Samstag, 10. Oktober 2015

Durstig nach Schnee und Kälte

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In einer Halle voller psychedelischer Eisskulpturen ertönen Begeisterungsschreie als ein Schlitten mit wegen der Kälte dick vermummten Passagieren einen Eiskanal hinunter saust. Nicht in einem Vergnügungspark in Sibirien - im tropischen Bangkok. Aus der notorisch schwül-heissen Metropole strömen immer mehr Einheimische in Kältetempel und eine wachsende Anzahl geben die Gelegenheit etwas zu erleben, was es sonst in Thailand nicht gibt: Schnee und Eis.

In einem der Kältetempel Thailands.
„Es fühlt sich gut an“, sagt der 28-jährige Songphol Taesinlapasathit während sein Atem die kalte Luft sichtbar macht. „Ich möchte hier einziehen, damit ich der Hitze entkommen kann.“

Während Ausländer in Scharen nach Thailand reisen um an palmagesäumten Stränden die heisse Sonne zu geniessen, sind jene, die das Harbin Ice Wonderland besuchen auf der Suche nach dem Gegenteil. Künstler haben mehr als 600 Tonnen Eis in ein Sammelsurium von Skulpturen verwandelt, das von Kraken bis zum Eiffelturm reicht.

Benannt nach der Stadt im Nordosten Chinas, die für ihr jährliches Eis-Skulpturen Festival bekannt ist, betragen die Temperaturen in der thailändischen Tiefkühl-Variante Minus 15 Grad. Satte 50 Grad Unterschied zu den klebrigen Strassen in Thailands Hauptstadt.

Das Ice Wonderland ist nur eine von etlichen Attraktionen, die in Thailand zu diesem eisigen Thema entstanden sind. Viele Einkaufszentren bieten Eisbahnen und Winterlandschaften mit künstlich erzeugtem Schnee.

Aber die Erholung von der Hitze bleibt nicht ohne Folgen. Als eine von Südostasiens reicheren und städtischeren Nationen verbrennt Thailand Unmengen von Energie um seine Einkaufszentren, Büros, Wohnungen und Häuser zu kühlen.

Bangkok streicht auch hier seine Sonderstellung heraus. Seine Einwohner verbrauchen gemäss einer Studie von 2013 doppelt so viel Strom wie ihre Mitbürger im Rest des Landes. Dabei spielen Einkaufszentren eine prominente Rolle. Eine Untersuchung von Mekong Commons, einer regionalen Umweltorganisation, zeigte, dass die grössten Einkaufszentren mehr Energie verbrauchen als alle ländlichen Provinzen zusammen.

„Sie verbrauchen definitiv riesige Mengen Strom“, sagt Gunn Panprayun, Professor an der der Mahidol Universität für Umwelt und Ressourcen. „Diese Schnee- und Eisplätze helfen sicher die Umwelt zu zerstören, weil sie natürliche Ressourcen verschwenden.“

Aber es sind nicht nur die Thais, die Spass ausserhalb der Hitze. Dank der massiven Expansion von Billigfluglinien in Asien sind regionale Skiorte auch für Menschen in Ländern mit mittleren Einkommen erschwinglich geworden. 

Plakate und Reiseprospekte verleiten Thai Urlauber im nördlichen Japan, Südkorea und China echten Schnee zu berühren. Seit 2013 die Visumpflicht für Reisen nach Japan aufgehoben wurde, hat es einen enormen Zustrom von Touristen aus Thailand gesehen.

2014 gingen gemäss dem thailändischen Ministerium für Tourismus und Sport 95% aller Urlaubsreisen von Thais ins Ausland - 430’000 - nach Japan, wo sie mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar ausgaben.

Für jene, die sich eine Auslandreise nicht leisten können, verbleiben die Berge im nördlichsten Thailand die einzige Region des Landes, die während des kurzen Winters Frost kennt.

Traditionell verbringen Paare dort romantische Silvesterabende - die Gelegenheit der Hitze im Tiefland Thailands zu entkommen. Sonst verbleiben Schneeparks die günstige Alternative zu Überseereisen. 

Im Park einer östlich von Bangkok gelegenen, wohlhabenden Gemeinde produzieren Schneekanonen laufend das kühle Weiss, während die begeisterten Einheimischen ihr Glück beim Skifahren versuchen oder einen Engel in den Schnee zaubern.

Saowanee Nimthong ist eine von vielen Besucherinnen. „Wenn es in Thailand Schnee gäbe, würde ich zumindest einmal im Leben nackt spazieren gehen um zu sehen, wie lange ich es aushalten könnte.“

Quelle: Bangkok Post

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