Montag, 31. August 2015

Off-Road und ausser Kontrolle

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Ein flüchtiges Schweigen lag über dem dichten Dschungel. Ein Unheil verkündendes Vorzeichen des Horrors, der sich bald entfalten sollte. Noch Sekunden zuvor hatte der Sound eines hochdrehenden Motors von einer Wagenladung Touristen begeistert Beifall entlockt. Das Flackern der Ruhe wich Schreien und dem unverwechselbaren Knall von zerschmetterndem Metall.

Sightseeing vor Sicherheit: Touristen sitzen im Krähennest, sprich auf dem Dach für eine Off-Road Tour.
Für jene, die öfter auf diesen Pfaden unterwegs sind, ist es ein schmerzhaft vertrauter Lärm.

Die Strasse, die zum Namuang Wasserfall führt, einer beliebten Touristenattraktion im Süden Ko Samui’s, ist steil und gefährlich. Kaum einen Kilometer lang ist sie unbefestigt und schlecht unterhalten. Eine Stück loser Steine und Erde, skizziert von Fahrspuren, die sich während des Monsuns nach und nach vertiefen.

Kaum hatten die belgischen Touristen Mark Blockhuys und Johanna Lowist ihre Mietroller am Fuss des Hügels abgestellt, wurde ihnen eine Fahrt auf einem 4x4 Pickup zum Wasserfall angeboten. Die Fahrzeuge waren erheblich verändert worden. Ein sogenanntes Krähennest thronte auf dem Dach der Fahrerkabine, ein Stahlrahmen umgab die Sitzbänke auf der Ladebrücke.

„Ich bin ein grosser Off-Road Fan und besitze selbst einen Chevrolet Pickup, den ich ab und zu im Gelände bewege“, sagt der 45-jährige Blockhuys. „Aber die Idee auf der Brücke oder gar dem Dach durchgeschüttelt zu werden gefiel mir nicht und ich sagte: wir gehen zu Fuss.“

Die Deutsche Alice Gehlen und ihre Kusine Josefine Marks erreichten ungefähr zur selben Zeit den Ausgangspunkt. Am Ende ihrer zwei Wochen in Thailand wollten sie sich noch den Wasserfall ansehen. Auch sie wurden aufgefordert, mit dem Pickup zu fahren. Beide bezahlten je 100 Baht und kletterten auf das Krähennest.

Horror Szenario

Während sie zu Fuss unterwegs waren, kamen das belgische Paar an eine Weggabelung. Einer der Pfade führt direkt, aber sehr steil auf den Gipfel des Hügels. Sie entschieden für den längeren, aber sanfter ansteigenden Weg. Hinter ihnen setzte sich der Allrad Pickups, vollbeladen mit Passagieren, in Bewegung.

„Meine Frau meinte noch, wir sollten aus dem Weg gehen, weil wir das Motorengeräusch deutlich hören konnten. Wir konnten den Pickup nicht sehen, wollten aber genügend Abstand halten, wenn er an uns vorbeifährt. Aber der Wagen fuhr geradeaus und nahm den steilen Pfad.“

Was als nächstes geschah, bleibt Gegenstand der polizeiliche Ermittlungen. Der Pickup mit Gehlen und ihrer Kusine rutsche irgendwie zurück bevor er sich drehte und auf dem Dach liegend zu stehen kam. Blockhuys und Lowist rannten in die Richtung, wo Schreie herkamen. Was sie sahen, beschrieben sie als Horror Szenario. Die Touristen, die meisten aus Singapur, kletterten aus dem Fahrzeug, aus dem Treibstoff auslief.

Die Unfallstelle mit dem Pickup von Samui Offroad Mountain Tours, unter dem Alice Gehlen getötet wurde.
Unter dem Pickup festgeklemmt war die 27-jährige Gehlen. Sowohl sie auch ihr Kusine waren wohl angeschnallt, aber angeschnallt auf dem Krähennest bedeutete in diesem Fall nichts Gutes. Blockhuys und Lowist, eine qualifizierte Erste-Hilfe Sanitäterin, traten in Aktion. „Unser erste Hilfe galt einem Mann, der auf einer Seite des Pickups halb herausragte“, sagte Blockhuys. „Er versuchte noch immer den Sicherheitsgurt seiner seiner schwangeren Frau zu lösen.“

Bald wurde klar, dass es Gehlen am schlimmsten getroffen hatte und der Pickup angehoben werden musste um sie befreien zu können. Das Fahrzeug war mit einem Wagenheber ausgestattet, aber der war an der vorderen Stossstange angeschraubt und konnte nicht ohne Werkzeug entfernt werden.

Unterdessen begann Gehlens Körpertemperatur zu sinken. Schliesslich gelang es mit Hilfe von sechs Personen, den Pickup genügend anzuheben um sie aus den Trümmern zu ziehen.

„Meine Frau fühlte ihren Puls am Handgelenk, ich am Hals“, sagte Blockhuys. „Leider gab es keinen mehr. Ihr Körper und auch ihr Kopf erlitten schwere Verletzungen. Deshalb versuchten wir keine Reanimation. Wir glauben, sie war sofort tot.“

„Der Unfall war unvermeidlich“

Es gibt vier Unternehmen, die auf Ko Samui Off-Road Safaris anbieten. Die grösste ist Samui Offroad Mountain Tours. Sie gehört dem Besitzer des Namuang Safari Parks, wo der Unfall am 5. August geschah.

Für die Bewohner Ko Samui’s gehören die Safari Pickups schon lange zu einer bekannten Bedrohung. Nicht nur für häufige Unfälle auf den Feldwegen und Pisten der Insel berüchtigt, sondern auch für die Belästigungen auf den engen öffentlichen Strassen. Ein Angestellter des Namuang Safari Parks bestätigt, dass einige der Unternehmen einen schlechten Ruf hätten, die Kritik aber unberechtigt sei.

„Wir sind ein grosses Unternehmen, die Bewohner gehen davon aus, dass alle Safari Touren schlecht sind. Viele sind wegen dieses Missverständnisses gegen uns“, sagt der anonym bleiben wollende Mann. „Der Unfall war unvermeidlich, aber wir wehren uns nie dagegen, die volle Verantwortung zu übernehmen.“

Die Firma organisiert Dschungel Safaris als Tagesausflüge für Touristen, die sie normalerweise in Reisebüros von Hotels buchen. Aber die Fahrer wollen ihr Einkommen aufbessern. Wenn’s noch freie Plätze gibt, nehmen sie auf der Fahrt zum Wasserfall für 100 Baht auch andere Besucher mit.

Der Angestellte gab an, dass sein Unternehmen für alle Verantwortung übernehme, auch diejenigen, die keine Tour gebucht hätten, weil sie zuvor Eintritt ins Privatgelände des Safari Parks bezahlen mussten. Ob sie zu Fuss zum Wasserfall hochgehen oder auf einem Pickup heraufführen, die Firma garantiere in beiden Fällen für die Sicherheit und behandle alle gleich.

Ein Verantwortlicher des Unternehmens sagte, dass alle ihre Fahrer schon vor einer Anstellung „ziemlich erfahren“ sein müssten. Einmal angestellt, erhielten sie professionelles Off-Road Fahrtraining, bevor sie Touristen transportieren dürfen. Sie würden regelmässig auf Alkohol getestet und ihre Blutwerte untersucht.

„Wir machen nicht alles dafür, ein Unternehmen von höchster Qualität zu sein“, sagte der Angestellte, der nicht mit Namen genannt werden will. „Wir ziehen es vor, unseren eigenen Standards zu genügen und lassen uns Zeit, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass wir keine verantwortungslose Firma sind.“

Der Unfall vom 5. August ist der zweite, in den Samui Offroad Mountain Tours in den letzten Jahren involviert war. Letztes Jahr wurden acht Touristen verletzt, als bei einem der Fahrzeuge auf einem steilen Abschnitt entlang des Maenam Soi 5 bergab die Bremsen versagten.

Die Firma ist nicht die einzige mit einer schlechten Sicherheitsbilanz. Im Februar wurden zwölf Touristen in der Nähe des Na Nim Wasserfalls verletzt, als ihr Pickup von Funny Day Safari in einen ähnlichen Unfall verwickelt war. Ein Zeuge berichtete der Polizei, dass Fahrzeug sei mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen, bevor es von der Strasse abkam.

Es gibt noch viele weitere Berichte, meist aber nur anekdotisch, weil die Bewohner Angst haben an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie sprechen von einer gesetzlosen Insel, beherrscht von kriminellen Interessen und Schattenwirtschaft. Ruf schädigende Ereignisse - von Safari Unfall bis Mord - würden zur Erhaltung des Images bedeckt gehalten.

Von den drei anderen Unternehmen, welche Off-Road Touren auf Ko Samui anbieten, wollte sich keine offiziell äussern.

