Sonntag, 20. September 2015

Reiten, Muay Thai und Meditation gegen Drogenabhängigkeit

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Jeden Morgen verlässt in Thailand’s hohem Norden ein Konvoi von orange gekleideten Mönchen und Novizen auf dem Rücken von Pferden den Tempel auf dem Gipfel eines Berges im berüchtigten Goldenen Dreieck um Almosen zu sammeln. Auf den ersten Blick scheinen diese Reiter-Asketen ein Bild einer vergessenen Zeit, tatsächlich aber sind sie Teil einer innovativen Bewegung Jungen in dieser von Drogen verwüsteten Region durch Reiten, Thai Boxen und Meditation von ihrer Sucht zu befreien.

Mönche des Wat Tham Pha Archa Thong sammeln auf dem Rücken von Pferden Almosen.
Einst berühmt für Opium und Heroin ist die wichtigste Substanz, die heute im Golden Dreieck hergestellt und gehandelt wird die synthetische Droge Methamphetamin. „Ich hatte kaum genug zu essen, weil mein Vater drogenabhängig war und nicht arbeitete“, sagt Ponsakorn Mayer, dessen Rufname Tawan lautet. Er ist einer der Novizen, die jeden Tag die steilen Hänge rund um den Tempel herunter reiten. 

Wie viele der Jungen in dieser Bergregion, wo der grassierende Drogenhandel Generationen dezimiert hat, suchte Taiwan Zuflucht im „Tempel des Goldenen Pferdes“, dem Wat Tham Pa Archa Thong. Jetzt sind seine Tage gefüllt mit Meditation, Reiten und traditionellem Muay Thai. 

Gelegen in der üppigen, grünen Bergwelt von Chiang Rai, der nördlichsten Provinz Thailands, befindet sich der Tempel im Herzen des Goldenen Dreiecks. Ein Gebiet, das Teile von Nord-Thailand, Myanamar und Laos umfasst. Die Mönche des Tempels sind zu einer Art Sozialarbeiter der isolierten Region geworden, in der nur wenige staatliche Stellen Dienste anbieten. 

Mit einem Muay Thai Champion als Ausbildner und einem Pferdestall, der versorgt werden muss, zielt der Tempel darauf ab, neben den normalen Klassen die Jungen von drogenabhängigen Familien der Umgebung vorwärts zu bringen. „Ohne den Wat würde ich nicht wissen, wie pulsierend das Leben sein kann. Mein kleines Dorf ist voller Drogenprobleme“, sagt der 19-jährige Tawan.

Die Mehrheit der Neulinge, die oft an Unterernährung leiden, wenn sie im Tempel ankommen, sind Waisen oder wurden von ihren Drogen konsumierenden Eltern verlassen. „Bergvölker führen ein hartes Leben. Ein Grund, weshalb sie Drogen nehmen und im Kampf mit der Erziehung ihrer Kinder stehen“, sagt Phra Sutipong, der leitende Mönch des Tempels. 

Das United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC, nimmt an, dass in der Region jedes Jahre mehr als 1.5 Milliarden Yaba Pillen - dem Thai Namen für Tabletten, die Methamphetamin und Koffein enthalten - hergestellt werden. Meist in kleinen mobilen Labors im abgelegenen Dschungel des Shan Staats im benachbarten Myanmar.

Immer jünger

„Drogen sind im Norden Thailand’s ein grosses Problem. Es gibt nicht genügend Reha-Zentren“, sagt Apisak Wittayanookulluk, stellvertretender Direktor des Thanyarak Reha-Zenters in Chiang Mai. „Vor allem in Schulen muss Prävention entwickelt werden, weil die Nutzer und Händler jünger und jünger werden.“

Viele Jungen wie Tawan, die aus dem Bildungssystem des Tempels hervorgehen, wollen das Gelernte in ihre Dörfer tragen. „Erst wollte ich nur hierbleiben, aber es gibt viele Probleme zu Hause.“ Er will helfen Kinder in seinem Dorf vor der Drogenfalle zu bewahren. 

„Noch immer gibt es nicht viele Alternativen. Die meisten Leute verkaufen und handeln mit Drogen.“

Tawan sagt weiter, dass die Pflege von Tieren und Thai Boxen die Jungen auf eine Art und Weise glücklich und engagiert mache, wie es traditionelle Schule in Klassenzimmern alleine nicht erreichen würde. 

Im Tempel verbringen die Novizen den Grossteil ihrer Zeit für tägliche Routinearbeiten: Fütterung und Pflege der Tiere, vor allem der Pferde. Sie lernen auch Land zu bearbeiten und zu kultivieren, helfen mit, die mehrere Hektaren grosse Gemüseplantage des Tempels zu bewirtschaften.

Die ultimativen Ziele des Programms sind, dass die Kinder einen Sinn für Disziplin entwickeln und ihnen vermittelt wird, dass sie für ihr Leben selbst verantwortlich sind. 

„Der Tempel hilft und unterstützt arme Kinder“, sagt der 39-jährige Suk Namsaeng. Er lebt in einem Dorf nur wenige Kilometer weg von der Stelle, wo die Mönche jeden Tag um Almosen bitten.

„Die meisten Leute in den Dörfern wissen nicht, wie schlimm und schädlich Drogen sind. Schon ihre Eltern waren drogenabhängig, deshalb denken ihre Kinder, dass es normal ist.“

Touristen, die sich für das einzigartige Lebensweise im Wat Tham Pa Archa Thong interessieren, können ihn besuchen, in Lan Phra Keaw am Fuss zum Tempel Almosen spenden und Pferdeshows sehen. Im Wat gibt es zudem einen Coffee Shop. 

Der Wat liegt an der Strasse 1130 von Mae Chan nach Mae Salong. Ungefähr 5 Kilometer ausgangs Mae Chan, unmittelbar nach einer Police Box, geht der beschilderte Weg zum Wat rechts weg.

Quelle: Bangkok Post

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