Montag, 17. August 2015

Industrielle Untätigkeit

Keine Kommentare :
Tak im Westen Thailand’s und an der Grenze zu Myanmar gelegen wurde zum Standort der ersten Sonderwirtschaftszone, kurz SEZ, ausgewählt. Ein gut geführtes Industriegebiet und viele Privilegien sollen Investoren anlocken. Aber nach einem Jahr Bemühungen der Regierung bleibt sie eine weit hergeholte Idee und es scheint unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahre mehr daraus wird.


Eine neue Autobahn, bezahlt von Thailand, verbindet Mae Sot mit Myawaddy.
Etliche Hürden müssen noch bewältigt werden, verbergen sich viele Risiken - mögliche Anleger sind vorsichtig und agieren zurückhaltend. Man nimmt an, dass die Regierung noch Jahre brauchen wird, die Probleme zu bewältigen bevor das Land gesichert und als Industriezone entwickelt werden kann, gleichbedeutend mit noch mehr Verspätung.

Die Regierung hat nahe der zweiten Thai-Myanmar Freundschaftsbrücke in Mae Sot 2’000 Rai gerodete Waldflächen bereit gestellt, dabei Artikel 44 der Übergangsverfassung eingesetzt. Das ermöglichte den Einsatz von Militärmacht zum beschleunigten Transfer der Landrechte an den Staat.

Aber die Dinge liefen nicht reibungslos, weil hunderte von Familien, meist arme Bauern, welche von ihrem Stück Land lebten, sich weigerten auszuziehen und eine gerechtere Kompensationszahlung forderten.

„Es wird nicht einfach. Die Angelegenheit ist bis zur Menschenrechtskommission Thailand’s gedrungen und die hat einen ihrer leitenden Angestellten zur Untersuchung gesandt“, sagt Paradorn Kanda, der stellvertretende Vorsitzende der Handelskammer Tak’s. Der Fall könnte sich über Jahre hinziehen und mögliche Investoren vergraulen.

Niran Pitakwatchara, der den Unterausschuss der Menschenrechtskommission leitet, spricht von belastenden Hinweisen auf Landraub durch die Regierung.

„Wir haben bei der Regierung Beschwerde eingelegt und fordern sie auf, den Plan zu überdenken. Es gibt hunderte von der Politik betroffene Familien. Allerdings hängt es von der Regierung ab, wie lange es bis zu einer Einigung dauert. Aber es kann Jahre dauern.“

Die lokalen Behörden wiegeln ab. Sie sagen, die 2’000 Rai für die Industriezone sei nur die minimale Einheit von mehr als 800’000 Rai, die für die Entwicklung einer Handels- und Import/Export Zone vorgesehen sind.

„Die Industriezone ist nur ein kleiner Teil des Projektes“, sagt Tak’s Gouverneur Somchai Hatayatanti.

Der Gesamtplan von Regierung und Board of Investment, BOI, sieht im 800’000 Rai Grundstück besondere Privilegien für neue Investoren vor. Bestehende Anleger wehren sich dagegen.

„Sie sagen, es sei nicht fair von der Regierung Privilegien an neue Investoren zu geben und sich nicht um die bereits bestehenden Anleger zu kümmern“, äussert sich Somsak Kaveerat, Vorsitzender der Handelskammer Tak’s.

Mehr als 300 Geschäftsleute und Anleger, einige sind seit Jahrzehnten in der Provinz tätig, fordern auch für sich Vorteile, weil sich sich selbst seit langem für Förderung der Region einsetzen.

„Sie fordern Privilegien von der Regierung und die Behörden grübeln über Vergünstigungen nach“, sagt Somsak, „Wie auch immer, sie werden nicht so hoch sein wie diejenigen für Neu-Investoren.“

Lokale Geschäftsleute sagen, dass ihnen zugestandene Vorteile die Atmosphäre verbessern würden. Beobachter meinen, dass dies neue Investoren zurückschrecken könnte.

„Die Regierung wird versuchen, mit bestehenden Unternehmen einen Kompromiss auszuarbeiten. Aber wir wissen nicht, ob unausgewogene Zugeständnisse neue Investoren abhalten werden“, sagt Banpot Kokiatcharoen, Berater der Handelskammer.

