Sonntag, 30. August 2015

Kein Monkey Business

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Bei Sonnenaufgang bricht eine Gruppe langschwänziger Makaken auf Futtersuche in die Mangroven von Bang Khun Thian, dem südwestlichsten Bezirk Bangkok's, auf. So, wie sie es schon immer getan haben. Sie sind sich dem verschwindenden Wald und dem Einfall von befestigten Strassen zweifellos bewusst, wühlen immer mehr in Abfällen für immer knapper werdende Nahrung.


Sie mögen nicht verstehen, dass Menschen ihr Reich übernommen haben und sie jetzt die Eindringlinge sind. Am Golf von Thailand gelegen ist Bang Khun Thian, einer der 50 Stadtbezirke von Thailand's Hauptstadt, die Heimat von rund 800 Javaneraffen. Sie sind doppelt bedroht: von der Expansion Bangkok’s und der Küstenerosion. Die Affen können auf der Nahrungssuche von Autos angefahren und von der Bevölkerung angegriffen werden, weil sie sich ihnen wegen Taschen voller Essen nähern.

„Die Affen sind böse. Sie stehlen unser Essen. Sie dringen bei uns ein“, sagt Anant Liangbamrung, Chef der Bang Kadee Gemeinschaft, welche angrenzend an die Feuchtgebiete von Bang Khun Thian liegt. Er rät Leuten mit Taschen oder anderen Dingen in der Hand diese fallen zu lassen, wenn sich Affen nähern. Viele wurden beim Versuch sie davon abzuhalten schon gebissen.

Angelockt von den Gerüchen sammelt sich jeden Morgen früh ein Rudel von gegen 50 Affen vor dem Wat Bangka in der Soi Thian Talay 22. Sie sind an den von den Mönchen bei ihrer morgendlichen Almosenrunde gesammelten Lebensmitteln interessiert. Leute berichten von Einbruchdiebstählen. Die Makaken dringen in Häuser ein und machen sich mit dem Inhalt des Kühlschranks auf und davon, hinterlassen dabei Sachschäden an Einrichtung und sogar geparkten Fahrzeugen.

Anant spricht von schwierigen Zeiten. Viele Bewohner würden bei der Distrikt Behörde Druck ausüben, fordern, dass die Makaken endlich und so schnell wie möglich vertrieben werden. Die Primaten hätten einen verheerenden Einfluss. Menschen könnten sich kaum mehr frei bewegen, würden eingeschüchtert, da die Affen nicht zögern zuzubeissen.

„Wir haben eine Menge Probleme mit ihnen. Wir wollen sie nicht töten oder ihnen sonst etwas antun. Wir wollen nur, dass die Behörden sie vertreiben.“

Etliche wurden schon beobachtet, wie sie mit Schleudern bewaffnet die Affen von Diebstahl in ihren Häusern abhalten wollen. Der 70-jährige Somrith Sombun musste für Tausende von Baht seine Dach reparieren lassen, nachdem es von den Makaken beschädigt wurde. Sie würden eine gewissen Nachsicht walten lassen, versuchen sie mit Kapi - einer zumindest für Ausländer meist übel riechenden Garnelenpaste - und ausgestopften Krokodilen vor dem Eindringen ins Haus abzuhalten. Aber das funktioniert nicht immer.

„Sie reissen die Krokodile auseinander. Schauen uns mit einem bösen Grinsen an, wenn sie um uns zu entkommen auf Bäume klettern.“ Weshalb sie ausgerechnet Kapi und Krokodile verwenden, weiss er nicht so genau. Irgendwie, meint er, glauben die alten Leute daran.

Gemäss der Bezirksverwaltung von Bang Khun Thian leben von den gegen 800 Makaken bis zu 300 im Khun Kala, einem nahe gelegenen Mangrovengürtel, der neuerdings eine Touristen Destination mit Seafood Restaurants ist. 200 leben in bewohnten Gebieten, der Rest in den Mangroven der Bang Kadee Gemeinschaft.

Der Verwaltung hat versucht, mit dem Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation sowie dem Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt eine Lösung auszuarbeiten. Alle Affen in die Mangroven von Khun Kala umzusiedeln scheint am Erfolgversprechensten.

Ausser an der schlammigen Bang Khun Thian Küstenlinie gibt es mit Makaken im Phra Kan von Lopburi und in Chonburis Khao Sam Muk ähnliche Probleme.

Die Mangroven von Bang Khun Tian sind auch ein Paradies für Fische, Muscheln, Garnelen und Krabben. Doch ihre und die Probleme der Affen im Aussenbezirk Bangkok’s haben sich an zwei Fronten verschlimmert: extensive Garnelenzucht hat viele der Mangroven zerstört, steter Wellengang und Klimaerwärmung beschleunigt die Erosion der Küste.

Ein Bambuswall soll die Küstenlinie von Bang Khun Thian vor Erosion schützen. 
Gemäss der Bangkok Metropolitan Administration, BMA, wurden zudem etwa 60% der Mangroven zerstört und Häuser darauf gebaut.

Einer Studie der BMA zufolge sind 800 bis 1’000 Meter der Küstenlinie über die Jahre erodiert. Zwischen 1979 und 1991 betrug die Erosion 17.4 Meter pro Jahr, fiel zwischen 1992 und 2000 auf 9.5 Meter. Zur Zeit beträgt sie zwischen 1.4 und 1.5 Meter.

Naturschützerin Mongkolpas Onakaew, Anführerin einer Gruppe von Aktivisten für die Rechte von Tieren, sagte, dass sie oft vorbeikämen und die Primaten füttern würden. Damit wollen sie Passanten vor Angriffen schützen.

Die Gruppe sammelt unter seinen Mitgliedern Geld für den Kauf von Obst, insbesondere Bananen, Longan und Mangostan und erwägt ein grösser angelegtes Spendenprogramm. Ein Teil davon soll für die Umsiedlung nach Khun Kala eingesetzt werden.

Mongkolpas sagt, dass die Makaken ein integraler Bestandteil von Bang Khun Thian sind. „Sie haben Hunger und kämpfen ums Überleben. Wenn sie satt sind werden sie nichts mehr von Menschen klauen. Lasst uns die Primaten schützen.“

Siriwan Yuthiphong, eine Sicherheitsbeamtin, die seit 30 Jahren in der Gegend wohnt, sagt, dass die Affen früher nie aggressiv waren. Sie hat beobachtet wie die Affen ihren Lebensraum immer mehr an Menschen verloren haben.

„Stellen sie sich vor, wie jemand ihr Land und Haus schleift. Sie wären verletzt, nicht? Kein Zuhause mehr, nichts zu essen. Die Tiere fühlen gleich.“

Rungsrit Kanjanavanit, Vorstandsmitglied der Seub Nakhasathien Foundation sagte, Javaneraffen seien nicht bösartig, aber könnten manchmal aggressiv werden. „Sie sind klug genug, Menschen zu erkennen, die sie angreifen wollen.“

Als sehr adaptive Lebewesen sollten die Behörden sie eine gesunde Umgebung umsiedeln, beispielsweise in den Marine National Park von Sam Roi Yot oder in Küstenprovinzen wie Chanthaburi oder Rayong, wo es genügend Nahrung, besonders Krabben, gebe.

Rungsrit befürchtet einen Kampf unter den männlichen Gruppenbossen, wenn die Affen umgesiedelt werden. „Tiere haben einen natürlichen Überlebens-Instinkt. Ich glaube nicht, dass sie Menschen verletzten wollen.“

Quelle: Bangkok Post

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