Katastrophe in Lauerstellung

Der Präsident des Tourismusverbandes von Ko Samui, Sene Puwasetthaworn, sagt, die Behörden wären sich dem Safari Problem seit einiger Zeit bewusst, hätten aber nichts für mehr Sicherheit unternommen.

Üblicherweise bewegten sich die Safari Pickups auf öffentlichen Strassen zur Vermeidung von rechtlichen Folgen vorsichtig, aber einmal im Gelände, würden die Fahrer stoppen und ihre Gäste aufs Dach klettern lassen.

„Ich sagte mir selbst immer wieder, dass es eines Tages zu einem tragischen Unfall kommen wird, weil das Sitzen auf dem Dach eines Fahrzeuges auf unbefestigten und gebirgigen Strassen überhaupt nicht sicher ist. Es ist eine Katastrophe in Lauerstellung.“

Er hätte sich beim Gouverneur und Distrikt Chef dafür eingesetzt, die Krähennester auf den Dächern der Pickups zu verbieten und Bedenken über die Qualität der Ausbildung der Fahrer geäussert. Aber es geschah nichts.

„Sie halten sich ans Gesetz, wenn sie gesehen werden. Aber einmal in privatem Gebiet brechen sie es jeden Tag. Und die Touristen machen mit. Sie hüpfen und tanzen auf dem Dach der Pickups. Es ist unglaublich gefährlich.“

Sene weist schnell darauf hin, dass Pickup Unfälle nur eines einer ganzen Litanei von Problemen sei, die das Bild von Ko Samui freundliche Destination für Touristen schädigen. Raub von öffentlichem Grund, Betrug bei der Vermietung von Jet-Skis und Motorrädern wären ebenfalls weit verbreitet und nur lasch von den Behörden verfolgt.

„Die NCPO kam nach dem Putsch für eine Weile hierher, hielt alles für eine Weile unter Kontrolle. Aber sobald sie weg war, ging alles wieder seinen gewohnten Weg. Ich wünsche mir strengere Gesetze zur Kontrolle der illegalen Aktivitäten.“

Über dem Gesetz

Gehlens Tod war gemäss Polizeioberst Paithoon Krajajang, Superintendent von Ko Saums, der dritte tödliche Unfall mit Off-Road Safari Pickups in den letzten Jahren. Statistiken über die Anzahl Verletzte gibt es nicht.

Er sagte, dass, auch wenn die Modifikation an der Safari Pickups offensichtlich illegal sind, die Polizei kaum etwas dagegen machen könne, da sie meist auf Privatgeländen eingesetzt werden.

„Das ist eine Touristen Destination. Da gibt es viele Ausnahmen von Gesetzen, welche die Erlebnisse von Touristen unvergesslich machen sollen. Leider ist dies eine davon. Es gibt viele, die Nervenkitzel suchen und gefährliche Abenteuer erleben wollen. Wenn Bedarf besteht, gibt es Angebote.“

Oberst Patihoon sagt, dass seine Beamten täten, was sie konnten. Durchsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf öffentlich Strassen. Aber sobald sich die Pickups auf private Strassen begeben, gebe es nichts, was sie tun könnten.

Die Untersuchung des Unfalls, der zu Gehlens Tod führte sei noch am Laufen. Der Fahrer hatte der Polizei gesagt, dass eine der beiden Touristinnen im Krähennest - entweder Gehlen oder Marks - auf’s Dach geklopft habe, weil der „Sitz sich gelöst habe“. Als er ausstieg, rutschte das Fahrzeug den Berg herunter und drehte sich. Noch ist nicht klar, weshalb.

„Ich kann garantieren, dass wie an diesem Fall dranbleiben“, sagt Paithoon. „Wir wischen nichts unter den Tisch. Wir sind der Beschwerdeführer in dieser Sache, weil es ein Strafverfahren ist.“

Bestehen der Prüfung

Zumindest ein Teil des gerichtlichen Vorgehens gegen Samui Offroad Mountain hängt wahrscheinlich davon ab, ob die Modifikationen am Fahrzeug als gesetzeswidrig eingestuft werden. Narong Chuming, Experte der Fahrzeug Kontrollstelle von Ko Samui, sagte, dies sei annähernd sicher.

Narong sagte weiter, dass jede Art von Modifikation ohne Bewilligung das Gesetz breche und ein modifiziertes Fahrzeug die jährliche Prüfung nicht bestehen könne.

„Ich habe noch nie ein derartiges Fahrzeug zur Verlängerung der Lizenz herfahren sehen. Es ist möglich, dass sie von privaten Unternehmen geprüft werden. Wenn Fahrzeugbesitzer und Prüfer sich kennen, kann es ohne weiteres eine Jahres-Plakette geben. Bei uns würden sie die Prüfung nie bestehen.“

Eine Lücke im Gesetz erlaubt jedoch Tour-Anbietern ganz auf eine Prüfung zu verzichten. Wenn die Fahrzeuge weniger als sieben Jahre alt sind, muss das Fahrzeug für die jährlich anfallende Verlängerung der Zulassung nicht gezeigt werden. Die Pickups von Samui Offroad Mountain Tours scheinen aktuelle Modelle zu sein.

„Du wirst immer in unseren Herzen weiterleben“

Weniger als einen Monat nach dem Unfall machen die Dschungel Safari Anbieter auf Ko Samui weiter wie bisher. Lokale Quellen sagen, das das Vorgehen der Polizei gegen die Krähennester für einige Tage nach dem Unfall anhielt. Aber bereits letzte Woche waren die Fahrzeuge wieder voll im Einsatz und im Namuang Safari Park konnten letzten Donnerstag auf den Dächern der Pickups Touristen gesehen werden. Der Besitzer von Samui Offroad Mountain Tours baut gemäss Berichten sein lukratives Geschäft weiter aus.

Gehlens Familie musste sich inzwischen um den traurigen Prozess der Rückschaffung kümmern. Ihr Vater sagt, seine Tochter sei eine erfahrene Reisende gewesen und habe Asien sehr geliebt.

„Alice war ein offene und positive Person, immer freundlich und offen für andere Kulturen. Sie liebte Asien und vor allem Thailand, wegen der Freundlichkeit der Menschen. Nach  Reisen berichtete sie begeistert von ihren Erlebnissen und Erfahrungen.“

Sie hätte am 8. August, drei Tage nach dem Unfall, zurück in Düsseldorf sein sollen. Ihr Vater sagte, dass er sich des Unfalls nach einem Anruf von Marks erstmals bewusst wurde. Aber das Versagen der Behörde richtig zu kommunizieren und zu unterstützen hätten die Angst der Familie verlängert.

„Es dauerte zwölf Tage ihre sterblichen Überreste nach Deutschland zu bringen. Diese wertvolle Zeit fehlt, um von ihr in Würde Abschied zu nehmen. Sie bedeutet der Familie einen Verlust, der nicht mit Worten beschrieben werden kann. Ihr Verlobter hat seine wertvollste Partnerin verloren, mit der er sein Leben verbringen wollte.“

Letzten Donnerstag wurde in einer deutschen Zeitung eine Todesanzeige veröffentlicht: „Du bist fort, aber du wirst für immer in unseren Herzen weiterleben“. Statt für Blumen, bat die Familie um Spenden für Alice Gehlens Patenkind in Afrika.

Herr Gehlen will eine Zivilklage gegen die Samui Offroad Mountain Tours einreichen. Ein Rechtsanwalt aus Deutschland, Martin Radermacher, bestätigte, dass er die Familie vertreten wird.

„Das Geschehen nach dem Unfall muss unglaublich unprofessionell und ohne Engagement von niemanden an Ort und Stelle zu und her gegangen sein“, sagte Gehlen. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt Hilfe oder Informationen von einer staatlichen Stelle erhalten, weder von unserem eigenen Land noch von Thailand.“

Das wird vom belgischen Paar, welches als erste an die Unfallstelle kam, bestätigt. „Wir sind enttäuscht, dass so wenige Leute uns helfen kamen. Wir waren wütend, dass es keinen organisierten Notfallplan gab und frustriert, dass unschuldige Menschen zu einer Aktivität mit sehr hohem Risiko gedrängt wurden“, sagt Blockhuys.

„Niemand verdient in einer solchen Situation allein gelassen zu werden. Jeder verdient eine Rettungsversuch.“

Quelle: Bangkok Post

Sonntag, 30. August 2015

Kein Monkey Business

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Bei Sonnenaufgang bricht eine Gruppe langschwänziger Makaken auf Futtersuche in die Mangroven von Bang Khun Thian, dem südwestlichsten Bezirk Bangkok's, auf. So, wie sie es schon immer getan haben. Sie sind sich dem verschwindenden Wald und dem Einfall von befestigten Strassen zweifellos bewusst, wühlen immer mehr in Abfällen für immer knapper werdende Nahrung.


Sie mögen nicht verstehen, dass Menschen ihr Reich übernommen haben und sie jetzt die Eindringlinge sind. Am Golf von Thailand gelegen ist Bang Khun Thian, einer der 50 Stadtbezirke von Thailand's Hauptstadt, die Heimat von rund 800 Javaneraffen. Sie sind doppelt bedroht: von der Expansion Bangkok’s und der Küstenerosion. Die Affen können auf der Nahrungssuche von Autos angefahren und von der Bevölkerung angegriffen werden, weil sie sich ihnen wegen Taschen voller Essen nähern.

„Die Affen sind böse. Sie stehlen unser Essen. Sie dringen bei uns ein“, sagt Anant Liangbamrung, Chef der Bang Kadee Gemeinschaft, welche angrenzend an die Feuchtgebiete von Bang Khun Thian liegt. Er rät Leuten mit Taschen oder anderen Dingen in der Hand diese fallen zu lassen, wenn sich Affen nähern. Viele wurden beim Versuch sie davon abzuhalten schon gebissen.

Angelockt von den Gerüchen sammelt sich jeden Morgen früh ein Rudel von gegen 50 Affen vor dem Wat Bangka in der Soi Thian Talay 22. Sie sind an den von den Mönchen bei ihrer morgendlichen Almosenrunde gesammelten Lebensmitteln interessiert. Leute berichten von Einbruchdiebstählen. Die Makaken dringen in Häuser ein und machen sich mit dem Inhalt des Kühlschranks auf und davon, hinterlassen dabei Sachschäden an Einrichtung und sogar geparkten Fahrzeugen.

Anant spricht von schwierigen Zeiten. Viele Bewohner würden bei der Distrikt Behörde Druck ausüben, fordern, dass die Makaken endlich und so schnell wie möglich vertrieben werden. Die Primaten hätten einen verheerenden Einfluss. Menschen könnten sich kaum mehr frei bewegen, würden eingeschüchtert, da die Affen nicht zögern zuzubeissen.

„Wir haben eine Menge Probleme mit ihnen. Wir wollen sie nicht töten oder ihnen sonst etwas antun. Wir wollen nur, dass die Behörden sie vertreiben.“

Etliche wurden schon beobachtet, wie sie mit Schleudern bewaffnet die Affen von Diebstahl in ihren Häusern abhalten wollen. Der 70-jährige Somrith Sombun musste für Tausende von Baht seine Dach reparieren lassen, nachdem es von den Makaken beschädigt wurde. Sie würden eine gewissen Nachsicht walten lassen, versuchen sie mit Kapi - einer zumindest für Ausländer meist übel riechenden Garnelenpaste - und ausgestopften Krokodilen vor dem Eindringen ins Haus abzuhalten. Aber das funktioniert nicht immer.

„Sie reissen die Krokodile auseinander. Schauen uns mit einem bösen Grinsen an, wenn sie um uns zu entkommen auf Bäume klettern.“ Weshalb sie ausgerechnet Kapi und Krokodile verwenden, weiss er nicht so genau. Irgendwie, meint er, glauben die alten Leute daran.

Gemäss der Bezirksverwaltung von Bang Khun Thian leben von den gegen 800 Makaken bis zu 300 im Khun Kala, einem nahe gelegenen Mangrovengürtel, der neuerdings eine Touristen Destination mit Seafood Restaurants ist. 200 leben in bewohnten Gebieten, der Rest in den Mangroven der Bang Kadee Gemeinschaft.

Der Verwaltung hat versucht, mit dem Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation sowie dem Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt eine Lösung auszuarbeiten. Alle Affen in die Mangroven von Khun Kala umzusiedeln scheint am Erfolgversprechensten.

Ausser an der schlammigen Bang Khun Thian Küstenlinie gibt es mit Makaken im Phra Kan von Lopburi und in Chonburis Khao Sam Muk ähnliche Probleme.

Die Mangroven von Bang Khun Tian sind auch ein Paradies für Fische, Muscheln, Garnelen und Krabben. Doch ihre und die Probleme der Affen im Aussenbezirk Bangkok’s haben sich an zwei Fronten verschlimmert: extensive Garnelenzucht hat viele der Mangroven zerstört, steter Wellengang und Klimaerwärmung beschleunigt die Erosion der Küste.

Ein Bambuswall soll die Küstenlinie von Bang Khun Thian vor Erosion schützen. 
Gemäss der Bangkok Metropolitan Administration, BMA, wurden zudem etwa 60% der Mangroven zerstört und Häuser darauf gebaut.

Einer Studie der BMA zufolge sind 800 bis 1’000 Meter der Küstenlinie über die Jahre erodiert. Zwischen 1979 und 1991 betrug die Erosion 17.4 Meter pro Jahr, fiel zwischen 1992 und 2000 auf 9.5 Meter. Zur Zeit beträgt sie zwischen 1.4 und 1.5 Meter.

Naturschützerin Mongkolpas Onakaew, Anführerin einer Gruppe von Aktivisten für die Rechte von Tieren, sagte, dass sie oft vorbeikämen und die Primaten füttern würden. Damit wollen sie Passanten vor Angriffen schützen.

Die Gruppe sammelt unter seinen Mitgliedern Geld für den Kauf von Obst, insbesondere Bananen, Longan und Mangostan und erwägt ein grösser angelegtes Spendenprogramm. Ein Teil davon soll für die Umsiedlung nach Khun Kala eingesetzt werden.

Mongkolpas sagt, dass die Makaken ein integraler Bestandteil von Bang Khun Thian sind. „Sie haben Hunger und kämpfen ums Überleben. Wenn sie satt sind werden sie nichts mehr von Menschen klauen. Lasst uns die Primaten schützen.“

Siriwan Yuthiphong, eine Sicherheitsbeamtin, die seit 30 Jahren in der Gegend wohnt, sagt, dass die Affen früher nie aggressiv waren. Sie hat beobachtet wie die Affen ihren Lebensraum immer mehr an Menschen verloren haben.

„Stellen sie sich vor, wie jemand ihr Land und Haus schleift. Sie wären verletzt, nicht? Kein Zuhause mehr, nichts zu essen. Die Tiere fühlen gleich.“

Rungsrit Kanjanavanit, Vorstandsmitglied der Seub Nakhasathien Foundation sagte, Javaneraffen seien nicht bösartig, aber könnten manchmal aggressiv werden. „Sie sind klug genug, Menschen zu erkennen, die sie angreifen wollen.“

Als sehr adaptive Lebewesen sollten die Behörden sie eine gesunde Umgebung umsiedeln, beispielsweise in den Marine National Park von Sam Roi Yot oder in Küstenprovinzen wie Chanthaburi oder Rayong, wo es genügend Nahrung, besonders Krabben, gebe.

Rungsrit befürchtet einen Kampf unter den männlichen Gruppenbossen, wenn die Affen umgesiedelt werden. „Tiere haben einen natürlichen Überlebens-Instinkt. Ich glaube nicht, dass sie Menschen verletzten wollen.“

Quelle: Bangkok Post

Samstag, 29. August 2015

Grosses Geschrei, wenig Fakten

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Der Nebel des Krisenmanagements in Thailand kann dicht und schwer liegen. Fast vierzehn Tage nach der mächtigen Explosion im Zentrum Bangkok’s haben die Behörden so gut wie keine Fortschritte gemacht. Führende Beamte von Premierminister Prayut bis zum nationalen Polizeichef und ihre Sprecher haben alle an unterschiedlichen Tagen unterschiedliche Statements abgegeben. Sie entlarven sowohl nachlässige Untersuchung des Tatorts als auch schwache Strafverfolgung. 


Ermittlungen der Polizei nach dem Attentat am Erawan Schrein.  
Von Anfang konzentrierten sich die Ermittlungen auf Identität, Netzwerk und Motiv des von Sicherheitskameras gefilmten, vermeintlichen Bombenlegers. War es die Tat von verärgerten Thais, stecken von Thailand geschädigte Ausländer dahinter und wird so etwas wieder passieren, dieses nie zuvor erlebte Muster von Terrorismus?

Um es gleich zu sagen, wenn Thailand von schwerwiegenden internen oder externen Schocks heimgesucht wird, wie der Wirtschaftskrise 1997 oder dem Hochwasser 2011, tendiert das Beamtentum in Myriaden von Richtungen zu antworten. Geprägt von Widersprüchen, Aufruhr, Verwirrung und Windungen. Krisenmanagement ist keine Thai Stärke, aber Thais können sich bis sie vorbei sind gut durchwursteln und hoffen am Ende, dass sie nie mehr kommen. Und sie sind geschickt, die Scherben aufzulesen.

Nach dem Attentat hörten wir den Premierminister sich eine Strafverfolgung in der Art der TV-Serie Blue Bloods wünschen. Der Regierungssprecher, Generalmajor Gansern Kaewkamnerd reagierte schnell und vermutete, dass es sich um eine Tat von politischen Gegnern der Militärregierung handeln könnte. Noch lassen sich sowohl General Prayut als auch Verteidigungsminister und General Wongsuwan alle Möglichkeiten offen. General Somyot Poompanmoung, der nationale Polizeichef, verwies auf Karma und Ausrichtung der Sterne, ob der oder die Täter jemals geschnappt werden können. 

Sein Sprecher, Generalleutnant Prawut Thavornsiri bestand darauf, dass das schlimmste je in Bangkok erlebte Attentat kein Akt von internationalen Terroristen sein konnte. Sogar wenn es Terrorismus sei, könne es nicht als Terrorismus bezeichnet werden, weil Thailand vom Tourismus abhängig ist.

Andere Kommentare von öffentlichen Stellen machten die Runde. Gerüchte und Verschwörungstheorien auf Sozialen Medien spannen den Bogen von Innenauftrag der Regierung selbst, über die Opposition und südliche Aufständische bis zu internationalen Terrornetzwerken oder gar einem inländischen Auftraggeber, der für die Tat einen Ausländer angeheuert hatte.

Es ist sinnvoll erst die Fakten anzuschauen. Ausmass, Intensität und Letalität der Bombe sind in Thailand beispiellos. Wenn es im tiefen Süden passiert wäre, wäre es ohne Schwierigkeiten internen Streitigkeiten zuzuordnen. Klar war diese abscheuliche Tat mit ihrem hohem Blutzoll Terrorismus. 

Terroristen handeln nicht nach Zufall. Sie wählen Ort und Aktion gezielt. Das wurde an diesem Montag Abend zur Rush-Hour deutlich. Es ist der einzige Tag der Woche, an dem die Strassenverkäufer rund um den Erawan Schrein keine Girlanden und Blumen verkaufen dürfen. Wenn die Behörden zu genau diesem Zeitpunkt die Besucher zählen würden, wäre die Mehrheit Ostasiaten, keine Thais. 

Um noch mehr Schaden anzurichten hätte der Attentäter die Rucksackbombe im nahen Central World oder Siam Paragon hochgehen lassen können. Er hätte den Tag zuvor wählen können, als Zehntausende zum Geburtstag der Königin durch Bangkok radelten. Oder andere Tage, an denen beim Schrein auch die Geschäfte der Strassenhändler auf Hochtouren laufen. Die Tatsache, dass der Montag Abend gewählt wurde, darf nicht vernachlässigt werden.

Auch die Aussagen der Zeugen sprechen für sich. Sowohl der Tuk-Tuk Fahrer, der den Verdächtigen zum Schrein brachte, als auch der Motorrad Taxifahrer, der ihn wegbrachte, bestanden darauf, dass er nicht Thai sprach. Die Indizien Timing und Ort, wie die Zeugenaussagen scheinen die einzigen zuverlässigen Fakten im Dunkel der nachlässigen Forensik der Polizei zu sein.

Für jeden Mitspieler in der Thai Politik würde eine derartige Bombenexplosion ein nicht kalkulierbares Risiko ohne Ergebnis bedeuten. Anti-Regierungsfraktionen können das Militärregime durch ein solche Aktion nicht verdrängen. Die amtierende Junta braucht sicher keinen Terroranschlag zur weitern Schwächung der Wirtschaft weiter und um aufzuzeigen, dass sie die öffentliche Sicherheit nicht gewährleisten können.

Wenn irgendeine Verbindung gefunden würde, wären einheimische Täter erledigt. Er, sie oder die Gruppe Staatsfeind Nummer 1 aller Thais. Das Risiko wäre einfach das Resultat nicht wert. Darüber hinaus gibt es weit erprobtere Möglichkeiten zur Destabilisierung des Landes. Beispielsweise Rohrbomben und Handgranaten mit kleinen Schäden und hoher Publizität.

Auf der anderen Seite haben die muslimischen Aufständischen noch nie Neigung gezeigt, ihren Kampf bis nach Bangkok auszuweiten. Sie haben Kommando und Kontrolle auf dem Terrain ihrer südlichen Enklaven. Die Art von Handwerk in der Hauptstadt trägt nicht die Handschrift der Gewalt im tiefen Süden.

Gewicht und Art der Beweise deuten zunehmend auf einen Anschlag ausländischer Gruppen hin. Eine Hypothese wurde nun nicht von den thailändischen Behörden, sondern von Anthony Davis erstellt. Er ist investigativer Journalist und Analyst in Sicherheitsfragen. Sein Finger zeigt auf die fanatischen und rechtsextremen Grauen Wölfe aus der Türkei. Sie könnten durch die Abschiebung von 109 muslimischen Uiguren motiviert worden sein. Ihnen droht ein ungewisses Schicksal. Die Abschiebung vor gut einem Monat hatte bereits zu Attacken auf thailändischen Einrichtungen in der Türkei geführt.

Die thailändische Regierung darf keine Möglichkeit ausschliessen. Sie darf sich nicht dem Terrorismus beugen und muss die Täter mit allen verfügbaren Mitteln auf Rechtsgrundlage und harten Beweisen verfolgen. Sie sollte mit ausländischen Geheimdiensten zusammen arbeiten, wenn das Verbrechen von Ausländern begangen wurde, inklusive einem Besuch in der Türkei um mehr über die Handschrift und das Handwerk extremistischer Gruppen zu lernen. Gab es beispielsweise schon ein Attentat mit einer Bombe der selben Bauart?

Die thailändischen Behörden müssen einen Akt von Terrorismus als solchen bezeichnen. Ein Terroranschlag beendet den Tourismus nicht, sofern er gezielt adressiert und verfolgt wird, Massnahmen zur Verhinderung zukünftiger Anschläge getroffen werden. Gleichzeitig sollten sie die Verbindung mit der Ausweisung der Uiguren nicht ausschliessen, weil sie sich zu sehr in Peking beliebt machen wollten. Die Wahrheit wird uns eine neue Ausrichtung ermöglichen und unseren zukünftigen Weg aufzeichnen. 

Das schlechteste Ergebnis würde sein, dass der Anschlag den Beginn einer Terrorkampagne markiert. Das erfordert von den thailändischen Behörden Wachsamkeit und langfristig grosse Aufmerksamkeit. Das am wenigsten schlechte Ergebnis wäre, dass das Attentat am Erawan Schrein ein einmaliger, mysteriöser Vorfall bleibt, in Thailand in Verschleierung und Vergessenheit gerät ohne sich zu wiederholen. Wir alle wären froh darüber.

Von Thitinan Pongsudhirak in der Bangkok Post. Er ist Assistenzprofessor und Direktor des Institute of Security and International Studies an der Fakultät für Politikwissenschaften der Chulalongkorn Universität.

Donnerstag, 27. August 2015

Leben innerhalb des Stadtgrabens

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Direkt im Herzen des urbanen Landraubs umfasst der Stadtgraben Chiang Mai. Dort ist die ländlich entspannte Atmosphäre am Verschwinden, traditionelle Wohnhäuser werden in Gasthäuser verwandelt. Die gepflegten Rasenflächen und getrimmten Büsche der traditionellen Häuser wurden zu einer Verbindung von zum Trocknen ausgehängten Kleidern der Wäschereien, Backpaper Gassen und Smoothie Shops für vorübergehende Touristen. Den Einheimischen bleibt immer weniger Raum für ihr tägliches Leben. Viele liessen sich von hohen Preisen überzeugen und verkauften ihren Besitz.


Viele dieser typischen Häuser machten in den letzten Jahr Platz für Neubauten. 
Chiang Mai hat in den letzten fünf Jahren einen unaufhaltsamen Wachstumsschub erlebt. Der Immobilienboom begann 2011 nach dem Hochwasser in Bangkok. Auch der Einfluss von Chinesischen Touristen und Investoren wächst weiter. Nicht nur reisten 200’000 Besucher aus dem Reich der Mitte die Stadt, ausländische Investoren erkannten das grosse Potential, nicht zuletzt auch durch den kurz bevor stehenden Start der ASEAN. Viele alteingesessene Bewohner ringen mit ihrem Ideal von einer sich selbst genügsam entwickelnden Stadt. 

Die wachsenden Immobilienpreise verlocken manche Häuser und Grundstücke zu verkaufen. Die Stadt hat einen dramatischen Wertanstieg erlebt, die Landpreise haben sich seit 2013 um 49% erhöht, Immobiliengesellschaften erwarten auch in Zukunft jährliche Steigerungen von 10-15%. Mit Infrastrukturprojekten wie der Ringstrasse, der Hochgeschwindigkeit-Bahnverbindung nach Bangkok und einer Autobahn nach China wird die Nachfrage weiter anhalten.

Trotzdem konnten einige der Häuser ihr Aussehen bewahren. Die Menschen in ihnen führen inmitten des Wirbelwinds von Entwicklung weiter ihr tiefverwurzeltes Leben. Es schien an der Zeit, sich mit einigen von ihnen zu unterhalten, einen Blick in ihre Häuser und ihren Lebensstil zu werfen. Zu sehen, was sich verändert hat und was trotz der turbulenter Entwicklung blieb wie es schon immer war.

