Freitag, 11. September 2015

Pudel führen in Thailand ein besseres Leben als Arme

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Freitag Abend um zehn. Ich entschied mich Bus statt Skytrain für meinen Nachhauseweg vom National Stadium nach Phra Khanong zu nehmen. Aber das war keine gute Idee. Es dauerte schon mehr als eine Stunde für nur zwei Häuserblocks vorbei an Siam Paragon und Central World. Die Strasse war rappelvoll, auch die Spur für Busse. Ich gab auf, stieg aus dem Bus und ging hoch zur nächsten Skytrain Station. Aber jene, die sich den teuren Schienenverkehr nicht leisten können, blieben hoffnungslos im Nirgendwo stecken. Mit Glück kamen sie um Mitternacht zu Hause an. 


Rushhour Downtown Bangkok. 
Anderswo wäre eine Busspur eine Busspur, ausschliesslich für öffentlichen Verkehr. Privatfahrzeuge müssten mit einer saftigen Busse rechnen. Nicht hier in Bangkok, Thailand. Eine Busspur überfüllt mit Privatautos ist ein alltäglicher Anblick. Die Massen, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen haben keine Priorität. Zu sehen tagtäglich auf allen Busspuren der Hauptstadt.

Arm geboren, schlechte Ausbildung und Arbeiter ist gleichbedeutend wie inexistent. Die erschöpften Gesichter im Nachtbus anschauend kam mir die gebräuchliche, sarkastische Bemerkung über Ungleichheit in den Sinn: Pudel führen in Thailand ein besseres Leben als Arme.

Ein weiterer Vorfall bestätigte, dass Arme in den Augen der politischen Entscheidungsträger keinen Platz haben. Es ist der Vorschlag, wie das Problem der Staus in der Umgebung des Grand Palace, dem Königspalast und dem Sanam Luang gelöst werden soll.

Verschiedene Lösungsversuche wurden in den letzten Jahren unternommen. Aber alle sind gescheitert, weil sich die Betreiber von Reisebussen weigern, ihre Kunden erst aussteigen zu lassen und anschliessend weiter weg zu parken.

Statt die neuen Regeln durchzusetzen will der parlamentarische Unterausschuss für Tourismus die öffentliche Bushaltestelle an der Ecke Sanam Luang gegenüber Kultusministerium aufheben und als Parkplatz für Touristenbusse frei machen. Ein anderer Vorschlag war, den Sanam Luang als Abholstelle für Touristen zu verwenden. Glücklicherweise wurde noch nichts definitiv beschlossen.

Aber schon die Idee, eine öffentliche Bushaltestelle auf öffentlichem Grund für Touristen - die wahrscheinlich nur einmal im Leben nach Thailand kommen - aufzuheben, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, welche vom öffentlichen Verkehr abhängig ist, ist nicht akzeptabel.

Früher versuchte die Stadtverwaltung von Bangkok, Touristenbusse ihre Gäste unweit des Sanam Luang ein- und aussteigen, die Busse selbst im früheren Südbusbahnhof Pinklao parken zu lassen. Aber die Betreiber beklagten, dass das Areal für täglich 500 parkende Busse zu klein sei.

Der wahre Grund aber ist der, das es für die Fahrer der Busse bedeutend angenehmer ist, ihre Fahrzeuge in der Nähe des Grand Palace abzustellen, ohne Befürchtungen vor hohen Verkehrsaufkommen in der Altstadt. Sie wollen weder Zeit noch Geld für Treibstoff verschwenden.

Zur Zeit lassen die Reisebusse Touristen vor dem Kultusministerium aussteigen. Die Betreiber bemängeln, dass der Fussgängerweg zu klein und schmal wäre, während fast die Hälfte der Strasse vom neuen Fahrradweg belegt sei. All das mache den Besuch des Königspalastes für grosse Gruppen von Touristen unbequem.


Aus dem Bus und auf den kurzem Weg zum Grand Palace.
Befürworter meinen, die öffentlich Bushaltestelle aufzuheben gäbe mehr Raum und bessere Sicherheit für die täglich 8’000 und 25’000 Besucher des Palastes. 

Aber niemand kümmert sich um die Tausenden von Einheimischen, die täglich die öffentliche Bushaltestelle benutzen. Noch nie hat jemand dort den Strom an Pendlern gemessen - wahrscheinlich sind es mehr als Touristen - welche die Haltestelle als Umsteigeort auf ihrem Arbeitsweg benutzen.

Eine neue Haltestelle an einem anderen Ort darf auf Pendler, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, keine negativen Auswirkungen haben. Sie muss an einem ebenso zentralen Ort sein. Dazu sollte die gesamte historische Altstadt verkehrsberuhigt werden, verboten für Touristenbusse und Privatfahrzeuge.

An Sehenswürdigkeiten anderswo in der Welt dürfen Reisebusse nicht unmittelbar vor dem Eingang parken. Wenn Touristen den Grand Palace und den Emerald Buddha besuchen wollen, sollen sie gehen. Wie in jedem anderen Land: von einem Parkplatz durch eine verkehrsfreie Zone. Der Besuch ist mehr als nur die Mühe wert. 

Von Sirinaya Wattanasukchai in der Bangkok Post

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