Donnerstag, 15. Oktober 2015

Symptom einer tiefer liegenden Krankheit?

1 Kommentar :
Vor 42 Jahren machten die Kinder das, wovon ihre Eltern niemals zu tun geträumt hatten. Angefeuert von jugendlichem Mut und Idealismus führten sie einen Volksaufstand an, der schliesslich zum Sturz des Tyrannen-Trios führte und Thailand von drei Jahrzehnten militärischer Unterdrückung befreite. Ich war damals Studentin im ersten Semester. Wie alle anderen im Land glaubte ich, dass die Herrschaft von Angst und Schrecken endlich hinter uns lag. Wie sehr wir uns irrten.

Sakdina -der Feudalismus aus dem alten Siam lebt im modernen Thailand weiter.
Es war auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Vietnam, Kambodscha und Laos fielen zwei Jahre nach dem Aufstand dem Kommunismus zu. Ich erinnere mich noch lebhaft an die weit verbreitete Angst im Königreich, dass Thailand bald, wie die amerikanische Domino Theorie es beschrieb, folgen würde. Die Angst schnürende rechte Propaganda radikalisierte die Öffentlichkeit während das Vertrauen in die Studentenbewegung geschwächt wurde.

Im Jahr, als ich mein Studium abschloss, sah Thailand eines seiner dunkelsten Kapitel - das Massaker vom 6. Oktober 1976 an der Thammasat Universität. Es zeigte zu welchen Gräueltaten die Machthaber fähig sind um ihren „Grund“ zu schützen. 

Sind wir nach verschiedenen Staatsstreichen und zivilen Regierungen zurück auf Feld eins?

1973 war das Land vereint in Wut und Hass gegen die militärische Diktatur. Nach dem Schwarzen Mai von 1992 kehrte das lädierte Militär in ihre Kasernen zurück. Die Verfassung 1997 ging aus einer lebendige Zivilgesellschaft hervor und sollte Kontrollen und ausbalancierende Mechanismen in der nationalen Politik verstärken und den Gemeinden mehr Entscheidungsfreiheit in der Verwaltung von natürlichen Ressourcen geben. Die meisten glaubten, dass es in Thailand nie wieder Staatsstreiche geben werde.

Auch hier irrten wir uns.

Auch die Einheit der Öffentlichkeit gegen Militärputsche gibt es nicht mehr.

Als General Prayut Chan-o-cha im Mai vor einem Jahr putschte, störte mich die immense Unterstützung eines grossen Teils der Bevölkerung mehr als der Staatsstreich selbst. Besonders die Unterstützung der privilegierten Klasse. Es stellt sich die Frage, ob Staatsstreiche eine Krankheit oder das Symptom eines tiefer liegenden Problems unserer Gesellschaft sind.

Es erstaunt mich auch, dass viele Aktivisten, die in 1970er und 1990er Jahren gegen Staatsstreiche protestierten das Prayut-Regime mit offenen Armen empfingen.

Viele geben Thaksin Shinawatras „der Gewinner nimmt alles“ Politik die Schuld, welche den Status Quo und altes Geld beleidigte. Seiner „Parlaments-Diktatur“ und dem tiefen Graben von Rot und Gelb. Wer kann da widersprechen?  Aber ist das wirklich alles?

Da viele der heutigen politischen Figuren, ob Politiker oder Aktivisten, einst in den Pro-Demokratie Bewegungen der 1970er engagiert waren, entstammen ihre politischen Differenzen wohl aus unterschiedlichen Betrachtungsweisen wie effektive Veränderungen zu Stande kommen können.

Eine Gruppe glaubt, dass man an der Macht sein muss um Dinge zu ändern. Deshalb schlossen sie sich der politischen Maschine Thaksins an. Andere glaubten, dass wahre Veränderungen auf der Ebene von Gemeinden beginnen müssen. Thaksins aggressiver Anstoss von Myriaden von Megaprojekten, welche die Lebensgrundlage vieler zu zerstören drohten, trieb diese Gruppe in die Arme seiner politischen Gegner.

Während die erstere Teil eines herzlosen Systems wurde, dass die Armen bestraft, muss die letztere realisieren, dass ein Stopp von „Thaksins Regime“ nicht gleichbedeutend mit dem Stopp von zerstörerischen Projekten ist.

Im Gegenteil, das Militärregime hat keine Zeit verschwendet. Grosse Staudämme sind zurück in der Agenda. Wie auch die Tiefseehafen Projekte, welche die marine Ökologie unwiderruflich verletzten werden. Bergbau wird bald im ganzen Land erlaubt, auch in unberührten Wäldern. Die Armen werden vertrieben um Sonderwirtschaftszonen Platz zu machen. Der alte Charme des Chao Phraya Ufers in Bangkok wird für immer zerstört. Sie stehen im Angesicht von bewaffneten Soldaten, wenn Sie wagen zu protestieren, wie die Dorfbewohner es bei ihrem Protest gegen Goldminen und Fracking erlebten.

Klar. Wer auch immer an der Macht ist, die Leute an der Basis und die Umwelt leiden weiter. 

Deshalb, weil alle Regierungen - zivil und militärisch - die selbe Entwicklungs-Ideologie vom Absaugen von ländlichen Ressourcen für städtischen Wohlstand und Wirtschaftswachstum verfolgen. 

Es war Machthaber Sarit Thanarat, berüchtigt für seine harte Hand, der diese Ideologie los trat. Er stärkte das Beamtentum und nutzte es als ausführende Kraft. In diesem Prozess schrieben staatliche Ämter die Gesetze, welches sie zu den Eignern aller Ressourcen machte und ihre organisatorische Macht ausweitete. Nachfolgende Regierungen folgten pflichtbewusst während die autoritäre Bürokratie sich immer mehr ausweitete.

Die autoritäre Bürokratie ist nicht das einzige Hindernis für Veränderungen. Ebenso so sehr, wenn nicht noch mehr, ist es die tief militärische und feudalistische Kultur.

Deshalb stecken wir auch vier Jahrzehnte nach dem historischen Aufstand immer noch im teuflischen Zyklus von Staatsstreichen fest.

Von Sanitsuda Ekachai in der Bangkok Post 

1 Kommentar :

  1. Aha, die zerstörerischen Projekte Thaksins.......

    Nun ja, ich beobachte Thailand seit vielen Jahren, aber unter Thaksin war es eindeutig viel besser wie heute.
    Aber es gibt eben immer welche die alles was nicht perfekt ist, das war auch Thaksin, als negativ bewerten.
    Doch unter ihm gab es Fortschritte, heute nur noch Rückschritte.

    Diese Verbrecher in Armee, Staat und Monarchie kann nur verdrängen wer Virtuos die Klaviatur der Macht spielen kann, zusammen mit dem Volk.
    Missbrauch hätte man Thaksin nur vorwerfen können, wenn er eine "nicht Wiederwahl" ignorriert hätte, aber dazu liessen es die Verbrecher ja gar nicht kommen, warfen ihm aber Antidemokratische Ambitionen vor, was für ein Hohn.

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