Ein Haus für Generationen

„Ist das ihr Haus?“ „Nein, nein, das gehört meiner Frau“, antwortete der ältere Mann vor einem dunkelbraunen, traditionellen Hauses nahe der Sripoom Strasse. Es ist für einen Mann nicht unüblich zur Familie seiner Frau zu ziehen. Nuan Supakoon ist 73 und schon 50 Jahre mit der 83-jährigen Gondkum verheiratet. Sie hatte das Haus vor ihren Eltern und Grosseltern geerbt. Heute leben neben dem Ehepaar auch noch zwei ihrer sieben Kinder mit ihren Familien im gemeinsamen Haushalt. „Auch unsere Enkelkinder wohnen hier, und wenn es Urenkel und Ur-Urenkel geben wird, können sie auch hier leben“, sagt Nuan.


Typisch in einem Thai Haushalt: Alles wird in Plastiktüten aufbewahrt.

Moderne Küchengeräte haben die offene Feuerstelle ersetzt, Henkelmänner sind noch im Gebrauch. 

Nuan und Gondkun auf ihrem Lieblingssofa. 

Schmuckstück


Gemütlich in einer Reihe mit kleinen Thai Food Restaurants und Budget Hotels lebt Waraporn Suwansopon. Sie ist 88 und hat ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zeitlose Eleganz ihres Haus steht im Gegensatz zu denen der umliegenden Nachbarschaft. Waraporn wuchs in einer Familie von Webern auf, auch sie hatte die Tradition fortgesetzt. Das ursprüngliche Haus wurde mit einem moderneren Anbau ergänzt, welches ihre fünf Kinder und deren Familien beherbergt. Als Staatsangestellte können sie sich die Unterhaltskosten leisten und ergänzen die schmale Rente von Waraporn. Sie erinnert sich, dass sie früher frei von Haus zu Haus gehen konnte, damals begrenzten keine Zäune und Mauern die Grundstücke.

Zement- haben die Holzsäulen ersetzt. Waraporn verbringt die meiste Zeit des Tages unter ihrem Haus. 

Im Flur des Hauses sind noch die alten, schönen Böden erhalten geblieben. 

500 Baht


Umgeben von Baugeländen steht das bescheidene Haus von Krueagaew und Goeson Muensrima. Sie betreibt unter dem Haus eine Wäscherei, er, französisch sprechend, arbeitet als Reiseleiter. Die Geschwister leben schon immer hier. „Unsere Eltern haben das Land für 400 oder 500 Baht gekauft. Ich möchte nicht wegziehen, weil ich hier geboren und mich geborgen fühle“, sagt Krueagaew, während sie das Hemd eines Nachbarn bügelt. Früher konnte sie mit ihnen durch die Bambussträucher entlang der Moon Muang unterhalten. Jetzt schmückt sie ihr Geisterhäuschen täglich mit frischen Blumen und fühlt sich in Frieden mit den wachsamen Portraits von Vorfahren und Angehörigen, die das Haus vor Bösem schützen.


Das Geisterhaus wurde von einem Bruder gebaut, der zur Zeit als Mönch in einem Wat lebt. 

Krueagaew in ihrer Wäscherei unter dem Haus.

Goeson unter den Portraits seiner Vorfahren: "Man kann uns immer besuchen, wir haben weder etwas zu verstecken noch zu verlieren."

Die Geschwister Chanmisri

Das sind sie: Dr. Saisawat, Nongyao und Priorin Chanmisri. Ihr schönes Teak Haus ist seit zwei Generationen im Familienbesitz und mit ihren Handarbeiten geschmückt. Ihr Grossvater war Steuereintreiber der königlichen Familie des Nordens und lebt nicht weit weg. Sie sind drei von zehn Geschwistern, aber die einzigen, die noch im Haus leben. Über die Jahre wurde der Wald darum durch Boutique Hotels ersetzt. „Verkaufen wäre einfach. Aber wir wollen es behalten“, sagt Priorin.


Vor dem Foto gingen sie noch zum Frisör. Hier stehen die Schwestern am Hintereingang ihres Hauses. 

Ein gepflegter Rasen und dekorative Pflanzen umgeben das Haus, das Hobby einer der Schwestern.

Dr. Saisawat zeigt das erste Foto der Familie: Grossvater im Tuxedo mit Grossmutter im Lanna Stil und ihrem Kind, der Mutter der drei Schwestern.

In der Küche werden nur noch einfache Gerichte zubereitet. 

Suntorn

Suntorn Fackthong entschied sich vor 50 Jahren, seine Fläche vor dem Haus als Motorrad Parkplatz zu vermieten. Kurz zuvor war er als Mieter eingezogen. Geboren in Phitsanulok kam er zum Studium nach Chiang Mai und verliess es nie mehr. „Ich lebe alleine“, sagt er. Der ruhige Mann verbringt seine Tage meist auf der kleinen Terrasse. Ein Fernseher ist sein Begleiter.


Suntorn isst während er einen alten Film guckt. 

Inzwischen vermietet er jede Ecke als Parkplatz, sogar die Küche.

Inmitten des Durcheinander zwitschern seine Vögel in ihren Käfigen.

Haus der Vorfahren


Montri Muekaew’s Haus wurde von seinem Vater gebaut. Sein Eltern hatten sich hier nach dem 2. Weltkrieg niedergelassen. Auch drei seiner fünf Geschwister leben noch hier. „Verlassen würde eine unbekannte Gesellschaft bedeuten. Hier sind alle meine Nachbarn meine Verwandten“, sagt er. Zur Zeit betreut er seine Nichte und einen jungen Neffen während deren Mütter arbeiten gehen. „Dieses Haus gehört meinen Eltern. Mein Job ist es für die nächste Generation zu erhalten.“


Montri neben den Bildern seiner verstorbenen Eltern, welche er noch immer als Eigentümer des Hauses bezeichnet. 

Nichte und Neffe von Montri. Ihre Betten stehen im Wohnzimmer, in der Nacht wird es zum Schlafzimmer. 

In der Küche: ganze Familien von Töpfen hängen an der Wand. 


Quelle: Chiang Mai City News

Mittwoch, 26. August 2015

Was hält uns zurück?

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Warum wird Thailand’s Weg Richtung Demokratie von einer Mauer aufgehalten? Die Wirtschaft hat, trotz der Rückschläge in letzter Zeit, eine grosse Mittelklasse und eine offenere Gesellschaft gebracht. Was hält das Land zurück? Thailand ist stolz das Zentrum des Theravada Buddhismus zu sein, welcher der ursprünglichen Lehre Buddhas am nächsten kommen soll. Warum wurde das Land zum Zentrum moderner Sklaverei?

Morgenappell in Schule Thailand
Morgenappell in einer Schule Bangkok's: Erst 12 Werte rezitieren, dann Nationalhymne singen. 
Zwei neue Vorfälle mögen Antworten geben. Beim ersten geht es um einen langgedienten Lehrer an der Soeng Sang Schule in Nakhon Ratchasima. Er hatte einem Schüler in aller Öffentlichkeit auf den Kopf geschlagen. Der junge Mann hatte eine Erklärung über vermuteten Missbrauch von Spendengeldern der Eltern verlangt. Die Schulbehörden sahen dies als inakzeptable Herausforderung ihrer Macht an, welche beendet werden musste.

Dank Internet Zeitalter wurde bald ein Video der Bestrafung veröffentlicht, dass sich rasch verbreitete. Der Vorgesetzte des Lehrers sagte, die Austeilung von Schlägen auf den Kopf sei kein ernsthafter Verstoss gegen Disziplin und versetzte ihn für sieben Tage auf einen inaktiven Posten. Unbeirrt verweigert der Lehrer eine Entschuldigung und sagt, er hätte nur seine Pflicht getan: Schüler zu lehren, was richtig ist.

Im zweiten Fall geht es um eine Beschwerde eines Soldaten an die Regierung. Er musste seine Dienstpflicht als Diener bei einem pensionierten Marineoffizier erfüllen. Der hatte ihn an einen Autoreifen angekettet und gefesselt.

Sie wurde mit der Begründung niedergeschmettert, er hätte sich nicht an den Dienstweg gehalten. Schnell hatte sich auch der Armeechef eingeschaltet und verteidigend erklärt, dass Offiziere Soldaten als Haushalthilfe benötigen.

Es gebe keine Knecht-Soldaten mehr, nur noch Dienst-Soldaten, sagt er ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Der Dienst als Haushalthilfe sei freiwillig und Soldaten würden sich darum streiten, wer ihren Bossen persönlich dienen dürfe. Und fügt hinzu, dass alle gut behandelt und mit ihrem Eintritt in die Armee eine grosse Erfahrung machen könnten.

