Donnerstag, 20. August 2015

Schwarz ist hässlich

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Die Abneigung gegen dunkle Haut ist in Thailand weit verbreitet, zahllose Weissmacher verstellen die Regale in Apotheken. Die Verkünder dieser Produkte sind die scheinbar unverbesserlichen Werbekampagnen, Katalysator der Kampagnen ist eine nationale Unsicherheit, die mit Klassenvorurteilen verwoben scheint. Dunkel gleich arm, Symbol eines harten Lebens unter heisser Sonne. Hell korreliert mit neureich, der in Büros arbeitenden Mittelschicht oder Leuten, die ein Leben voller Freizeitvergnügen geniessen. Auch in Europa war dieses Phänomen während Jahrhunderten weit verbreitet.


Eines der Produkte, der Verena L-Gluta Berry Plus Drink, spielt in seiner Werbung auf den Trugschluss, dass schwarz, oder dunkel gleichbedeutend mit am Anfang der Evolution stehen geblieben zu sein. Das Getränk könne jedoch auf magische Art weisser machen, an die Spitze der Entwicklung bringen. Wer am Anfang noch nicht an Rassismus denkt wird bald belehrt, die Werbung zeigt die dunkelste Haut überhaupt, die Haut von jemanden aus Schwarzafrika.

Vor zwei Wochen erschien ein Lehrmittel für Kinder. Ein Plakat zeigt Fotos von Objekten und Personen mit einem korrespondierenden Wort. Handsome, gutaussehend, lernen wir, sieht aus wie ein koreanischer Popstar. Schön wie ein westliches Girl und pretty, hübsch, wie ein junges japanisches Manga-Girl. Währenddessen wird ugly, hässlich, als junger afrikanischer Mann dargestellt, inklusive glitzernden Ohrringen. Unten auf dem Plakat steht: Eine Art zu denken und zu lernen. Wenn eine solch offensichtlich beleidigende Beschreibung als Hilfe für Kinder zu denken und lernen existiert, welche Art von Denken und Lernen geschieht in Thailand?

"Auf der einfachsten Ebene heisst weiss gut und schön, schwarz das Gegenteil. Das verbleibt tief in der thailändischen Seele verwurzelt", sagte Kaewmala 2013, als sie gefragt wurde, ob Thailand's Abneigung gegen dunkle Haut nur mit Schönheit zu tun habe oder auch Element von Rassismus enthält.

"Thais haben ein starke Abneigung wie auch Misstrauen gegenüber dunklehäutigen Burmesen und Minderheiten im eigenen Land. Sie finden wenig Schönes in ihnen, den Armen aus Nachbarländern und dem Isan oder den Thai-Malay aus dem Süden wie auch Afrikanern. Rassismus im kulturellen Kontext ist verflochten mit der chauvinistischen Haltung, basierend auf dem Ultranationalismus der Erziehung, die lehrt, dass wir besser sind als unsere Nachbarn und der auf Bangkok basierten Weltsicht, vermischt mit Diskriminierung auf Basis der Klasse - urban gegen ländlich und sozialer Status."

Im Artikel "Beeing in Black in Thailand" vom Dezember 2014 beschrieben einige Befragte, dass sie eine gewisse Haltung ihrer Hautfarbe wegen verspürten und wie schwarz sein in Thailand übermässige Aufmerksamkeit entlocken kann, die kein Rassismus, mehr Neugier schien. Alyx Shephard, eine amerikanische Lehrerin sagte: "Rassismus? Nein. Ich denke, nicht so vielen verschiedenen Hauttönen ausgesetzt zu sein hat sie im Umgang mit verschiedenen Kulturen im Dunkeln gelassen. Es ist nicht Rassismus, aber ich meine, mit der Zeit, je mehr sie dem ausgesetzt sind, wird das weniger stigmatisiert werden. Ich glaube nicht, dass es Rassismus ist, nur ein Mangel an Belichtung."

Ein schwarzer Lehrerin berichtete von einer Stellenanzeige: Kaukasier erforderlich, weiss bevorzugt. Sie fragte einen Thai Freund, was dies bedeute. Ob es um das befleckte Mantra "Helle Haut ist schön" gehe. Sie erinnerte sich auch an eine dunklere Seite ihres Studiums in Thailand, als sie ein Überbleibsel rassistischer Vergangenheit sah, die kleine schwarze Sambo Puppe. Der New Yorker berichtete in der selben Zeit von einem schwarzen Amerikaner, dem eine Stelle als Lehrer verweigert wurde, weil er gemäss Schuladministrator die Kinder erschrecken könnte.

Brooke Lew, eine schwarze Kanadierin, die ein während eines Praktikums einige Monate in Thailand arbeitete, erzählte: "Die Leute starrten mich die ganze Zeit an, überall, wo ich auch ging. Ich dachte, sie hätten noch nie eine Schwarze gesehen und fühlte mich oft wie ein Fetisch unter all den Leuten, die mich anglotzten oder mit mir Diskussionen über die Schönheit meiner Haut führten. Als ob sie fortschrittlich und sogar an sowas gedacht hatten. Ich traf ein Künstlerehepaar, die mir buchstäblich Angst machten. Sie wolltem mich malen, wie sie auf Safari eine Gazelle malen würden." Vielleicht habe das Fehlen einer soliden Rassen-Bürgerrechtsbewegung Asien zur Bühne für Hierarchie Denken im Kolonialstil verkommen lassen.

