Mittwoch, 12. August 2015

Wenn du stirbst, stirbst du

Kommentare :
Mit einer Mordrate gleich hoch wie in den USA und sechsmal höher als in Deutschland werden Thailand’s 6.1 Mio. registrierte Feuerwaffen in einem nie endenden Strom von Morden eingesetzt. Gesichtsverlust ist eines der Hauptmotive.

Auslage in einem Waffengeschäft Bangkok's. 
Ringrat Rungsuwan war in ihrem kleinen Schmuckgeschäft in Bophut, einer der touristischen Hochburgen auf Ko Samui, als sie eine lautes Knallen hörte. 

„Erst dachte ich, es wären Feuerwerkskörper“, während Touristen in Flipflops und Badesachen an ihrem Shop im Fisherman’s Village Resort vorbei gingen. „Aber als die Leute realisierten, dass es sich um Schüsse handelte, rannten sie in Panik weg. Einige suchten in meinen Laden Schutz.“

Es war Anfang März und nur wenige Meter entfernt lag der einflussreiche, lokale Bauunternehmer Panas Khaouthai auf dem Boden. Getötet von sechs Schüssen aus naher Distanz, abgegeben von zwei Attentätern, die nach der Tat noch in aller Ruhe ihre Waffen entluden.

Für die in Deckung gegangenen Urlauber war der Mord - die Polizei spricht von einem geschäftlichen Disput - ein Einblick in Thailand’s Realität: tödliche Begeisterung für Waffen.

Getötet wegen Gesichtsverlust

Beliebt für seine entspannte, einladende Atmosphäre ist Thailand auch ein mit Schusswaffen überflutetes Land in dem Streitigkeiten all zu oft mit einer Kugel und einem Körper geregelt werden.

Kaum eine Woche vergeht ohne schlagzeilenträchtige Ermordung, üblicherweise entstanden aus einer Demütigung - oder Gesichtsverlust - in einem persönlichen oder geschäftlichen Streit.

Kürzlich wurde eine Frau wurde von ihrem wütenden Geliebten in einem Einkaufszentrum mit einem Schuss in den Hals niedergestreckt - in einem anderen Fall wurde ein Mann vor einem Wohnhaus in Bangkok von einem Wachmann erschossen.

In einem dritten Fall schoss ein Busfahrer einem Passagier in die Brust, weil der sich wiederholt über seine Fahrweise beklagt hatte.

Wie ein westlicher Polizist einer Botschaft erklärte: „Es gibt eine echte Waffenkultur in Thailand, eine Art Militär-Kultur, ein Ort von Uniformen und männlicher Macht.“

Die wahren Gründe der Begeisterung für Waffen im Königreich zu erklären ist schwierig. 

Die thailändische Regierung gibt keine spezifische Statistik der jährlichen Mordrate mit Waffen ausserhalb des tiefen Südens heraus. Dort hat der muslimische Aufstand in den letzten zehn Jahren mehr als 6’400 Tote gefordert.

Aber die GunPolicy, eine Online Datenbank der Universität Sidney, glaubt, dass Thailand eine der höchsten Mordraten Asien’s hat. Sie schätzt 3.48 Morde pro 100’000 Menschen, dreimal höher als im benachbarten Kambodscha und gleichauf mit den Vereinigten Staaten. Die Deutsche Bundeszentrale für politische Bildung gibt sogar 5 Morde pro 100'000 Einwohner an. 

Viel klarer ist die schiere Anzahl Waffen in den Händen von Zivilisten. Gemäss Innenministerium besitzen in Thailand, einem Land mit 67 Millionen Einwohnern, 6.1 Millionen Menschen eine registrierte Waffe.

GunPolicy setzt die Gesamtzahl Schusswaffen inklusive denen aus dem blühenden Schwarzhandel auf 10 Millionen. 

Wie das Amt für Diplomatische Sicherheit des US-Aussenministeriums in einem Sicherheitsbericht für Mitarbeiter im Ausland schrieb: „In Thailand herrscht eine glühende Waffenkultur auf Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten. Das Land ist weltweit führend in Tötungsdelikten mit Schusswaffen.“

Während in den USA seit Jahren eine leidenschaftlich Debatte über Waffenkontrolle geführt wird, grüsst Thailand die Opfer seiner Besessenheit in Waffen mit einem kollektiven Schulterzucken. 

Keine Empörung wegen des Glaubens ans Karma 

„Niemand übernimmt Verantwortung, niemand hat das Thema je wirklich aufgegriffen“, klagt Kasit Piromya, ein ehemaliger Aussenminister. Er denkt, dass strengere Kontrollen wie auch eine Amnestie für illegalen Waffenbesitz notwendig sind. Das Ausbleiben von Empörung bei Erschiessungen sieht er im buddhistischen Glauben ans Karma.

