Mittwoch, 16. September 2015

Zertrümmerndes Versagen

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Wenn Sie sich jemals gefragt haben, was das Militär aus Thailand und seinen Menschen machen will, liegt die Antwort in einem Zertrümmer-das-Handy Clip, der sich Anfang Woche verbreitete. Untermalt vom Song „Soldaten müssen etwas aushalten“ startet er mit in Reih und Glied aufgestellten jungen Marineoffizieren in strahlend weissen Uniformen und schwarz glänzenden Schuhen. Vor jedem auf dem Boden liegen ein Smartphone und ein Betonblock.


Ihr Chef, dessen Gesicht nicht sichtbar ist, fragt jeden, was ihm sein geliebtes Handy bedeutet. „Gerade gekauft, was? Teuer?“ fragt er langsam und mit ruhiger Stimme. Offenbar geniesst er die psychische Folter. Dann werfen sich die Offiziere zu Boden und zerschlagen ihre Smartphones mit dem Betonblock in Stücke.

Die Reaktionen auf den Clip sind so heftig. Bosse der Marine und andere Chefs des Militärs mögen es schwierig finden zu begreifen, was passiert ist. Sie denken wahrscheinlich, dass es nur Handys waren. Sie denken wahrscheinlich, dass es die Pflicht von Soldaten ist Befehle ohne Fragen auszuführen.

Da es den jungen Marineoffizieren nicht erlaubt ist, ihre Handys während der Ausbildung zu benutzen, ist es nichts als richtig, jedes Zeichen von Ungehorsam streng zu bestrafen, oder?

Dass sich der Clip so schnell verbreitet hat zeigt, dass die Öffentlichkeit grösstenteils nicht einverstanden ist. Eltern in Thailand scherzen gerne, dass Smartphones zum 33. Körperorgan ihrer Kinder wurde. Aber tatsächlich ist es mehr als das.

Für junge Leute sind Smartphones ihre Stimme und ihre Gesicht in der Welt - ihre Identität. Wenn sie die Jungs der Marine ihren Schmerz schlucken, auf den Boden werfen und ihre Handys zerstören sehen, fühlen sie auch sich selbst verletzt.

Die Marine klärte später den Vorfall, der in seiner Kommunikations- und Informationstechnologie Schule statt fand. Es gibt Regeln zur Nutzung von Handys, aber Verstösse sind häufig. Die Lehrer haben ein „Ehrensystem“ entwickelt, bei dem ungehorsame Schüler ihre Handys „freiwillig“ zerstören müssen.

Dass eine Militärschule mit Schwerpunkt auf Kommunikations- und Informationstechnologie Smartphones nicht als Lerninstrument betrachtet, aber Hindernisse aufstellt, die sie verbietet, sagt eine Menge darüber, wie viel das Militär aufholen muss um zur Welt aufschliessen.

Zufällig geschieht die Handy-Zerstörungs-Kontroverse zur gleichen Zeit in der das Militär verstärkt auf seine Politik setzt politische Dissidenten zur „Anpassung der Haltung“ herbei zu zitieren.   

Erst die Beschlagnahmung des Reisepasses von Pheu Thai Politiker Chaturon Chaisen. Dann das Herbeizitieren seiner Kollegen, dem früheren Energieminister Pichai Naritphapan und dem früheren Pheu Thai Parlamentmitglieds Karun Hosakul. Der jüngste Fall ist Pravit Rojanaphruk, Journalist bei der Nation, für seine Anti-Coup Haltung. Ihr Aufenthaltsort ist unbekannt. Wir wissen auch nicht, wie lange das „Anpassen“ der Haltung dauert. (Anmerkung: Die Personen wurden gestern freigelassen)

Was zum Himmel wollen sie tun? Warum nur „Geräusche“ unterdrücken, wenn das Militär schon die vollständige Kontrolle der Macht besitzt? Wenn auch Sie sich diese Frage stellen, mag die Handy-Zerstörungs-Episode eine Antwort geben.

In der militärischen Psyche können Geräusche jeder Art nicht toleriert werden, weil sie bedeuten, dass das total Gehorsam noch nicht angekommen ist. Um es zu erreichen, haben die Chefs das Recht zu tadeln, beschimpfen und entmenschlichen, wenn sie Signale von Ungehorsam entdecken. Wenn die Geräusche weiter gehen ist es nur fair sie bis zur völligen Stille zu zerstören.

Jetzt verstehe ich, weshalb der Ministerpräsident und Junta Führer nichts von Tiraden gegen die Presse oder Drohungen gegen politische Dissidenten hält.

Oder weshalb das Herbeizitieren weiter geht. Wir mögen denken es sei falsch, aber für das Militär ist es das, was die Bosse jeden Tag tun um totales Gehorsam von ihren Untergebenen zu gewinnen.

So funktioniert das Militär. Wenn wir damit unglücklich sind, zeigt es nur, dass wir die Tatsache, dass das Land zu einem Militärlager reduziert wurde, noch nicht akzeptiert haben.

General Prayut hat darauf bestanden, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für freie politische Diskussionen ist. Man könne das in der Zukunft machen, wenn die Dinge wieder normal laufen, hat er gesagt.

Ich fürchte mich jedoch vor der Zukunft, weil was sich jetzt entfaltet, wie die Wiederholung der Geschichte aussieht. 

Um Wahlen nach einem Putsch zu gewinnen haben Anführer des Militärs in der Vergangenheit ihr eigenen Parteien gegründet oder Vertreter das Spiel spielen lassen. Aber die Dinge sind schliesslich nach Machtmissbräuchen und politischer Unterdrückung explodiert, Blutvergiessen war die Folge. Dann ein weiterer Putsch und eine weitere Runde der Gewalt.

Wie kann der Teufelskreis durchbrochen werden? Es beginnt damit, Frieden und Ordnung nicht gleich zu stellen mit Unterdrückung und Stille. Es beginnt damit zu akzeptieren, dass das Land kein Armee Regiment ist und die Zerstörung von unterschiedlichen Auffassungen durch Herbeizitieren und Inhaftierung keinen Platz im modernen Thailand hat.


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