Sonntag, 13. September 2015

Buddhistische Frauen Mönche im Vormarsch

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Kurz nach Tagesanbruch knien Alte und Junge vor einer in einer safranrot gekleideten Frau, füllen die Schale mit Reis, Currys, Obst und Süssigkeiten. Ein seltener Anblick. Thailand’s höchste buddhistische Autorität sperrt Frauen von einem Leben als Mönch aus. Sie können lediglich weiss verhüllte Nonnen werden, behandelt wie Dienerinnen. Viele glauben, dass Frauen minderwertige Wesen sind, die besser viele gute Taten verrichten, damit sie im nächsten Leben als Mann wiedergeboren werden.

Seltenes Bild in Thailand: einer Novizin werden die Haare geschnitten. 
Doch im Angesicht von reisserischen Skandalen sind weibliche Ordinierte oder Bhikkhunis eine Kraft, die für Reform steht. Nichts anderes als Aktivistinnen in der christlichen Welt auf der Suche nach Gleichberechtigung der Geschlechter, inklusive der Weihe zu Priesterinnen in der katholischen Kirche. Ihre Zahl wächst und es scheint vorwärts zu gehen.

In Thailand leben einige Hundert Bikkhunis. Sie wurden in Sri Lanka ordiniert, dort dürfen Frauen Mönch werden. Sie und ihre buddhistischen Klöster werden in Thailand rechtlich nicht anerkannt, geniessen weder staatliche Förderung noch Unterstützung der gegen 300’000 männlichen Mönche des Landes.

Ein spartanisches Dasein führend halten die Frauen 311 Gebote von Ehelosigkeit und Armut bis zu archaischen wie derjenigen, dass der Verzehr von Knoblauch gebeichtet werden muss, ein. Unter ihnen und denen von Hunderten von Aspirantinnen - es gibt fünf Stufen bis zur Weihe - sind eine ehemalige leitende Angestellte von Google, eine Harvard Absolventin, Ärztinnen und Journalistinnen und ganz gewöhnliche Verkäuferinnen.

„Es ist unser Recht und unser Erbe ein vollständig klösterliches Leben zu führen. Wir sind auf richtigen Seite der Geschichte“, sagt Chatsumarn Kabilsingh. Sie ist Autorin, frühere Universitätsprofessorin und war die erste Bikkhuni des Theravada Buddhismus in Thailand, der buddhistischen Richtung, die in Südostasien und auf Sri Lanka dominiert. Ihre religiöse Bezeichnung ehrwürdige Dhammananda nutzend behauptet sie, dass Buddha seine Lehre vor 2500 Jahren wie einen Stuhl aufgebaut hat - Mönche, Nonnen, männliche und weibliche Laien. „Aber jetzt sitzen wir auf einem dreibeinigen Stuhl.“ 

Dhamananda war die erste Frau Thailand's, die ordiniert wurde.
Die von Männern dominierte Religion wurde in den letzten Jahren durch Verbrechen und schwere Verletzungen des Gelübdes geschwächt. Durch sexuellen Missbrauch, Finanzskandale, genau so wie die katholische Kirche.

Mönche in Thailand wurden für alles Mögliche von Handel mit Wildtieren bis Mord angeklagt. Von sexueller Verdorbenheit wird häufig berichtet. Ein ehemaliger Abt, der immer noch flüchtige Wirkpol Sukphol, ist des Drogenmissbrauchs, Geldwäsche, Kindesmissbrauchs und illegaler Anhäufung von Millionen von Baht angeklagt. Das bekannteste Foto zeigt ihn in seinem Privat mit Ray Ban Sonnenbrille und Prada Tasche.

Der oberste Sangha Rat, der Regierungskörper der Religion, steht unter Beschuss wegen Vertuschung von Korruption prominenter Äbte, darunter auch einem Mitglied des Rates selbst. Die Vorwürfe beinhalten Unterschlagung von Mitteln für die Einäscherung eines verstorbenen Abtes und Investitionen in den Aktienmarkt in der Höhe von 40 Millionen Baht.

Da der Buddhismus so eng mit der thailändischen Identität verknüpft ist haben diese Missstände und das, was als Scheckbuch-Buddhismus bezeichnet wird, Rufe an die Regierung laut werden lassen, die beinahe totale Autorität des Rates über seine Mönche und jährlichen Spenden von mehr als 120 Milliarden Baht zu beschneiden. Vorgeschlagen wurden eine Schirmherrschaft mit harten Strafen für jene, welche die Grundregeln der Religion brechen und ein Panel, der die Verwendung von Spenden überwacht. Korruption innerhalb des Buddhismus könnte sogar in der nächsten Verfassung abgehandelt werden.

