Mittwoch, 19. August 2015

Stinksauer

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Nein, es war kein Fehler. Es war eine Posse. Und für ein seit langer Zeit von korrupter Polizei geplagtes Land ist es definitiv eine Tragödie. Ich spreche vom Ärger der Polizei Bonzen mit dem Beitrag im Facebook Account der Polizei von Sakhon Nakhon. Dort stand geschrieben, wie schlecht die kleinen Polizisten bezahlt und wie sie wie Dreck behandelt werden, während ihre Bosse grosses Geld mit Untergrund Geschäften machen.


Er verbreitete sich schnell letzte Woche, weil es die Wahrheit aus erster Hand ist:

„Die Hälfte unseres Lohnes geht für Fahrzeuge, Benzin, Uniformen, Computer, Drucker, Papier, Tinte, alles für Dienst, Mittagessen während der Arbeitszeit, Pistolen, Schreibtische, Stühle, Computerreparaturen und was sonst noch drauf. 

Der Rest geht an unsere Familien. Für Miete, Schulgebühren der Kinder, Kühlschränke, Ventilatoren, Strom, Wasser und manchem mehr.

Unsere Frage: Sind unsere mageren Löhne genug unsere Familien zu unterhalten? Nein. Wir müssen Geld ausleihen und geraten in die Schuldenfalle.

Was ist mit den Chefs? Sind sie auch verschuldet? Sicher nicht. Sie sind reich. Warum? Weil sie am Ende jedes Monats Geld aus Spielhöllen, Unterhaltungsbetrieben, Sexgewerbe, Menschenhandel, Drogen und was auch immer erhalten.

Wir wollen, dass die Anti-Korruptionsbehörde ihre Vermögen untersucht. Vom Superintendent bis zum Top-Level der Polizei. Sie soll herausfinden, ob sie ungewöhnlich reich oder üblich arm wie wir Polizisten in niedrigen Rängen sind. Verschuldete Polizisten mit niedrigem Rang werden gefeuert. Werden es die ungewöhnlich reichen Polizei Bonzen auch?

Wir wollen Gerechtigkeit. Wer die Polizei reformieren will, soll hier beginnen.“

Starker Tobak, nicht?

Kein Wunder war der Polizeichef stinksauer. Der Beitrag wurde sofort gelöscht. Später auch der Account selbst. Der Supervisor der kleinen Polizisten, verantwortlich für den Facebook Account, sagte, es sei ein technischer Fehler gewesen. Jemand hätte den Account gehackt und den Beitrag zur Schädigung des Rufes der Polizei geschrieben.

Wahr ist oder nicht wahr, der Bericht über Korruption in der Polizei, die starre Hackordnung im Polizeisystem und die verzweifelte Lage von Polizisten im niedrigen Rang sind ein offenes Geheimnis. Er spiegelt auch deren tiefe Verbitterung.

Es ist absurd zu sagen, dass der Beitrag den Ruf der Polizei schädige. Gemäss den meisten Umfragen ist die Polizei die korrupteste Behörde des Staates. Aber man muss die Leute nicht fragen, sie wissen es aus ihrem Alltag.

Da die Militärregierung Korruption immer als Grund zur Machtergreifung angibt, steht Reform der Polizei oben auf ihrer Agenda. Alle Anstrengungen in der Vergangenheit begannen mit der Identifikation des Problems. Dezentralisierung der Polizeikräfte, höhere Löhne und bessere Sozialleistungen wurden jedes Mal als Lösungen empfohlen. Ebenfalls jedes Mal attackierten die Polizeichef die Reform mit voller Kraft. Und man ging zum Business as usual zurück.

Wird die Militärregierung den Unterschied machen? Die Zeichen stehen nicht gut.

Vor einigen Monaten organisierte sie eine Konferenz zur Polizeireform. Dann begann General Prayut Chan-o-cha über von der Polizei unabhängige Ermittler von Verbrechen zu sprechen. Ein ehemaliger Polizeichef drohte die systematische Korruption des Militärs bekannt zu machen: von Schmiergeldern für Beförderung bis enorm hohe Kommissionen bei Waffenkäufen.

Die Angst der Polizei Bonzen ist verständlich. Das Geld aus Untergrund Geschäften macht mindestens 20%, andere sagen 40%, der offiziellen Wirtschaft aus. Ein grosser Teil davon geht in Form von Schutzgeld in die Taschen der Polizei. Ebenfalls Allgemeinwissen ist, dass die Reichen sich aus Schwierigkeiten mit dem Gesetz auskaufen können.

Interessanterweise sind viele Polizisten in niedrigem Rang nicht gegen die Reform, wenn sie ihnen die dringend benötigte höhere Bezahlung, bessere Sozialleistungen, ein transparentes Beförderungssystem und keine Vetternwirtschaft bringt. Alle sind verbittert über das feudale System, das Absolventen der Polizei-Akadamie für immer zu Herren über normale Polizisten macht.

Die Bonzen hören nicht zu. Die Entscheidung, die Notlage der kleinen Polizisten tot zu schweigen zeigt, dass eine Polizeireform weiterhin nur Hoffnung bleibt. So wie unsere Hoffnung auf Gerechtigkeit und Rechtstaatlichkeit.

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