Mittwoch, 9. September 2015

Effiziente industrielle Landwirtschaftsarbeiter

1 Kommentar :
Wenn Sie das nächste Mal beim Kochen Kokosmilch verwenden, schauen Sie sich die Verpackung an. Stammt sie aus Thailand, wurden die Nüsse wahrscheinlich von Affen gepflückt, südlichen Schweinsaffen. In der Provinz Prachuap Khiri Khan, Thailand’s grösstem Anbaugebiet von Kokospalmen, arbeiten sie an sechs Tagen die Woche jeweils acht Stunden - wie es das thailändische Arbeitsgesetz auch für Menschen als Höchstarbeitszeit vorgibt.

Noi Petchapradap bei der Ausbildung eines jungen Schweinsaffen.
Noi Petchpradab ruft kurz: „Aow“, als die Kokosnuss auf dem Boden fällt. Das Signal für den Affen, zur nächsten zu gehen. Noi aus Bang Saphan bildet seit Jahrzehnten Affen als Erntehelfer aus. Wenn alle Nüsse eines Baumes unten sind, zieht er am Seil, welches am Hals des Tieres festgemacht ist. Das Zeichen runter zu klettern.

„Ich wundere mich noch immer: wer war nur der Erste, der die Idee hatte, Affen könnten trainiert werden“, sagt Noi. „ Ein Mensch ist schon nach ein, zwei Mal hochklettern am Ende seiner Kräfte. Aber Affen können es den ganzen Tag.“

Das Ernten von Kokosnüssen bringt pro Tag bis zu 1’000 Baht, aber die Ausbildner richten ihr Geschäft immer mehr auf den Tourismus aus. Dressierte Affen in Tiershows bringen 100 mal mehr.

Die Einheimischen behaupten, die Makaken hätten ihren menschlichen Freunden seit mehr als hundert Jahren bei der Ernte geholfen und betrachten es als Teil der Kultur Thailands. Experten aber fragen, ob der Arbeitseinsatz, wie auch die Verwendung von Tieren zu Unterhaltungszwecken, nicht gegen das neue Tierschutzgesetz verstosse.

Lebende Maschinen

Noi’s Affen arbeiten von acht bis fünf, machen nur mittags eine Pause, wie auch an Regen- und Sonntagen. Wenn sie nicht arbeiten, sind sie an Baumstümpfe gekettet. Noi sagt, weil sie aggressiv sind. Sie erhalten drei Mahlzeiten pro Tag, meist Reis gemischt mit Soyamilch.

Die Ausbildung beginnt mit ein oder zwei Jahren. Sie lernen Kokosnüsse zu drehen bis abfallen - mit Nüssen, die mit Plastikschnüren an Stecken angebundenen sind. Sie Nutzen dabei beide Füsse und eine Hand.

„Potentielle Käufer ziehen Makaken, die sowohl Hände als auch Füsse benutzen vor. Diejenigen, die nur die Hände einsetzen geben keinen guten Preis.“ Ein gut trainierter Affe kostet bis zu 70’000 Baht.
Noi sagt, manche könnten schon nach einem Monat Ausbildung für die Ernte eingesetzt werden. Während des Trainings werden ihnen Maulkörbe angelegt. „Sie beissen nicht wie Hunde. Sie reissen dir die Adern auseinander.“

Weil sie so ausdauernd sind, holen sie pro Tag 600 bis 1’000 Nüssen von den Palmen. Ein Mensch schafft 100 bis 200. Aber Noi gibt zu, dass sie manchmal aus Erschöpfung in Ohnmacht fallen.

Ausser in Prachuap Khiri Khan gibt es in den weiter südlich gelegenen Provinzen Chumphon und Surat Thani noch Trainingscenter für Affen. Auf der Webseite eines der Center werden sie als „effiziente industrielle Landwirtschaftsarbeiter“ angepriesen, die Einkommensquelle sowohl für Bauern und Affenbesitzer sind.

Effizienter industrieller Landwirtschaftsmitarbeiter oder einfach nur Tierquälerei?
Ausserdem steht geschrieben, das Schweinsaffen günstiger und sicherer als menschliche Arbeitskräfte sind. „Sie sind stark, lieben Klettern, haben keine Höhenangst, beklagen sich nicht, wollen nicht mehr Lohn und sind nicht korrupt. Sie brauchen weder soziale Sicherheit noch Unfallversicherung. Affen sind lebende Maschinen, sehr wertvoll für Bauern.“

Monkey Business

Als Noi vor 38 Jahren begann Affen auszubilden, war er in Bang Saphan einer der ersten. Jetzt haben Hunderte von Bauern eigene Affen, wenn auch nicht alle sie selbst trainieren. Er selbst setzt vier Tiere für seine 14 Rai grosse Plantage ein, vermietet sie aber auch anderen Bauern. Zusätzlich bietet er Schulungen für Leute an, die einen nicht ausgebildeten Affen besitzen.

Er hat gut ein Dutzend Stammkunden von denen einige grosse Plantagen besitzen, die pro Ernte 7’000-8’000 Kokosnüsse abwerfen, bei anderen sind es 500 bis 3’000.

