Donnerstag, 24. September 2015

Alter Essig in alten Schläuchen

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Auf einer Seite der Bangkok Post drei Artikel über Bildung. Könnte endlich Bildungsreform unter uns sein? Einer berichtet über eine neue aufregende Initiative des neu ernannten Bildungsministers. Minister Dapong Ratanasuwan ist General, sein Vorgänger war Admiral. So können wir uns auf viele neue Ideen freuen, basierend auf seiner langjährigen Armeeerfahrung nicht zu unterrichten, gegenteilig zu seinem Vorgänger mit seiner langjährigen Marineerfahrung nicht zu unterrichten.

Bestanden? Studenten an der Tafel mit den Testresultaten.
Die Mandarine haben sich entschieden die Universität von Cambridge für ein Intensivprogramm zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten angefragt. Was für eine aussergewöhnlich brillante Idee? Warum wurde nicht schon früher daran gedacht?

Ausser, das schon wurde. Wieder und wieder und wieder während der letzten 50 Jahre, mindestens. 

Das Ministerium stellte Experten des British Council und unzähligen anderen ausländischen Bildungsinstituten an. Aberhunderte von qualifizierten und erfahrenen Englischlehrern wurden vom Peace Corps, VSO, aus Australien, Kanada, Neuseeland entsandt um an Thai Schulen und Universitäten Englisch zu unterrichten, verdammt nochmal, sogar die Deutschen haben Englischlehrer gesandt. Und die meisten haben ihre Programme aus Verzweiflung geschlossen, nachdem sie es unmöglich fanden eine dauerhafte strukturelle Veränderung in der Art und Weise des Englisch Unterrichtes in Thailand zu erreichen.

Aber nicht nur, dass der Generalminister will, dass Cambridge ein Lernprogramm entwickelt (Entschuldigung, noch eins), er will, dass die Universität einen „standardisierten Test der Englischkenntnisse“ entwickelt. Fantastische Idee!

Klar muss dies selbstverständlich etwas anderes sein, als das International English Language Testing System IELTS oder das First Certificate in English FCE oder das Certificate of Advanced English CAE oder das Certificate of Proficiency in English CPE oder Dutzende andere standardisierte Tests, welche die Universität von Cambridge schon anbietet. Welche Tausende von Thai Studenten über all die Jahre absolviert haben.

Und sicher, Thailand kennt bereits einen eigenen standardisierten Englisch Test. Man nennt ihn University Entrance Exam. Eine testende Katastrophe, die wieder und wieder kritisiert wurde und noch immer nichts mehr als gelegentlich grammatikalisch falsche (aber sozial angemessene) Antworten bestraft. Durch das starre Multiple-Choice Format hat er sich verheerend auf den Englisch Unterricht in weiterführenden Schulen Englisch ausgewirkt. Wie kann jemand für das Bestehen eines Test trainiert werden, wenn die korrekte Antwort aus einer Lotterie besteht?

Die Dominanz dieser Entschuldigung nur für ein Examen begann sich abzuschwächen als die neu autonomen Universitäten beim Anblick von Geld erwachten, den sie zur die Entwicklung von eigenen Eintrittstests machen können. Jetzt, statt eines beschissenen Examens vom Ministerium, müssen potentielle Studenten, wenn Mami und Papi die Kohle haben, ein halbes Dutzend beschissene Examen ablegen. Und für ihr Privileg bezahlen. 

Aber die revolutionäre Idee hört nicht hier auf. Der Generalminister will auch Englisch unterrichtenden Thai Lehrern ausländische Lehrer als Coaches zur Seite stellen.  

Einleuchtend. Thailand konnte es sich noch nie leisten in allen Klassen Lehrer mit englischer Muttersprache anzustellen (besonders, wenn sie ihnen verbieten, Visa Runs zu machen). Was also wirklich gebraucht wird sind bessere Thai Lehrer. Wie scharfsinnig.

Sicher, viele, viele der Sachverständigen für Sprachunterricht und qualifizierte Englisch Lehrer sollten über die Jahrzehnte genau das tun. Und aus einem halben Jahrhundert  Ausbildung von Thai Lehrern resultieren Legionen von Universitätsstudenten, die unter diesen Lehrern sechs, acht und sogar zehn Jahre Englisch studiert haben und weder eine englische Zeitung lesen, einen verständlichen Satz auf Englisch schreiben können und nichts ausser minimalster Konversation verstehen. Wenn man sie mit Handzeichen ergänzt. 

Aber egal. Vielleicht hat der Generalminister ein paar neue Kniffe, dass es diesmal funktioniert. Weil, wenn man Einsteins Definition glaubt, durch immer und immer wieder das Selbe tun andere Ergebnisse zu erwarten sind. Definition?

Nein, das wäre kritisch gegenüber einem Mitglied des NCPO, nicht wahr? Sie müssen, wenn sie nicht schon kennen, selbst googeln. So kann ich meine Einstellung sicher ungereinigt halten.

Von "George Harrison" in Prachatai. Der Autor wurde in den 1980er Jahren durch sein irrelevanten Kommentare in „The Nation“ bekannt. Seither wurde er während seines erzwungenen Schweigens verschiedentlich als Teilnehmer eines 999 Tage Meditations Rückzugs in einem Wat in Mae Hong Son (er gab nach 998 Tagen auf) und als Sonderberichterstatter für die Satire des UN Hochkommissariats für Menschenrechte gemeldet.

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