Samstag, 15. August 2015

Der Akt und die Nacktheit

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Seit Jahrhunderten Tradition in der westlichen Kunst, waren und sind nackte Körper in Asien umstritten. Während niemand Michelangelos David oder Paul Rubens Drei Grazien obszön findet, ist die Linie zwischen Nacktheit und Blösse, künstlerisch oder pornographisch schwierig zu definieren und in Thailand werden Akte weitgehend hinter verschlossener Tür gehalten - aus Angst, Anstoss zu erregen.

Akt oder einfach nur nackt? Thailändische Künstler mit ihren Arbeiten.
Umso erstaunlicher, dass Bangkok Gastgeber von nicht nur einer, sondern zwei Ausstellungen über nackte Kunst ist. "Body Light Motion" an der HOF Art Space und "Naked Allure" im Bangkok Art und Culture Centre.

"Ja, Nacktheit in der Kunst ist vor allem ein westliches Konzept, Beispiele unbekleideter männlicher und weiblicher Körper stammen aus dem Alten Griechenland", sagt Jaturong Hirankarn, der seine Signatur-Technik überlappender Aufnahmen an der "Body Light Motion" zeigt.

"Ich würde gerne sehen, dass Menschen verstehen, was Kunst-Fotografie des weiblichen Aktes bedeutet. Früher war ich besorgt über die Unterscheidung von Akt und nackt, was Kunst ist und was in Männermagazine gehört. Mein Ziel ist, den Unterschied zu zeigen zwischen Kunst und Obszönität. Tatsächlich hat mir eines meiner weiblichen Models gesagt, wenn einer durch meine kreativen Fotos erregt würde, müsste er zum Psychologen. Sie erkennt die Kunst in meiner Arbeit - die Schönheit, die Geschichte und die Technik. Egal wie schön oder sexy das Model ist, ich sehe mehr als Sexualität und fokussiere auf emotionalen Ausdruck, Stil, Licht und Schatten wie auch auf die Komposition."

"Sensual Flow", ein Foto welches auf von Schweiss bedeckte Brüste eines Models fokussiert, ist nicht obszön, ergänzt Kollegin Thanakorn Telan, die für die Ausstellung mit Jaturong zusammen arbeitet.

Wer sich die Objekte der zweiten Etage des HOF Art Space anschaut, dem wird klar, dass beide Künstler den Kontrast von Licht und Schatten auf die Form und Struktur eines Körpers akzentuieren.

Die "Naked Allure" Ausstellung im BAAC zeigt 150 Zeichnungen von 17 Künstlern auf der Grundlage der Schönheit weiblicher Formen. Alle nahmen an einem Gespräch über ihre Werke teil und teilten ihre persönliche Interpretation von Akt und nackt mit.

"Ich denke, der Unterschied zwischen Kunst und Obszönität besteht darin, was man auf den ersten Blick sieht. Wenn Sie Farben, Schläge, Charakteristiken und Ausdruck schätzen, ist Nacktheit Kunst. Aber wenn Sie eine sexuelle Regung sehen und fühlen ist es obszön. Alles was ich mir wünsche ist, das Betrachter ihre Vorurteile vor der Türe lassen", sagt Künstlerin Sudaporn Teja.

"Meine Werke handeln von der Reinheit des Lebens und der menschlichen Natur. Ich mag Licht und Schatten auf dem Körper und das Fliessen der Linien. Meine Bilder sind in drei Teile getrennt: Frauen mit emotionalem Ausdruck und Körpersprache, schwangere Frauen, deren Körper sich verändert und zeitgenössische Frauen wie Ladyboys."

"Die ästhetische Beurteilung ob Kunst oder obszön hängt von der Absicht des Künstlers ab. Wie er sein Model stellt und sein Fokus aufs Geschlechtsorgane. Das Konzept der Ausstellung basiert auf Schönheit und sie ist nicht im geringsten obszön. Wie ein Film, der ab 17 zugelassen ist im Vergleich mit einem Porno", sagt Kritsana Chaikitwattana.

"Ich möchte nicht, dass irgend jemand sexuelle Gefühle entwickelt, wenn er meine Bilder sieht. Meine Arbeiten handelt von der Rohheit der Gefühle. Eines meiner Models ist eine Prostituierte, die am Kreisel des 22. Juli arbeitet und auf die rohen Bedürfnisse von einfachen Männern antworten muss. Deshalb zeige ich die Gewalt des menschlichen Geistes. Der Ladyboy zeigt die soziale Unterdrückung. Obwohl sein Penis zu sehen ist, hat es nichts mit Sexualität zu tun."

Maler Palut Marod fühlt gleich. "Wenn ich ein nacktes Model vor mir habe, denke ich nicht an Sexualität, sondern die Struktur der Kunst. Da mein Thema Akt ist, denken die Leute, dass ich etwas Obszönes mache. Also gebe ich Farbe auf die Leinwand, welcher von einer anderen Leinwand überlagert ist. Die Schichten von Farben und Texturen zeigen Liebe."

Aber während die Künstler die Nackten als Kunstwerk sehen, um die eine Landschaft oder ein Stilleben gebaut ist, bleibt es zumindest für das thailändische Publikum eine ästethische Gratwanderung mit der allgegenwärtigen Gefahr, von der Seriosität ins Obszöne abzustürzen.

"Kunst braucht Erklärung, weil diejenigen, die sie sehen, die Dinge anders sehen. Wir möchten, dass Menschen ihren Geist öffnen und versuchen, mehr die Kunst als das Objekt zu würdigen", sagt Künstler Muangthai Busamaro.

"Meine Arbeiten zeigen eine nackte Frau bei alltägliche Dingen, wie dem Öffnen eines Vorhangs oder Haare kämmen. Ich versuche ihre weiblichen Attribute durch Winkel und Farbe zu decken, bin mir aber bewusst, dass Nacktheit in Thailand ein riskantes Thema ist."

Gumsak Atipiboonsin hat ebenfalls darauf geachtet, nicht alles zu zeigen. Seine Arbeiten sind intensiv und emotional, er vermittelt seine Botschaft eher mit einer Spur Farbe als dem Körper.

Die Ausstellungen

- "Body Licht Motion" im HOF Art Space bis nächsten Montag. Dann in der HOF Art Residency von Mittwoch bis zum 31. August. Öffnungszeiten täglich von 10 bis 19 Uhr. Infos: www.hof-artbangkok.com

- "Naked Allure" öffnet am Donnerstag im Bangkok Art and Culture Centre. Die Ausstellung dauert bis zum 19. September. Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 Uhr bis 21 Uhr. Im November wird  "Naked Allure" wird am HOF Art Space zu sehen sein. Infos: www.bacc.or.th.

Quelle: Nation

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