In der Provinz Prachuap Khiri Khan werden gemäss Office of Agricultural Economics auf 410’000 Rai Kokospalmen angebaut, letztes Jahr 293’022 Tonnen Kokosnüsse geerntet. Nahezu doppelt soviel wie in Chumphon. Diese beiden Provinzen, gemeinsam mit Surat Thani vereinen 62% aller Kokospalmen Thailands.

Produkte aus Kokosnüssen sind eine wichtigste Zutat in vielen thailändischen Gerichten, ein Grossteil der in Prachuap Khiri Khan geernteten Nüsse wird von grossen Konservenfabriken verarbeitet.

In der Hochsaison kann der Preis pro Nuss bis auf 20 Baht klettern. Dann kann Noi kann alleine durch das Vermieten seiner Affen 1’000 Baht pro Tag einnehmen. Aber beim aktuellen Preis von nur 7 Baht liegt der Verdienst deutlich tiefer.

Erlebe die Show

Sam, ein 15-jähriger Schweinsaffe ist einer der Stars der Affenshow in Chiang Mai’s Mae Rim Bezirk. Anders als die Erntehelfer ist er fetter und nicht aggressiv. Obwohl auch er immer an einer Leine gehalten werden muss.

In Mae Rim gibt es zwei Orte, die sich als Affenschulen ausgeben, tatsächlich aber Zirkus ähnliche Vorführungen gegeben werden. Besucher bezahlen 200 Baht um den Tieren unter anderem beim Fahrrad fahren, Basketball spielen, Nüsse auflesen, Knoten lösen zuzusehen.

„Die nächste Nummer zeigt ihr erstaunliches Gedächtnis. Sagen Sie eine Zahl und der Affe wird sie ihnen zeigen“, lautet die Ansage in Englisch.

Prasit Cheundang ist der Besitzer. Er sagt, es dauere Jahre bis die Affen soweit sind Shows vorzuführen. „Manche können trainiert werden, aber vor grossen Publikum scheuen sie das Gelernte zu zeigen.“ Von seinen 30 Affen kann er nur noch 8 für die Shows einsetzen. Die anderen sind mit einem durchschnittlichen Alter von 20 im „Ruhestand“.

Der 61-jährige stammt aus Chumphon und begann seine Karriere als Affentrainer mit 14. Damals bildete er die Tiere nicht nur aus, er vermietete sie für 25 Satang pro Kokosnuss auch als Erntehelfer. Später zog er nach Phuket und bildete auch dort Affen aus. Vor 14 Jahren kam er in der Hoffnung auf grösseren Verdienst nach Chiang Mai. Jetzt macht er pro Monat bis zu 100’000 Baht.

An einem guten Tag müssen seine Affen zehn Vorführungen vor bis zu 200 Zuschauern bestreiten. Jede Show dauert 30 Minuten. Besucher kommen aus Ländern wie China, Frankreich, VAE, Bahrein und Israel. Inzwischen spricht Prasit auch Chinesisch und Hebräisch.

„Weil ich als Junge nicht lange zur Schule gehen konnte mag ich diese Herausforderung“, sagt er, während er auf die nächste Touristengruppe wartet. „Mit zehn musste ich den Eltern helfen. Mein einziges Wissen ist das über Affen.“ Er gibt zu, dass Touristen manchmal Ärger über die Behandlung der Affen ausdrücken, aber er sei kein Tierquäler. „Einige von ihnen wären im Dschungel schon gestorben.“

Weggebracht

Dass die meisten der als Erntehelfer eingesetzten Affen im Dschungel gefangen statt gezüchtet werden zeigt die Lücken des Tiergesetzes auf.

Während Noi einräumt, seine Schweinsaffen von Wilderern in Chumphon zu kaufen, verneint er, dass deren Mütter zuvor getötet würden. Statt dessen werde ein Köder verwendet, der sie in einen Käfig lockt. Anschliessend würden sie nach Alter und Geschlecht getrennt. Weibchen werden nicht verwendet, weil das zu einem Tumult unter den Männchen führen würde.

Schweinsaffen sind gemäss dem Wild Animal Reservation and Protection Act von 1992 geschützt und dürfen nicht gefangen werden.

Gemäss Thiradej Palasuwan, Leiter der Wildlife Protection Division des Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation, DNP, sind Schweinsaffen eine von 61 Tierarten, die gezüchtet werden dürfen. Sie dürfen nur von beim Department registrierten Farmen verkauft werden.

Stellt der Züchter ein Dokument aus, dass den Affen als von seiner Farm ausweist, zeigt der Käufer dieses dem DNP, welches das neue Zuhause des Tieres auf Eignung prüft und anschliessend eine Lizenz ausstellt. Seit das Gesetz 1992 in Kraft trat, hat die Regierung zweimal, 1992 und 2003, solche Lizenzen ausgestellt. Unabhängig davon, woher die Tieren kamen.

