2015

In Dunst verhüllt, aber alles in Ordnung

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Einige Länder Südostasiens waren voller Dunst. Mehr als einen Monat war die Sicht für Menschen in Indonesien, Singapur und Malaysia durch einen dünnen Schleier eingeschränkt. Ein grauer Nebel von unendlich kleinen Teilen verfinsterte Himmel und Strassen. Grund war das illegale Abrennen von Ackerland für Palmöl Plantagen. Eine Gefahr für die Gesundheit, eine Gefahr für die Umwelt und eine politische Delle, besonders für den Präsidenten von Indonesien, Joko Widodo. 


Auch Thailand ist in Dunst verhüllt, einer anderen Art von Dunst. Auch er reduziert die Sicht und blockiert unseren Verstand. Es sind ebenfalls unendlich kleine Teile, die vereint zu einer undurchsichtigen Decke (und Schlinge) werden.

Am Schlimmsten, auch die Prognose ist düster: wie die Launen des Windes und der Jahreszeiten wird sich der Dunst in den meisten südostasiatischen Ländern auflösen, während wir in der Golden Achse wahrscheinlich im selbst geschaffenen nebligen Schleier stecken bleiben.

In den Nachrichten bedeckt unsere Art Dunst viele sensationelle Fälle. Deren Hintergründe bilden ein Labyrinth oder eine Sackgasse oder, wieder, eine Schlinge. Sie beinhalten manchmal den Tod, welcher noch mehr Nebel und Verhüllung entstehen lässt. Wie der hochkarätige Fall um Suriyan „Mor Yong“ Sucharitpolwong und Polizei Mayor Prakrom Wirunprapa, der tot in seiner Zelle aufgefunden wurde. Das lässt allen die Lippen beben, aber wir sollten die anderen nicht ignorieren. Wie den Koh Tao Mordfall, der auch in verwirrenden Nebel verhüllt ist. Und natürlich den Erawan Schrein Bombenanschlag. Ein Fall so schrecklich und so chaotisch, dass er irgendwie zu einem als Geschenk verpacktes,  von einem Rentier mit blutiger Nase geliefertes Weihnachtspaket verkam - keine Falten, keine lockeren Knoten, alles gelöst, alles, ausser, dass sich alle anderen noch immer im Nebel schwimmend fühlen.

Und vergessen wir nicht den dicksten aller Nebel: den Single Gateway (oder Richtlinie oder Anordnung oder Befehl, oder „eine Studie“?) Der Wind des Wandels scheint ihn weggeblasen zu haben, aber vielleicht auch nicht, seit er ihn „IT Hub“ umbenannt wurde, was immer das bedeuten mag. Wieder stützen wir uns auf den nationalen Dunst ab, der unsere Augen bedeckt. Umso mehr, als der Premierminister mit der Idee liebäugelt, dass „Land zu verriegeln“. Wo ist der Hauptschalter? Vielleicht weiss er’s, aber wir wissen es nicht.

Am Medien Zirkus vom 21. Oktober, als Mor Yong und zwei weitere Verdächtige verhaftet wurden, versammelten sich Hunderte von Reportern mit Kameras und Mikrophonen. Es gab unzählige Tweets und Live Berichte. Aber sie konnten den Nebel nicht durchbrechen - vielleicht war es ihnen nicht erlaubt, vielleicht wollten sie nicht.

Der Dunst ist undurchdringlich. Und wir alle straucheln und gehen auf Zehenspitzen, voller Angst, die Klippe runter zu fallen. Wie an der Pressekonferenz der Polizei vor vier Tagen. Es schien, als weitere Informationen vorenthalten wurden. Wir erfuhren was geschah, aber wir wussten noch immer nicht, was geschehen war. Wissen und Kenntnis sind nicht dasselbe. 

Wenn Jahreszeitenwechsel und Wind den südostasiatischen Dunst vertreiben können, was könnte uns helfen?

Ein paar Dinge, meine ich. Journalismus, als einen Anfang. Aber die Definition der Praxis scheint in einigen Fällen eingeschränkt (das ist keine Entschuldigung), und jetzt so veraltet, dass Reporter auf Vorstellungskraft, Träume, Kaffeesatz und inoffiziellen Quellen beruhen, die manchmal nur noch mehr Dunst produzieren. Dann haben wir die Behörden, die manchmal wie eine gigantische Nebelmaschine arbeiten und damit ewigen Dunst schaffen, durch den wir nicht durchsehen können -  nehmen wir zum Beispiel die Verhafteten des Koh Tao Falles und dem Erawan Schrein Bombenanschlag, nicht zu sprechen von so vielen anderen Ereignissen.

Mit dem Dunst kommt Misstrauen. Deshalb werden wir geschult jeden offiziellen Bericht, von Geständnissen verdächtiger Mörder bis zum Verneinen der Einrichtung eines Single Gateway, mit Vorsicht aufzunehmen. Wenn der Premierminister von Reform erzählt, glaube ich, dass es es ihm ernst damit ist, und er es gut meint. Aber seine Reform bedeutet nichts, wenn sie nicht in die tiefen Strukturen greift, die Polizei, die Armee, die Medien und was sonst noch alles. Zur Sicherstellung, dass der Wind des Wandels den Dunst vor unseren Augen vertreibt.

Es gibt ein kleines Problem: die Sache mit Nebel und Dunst ist die, dass wir uns daran gewöhnen können. Wir sind solch anpassungsfähige Kreaturen - nicht anpassungsfähig im Sinn von katzenhaftem Sehen im Dunkeln. Aber wenn’s okay ist, wenn’s uns nicht zu sehr stört, gehen wir unseren Weg durch den Schatten ohne zu wissen, ob ein Elefant im Raum steht. Solange der Elefant nicht Amok läuft und uns zu Tode trampelt. Um ehrlich zu sein, wir sind schon so konditioniert, dass es uns keine grosse Mühe bereitet wie umgeben von Dunst zu leben, leicht irritiert in Augen und Ohren. Unsichtbare Partikel einatmen, welche in der nahen Zukunft schädlich sein könnten. Und das ist kein gutes Zeichen.

Von Kong Rithdee in der Bangkok Post

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