Freitag, 21. August 2015

Gefährdete bestrafen?

Keine Kommentare :
Massnahmen gegen Teenager Schwangerschaften sollten Mädchen nicht bestrafen. Aber genau das sieht der Gesetzesentwurf der National Legislative Assembly, NLA, vor. Der umstrittene Entwurf ist das Werk des Gesundheitsausschusses. Trotz guter Absichten ist der Entwurf vom Glauben getrieben, dass dieses soziale Problem mit strikten Kontrollen und drakonischen Massnahmen eliminiert werden kann.

Gewinnerbild des Fotowettbewerbs zum Thema Teenager Schwangerschaft der UNFPA Thailand.
Teenager Schwangerschaften sind in Thailand definitiv ein ernsthaftes Problem. Die Rate gehört zu den höchsten der Welt und wächst ständig. Aber die Antwort der Gesetzgeber ist töricht.

Gemäss des UN Population Fund Thailand betrugt die durchschnittliche Schwangerschaftsrate von Teenagern in der Region Asien-Pazifik 2012 35:1’000. In Thailand betrug sie 54:1’000, ein starker Anstieg zu 31:1’000 im 2000. Die Zahlen sind alarmierend. Mehr als 125’000 Mädchen unter 19 werden Mütter, 1 von 20 Mädchen dieser Altersgruppe. Noch bestürzender, 4’000 davon sind nicht einmal 15 Jahre alt.

Tatsächlich könnte die Rate noch zwei oder dreimal höher sein, weil viele ihre ungewollten Schwangerschaften beenden. Durch Fehlen von sicheren und legalen Abtreibungen leiden sie oft unter schweren Komplikationen, manche sterben.

Um fair zu bleiben, der Entwurf der NLA anerkennt die Notwendigkeit von besserer Sexualunterricht in Schulen und Beratungsdiensten in Krankenhäusern. Diese Massnahmen sind längst überfällig. Das Problem aber ist die Überzeugung, dass Drohungen und Bestrafung Abhilfe schaffen. Gemäss Text sind Versagen von Aufklärung und fehlende Dienstleistungen Verstösse gegen das Gesetz und müssen bestraft werden. Schulen und Spitäler benötigen gute Ausbildung und umfassende Unterstützung. Unter Androhung von Strafen sind die Projekte von Anfang an zum Scheitern verurteilt. 

Wirksame Interventionen müssen auf Vertrauen, Diskretion und Achtung der Rechte der Mädchen basieren. Diese Prinzipen werden von der NLA mit Füssen getreten.

Der Entwurf erlaubt Lehrern beispielsweise Beamte von anderen staatlichen Ämtern intervenieren und „Hochrisikoverhalten“ von Mädchen stoppen zu lassen. Ohne die Zustimmung der Betroffenen und ihrer Familien.

Darüber hinaus erhalten Beamte die Befugnis, Warnungen an Eltern abzugeben, Schulen oder Eltern Berichte über familiäre Situation, Verhalten der Mädchen und private Informationen über Sexualität und sexuelle Aktivitäten abzugeben. Das ist nicht akzeptabel.

Beamte werden berechtigt, in jegliche Orte einzudringen, in denen ihrer Vermutung nach Mädchen sich sexuellen Aktivitäten hingeben. Sie können sie zur Befragung für 12 Stunden verhaften.

Mädchen können ihren Eltern weggenommen werden, wenn Beamte die Qualität der Erziehung anzweifeln. Wer nicht kooperiert kann mit bis zu einen Monat Gefängnis und/oder 10’000 Baht bestraft werden.

Der Entwurf ist stark sexistisch. Er fokussiert ausschliesslich auf Mädchen, „Bad Girls“. Alle Massnahmen zielen ausschliesslich auf Bestrafung. Er ist zutiefst elitär, weist Eltern die Schuld zu ohne strukturelle Faktoren zu berücksichtigen, schwächt Familien und entfremdet Kinder von der Schule.

Ein weiteres Stück Gesetzgebung, das aufzeigt, dass die für die Reform verantwortlichen Gesetzgeber in einer vergangenen Welt stehen geblieben sind. Der Entwurf - geschrieben von Beamten, die ihre Macht ohne Rücksprache mit anderen Interessengruppen ausbauen wollen - ist überholt.

Dieses Zwangsrecht hat nichts mit der Realität und den komplexen Problemen von Teenager Schwangerschaften zu tun. Eine grobe Verletzung der Grundrechte, welche verworfen werden muss.

Quelle: Bangkok Post

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen