Dienstag, 13. Oktober 2015

Selfies mit Bier

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Der frühere Premierminister Anand Panyarachun sagte einst, wenn Thailand eine wirkliche Demokratie werden wolle, müsse eine Bedingung geschaffen werden: Rechtsstaatlichkeit. Nicht Herrschaft durch gesetzliche Vorschriften, weil die Gesetze im Königreich sehr rückständig sind. Die Kontroverse über die Selfies mit Bier in der Hand scheint dies zu verdeutlichen.


Obwohl der Alcohol Control Act seit 2008 besteht, scheint das Gesetz erst jetzt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit anzukommen. Ein Aufschrei erschütterte das Land, nachdem Berühmtheiten aus Film und Fernsehen einer Werbekampagne gleich in Sozialen Medien Bilder von sich mit einem Chang Bier in der Hand veröffentlicht hatten.

Thai Beverages Plc., die Produzentin von Chang, verneinte die zwei Dutzend VIP’s für die Flasche in der Hand bezahlt zu haben. Zwei weibliche Berühmtheiten bestätigten am Sonntag der Polizei, weder Teil einer Werbekampagne gewesen zu sein noch Geld erhalten zu haben. Allerdings räumten sie ein, durch das Veröffentlichen der Bier Selfies auf ihren Instagram Konten als Freundesdienst ein Produkt zu fördern.

Obwohl schwierig zu glauben, soll es rein zufällig gewesen sein, dass einige Top-Prominente zum gleichen Zeitpunkt gleiche Fotos von sich mit Chang Bier Flasche hochgeladen und zum Trinken animiert haben. Skepsis muss in den Hintergrund treten.

Das eigentliche Problem mit den Bier Selfies entstand, als die Polizei sagte, dass es nicht nur Prominenten oder bekannte Persönlichkeiten, sondern auch ganz normalen Menschen nicht erlaubt sei, Fotos von sich mit einem alkoholischen Getränk zu veröffentlichen und Zuwiderhandlung eine Strafe mit sich ziehe. So seltsam das klingen mag, die Polizisten haben recht, wenn man den Buchstaben des Gesetzes folgt.

§32 des Alkohol Control Act 2008 verbietet „jedem“ alkoholische Getränke zu bewerben und deren Namen sowie Logos zu zeigen. Ein Verstoss kann mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder/und 500’000 Baht bestraft werden, oder einer täglichen Busse von 50’000 Baht über die Dauer des Verstosses.

Trotzdem halten viele die polizeiliche Interpretation des Gesetzes für übereifrig. Als Reaktion und Protestgeste wurden Fotos von alkoholischen Getränken und, von weniger dreisten Leuten, Reinigungsalkohol gepostet. 

Wird die Polizei diesen willkürlichen Protest ahnden? Ich denke nicht. Sie sollte nicht. Aber zeigt die Kontroverse Mängel am Gesetz? Auf jeden Fall, zumindest aus meiner Sicht.

Nehmen wir den Fall der Prominenten mit Bierschnappschuss als Beispiel. Die Thai Beverage bestreitet, dass die Veröffentlichung der Selfies Teil einer Werbekampagne sei und die Promis selbst stellen sie als Akt von Uneigennützigkeit dar. Welche rechtlichen Gründe hat die Polizei noch, ihnen nachzustellen?

Sarawut Benjakul, Leiter des Institute of Legal Education of the Thai Bar Association vermutet, dass die staatliche Autorität auf die Absicht zielt. Leute, die andere „absichtlich“ zum Trinken auffordern können für Gesetzesbrecher gehalten werden.

Aber es ist oft schwierig Absicht zu beweisen. Wie kann die Polizei beweisen, dass jemand, der ein Foto von sich mit einem Glas Champagner in der Hand und Sonnenuntergang im Hintergrund die grössere Absicht hat Trinken zu fördern als eine lächelnde junge Frau neben einer Reihe von Schnapsflaschen?

Wenn das Gesetz allumfassend versucht bestimmte Tätigkeiten zu kriminalisieren, gewisse Aktivitäten zu kontrollieren und Eingebung zum Schuldbeweis notwendig ist, resultiert dies oft in einer selektiven Behandlung, welche zu unterschiedlichen Standards führt. Genau das scheint hier der Fall zur sein.

Die Forschungsstelle für Alkohol des Gesundheitsministeriums hatte 2013 in einer Studie festgestellt, dass die Kontrolle über Alkohol-Werbung weniger effektiv ist als ein Verbot, aber ein wirksames Mittel zur Eindämmung des Alkoholkonsums und verdient, weiter verfolgt zu werden.

Die gleiche Studie hat jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Art der Bewerbung von Alkohol sich bemerkenswert verändert hat, seit der Alcohol Control Act in Kraft trat. Statt Direktwerbung haben die Verkäufer subtilere Methoden, einschliesslich der Nutzung von Gutfühl-Projekten mit sozialen Verantwortung eingesetzt wie auch Prominente als Beeinflussende. Das umgeht nicht nur das Gesetz, sondern entwickelt die Trinkkultur effektiver als traditionelle Werbung.

Die Frage lautet deshalb, ob der Alcohol Control Act, der auf einer gröberen Form der direkten Kontrolle und persönlichem Urteil über die Absicht des Verletzenden basiert, auch in Kraft bleibt, nachdem sich die Situation weiterentwickelt hat.

Im Gesamtbild stellt sich rund um die Kontroverse der Sefies mit Bier die Frage, ob das Vorantreiben von glühender Moral und strengen Kontrollen die Lösung in einer sich zunehmend diversifizierenden Gesellschaft bleibt.


Von Atiya Achakulwisut in der Bangkok Post

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