Der pensionierte Marineoffizier meinte zum Vorwurf von Sklaverei, dass der Wehrpflichtige von seinen Feinden benutzt werde um seinen und den Ruf der Marine zu zerstören. Immerhin gab er zu, den Mann mit Ausdauerläufen bestraft zu haben, weil er die Nationalhymne nicht auswendig singen konnte - etwas, das in seinem Haushalt morgens und abends als Ausdruck von Patriotismus täglich sein müsse.

Angekettet an Autoreifen: Thai Soldat als Diener bei pensioniertem Offizier.
Aber es sei in der Armee ganz üblich, von Steuern bezahlte Wehrpflichtige als Diener zu beschäftigen. "Was ist falsch dabei? Armee Offiziere erlauben Soldaten, normalerweise Reichen, im Tausch mit deren 9’000 Baht Gehalt die Kaserne zu verlassen."

Aufschlussreich, nicht wahr? Wenn das nicht systematische Korruption ist, was dann? Als ich von Schlag-Vorfall in der Soeng Sang Schule hörte, fühlte ich, dass es der Mikrokosmos dessen ist, was im gesamten Land passiert. Die junge Generation fordert die Alte-Schule-Autorität heraus, die ein geschlossenes und korruptes System züchtet. Der Schüler verlangte Transparenz. Er verlangte eine Stimme und erhielt einen heftigen Schlag auf den Kopf. Die Schule denkt, dass sei keine grosse Sache.

Der Skandal um den versklavten Wehrpflichtigen zeigt den tiefen Feudalismus in der Armee und erklärt zugleich, wie sehr sie nicht von dieser Welt ist. Was mich in beiden Fällen erstaunt ist das völlige Fehlen von Schuld. Die Überzeugung alles richtig zu machen, auch wenn es völlig falsch ist. Wenn das Bildungssystem sich tief in militärischem Gehorsam übt und seine Pflicht in der Kultivierung einer unterworfenen Bevölkerung sieht, muss niemand mehr fragen, weshalb die Demokratie verkümmert.

Feudalismus und Sklaverei gehen oft Hand in Hand. Ist Zwangsrekrutierung nicht auch eine Art von Sklaverei? Geschichten von physischer Gewalt, Belästigung, Arbeitsmissbrauch, sogar Folter, sind weit verbreitet unter Wehrpflichtigen. Leider gilt diese feudale Mentalität nicht nur für das Militär. Der Glaube, andere weniger menschlich zu behandeln, weil sie minderwertig sind, wird weithin geteilt. Es ist gut, ethnische Minderheiten, Migranten und Arme schlecht zu behandeln.

Gibt es eine Chance dieses System zu beenden? Pech gehabt. Das Regime hat vor kurzem angekündigt, die Armeereserven zu erhöhen. Diejenigen, die Widerstand leisten werden bestraft. Das Land geht in voller Kraft Richtung Militärstaat. Wie ein Land im Krieg. Vielleicht ist es das - mit sich selbst.

Von Sanitsuda Ekachai in der Bangkok Post

Dienstag, 25. August 2015

Tänzerin im Licht

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Für Kanyanan Jittreenit ist traditioneller Thai Tanz der Lebensunterhalt. Es ist ein relativ sicherer Job, wenn man nicht gerade am Erawan Schrein engagiert ist. Obwohl nicht viele, gibt es einige arbeitsbedingte Gefahren für Nang Ram - Tänzerinnen - an diesem weltberühmten, viergesichtigen Brahma Schrein an der Ratchaprasong Kreuzung, die ein Ort von vielen politisch motivierten Demonstrationen und zuletzt einem Bombenattentat war.


Kanyanan, eine der Tänzerinnen der Damrong Thai Dance Crew vor dem Erawan Schrein in Bangkok. 
Die 33-jährige tanzte, als die Bombe explodierte. Sie und alle anderen ihres Teams überlebten leicht verletzt. Kanyanan tanzt seit 14 Jahren für die Damrong Thai Dance Crew, einer der vier am San Phra Prom, wie der Schrein in Thai heisst. Leute engagieren die Schönheiten in leuchtenden Kostümen und glitzernden Oberteilen für eine Vorführung als Teil von Kae Bon oder zur Erfüllung ihrer Gelübde nachdem ihnen ein Wunsch erfüllt wurde.

Zwei Tag nach der Attacke vom Montag, 17. August durfte wieder gebetet werden, das Tanzen begann erst am Freitag danach. An diesem Tag war die Damrong Crew an der Reihe - ein harter erster Tag zurück, während die Erinnerung noch immer in allen Köpfen bebte. Kanyanan nickt nur auf die Frage, ob sie Angst habe. Aber Nichtkommen war keine Option.

„Das ist meine Verantwortung, mein Job. Ich konnte und wollte nicht andere bitten, für mich einzuspringen.“

Um 11 Uhr verliess sie ihr Haus in Ayutthaya und fuhr zur Nachaufführung nach Bangkok. Weil Bangkok ein schwieriger Ort ist für eine Familie, zog sie vor vier Jahren um. Sie lebt in der ehemaligen Hauptstadt mit ihrem Mann und drei Kindern, pendelt zwei bis dreimal pro Woche nach Krung Thep, der Stadt der Engel.

Seit ihrem ersten Jahr am College of Performing Arts, damals war sie 19, ist sie Mitglied der Damrong Crew. Sie hat noch nie woanders gearbeitet, weil das Einkommen als Tänzerin am Phra Prom relativ hoch ist. 

„Es ermöglichte mir während des Studiums Geld zu verdienen und erlaubte mir eine Familie zu gründen“. Sie verdient täglich um 2’000 Baht netto - inklusive Trinkgeld, Steuern bezahlt.

Drei Kinder zu gebären war kein Problem. Kanyanaan tanzte sogar bis in den fünften Monat ihrer Schwangerschaften. Die Kostüme lassen bis zu einem gewissen Mass einen wachsenden Bauch verstecken. 

14 Uhr. Sie trifft die anderen Crew Mitglieder im Umkleideraum. Die Gruppe umfasst 14 Tänzerinnen, nur acht werden für einen Tageseinsatz benötigt. Die Damrong Crew wurde von der Tao Mahaprom Foundation, der Verwalterin des Schreins, ausgewählt und gehört seit 20 Jahren als feste Grösse zum Erawan Schrein, seit dort getanzt wird. Sie ist eine von vier, welche jeweils 15 Tage im Monat alternierend in Tages- und Nachtschichten von 8.30 bis 16.30, bzw. 16.30 bis 22.30 Uhr auftritt. Die Damrong Crew ist immer an den ungeraden Tagen dran.

15 Uhr. Der weisse Van steht bereit, Tänzerinnen und Musiker werden zum Schrein transportiert. Sie kommen in farbenfrohen, leuchtenden Kostümen, die männliche und weibliche Engel darstellen, tragen lediglich noch keine Chada, die goldene Kopfbedeckung. Kanyanan ist ein männlicher Engel, trägt ein dunkelblaues und orangefarbenes Kostüm. Während der Fahrt hatten einige noch ihre Makeup vollendet, andere nickten kurz ein. Dann später stoppt der Van vor dem Schrein.

An diesem Nachmittag war er, üblicherweise gefüllt mit Touristengruppen und betenden Thais, nahezu leer. Banner hingen am Zaun, „Ruht in Frieden“ und „Stärker zusammen“ waren die Botschaften. In der Luft schwebten nur wenige der wohlriechenden Schwaden mit dem Geschmacks von Räucherstäbchen. 

Von der Explosion war eines der vier Gesichter des Phra Prom beschädigt, die Hälfte des Kinns fehlte. Aber das Fine Art Department hatte bereits mit der Reparatur begonnen. An Tänzerinnen und Musiker wurden Räucherstäbchen und Blumen verteilt. Jedes Mitglied der Crew umrundete die Statue, bezeugte dem vierköpfigen Gott ihren Respekt.

16.30 Uhr, die Schicht begann. Da waren vier Musiker, einer mit Taphon, der Trommel, einer mit Ching, Becken, die beiden anderen spielen Ranad, das Thailändische Xylophon. Die Tänzerinnen singen zu jedem Lied. Ihre Worte verschmelzen mit dem Klang der Instrumente, kreieren eine wunderbare Resonanz und heilige Ambiente.

Wer will kann für eine Aufführung Tänzerinnen mieten. Man kniet auf ein Kissen vor den Tänzerinnen und betet, belohnt den Tanz am Ende mit einem schönen Trinkgeld. „Viele sind Stammkunden. Manche kommen jedes Jahr, zeigen uns sogar Fotos von früher. Es sind nette Menschen“, sagt Kanyanan.

Einfache Worte auf Englisch werden ausgetauscht. Es braucht kein grossartigen Sprachkenntnisse, weil die Tänzerinnen nur wenig Zeit für ein Gespräch haben.

18.15 Uhr, es wird dunkler. Passanten zünden im Gedenken an die Opfer entlang des Zauns Kerzen an, Blumen werden niedergelegt.