Seine Äusserungen stehen im Einklang mit denen eines hohen Regierungsbeamten, der zudem sagt, dass das Projekt nicht von der Regierung, sondern vom Nationalen Rat für Frieden und Ordnung initiiert wurde.

„Als das Kabinett formiert wurde, waren nicht alle Mitglieder mit den Projekten einverstanden. Im Fall der Sonderwirtschaftszone Tak war spürbar, dass einige keinerlei Vorteile für gewisse Wirtschaftszweige sahen. Trotzdem sollte die Regierung die Infrastruktur Tak’s zur Förderung des Grenzhandels weiter entwickeln.“

Zurück zu dem, was schon immer geht

Als der Business Blueprint für die SEZ entstand, insistierten die eingesessenen Unternehmen bei der Regierung. Sie wollten bei dem bleiben, was schon immer ging, dem grenzüberschreitenden Handel und so die schwächelnden Wirtschaft stützen.


Die Provinz Tak in Zahlen. 
„Grenzhandel ist das Stärkste in Mae Sot und hat die Wirtschaft hier schon seit Jahrzehnten gestützt. Etwas, was die Regierung übersehen hat“, sagt der Chef der Handelskammer Tak’s. „Wir begrüssen den Basis Plan, welcher die Infrastruktur verbessert und die Wirtschaft schnell und einfach ankurbeln kann, ohne zu sehr von der SEZ abhängig zu sein.“

Weil Myanmar seine Grenzen für ausländische Investitionen und Tourismus geöffnet und die Nachfrage nach Gütern aus Thailand stark angezogen hat, sei jetzt der richtige Moment, eine nicht wiederkehrende Gelegenheit.

Mae Sot liegt nur 45 Kilometer entfernt von Myawaddy, einer mehr als 60’000 Einwohner zählenden Stadt in Myanmar mit starker Kaufkraft. Darüber hinaus ist Mae Sot der ideale Transitort auf dem Weg nach Yangon. 

„Waren, von denen aktuell 90% aus thailändischer Produktion stammen, erreichen in nur fünf bis sechs Stunden Myanmar’s Wirtschaftszentrum. Früher dauerte die Fahrt ein bis zwei Tage“, ergänzt Somsak. Er bezieht sich auf die 1.1 Milliarden Baht teure, von Thailand gebaute neue Strasse zwischen Mae Sot und Myawaddy.

Bessere Infrastruktur, inklusive Ausbau des Flughafens in Mae Sot und bessere Verbindung nach Bangkok sollen den Wert des Grenzhandels von zur Zeit 60 auf mehr als 100 Milliarden Baht steigern.

„Das ist ein reeller Plan, der die Wirtschaft Thailand’s wirklich unterstützt“, sagt Berater Banpot. „Aber es wird einige Jahre dauern, da die Budgets erst kürzlich freigegeben wurden und der Bau etliche Jahre in Anspruch nehmen wird.

Charnvit Amatamatcucharti, stellvertretender Generalsekretär des National Economic und Social Developement Board sieht die Sache naturgemäss anders. Er meint, die Regierung habe mit der Lancierung von Sonderwirtschaftszonen die richtige Antwort auf Premierminister Prayut Chan-o-cha’s politische Forderung gegeben.

„Der private Sektor sollte sich selbst hinterfragen, was seine wirkliche Probleme sind. Die Thai Handelskammer und die Vereinigung der Thai Industrie haben das SEZ Komitee unterstützt. Gegner sollen sich mit Beschwerden an die zwei Verbände wenden.“

Er sagte weiter, dass die Regierung bei der Aneignung der Grundstücke Flexibilität (!) gezeigt habe, nachdem der private Sektor sich über zu teure Preise beklagt habe.

Ebenfalls habe die Regierung 13 industriellen Kategorien in fünf Provinzen höchste Privilegien eingeräumt, dazu das Mindestkapital für kleine und mittelgrosse Unternehmen von 1 Mio. auf 500’000 Baht gesenkt.

Quelle: Bangkok Post

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen