Samstag, 19. September 2015

Bist du Thai?

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Am Dienstag Abend sah ich im Fernsehen wie Premierminister Prayut Chan-o-cha ein paar Seitenhiebe auf Politiker und Medien austeilte. Angeblich hatten sie es versäumt ihren Job zu erfüllen und das Land beschädigt. Seine Kommentare folgen auf ein düsteres Wochenende mit militärischer Vorladungen und Inhaftierungen von Kritikern, ehemaligen Regierungsmitgliedern und Journalisten. Mit müden Augen hielt ich durch bis ein Satz mich vom Sofa springen liess.

traditionelle Thai Kleidung

Es war eine Frage, gerichtet an Sunai Phasuk von Human Rights Watch, welcher sich gegen die Anwendung von Artikel 44 zur willkürlichen Verhaftung von Regimekritikern geäussert hatte. „Wurde er als Thai geboren?“, fragte Prayut.

Während der Kommentar sich so natürlich in die empörte Rede des Premierministers einfügt, sind Bemerkungen wie diese nicht nur fremdenfeindlich sondern auch gefährlich. Menschen mit anderen Ansichten „Nicht-Thai“ zu nennen heisst auch ihre Stimmen abzuweisen und widerspricht jedem Schritt der Regierung, wie sie es behauptet, das Land Richtung Demokratie zu führen. Das Mantra der Militärführung lautet „Versöhnung“, aber solche Kommentare rühren nur Konflikte an.

Als Binationale trifft mich der Spott „Bist du Thai?“ hart. Manche meiner Meinungsäusserungen in der Vergangenheit, welche nicht mit den traditionellen Thai Werten einher gingen, wurden mit ähnlichen Reaktionen entgegnet, bezogen sich auf meine Fremdartigkeit. Ich fand dies nicht fair und verletzend.

Statt meiner Meinung vernünftig zu entgegnen zielten sie darauf ab mich zu entfremden, mich von Zugehörigkeit und Legitimität zur Meinungsäusserung zu entledigen. Ich fühlte mich noch trauriger als ich den mächtigsten Mann des Landes seinen Finger auf Sunai zeigen sah, dessen Name thailändischer ist als ich es mir selbst nur wünschen kann, ihn auffordernd seine Loyalität zur Nation zu beweisen in dem er sich anpasst.

General Prayut’s Angriffe auf Ausländer sind in unserer Gesellschaft nichts Aussergewöhnliches. Diese Ansichten werden weithin geteilt und sind im Thai Mainstream tief verwurzelt. Sie werden angeheizt durch die Fabel von „Thainess“, einer homogenen und gehorsamen Gesellschaft. Andersdenkende werden als Aussenseiter ausgestossen.

Dennoch, jemanden vor allen zu pflücken und ihn an den sozialen Pranger zu stellen verwandelt ihn zur Zielscheibe. Wenn General Prayut Individuen als „Andere“ brandmarkt nimmt er ihnen alles was sie schützen könnte und lässt sie verwundbar werden.

Sein öffentliches Blossstellen wird nur sogenannte Patrioten ermuntern, die glauben, dass solche Ansichten Standard sind und sie ermutigen, ihre Haltung gegenüber Kritikern und denjenigen, die sie als Randelemente der thailändische Gesellschaft sehen, zu verhärten. Deshalb, glaube ich, ist es gefährlich. 

Anfang Monat war ein 18-jähiger High-School Schüler, der Mitglied der Education for Liberation of Siam Movement ist, vom Auditorium, wo General Prayut sprach, entfernt, nachdem er ein Plakat in die Höhe gehalten hatte, dass das Fach staatsbürgerliche Pflichten vom Lehrplan entfernt werden soll.

Prayut wies die Sicherheitskräfte an, den Studenten gut zu behandeln „wenn er auf der Regierungsseite steht“, was im Publikum Gelächter auslöste. Nennen Sie mich eine Langweilerin, aber ich verstehe nicht was daran lustig sein soll.

Nach dem Putsch im letzten Jahr wurde General Prayut Regierungschef. Unabhängig von Rechtmässigkeit oder nicht hat er als Premier die Pflicht den Interessen aller Thais zu dienen und sie zu schützen - nicht nur jenen, die seiner Ansicht nach auf seiner Seite stehen.

Was ist überhaupt die Definition eines „Thai“? Ist es jemand, der immer mit dem Premierminister übereinstimmt? Jemand, der Entscheidungen und Handlungen der Regierung nicht in Frage stellt? Jemand, der sich die 12 Werte der Junta merken kann?

Solche Gründe zeigen konservative und veraltete Ansichten. Sie verleugnen die Mulitkulturalität und die unterschiedlichen Meinungen, die es in Thailand gibt, drängen sie an den Rand und benachteiligen sie im Vergleich mit der Mehrheit der Bevölkerung.

Individuen als Nicht-Thai zu bezeichnen verweigert ihnen Identität oder kulturelle Bindungen, die sie haben oder nicht haben können. Jeder einzelne muss für sich selbst entscheiden, ob er sich in den „Thai“ Werten erkennt. Das kann nicht mit der 12 Werte Checkliste gemacht werden.

Darüber hinaus werden diejenigen, die sich nicht an die Werte halten kriminalisiert. Unter Militärherrschaft wird die Wahrung ihrer Menschen- und Zivilrechte noch schwieriger. Die Rechte seine Meinung zu äussern und nicht in Isolationshaft genommen zu werden sind Grundrechte. Führer mögen mit der Schulter zucken, Demokratie und Menschenrechte Erfindungen des Westens nennen, aber der Fakt ist, dass der Nationalismus oder Kapitalismus, den sie so innig umarmen, tatsächlich aus dem Westen stammt. 

Engstirnige Gesinnung und eifriger Patriotismus werden uns nirgendwo hin führen, im Gegensatz zu fortschrittlichem und kritischem Denken.

Von Arianne Kupfermann-Sutthavong in der Bangkok Post.

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