Samstag, 12. September 2015

Die Frustration brodelt

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Die Ablehnung des Verfassungsentwurfs hat unter politischen Experten, Akademikern und Journalisten grossen Aufruhr verursacht. Für das normale Volk ausserhalb der Hauptstadt ist es nur eine weitere Episode von Lakhon Nam Nao - hirnloser Seifenoper. Menschen an der Basis finden sie nicht besonders lustig. Sie konnten sich mit nichts im Drehbuch identifizieren und die Story selbst weder ihre Fantasie beflügeln noch ihre Aufmerksamkeit wecken.


Protest von Bewohnern gegen von der Regierung geplantes Kohlekraftwerk auf Krabi. 
Kein Wunder, hatten sie doch nichts zu tun mit der Entstehung des sogenannten höchsten Gesetzes des Landes. Auch der Entwurf selbst hatte nichts mit ihnen zu tun. Auch wenn die Verfasser behaupteten, während des Schreibens an sie gedacht zu haben.

Die Übung zielte vom Start weg darauf Machtstrukturen zu basteln, die nach Wahlen die staatliche Maschinerie kontrollieren können. Das Wohl der Wähler, besonders derer in den unteren Schichten der Gesellschaft, wurde fast vergessen. Falls es überhaupt in Erwägung gezogen wurde.

Die Menschen auf dem Land haben weltlichere und unmittelbarere Sorgen, als sich darüber Gedanken zu machen, wie viele Mitglieder das Parlament braucht oder wie der Senat zusammengesetzt sein soll.

Sie sorgen sich, dass auf ihrem Land von der schwersten Dürre seit Menschengedenken nichts wächst.

Sie sorgen sich, dass jemand einen Landtitel vorweist, von dem sie nichts wussten und ihnen ihr Land streitig macht.

Sie sorgen sich über staatliche Vorwürfe Land zu besetzen, welches der Öffentlichkeit gehören soll, sie aber seit Generationen bearbeiten.

Sie sorgen sich über Bergbau und Ölbohrungen, die ihr Land, ihr Leben, ihren Lebensunterhalt und die Umwelt in Gefahr bringen.

Sie sorgen sich, dass die Preise für ihre Produkte bodenlos sinken, während für sie lebenswichtige Güter immer teurer werden.

Sie sorgen sich über massive Entwicklungsprojekte, die ihr Leben stören, ihre Gesundheit bedrohen, ihre Lebensgrundlage zerstören und die Umwelt vergiften.

Und alle ihre Sorgen werden in den Korridoren der Macht nicht gehört. Nicht, dass sie es nicht versucht hätten. Aber jedes Mal ging die Staatsmacht, gesichert vom Militär, rigoros gegen sie vor.

Sie fühlen sich ihrer Rechte entledigt und sind Fremde im eigenen Land geworden. Das Militärregime mag der Nation sagen, dass es hart an der Entwicklung der Wirtschaft und der Verbesserung des Wohlergehens seiner Bürger arbeite.

Zum Beispiel wurden der Preis der Lotterielose gesenkt, Strände gereinigt, hart gegen Resorts auf öffentlichem Grund vorgegangen, einige schwindelnde und korrupte Beamte verhaftet und am langwierigen Problem der illegalen Fischerei gearbeitet.

Aber hinter diesen leuchtenden Leistungen gibt es eine Politik, die wichtigen Industrien auf Kosten von Menschen und Umwelt begünstigen. Bergbauunternehmen haben Lizenzen erhalten, grossflächig nach Erdöl und Erzen, besonders Gold, zu bohren, auch in unberührten Wäldern. Inzwischen haben Bewohner in der Nähe von Abbaustätten ihre Dörfer verlassen. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen durch die Gifte, die im Bergbau verwendet werden. Aber die Regierung kümmert sich kaum darum.

Pläne für Industriegebiete, Sonderwirtschaftszonen, Kraftwerke, Tiefseehäfen wurden initialisiert. Sie treiben den Menschen in den betroffenen Gebieten Angst ins Herzen.

Der Prozess, diese Pläne voranzutreiben wird oft geheim gehalten. Details sind schwer zu erfahren. Leute, die sie in Frage stellen werden nicht mit einbezogen sondern ferngehalten, oft durch den starken Arm des Militärs.

Chainarong Sretthachau, Dozent für Gemeindeentwicklung an der Universität von Maha Sarakham, ist wenig optimistisch, was die zukünftige Ausrichtung der Politik betrifft. Nachdem er für einen Grossteil seines Berufslebens eng mit Basisbewegungen gearbeitet hat, sagt, dass die unteren Schichten der Gesellschaft besonders hart von der Militärherrschaft betroffen sind. Die ungenierte Bereitschaft des Regimes sich auf das Big Business auszurichten bedeute, dass die Menschen verlieren. Welchen Einfluss sie auch immer haben mögen.

Er glaubt, dass der industriell-bürokratische Komplex die Militärherrschaft ausnutzt, schädliche Projekte durchzuboxen. Projekte, die in der Vergangenheit durch öffentliche Opposition gescheitert sind. Je länger das Militär an der Macht sei, desto mehr Zeit gebe es für neue Projekte und desto mehr Menschen würden leiden.

Eine lang dauernde Militärregierung verheisse nichts Gutes für die Stabilität des Landes. Trotz des gegenteiligen Gelübdes des Regimes.

Die Frustration an der Basis brodle, während das Militär einen dichten Deckel darauf setze. Mit der Zeit werde sie überkochen, Leuten Mut geben gegen die Militärherrschaft aufzustehen. Eine Entwicklung, wie sie das Land schon einige Mal erlebt habe.

„Die Geschichte lehrt uns, das Gewalt ausbrechen wird, bevor das Militär zurück tritt“, sagt Chainrong. „Niemand will das. Aber wenn sich das Militär weigert aus der Vergangenheit zu lernen, wird es schwierig werden sie zu vermeiden.“

Von Wasant Techawongtham in der Bangkok Post

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