Normalerweise ist 19 Uhr die geschäftigste Zeit des Tages, der Schrein voll mit Busladungen von Touristen und Thais, die Feierabend haben. Diesen Freitag blieb’s ruhig. Trotzdem wurde getanzt. Die Tänzerinnen ruhten sich zwischendurch nur kurz aus. Zwei, vier, sechs oder alle acht - die Anzahl hängt davon ab, wie viele der Kunde will. Aber auch wenn nur zwei tanzen singen die anderen hinter dem Orchester mit.

„Manchmal tanzen wir in einer Schicht mehr als hundert Lieder, wiederholen die einstudierten 10 in wechselnder Reihenfolge. Es gibt keine vorgegebenen Ruhezeiten. Kurz auf die Toilette oder etwas essen geht nur, wenn keine Kunden da sind. In der Hochsaison oder an religiösen Feiertagen gibt es gar keine Pausen.“

21 Uhr. Die Putzfrauen beginnen den Boden von Blumenblüten zu reinigen. Üblicherweise wird bis 22.30 Uhr getanzt, der Schrein selbst schliesst um 23 Uhr. Aber am ersten Tag nach dem Attentat wird eine Stunde früher geschlossen.

Nach mehr als einem Jahrzehnt hat Kanyanan nur noch sieben Jahre als Tänzerin am Phra Prom. Das Alterslimit liegt bei 40. Sie nutzt ihre Freizeit zur Weiterbildung, möchte danach vielleicht als Kosmetikerin arbeiten.

„Die meisten der Tänzerinnen sind künstlerisch begabt. Sie können Nähen, Schminken oder Haare gestalten. Einige haben ihre eigene traditionelle Thai Tanz Gruppe zusammengestellt.“

21.22 Uhr, alle führen gemeinsam den letzten Tanz auf. Sie packen, verstauen sorgfältig ihre Chada. Die Atmosphäre ist entspannt, es gab keine Vorfälle. Alle sind müde, aber sie sind es sich gewohnt.

Der Van wartet, wird sie zurück zum Umkleideraum bringen. Danach muss Kanyanan einen Bus erwischen, noch einmal umsteigen bis sie ihr Mann auf halben Weg nach Ayutthaya abholen kommt.

Sie sagt, sie hätte sich vom Schrein schon manchmal etwas gewünscht. Als einer der Musiker einen schweren Unfall hatte, betete sie für ihn. Ein anderes Mal für ein Kind. Beide Wünsche wurden erfüllt, zum Dank kroch hundert mal um die Statue. Sie erklärt, als Tänzerin könne sie zur Erfüllung ihrer Wünsche nicht für den Gott tanzen. Deshalb wählte sie Kriechen.

„Tief drin haben sie noch immer Angst“, sagt Anuwat, der Leiter der Gruppe, „aber sie glauben noch immer an Phra Prom. Das ist die Kraft des Glaubens.“

Quelle: Bangkok Post

Montag, 24. August 2015

Drogenautobahn

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Die Behörden richten ihre Augen auf den Highway R3A, die jetzt nicht mehr so geheime Drogenroute. Die Strasse reicht 1’861 Kilometer von Chiang Khong in Thailand durch Laos in die Millionenstadt Kunming im Südwesten Chinas. Ziel bei ihrer Eröffnung 2011 war, Wirtschaft und Tourismus der Anrainerstaaten zu fördern.

Auf dem Highway R3A in Laos: Nicht nur Wasserbüffel, auch Drogenhändler nutzen die Strasse. 
Allerdings erleichtert sie es auch den Drogenhändlern, ihre Produkte in und aus den Ländern nahe am Mekong zu schmuggeln. Meist sind es Basischemikalien. Die Händler könnten auch Schiffe benutzen, aber, wie die der Direktor des Safe Mekong Joint Operation Center Suchip Khotcharin sagt, gestalte sich der Landtransport bequemer und die R3A verkäme zur Hauptroute.

Der Streckenbereich durch Laos wird als schwächster Punkt angesehen. Die illegalen Aktivitäten würden sich dort konzentrieren, sagt Suchip und ergänzt, dass die Regierung in Vientiane trotzdem keine Checkpoints eingerichtet habe.

Die Chemikalien, Rohstoffe zur Herstellung von Drogen, werden an Orte gesandt, die von bewaffneten Gruppen ethnischer Minderheiten bewacht werden. In Gebieten, wo die Behörden wenig bis keine Kontrolle haben. Aber auch ins Goldene Dreieck, einer weiteren Produktionsstelle und Anbaugebiet von Opium im Ländereck Thailand, Laos und Myanmar.

Kürzlich hatten Taiwanesische Behörden dem Safe Mekong Joint Operation Centre gemeldet, dass drei auf ihrer schwarzen Liste für Drogen stehenden Chemiker sich in Tachilek aufhalten, der Grenzstadt in Myanmar gegenüber von Mae Sai in der Thai Provinz Chiang Rai.

„Mehr als 80% der Chemikalien kommen aus Indien“, hält Suchip weiter fest, und bezieht sich auf die nur schwer kontrollierbare, 1624 Kilometer langer Grenze in der nicht ausschliesslich von der Regierung beherrschten, gebirgigen und schwach besiedelten Region im Osten Myanmars. 

Wertvolle Informationen würden zwischen den betroffenen Ländern ausgetauscht, aber Suchip musste eingestehen, dass Gebiete im Shan State nicht durchsucht werden können. Sie werden von der National Democratic Alliance Army, NDDA, und nicht der Regierungsarmee Myanmars kontrolliert. 

Die chinesischen Behörden gaben bekannt, dass es in ihrem Südwesten fünf bis sechs Städte gebe, in denen Drogen für den Binnenmarkt produziert werden, Schmuggler sie aber inzwischen auch ausser Landes bringen und Drogenhändlern übergeben.


Gemäss Li Desin, Chef des Checkpoints am Nansing Grenzpass in Yunnan nimmt die Polizei verstärkt Inspektionen an Fahrzeugen aus der Stadt Jinghong vor, sie ist mit der R3A verbunden, und hält nach illegalen Aktivitäten Ausschau, vor allem nach Autos ohne Kennzeichen. 

Viele Chinesen, Thais und Leute aus Singapur wurden bereits verhaftet, einige Drogenkuriere hätten sich als Touristen ausgegeben.

„In den letzten vier Monaten hat der Schmuggel von Chemikalien in Yunnan stark abgenommen“, sagt Permphong Chavalit, Generalsekretär des Thai Office of the Narcotic Control Board mit Verweis auf Statistiken der chinesischen Drogenbehörde. „Auch Myanmar wird dem Drogenhandel an seiner Grenze zu Indien zukünftig mehr Aufmerksamkeit schenken.“

Permphong traf letzthin hohe Chinesische Beamte, inklusive Guo Youbing, Generalsekretär der Yunnan Narcotics Control Commission. Sie besprachen, wie durch das Safe Mekong Joint Operation Centre der Drogenproduktion und dem Handel eine Ende bereitet werden kann. Kambodscha und Vietnam sollen zum Beitritt bewegt und die Kooperation unter allen Mitgliederländern verstärkt werden.

Suchip sagte, dass in den Häfen von Dörfern und Städten entlang des Mekong vermehrt Inspektionen stattfinden, da sie als Treffpunkt für Schmuggler und Händler dienen. Die Thailändischen Behörden glauben, dass bis zu 10 Drogenbanden Speed und Heroin durch die Häfen und Anlegestellen, inklusive der von Sop Luai in Myanmar, schmuggeln, versteckt auf Lastkähnen auf dem Weg nach Thailand. 

Die Drogen werden in von ethnischen Armeen wie der United Wa State Army, den Kokang Rebellen und der National Democratic Alliance Army kontrollierten Gebieten hergestellt.

Polizei Oberstleutnant Mynt Hto vom Myanmar Central Committee for Drog Abuse Control will, dass das Safe Mekong Joint Operation Centre ihr Tätigkeitsfeld auch auf andere Gebiete wie die R3A ausdehnt. 

„Wir müssen unseren Operationsbereich auf weitere Gebiete ausdehnen, weil die Drogenhändler, einmal gewarnt, dazu übergehen, andere Transportrouten zu benutzen.“

Quelle: Bangkok Post

Samstag, 22. August 2015

Nie die Hoffnung verlieren

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Im August 2011 musste eine Mutter im Mae Sot General Hospital eine Entscheidung treffen, die Eltern nie treffen sollten. Drei Tage zuvor hatte sie ein Kind geboren und war auf der Suche nach medizinischer Hilfe alleine sieben Stunden von ihrem Heimatdorf im Osten Burmas durch den Dschungel gelaufen. Ihrer neugeborenen Tochter ging es nicht gut. Erst ging sie in eine Klinik in Burma, dann über die Grenze nach Thailand ins Song Yang Hospital. Beide konnten Naut Naut nicht helfen, sie war zu krank und musste in einem besser ausgerüsteten Spital behandelt werden.