Tierschützer sagen, die Besitzer von Affen würden das Gesetz umgehen, indem sie die Lizenz für ein Tier für mehrere verwenden. „Sie haben gemäss Lizenzen 15 Affen, effektiv aber 15 bis 20 mehr“, sagt Edwin Wiek, Gründer und Direktor der Wildlife Friends Foundation of Thailand. „Wenn die Behörden das Gesetz gemäss Gesetzestext durchsetzen würden, könnte die Haltung für die Besitzer eine Belastung werden. Um Affen kümmert sich niemand wirklich. Aber sobald es um Tiger, Bären oder Elefanten geht, schreien alle.“

Wiek sagt, Schweinsaffen hätten eine Lebenserwartung von rund 35 Jahren. Die Babys ernähren sich bis sie 18 Monate alt sind von Muttermilch, werden zwei bis drei Jahre von ihrer Mutter aufgezogen.

Die Foundation sorgt für 40 Affen, die von ihrer Besitzern abgeben wurden. Sie waren zu alt, um noch täglich acht Stunden auf Bäume zu klettern.

„Wenn es um Tierquälerei geht“, sagt Thiradej, „auch wenn die Leute keine Lizenz zur Haltung von Affen besitzen, müssen sie sich gut um sie kümmern und dürfen sie nicht missbrauchen.“

Nicht wirklich Kultur

Tiere zur Arbeit und Unterhaltung einsetzen ist gemäss dem im letzten Dezember in Kraft getretenen Act for Cruelty Prevention and Welfare of Animal nicht illegal.

Das Gesetz verbietet jedoch Grausamkeit gegen Tiere. Grausamkeit ist im grossen und ganzen als Handlung definiert, die ein Tier körperlich oder geistig leiden lässt. Dazu gehören Arbeitsüberlastung oder Zwang zur Arbeit wenn es krank, zu alt oder zu jung ist. Die Höchststrafe beträgt zwei Jahre Gefängnis und/oder maximal 40’000 Baht Geldstrafe.

Das Department of Livestock Development arbeitet einem Entwurf eines weiteren Gesetzes, welches spezifische Richtlinien über das Wohlergehen von Tieren enthält. Es enthält Vorschriften bei Affen, die als Erntehelfer eingesetzt werden, beispielsweise Altersrichtlinien und Ausbildungsrestriktionen und soll nächstes Jahr in Kraft treten.

Chaichan Laohsiripanya, Generalsekretär der Thai Society for the Prevention of Cruelty to Animals sagt, der Arbeitseinsatz von Tieren sei akzeptabel so lange die Tiere menschlich behandelt werden.

„Wenn beispielsweise jemand vor Gericht beweisst, dass sein Tier acht oder neun Stunden pro Tag ohne Unterbruch arbeiten kann, wird das ein Problem. Affen können nicht sprechen.“

Jene, die Affen als Kokosnuss Pflücker einsetzen sprechen von mehr als 100-jähriger Kultur.

Wiek schätzt, dass es auf Ko Samui, Phuket, in Chiang Mai und Pattaya mindestens 20 illegale Mini-Zoos unter dem Deckmantel Affen Trainingszenter gibt.

„Viele der Ausbildungszentren behaupten es sei Kultur. Aber da die meisten der Affen für Touristen Shows eingesetzt werden, kann man nicht wirklich von Kultur sprechen. Das Elefanten und Affen Geschäft hat sich von westlichen Touristen zu Besuchern aus Russland, China und Indien zugewandt. Diese haben andere Ansichten zum Wohlergehen von Tieren, manchmal auch gar keine.

Ashley Fruno, eine leitende Aktivistin von Peta Asien verurteilt beide Praktiken als unethische Handlungen, welche Touristen vertreibe. „Die Öffentlichkeit ist ausser sich, dass die Affen von ihrer Familie entrissen wurden, konstant angekettet werden und ihr Leben als Kokosnuss Pflücker verbringen müssen.“

Junger Schweinsaffe, frsich von der Schule: auf ihn wartet ein hartes Leben an der Leine.
Sie sagt weiter, dass Ausbilder stete Bedrohung körperlicher Bestrafung nutzen, um die Affen zu Kunststücken zu zwingen. „Affen steigen nicht freiwillig auf ein Fahrrad und laufen nicht auf Drahtseilen. Sie machen es nicht, weil sie wollen, sondern weil sie Angst vor Bestrafung haben.“

An einem der letzten Sonntage machte Noi für einmal frei und ging an einen Boxkampf. Manchmal aber bringen Reiseleiter Touristengruppen, welche ihm beim Training der Affen zusehen wollen.

„Du kannst diesen Beruf nicht ausüben, wenn du ihn nicht liebst. Wie Leute, die Kampfhähne und Fische züchten. Diese Affen sind die klügsten Tier auf der Erde. Ich glaube, dass sie sich in der Zukunft zu Menschen entwickeln werden.“

Quelle: Bangkok Post

1 Kommentar :

  1. Solche Affen die Menschheit... hoffentlich werden diese Menschen im nächsten Leben auch so angekettet und geschlagen... Die Affen haben keinem was getan!!! Unmenschliche Frechheit!

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