Neugier ist natürlich und unbeabsichtigt. Aber es gibt genügend Beweise für offensichtlichen Rassismus in Thailand. Schwarz angemalte Gesichter in Thai Comedy Shows, die dumm und albern sind. Das wiederspiegelt auch die Anzeige, die nicht nur sagt, dass Schwarze hässlich, sondern auch zurückgeblieben sind. Darkie, die Zahnpaste, die nun Darlie heisst, aber der schwarze Mann ist noch drauf. Black Man Reinigungsartikel von Toilettenbürste mit Spülmittel, zu haben in den meisten Thai Supermärkten. Eine Verbindung von Markenname zu Knechtschaft, sogar Sklaverei scheint hergestellt. Diese Art gehässiger Stereotypen waren sicher kein Zufall, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass es in Thailand deswegen einen Aufschrei geben wird. Politische Korrektheit ist noch nicht in der Thai Seele angekommen.

Dafür ist Ethnozentrismus allgegenwärtig. Von Medien und Politikern verkündet ist der Glaube, dass bestimmte, abscheuliche Verbrechen nicht von einem Thai begangen werden können. Der exilierte politische Aktivist Giles Ji Ungpakorn weist in seinem Blog Post über Rassismus in Thailand darauf hin, dass Beleidigungen grosse Gruppen von Menschen oder ganze Rasse beschreibt:

"Die meisten Thais bezeichnen Malaien, Inder, Türken, Araber als "Kaek". Nichts anderes als die angelsächsische Rassisten, die Südländern Wop, SPICs oder Dago austeilen. Das höchst beleidigende Wort Kaek wird auch verwendet, die muslimischen Malaien im tiefen Süden von Thailand zu verunglimpfen, die Unterdrückung verdeutlichend." Schwarze afrikanischer Abstammung würden oft "Aye Murd" genannt, er nennt dies das Äquivalent zu Nigger. Buchstäblich übersetzt bedeutet es Dunkle.

Kaukasier werden Farang genannt, und Farang kommt mit zahlreichen, allumfassenden charakterlichen Missverständnissen. Der Punkt ist nicht, ob der Begriff abfällig, mit bösem Willen oder nur versehentlich bösem Willen gemeint ist. Polarisierung ethnischer Gruppen ist in Thailand üblich, das gehört zum Konzept der Thainess, welche in sich selbst schon eine reduktive ethnozentrische Ansicht ist.

Der Glaube an Thainess, vom Grossteil der Öffentlichkeit begrüsst und in die Gehirne von Schülern und Studenten gedrückt, ist die Wurzel des Übels. Die nationale Solidarität durch Thainess zu fördern ist ein Paradox. Denn Thainess spaltet, auch den Erfolg.

Thailand hat Nachholbedarf in Sachen politische Korrektheit, aber wir dürfen den bis vor nicht langer Zeit allgegenwärtigen Rassismus gegenüber Schwarzen im Westen nicht vergessen. Leute, die noch in den späten 70er Jahren Aschenbecher in der Form eines schwarzen Dieners benutzten. "Wenn du einen Neger als Nachbar willst, wähle Labour", war ein oft benutzte Slogan zu Zeiten Margaret Thatchers. Das Motto wurde vom britischen Konservativen Peter Harry Steve Grifftiths für die Wahlen 1964 kreiert, aber der abscheuliche Spruch lebte bis in die 80er Jahre - und starb erst, als politische Korrektheit Mass der Dinge wurde.

Sie hat auf der Welt viele Kritiker, und vielleicht haben sie manchmal recht. Wenn die Schafe im Kinderreim "Bah, bah, black Sheep" in regenbogenfarbige Schafe verwandelt werden, wer profitiert und wie? Schwarze Menschen haben dies als Witz bezeichnet. Der in Bangkok ansässige Blogger Stickman schreibt: "Das fast völlige Fehlen von jeglicher Form von politischer Korrektheit ist die Eigenschaft Thailand's, die mich anzieht. Ihr Fehlen bietet Frische und Spontanität, die weit von der aktuellen westlichen Kultur entfernt sind."

Die Übervorteilung politischer Korrektheit kann manchmal bedrücken. Wenn geschrieben wird, dass schwarze Menschen hässlich sind ist nicht wirklich bedrückend. Es ist menschlich. Politische Korrektheit ist etwas, dass durch eigenes kritisches Nachdenken gelernt werden muss, sie ist ein Resultat der intelligenten Reflexion und Selbstwahrnehmung. Ein Zustand des Geistes, der gefördert aber nicht gelehrt werden kann.

Wenn Thais beginnen Thainess abzubauen kommt politische Korrektheit automatisch. Sobald dies geschieht, wird ein schwarzes Gesicht bedeutungslos.


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