Die Rolle der Frauen im Buddhismus hat auch eine nationale Debatte ausgelöst. Der Sangha Rat hat die Regierung aufgefordert ein Einreiseverbot für Mönche aus Sri Lanka zu verhängen. Er war entrüstet über die, wie Dhammananda sie bezeichnet, Rebellions-Weihe von acht Frauen durch Mönche aus dem ehemaligen Ceylon.

„Der Klerus kann nicht länger auf einem geschlossenen, feudalen System beharren, dass universelle Normen und Werte verletzt“, schrieb Sanitsuda Ekachai in der Bangkok Post. Statt die Bestrebungen von Frauen zu vernichten sollten die Geistlichen ihr eigenes Haus sauber machen und sich darauf konzentrieren, den Glauben der Öffentlichkeit wiederherzustellen. 

Keine Skandale gab es unter Thailand’s weiblichem Klerus. Dhammanada sagt, es gebe kein Fehlverhalten ausser dem von ein paar wenigen Nonnen, die ihre Mobiltelefone zu häufig benutzten. 

„Ich glaube, viele Nonnen sehen sich selbst als Beispiel. Sie arbeiten an einer neuen Rolle, die zuvor nicht existierte“, sagt Juliane Schober, Expertin für südostasiatischen Buddhismus an der Arizona State Universität. „Dass Druck auf den Sangha Rat entsteht überrascht mich nicht.“

Der in drei Klöstern befragte Frauen Klerus sagte, dass es ausserordentlich wichtig sei, hohe moralische Integrität zu bezeugen um Gegnern keine Vorwände zu liefern. Manche sehen sie als westlich erzogene Feministinnen die den traditionellen Buddhismus unterminieren wollen.

„Sie können die Kraft für einen Wandel im Buddhismus sein“, bestätigt Phramaha Boonchuay Doojai, ein Führer der Aktivisten Mönche im Buddhist College von Chiang Mai. „Wenn alle Macht in den Händen von Männern liegt, ist es als Buddha nur ein Vater, keine Mutter sei. Aber es braucht beides. Mütter haben einzigartige Gefühle, welche Männern nicht eigen sind. Sie haben mehr Güte.“

Befürworter von weiblicher Ordination wie Boonchuay sagen, Bikkhunis gründen sich auf Buddha selbst. Die erste war die Tante, die ihn aufzog. Gegner argumentieren, dass die Linie von Theravada Bikkhuni vor langer Zeit ausstarb und nicht wiederhergestellt werden könne. Der Mahayana Buddhismus Ostasiens weiht Frauen schon immer. 

„Wir folgen nur den Regeln. Die Ordination von Frauen war zur Zeit als Buddha lebte erlaubt. Aber irgendwann später verschwand die Line von Bikkhuni“, sagt Phra Tepvisutthikawee vom Buddhism Protection Center.

Aber trotz der konservativen Opposition sind Bikkhunis in der Öffentlichkeit im Vormarsch. „Es ist nun eine Bewegung. Als ich mit mir selbst darum rang war ich nur eine verrückte Frau, die Mönch werden wollte“, sagt Dhammananda. Sie wurde 2003 geweiht. „Heute fühlen sich die Leute nicht befremdet, wenn sie einen weiblichen Mönch sehen. Wir haben keine Probleme mit den Menschen, mit der Gesellschaft.“

Abgesehen von spirituellen Bestrebungen besuchen die 15 Frauen ihres Songdhammakalyani Klosters in Nakhom Pathom Gefangene, helfen Armen und pflegen Verbindungen mit den umliegenden Gemeinden. Sie machen früh morgens ihre Almosenrunden, die zeitlose Tradition der Speiseopfer von Gläubigen, die zum Dank gesegnet werden.

Im Norden Thailand’s, im Schatten des höchsten Bergs des Landes, strömen regelmässig Beamte, Geschäftsleute und einfache Dorfbewohner in ein idyllisches Kloster um die Reden der ehrwürdigen Nandanyani zu hören, einer Bikkhuni und früheren Mathematikerin. Familien besuchen am Wochenende religiöse Camps auf dem Areal des Klosters. Bikkhunis lernen Gruppen von Männern und Frauen in den langsamen Bewegungen der gehenden Meditation.

Unter eine Buddha Statue sitzend erklärt die Äbtin energisch, weshalb die Weihe von Frauen von entscheidender Bedeutung ist, unterstreicht ihre Worte mit Daumen-hoch Bewegungen. Es ermögliche den Menschen Buddhismus in der Tiefe zu ergründen und ein wirklich klösterliches Leben zu führen. Auch würde die Kommunikation zwischen weiblichem Mönch und weiblicher Laie nicht behindert von geschlechtlichen Barrieren und dem traditionellen Verhalten von Frauen und Mönchen.

„Wir müssen Geduld haben. Langsam aber sicher geht es voran.“

Quelle: Chiang Rai Times

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