Mittwoch, 26. August 2015

Was hält uns zurück?

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Warum wird Thailand’s Weg Richtung Demokratie von einer Mauer aufgehalten? Die Wirtschaft hat, trotz der Rückschläge in letzter Zeit, eine grosse Mittelklasse und eine offenere Gesellschaft gebracht. Was hält das Land zurück? Thailand ist stolz das Zentrum des Theravada Buddhismus zu sein, welcher der ursprünglichen Lehre Buddhas am nächsten kommen soll. Warum wurde das Land zum Zentrum moderner Sklaverei?

Morgenappell in Schule Thailand
Morgenappell in einer Schule Bangkok's: Erst 12 Werte rezitieren, dann Nationalhymne singen. 
Zwei neue Vorfälle mögen Antworten geben. Beim ersten geht es um einen langgedienten Lehrer an der Soeng Sang Schule in Nakhon Ratchasima. Er hatte einem Schüler in aller Öffentlichkeit auf den Kopf geschlagen. Der junge Mann hatte eine Erklärung über vermuteten Missbrauch von Spendengeldern der Eltern verlangt. Die Schulbehörden sahen dies als inakzeptable Herausforderung ihrer Macht an, welche beendet werden musste.

Dank Internet Zeitalter wurde bald ein Video der Bestrafung veröffentlicht, dass sich rasch verbreitete. Der Vorgesetzte des Lehrers sagte, die Austeilung von Schlägen auf den Kopf sei kein ernsthafter Verstoss gegen Disziplin und versetzte ihn für sieben Tage auf einen inaktiven Posten. Unbeirrt verweigert der Lehrer eine Entschuldigung und sagt, er hätte nur seine Pflicht getan: Schüler zu lehren, was richtig ist.

Im zweiten Fall geht es um eine Beschwerde eines Soldaten an die Regierung. Er musste seine Dienstpflicht als Diener bei einem pensionierten Marineoffizier erfüllen. Der hatte ihn an einen Autoreifen angekettet und gefesselt.

Sie wurde mit der Begründung niedergeschmettert, er hätte sich nicht an den Dienstweg gehalten. Schnell hatte sich auch der Armeechef eingeschaltet und verteidigend erklärt, dass Offiziere Soldaten als Haushalthilfe benötigen.

Es gebe keine Knecht-Soldaten mehr, nur noch Dienst-Soldaten, sagt er ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Der Dienst als Haushalthilfe sei freiwillig und Soldaten würden sich darum streiten, wer ihren Bossen persönlich dienen dürfe. Und fügt hinzu, dass alle gut behandelt und mit ihrem Eintritt in die Armee eine grosse Erfahrung machen könnten.

Der pensionierte Marineoffizier meinte zum Vorwurf von Sklaverei, dass der Wehrpflichtige von seinen Feinden benutzt werde um seinen und den Ruf der Marine zu zerstören. Immerhin gab er zu, den Mann mit Ausdauerläufen bestraft zu haben, weil er die Nationalhymne nicht auswendig singen konnte - etwas, das in seinem Haushalt morgens und abends als Ausdruck von Patriotismus täglich sein müsse.

Angekettet an Autoreifen: Thai Soldat als Diener bei pensioniertem Offizier.
Aber es sei in der Armee ganz üblich, von Steuern bezahlte Wehrpflichtige als Diener zu beschäftigen. "Was ist falsch dabei? Armee Offiziere erlauben Soldaten, normalerweise Reichen, im Tausch mit deren 9’000 Baht Gehalt die Kaserne zu verlassen."

Aufschlussreich, nicht wahr? Wenn das nicht systematische Korruption ist, was dann? Als ich von Schlag-Vorfall in der Soeng Sang Schule hörte, fühlte ich, dass es der Mikrokosmos dessen ist, was im gesamten Land passiert. Die junge Generation fordert die Alte-Schule-Autorität heraus, die ein geschlossenes und korruptes System züchtet. Der Schüler verlangte Transparenz. Er verlangte eine Stimme und erhielt einen heftigen Schlag auf den Kopf. Die Schule denkt, dass sei keine grosse Sache.

Der Skandal um den versklavten Wehrpflichtigen zeigt den tiefen Feudalismus in der Armee und erklärt zugleich, wie sehr sie nicht von dieser Welt ist. Was mich in beiden Fällen erstaunt ist das völlige Fehlen von Schuld. Die Überzeugung alles richtig zu machen, auch wenn es völlig falsch ist. Wenn das Bildungssystem sich tief in militärischem Gehorsam übt und seine Pflicht in der Kultivierung einer unterworfenen Bevölkerung sieht, muss niemand mehr fragen, weshalb die Demokratie verkümmert.

Feudalismus und Sklaverei gehen oft Hand in Hand. Ist Zwangsrekrutierung nicht auch eine Art von Sklaverei? Geschichten von physischer Gewalt, Belästigung, Arbeitsmissbrauch, sogar Folter, sind weit verbreitet unter Wehrpflichtigen. Leider gilt diese feudale Mentalität nicht nur für das Militär. Der Glaube, andere weniger menschlich zu behandeln, weil sie minderwertig sind, wird weithin geteilt. Es ist gut, ethnische Minderheiten, Migranten und Arme schlecht zu behandeln.

Gibt es eine Chance dieses System zu beenden? Pech gehabt. Das Regime hat vor kurzem angekündigt, die Armeereserven zu erhöhen. Diejenigen, die Widerstand leisten werden bestraft. Das Land geht in voller Kraft Richtung Militärstaat. Wie ein Land im Krieg. Vielleicht ist es das - mit sich selbst.

Von Sanitsuda Ekachai in der Bangkok Post

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