„Wenn du stirbst, stirbst du. Es ist Akzeptanz und Resignation. Wir nehmen den Tod ruhig als Teil des Lebens“, fügt Kasit an. Er selbst besitzt zwei registrierte Waffen.

Auf dem Papier kennt Thailand ein strenge Waffenkontrolle. Aber das Gesetz kann leicht umschifft werden.

Die blosse Verfügbarkeit von Waffen besorgt Polizei Oberst Akaradet Pimsolsri, Leiter der Crime Suppression Division, jedes Mal, wenn einer seiner Beamten auf die Strasse geht. „Ich wünschte, jede Waffe wäre registriert.“

Ein wichtiger Schritt der Regierung wäre eine Datenbank mit den ballistischen Fingerabdrücken von allen Waffen, die über den Ladentisch gehen.

Ende Juli wurde Akaradet von Journalisten begleitet, als er und 200 Leute seines Kommandos eine Hausdurchsuchung in Uthai Thani durchführten. Die zentral gelegene Provinz ist berüchtigt für seine Verbrechersyndikate. 

Ihr Ziel waren zwei Personen, die verdächtigt werden in einem Pistolen Mord verwickelt zu sein, bei dem ein Polizist getötet wurde. Seine Beamten gingen kein Risiko ein, waren mit Sturmgewehren und Schrotflinten bewaffnet, trugen Körperschutz.

Als der Konvoi eine Reihe von Villen am Rand der Stadt erreichten, gab es keine Anzeichen der Verdächtigen - aber es wurden zwanzig Waffen, Munition und kugelsichere Westen beschlagnahmt. Die Mörder selbst sind noch immer auf freiem Fuss.

Zurück auf die Insel Samui, wo der Tourismus die entscheidende Stütze der Wirtschaft ist. Die Polizei reagierte mit Nachdruck auf die Ermordung Panas. Die mutmasslichen Täter wurden verhaftet und eine Reihe von Durchsuchungen förderte Waffen, Munition und Drogen ans Tageslicht. 

Im Restaurant, wo der Mord statt fand, sind die Tische wieder gefüllt mit Touristen. Sie wissen nichts von der Gewalttat, die hier vor vier Monaten verübt wurde. Laurent Harountinian, der französische Manager, hatte das Lokal zwei Tage nach dem Vorfall wieder geöffnet. 

„Es war das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe. Und ich hoffe, es war auch das letzte Mal.“

Quelle: Bangkok Post

Kommentare :

  1. Der Artikel ist falsch, .....nicht was die ....."Mord" Gewaltrate in Thailand angeht, sondern vor allem der Vergleich mit den USA.

    Die USA rangieren nämlich zusammen mit Ländern wie der Schweiz und Deutschland in der Spitzengruppe der sichersten Länder unserer Welt, nämlich zur Spitzengruppe der obersten 5 % .....gemäss UNO-Statistik vom letzten Jahr.

    Würde man die Gewaltrate aus den Latino und anderen "farbigen" Ganggebieten mit ihrer Drogenkriminalität, aus der Statistik entfernen, wären die USA sogar vor der Schweiz anzusiedeln.
    Die Schweiz hat eine Waffendichte von an die 60 pro 100 Einwohner und eine geringere Gewaltrate wie Deutschland. ( USA 100 Waffen pro 1000 Einwohner )

    Viele Waffen heisst in den USA vor allem auch viele .....verhinderte..... Gewaltdelikte, man schätzt sie auf um die 40-tausend pro Jahr. Es wurde keine einzige Vergewaltigung Aktenpflichtig von einer Frau die Bewaffnet war, aber viele im umgekehrten Falle.

    Ein Vergleich mit den USA macht sich heute zwar immer gut, es wird einem dann schnell mal von Links auf die Schulter geklopft, nichtsdestotrotz ist er falsch.

    Natürlich löst das die Gewalt in Thailand nicht, aber sie ist nicht so hoch wie "empfunden" und sie ist vor allem auch der Korruption dieser Gesellschaft geschuldet.

    Wer sich gegen Korruption und einen Staat verteidigen möchte, der seine Pflichten nicht wahrnimmt, der kauft sich in Thailand sehr oft eine Waffe, denn vor dem Richter ist die Frage wer mehr Geld und somit Macht hat .....oft der Grund warum es nicht zu einer "Rechtsprechung" kommt die den zu schützenden oder klagenden Bürger auch nur irgendwie befriedigt.

    Folge, sie heuern lieber einen Killer an.

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  2. Fehler........ USA haben 100 Waffen auf 100 Einwohner.

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