Sonntag, 6. September 2015

Keine Schwindeleien heute, danke.

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Ob man’s glaubt oder nicht, heute Sonntag wird in Thailand der Anti-Korruptionstag gefeiert. Aber das ist nicht alles. Damit der Tag in Würde begangen werden kann, ruft die Regierung das Nationale Museum der politischen Korruption ins Leben. Sogar für Amazing Thailand ziemlich erstaunlich. Es soll das erste seiner Art weltweit sein. Und man ahnt, dass es auch das letzte sein wird.

Am 6. September wird in Thailand der Anti-Korruptionstag begangen. 
Gemäss Pramon Suthiwong, dem Vorsitzenden der Anti-Korruptionsbehörde Thailand’s, wird das Museum zehn der prominentesten Fälle der letzten Jahre zeigen, einschliesslich der Subventionierung von Reis, der Farce um das Bangkok Film Festival und die Futsal Spielfelder, die bald nach Installation zerbröckelten. Sogar der Skandal um Longan, die leckeren Thai Früchte, soll mit dabei sein.

Da allerdings manche dieser Gerichtsfälle noch auf ein endgültiges Verdikt warten, wäre es für das Museum ein wenig voreilig, einige der Involvierten als Bud Guys - oder Girls - zu bezeichnen. Oder werden deren Gesichter verpixelt?

Aber auch von Interesse sind die bekannten Korruptionsfälle, die nicht dabei sind. Irgendwie wie die jährliche Liste der Top-Steuerzahler - die fehlenden Namen interessieren am meisten.

Wer mehr über das einzigartige Museum wissen will: von 7.30 bis 16 Uhr gibt’s heute im 22. Stock des Centara Grand Hotels, gleich über Einkaufszentrum Central World an der Ratchprasong, das grosse Anti-Korruptionstreffen.

Ist nichts heilig?

Korruptionsskandale sind selbstverständlich nichts Neues. Als ich vor vielen Jahren erstmals nach Thailand kam, war der Skandal um die schwarzen Linsen das Gesprächsthema an sich. Ich wusste damals nicht mal, was schwarze Linsen sind. Und wenn ich so daran denke, weiss ich es noch immer nicht.

Es wäre schön, eine Woche zu erleben, in der Medien nicht über Veruntreuung von Geldern berichten müssten. Aber beinahe täglich wird man zur Frühstückszeit mit Doppelzüngigkeit, Falschheit, Unterschlagung, Betrug und anderen Schwindeleien belästigt. Nichts ist heilig - weder Sicherheitsausrüstung an Flughäfen, Schulmilch, Löschfahrzeuge der Feuerwehr, Wälder, Kindergarten Spielzeug, illegale Zwiebeln, Parlamentsuhren und sogar die Müllentsorgung. Fast, als wäre es Nationalsport.

Keine roten Gesichter

Eines der ersten Dinge, die jede neue thailändische Regierung bekannt gibt ist ihr Kampf gegen Korruption. Dabei erscheint dieses trendige Wort Transparenz in jedem zweiten Satz. Im besten Fall wird das mit unterdrücktem Gähnen begrüsst. Wenn ein Fall von Korruption tatsächlich untersucht wird, endet er oft in der langen Warteschlange des Ministeriums für Dinge, die unter den Teppich gekehrt werden. Dank kollektiver Amnesie werden nur wenige Täter in die Mangel genommen. Im schlimmsten Fall droht die Versetzung auf einen inaktiven Posten.

Bestechung und Korruption gibt es in der ganzen Welt schon seit Jahrhunderten. Einer der bekannteren Fälle betraf den englischen Staatsmann Francis Bacon. Er war Anfang des 17. Jahrhunderts für die finanziellen Angelegenheiten des Landes verantwortlich. Bacon wurde wegen Annahme von Bestechungsgeldern verurteilt und musste vier Tage im gefürchteten Tower von London verbringen.

Der Schriftsteller Edmund Clerihew Bentley beschrieb Bacons Verhalten beim Verhör eloquent:

„Als ihre Lordschaften Bacon fragten, wie viel Schmiergeld er angenommen habe, hatte er wenigstens die Gnade im Gesicht rot zu werden.“

Leider wird in Thailand niemand rot.. es sei denn von zu viel bernsteinfarbener Flüssigkeit.

Geschmackvolles Gebäck

Einer der faszinierendsten Bestechungsversuche in Bangkok wurde vor sieben Jahren als „Pastrygate“ bekannt. Es ging um eine unschuldige Pastry Lunchbox für einen Richter, der einem wichtigen Fall vorsass. Als die Box von einem Beamten des Gerichts inspiziert wurde, waren darin unter abgestandenem Kleingebäck zwei Millionen Baht in Banknoten versteckt.

Der Bote des Gebäcks war Angestellter des Anwalts, der eine angeklagte, einflussreiche Figur vertrat. Er erklärte, es wäre nichts anderes als ein ehrlicher Fehler und behauptete, dass versehentlich zwei Lunchboxen verwechselt wurden. Eine vernünftige Erklärung, obwohl es noch immer unklar war, weshalb eine zwei Millionen Baht enthielt. Vielleicht wollte er einkaufen gehen.. wo doch alles so teuer ist.

Wie auch immer, das Gericht war von der Geschichte nicht vollständig überzeugt. Er wie auch zwei weitere Vertreter des Angeklagten wurden zu sechs Monaten Knast verurteilt. Wow!

Sonderverfahren

Es ist keine Überraschung, dass die Bauern im Isan oft auf der falschen Seite der Korruptionskette stehen. Anfang der 2000er erfuhren wir vom grossen Kompost Skandal, welcher im Ministerium für Dünger einen erheblichen Gestank hinterliess.

Es schien, dass der an die Bauern gelieferte Kompost nicht wirklich Kompost war, sondern drittklassige Erde vermischt mit Teilen von Zuckerrohr.

Kurz darauf gelangte eine grosse Anzahl Kühe, gedacht für die armen Isan Bauern, nicht bis zu ihrer Destination.

Die prachtvoll formulierte offizielle Erklärung lautete, dass die Kühe über eine Sonderverfahren verteilt werden. Sie haben sicher eine ungefähre Vorstellung davon, was das bedeutet.

Die Verteilung der Kühe war zu 99% problematisch. Um es von der positiven Seite her zu betrachten, 1% war es nicht. Vielleicht gibt es trotzdem noch Hoffnung.

Von Roger Crutchley in der Bangkok Post

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