Donnerstag, 3. September 2015

Guter Polizist, hier ist deine Belohnung

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Jedes Mal wenn die Polizei bei einer Razzia massenhaft Amphetamine von Drogenhändlern beschlagnahmt, frage ich mich selbst: sind die Pillen - fein säuberlich in schwarze Müllsäcke verpackt - wirklich Amphetamine oder könnten es auch Schmerzmittel sein? Und warum muss die Polizei sie zeigen? 


Polizeichef verteilt öffentlich 3 Millionen Baht für die Verhaftung des noch nicht der Tat überführten Verdächtigen.  
Aber als ich den nationalen Polizeichef Somyot Poompunmuang Banknoten im Wert von drei Millionen Baht zur Schau stellen sah - seine „Belohnung“ für die Polizisten, welche den Verdächtigen des Erawan Anschlages festgenommen hatten - gingen mir andere Fragen durch den Kopf.

Weshalb beeilt sich die Polizei sich selbst zu belohnen? Der Verdächtige hat weder gestanden noch wurde er verurteilt.

Auch wenn er, jetzt in Polizeigewahrsam (und niemand weiss, ob er einen Anwalt hat), Dutzende von gefälschten Pässen besitzt, von denen ihn einer als türkischer Staatsangehöriger ausweist, bleibt er unschuldig bis ein Gericht ihn schuldig spricht.

Polizei General Somyot sagte über die drei Millionen Baht, dass er eine aus seinem Geldbeutel komme und die übrigen von „Geschäftsfreunden“ gespendet wurden. Der Polizeichef, bekanntermassen wohlhabend, offerierte das Kopfgeld nachdem nur wenige Fortschritte in den Ermittlungen des Anschlags vom 17. August gemacht wurden.

Nicht überraschend löste die Belohnung für Polizisten einen öffentlichen Aufschrei aus.

Seit wann muss die Polizei belohnt werden, wenn sie ihre Arbeit gemäss Stellenbeschreibung ausführt, für die sie mit unserem Steuergeld bezahlt wird? Sind Polizisten als Staatsbeamte nicht verpflichtet, Gesetze durchzusetzen, Täter zu verhaften, Eigentum zu schützen und die soziale Ordnung aufrecht zu halten?

Einen Moment.. hatte ich diese Art von Belohnung - oder Anreiz - nicht schon mal gesehen?

Ich bin sicher, dass die meisten Auto- und Motorradfahrer in Thailand mit dem „Anreiz“ vertraut sind, den die Polizei zur Leistungssteigerung unter sich selbst verteilt. Es ist die Art Anreiz, den sie auf täglicher Basis erhält.

Ich spreche von Verkehrsbussen. Im derzeit gültigen System wird ein Teil der Busse unter den beteiligten Polizisten geteilt.

Ich wundere mich - mit wahrscheinlich Millionen anderen in diesem Land - was die Verkehrspolizei wirklich antreibt: geht es darum, den Verkehr zu regeln oder von Bussen zu profitieren? Wie auch immer, es ist kaum zu glauben, dass strenge Kontrollen zu besserem oder sicherem Fahren führen. Schauen sie sich nur um. Es gibt so viele gefährliche Verkehrsteilnehmer da draussen, die keinen Gedanken daran verschwenden Verkehrsregeln zu beachten.

Abgesehen davon ist es ein offenes Geheimnis, dass, statt nur einen Teil der Busse zu erhalten, manche Beamte einen Deal mit den Verkehrssündern eingehen und das Geld in die eigene Tasche stecken. Eine Win-Win Situation.

Wie „Sündenböcke“ bei Ermittlungen nicht unüblich sind. Ich beginne mich zu fragen, ob es bestimmte Zeiten gibt, in denen Polizeibeamte eine Art von Belohnung für nicht korrekt ausgeführte Arbeit erhalten.

Was, wenn jeder eine Belohnung für seine Arbeit will? Wenn die Feuerwehr nicht löscht, bevor sie einen Anreiz erhält? Ein Arzt nicht operiert? Ein Lehrer nicht unterrichtet oder ein Journalist nicht objektiv berichtet? 

Zurück zu den drei Millionen Belohnung. Ich erinnere mich, dass General Somyot eine Woche nach dem Anschlag die Öffentlichkeit um Verständnis für die langsame Untersuchung gebeten hatte. Er argumentierte mit fehlender Spitzentechnologie (wie in Hollywood Filmen und US-Serien) und daraus resultierenden Schwierigkeiten für die Beamten.

Die fette Belohnung lässt uns fragen, ob Polizisten in für sie unbedeutenden Fällen entschlossen ermitteln - in Fällen, in denen es kein zusätzliches Geld zu verdienen gibt.

Aber wenn die Polizei auf die hohe Belohnung in diesem Fall besteht, gibt es die Frage, wer, abgesehen von den involvierten Beamten, einen Anteil erhalten soll.

Zum Beispiel die National Broadcasting and Telecommunication Commission, die Zehntausende von Telefonsignalen rund um den Erawan Schrein untersuchte. Diese Beamte verdienen Respekt und einen Anteil der Belohnung.

Eine Option könnte auch sein, das Geld zur Erleichterung der Polizeiarbeit für bessere Ausrüstung und Geräte einzusetzen. Das wäre zumindest deutlich politisch korrekter.

Ohne Änderung des auf Anreizen basierenden Systems haben wir allen Grund zur Sorge. Was, wenn es den Punkt erreicht, an dem die Polizei ohne Aussicht auf zusätzliche Belohnung nichts mehr tut?

Von Sirinya Wattanasukchai in der Bangkok Post

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