Naut Naut mit ihrer Mutter beim ersten Wiedersehen nach vier Jahren. 
Schliesslich brachte sie ihr Kind ins Mae Sot General Hospital. Sie erfuhr dort, dass Naut Naut operiert und anschliessend eine lange Behandlung benötige. Sie war alleine, hatte kein Geld, blutete noch immer von der Geburt und hatte weder Pass noch sonstige Dokumente. Sie war in einem fremden Land, konnte die Sprache nicht sprechen und war bedroht jederzeit als illegale Migrantin verhaftet zu werden. Sie konnte nicht bleiben. Aber mit Naut Naut zurückkehren würde den Tod des Mädchens bedeuten.

An der Thai-Burmesischen Grenze ist es nicht unüblich, ein frischgeborenes, aber schwer krankes Kind in einem Spital zu lassen. Die Eltern, da unmöglich für sie, sich um ein schwer krankes Kind zu kümmern, halten es oft für die beste Option ihr Kind in der Obhut eines Spitals zu lassen. Sie hoffen, dass es dort die notwendige Pflege erhält.

Als Naut Naut ins Tha Song Yang Hospital kam, verschlechterte sich ihr Zustand rapide. Die Diagnose lautete auf Lungenentzündung und Atemstillstände. Die Lungenentzündung konnte im Mae Sot General Hospital geheilt werden, aber, zurückgekehrt ins Thai Song Yang, wurde Leberversagen festgestellt. Die Ärzte konnten sie stabilisieren, aber das Krankenhaus war nicht für die Operation ausgestattet, die sie brauchte. Weil die Eltern nicht erreichbar waren, kontaktierte das Spital den Burma Children Medical Fund, BCMF, eine Organisation, die Kindern Zugang zur Behandlung von schweren gesundheitlichen Problemen bietet.

BCMF nahm sich Naut Naut an und veranlasste einen Transport ins 500 Kilometer entfernte Maharaj Nahkorn Hospital in Chiang Mai. Im Jahr darauf wurde sie von früheren Patienten der Organisation betreut, bis sie schliesslich operiert werden konnte. Der Eingriff war erfolgreich und Naut Naut erholt sich vollständig. Sie konnte nicht nach Hause zurück, aber es war auch niemand da, der sich um sie kümmerte. Die BCMF kontaktierte deshalb Life Impact International, eine Organisation, die Kindern in Not in Thailand und Burma unterstützt. Dank deren Hilfe konnte Naut Naut zu einem gesunden jungen Mädchen heranwachsen. Jetzt vier Jahre alt, kommt sie bald in die Schule.

Während der vier Jahre, seit Naut Naut erstmals mit BCMF in Verbindung gebracht wurde, hatte die Direktorin Kanchana Thornton sie nie vergessen und versuchte eine Wiedervereinigung der Familie zu ermöglichen. Annähernd ohne Informationen zur Identifikation der Eltern war ihr dies bis Ende 2014 unmöglich. Dann ging die BCMF mit einer Klinik in Osten Burmas eine Partnerschaft ein. Das Einzugsgebiet der Klinik umfasst auch die Region, in der die Eltern von Naut Naut vermutet wurden. Kanchana berichtete dem Chefarzt von der Geschichte des Mädchens. 

An einem heissen, feuchten Tag im Juli fuhr ein Van mit Naut Naut, ihren Pflegeeltern, einem Journalisten und sechs Angestellten von BCMF von Mae Sot über den Moei nach Burma. Eine ehemaliges Camp einer Miliz war als Treffpunkt ausgewählt worden. Als sie ankamen, war die Familie des Mädchens bereits da. Sie waren fünf Stunden durch den Dschungel gelaufen, entlang einer Strasse, die auch bei guten Konditionen nicht viel mehr als ein Pfad und bei starken Regenfällen nicht benutzbar ist. 

Als die Eltern Naut Naut sahen, knieten sie vor ihr, umarmten sie und stellten sich flüsternd vor. In der Zwischenzeit hatte das Mädchen zwei Geschwister bekommen und bald spielten die drei miteinander. Naut Naut ist noch zu jung, die Bedeutung des Wiedersehens wirklich zu verstehen, aber ihre Eltern sind überglücklich und dankbar.

„Wir hätten nie gedacht, sie jemals wieder zu sehen“, sagte ihre Mutter, „wir sind so dankbar.“ Sie erzählte, dass sie nach ein paar Wochen zur ersten Klinik, in die sie Naut Naut gebracht hatte, zurück gegangen sei, ihr aber gesagt wurde, dass ihre Tochter noch immer sehr krank sei und operiert werden müsste. Danach war es ihr unmöglich Informationen zu erhalten und sie gab die Hoffnung auf ein Wiedersehen auf.

Als es Zeit wurde zu gehen waren die Gefühle bittersüss. Naut Naut hatte endlich ihre Familie gefunden, aber sie konnte nicht mit ihnen zusammen bleiben.

„Sie kann im Dschungel kein gutes Leben führen“, sagte ihr Vater. „Besser, dass jemand für sie sorgt, der ihr eine gute Zukunft bieten kann und ihr ermöglicht zur Schule zu gehen.“

Naut Naut wird bei ihren Pflegeeltern bleiben und die Schule besuchen. Aber dank der Unterstützung von Life Impact und BCMF kann sie mit ihrer Familie in Kontakt bleiben und zukünftig immer wieder Zeit mit ihr verbringen.

Die Geschichte von Naut Naut ist eine von unglaublich viel Glück, aber sie dient auch als Mahnmal für die staatliche Gesundheitsvorsorge Burmas. Keine anderer Staat der Welt gibt so wenig für Gesundheit aus. 

Mütter und Säuglinge sind in Burma besonders gefährdet. Die Kindersterblichkeit zählt zu den höchsten in Asien: 40 von 1’000 Neugeborenen überleben das erste Lebensjahr nicht. In Thailand sind es 11 von 1’000. Noch schlimmer ist die Situation für Minderheiten wie die Karen oder Shan im Osten Burmas. Sie haben noch weniger Zugang zu medizinischer Versorgung und sind seit Jahrzehnten von Verfolgung und bewaffneten Konflikten geplagt.

Unter diesen Bedingung war der stundenlange Marsch durch den Dschungel, die illegale Grenzüberquerung nach Thailand und sie unter der Obhut der Ärzte und Pfleger des Spitals zurück zu lassen die einzige Chance für das Überleben. Naut Naut hatte Glück, die Behandlung zu erhalten, die nötig war und ihre Familie wieder zu finden. 

Aber für jede Geschichte wie die von Naut Naut gibt es viele mehr von Kindern, die zurückgelassen entweder sterben oder ihre Kindheit in einem Waisenhaus verbringen müssen.

Quelle: Karen News

Freitag, 21. August 2015

Gefährdete bestrafen?

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Massnahmen gegen Teenager Schwangerschaften sollten Mädchen nicht bestrafen. Aber genau das sieht der Gesetzesentwurf der National Legislative Assembly, NLA, vor. Der umstrittene Entwurf ist das Werk des Gesundheitsausschusses. Trotz guter Absichten ist der Entwurf vom Glauben getrieben, dass dieses soziale Problem mit strikten Kontrollen und drakonischen Massnahmen eliminiert werden kann.

Gewinnerbild des Fotowettbewerbs zum Thema Teenager Schwangerschaft der UNFPA Thailand.
Teenager Schwangerschaften sind in Thailand definitiv ein ernsthaftes Problem. Die Rate gehört zu den höchsten der Welt und wächst ständig. Aber die Antwort der Gesetzgeber ist töricht.

Gemäss des UN Population Fund Thailand betrugt die durchschnittliche Schwangerschaftsrate von Teenagern in der Region Asien-Pazifik 2012 35:1’000. In Thailand betrug sie 54:1’000, ein starker Anstieg zu 31:1’000 im 2000. Die Zahlen sind alarmierend. Mehr als 125’000 Mädchen unter 19 werden Mütter, 1 von 20 Mädchen dieser Altersgruppe. Noch bestürzender, 4’000 davon sind nicht einmal 15 Jahre alt.

Tatsächlich könnte die Rate noch zwei oder dreimal höher sein, weil viele ihre ungewollten Schwangerschaften beenden. Durch Fehlen von sicheren und legalen Abtreibungen leiden sie oft unter schweren Komplikationen, manche sterben.

Um fair zu bleiben, der Entwurf der NLA anerkennt die Notwendigkeit von besserer Sexualunterricht in Schulen und Beratungsdiensten in Krankenhäusern. Diese Massnahmen sind längst überfällig. Das Problem aber ist die Überzeugung, dass Drohungen und Bestrafung Abhilfe schaffen. Gemäss Text sind Versagen von Aufklärung und fehlende Dienstleistungen Verstösse gegen das Gesetz und müssen bestraft werden. Schulen und Spitäler benötigen gute Ausbildung und umfassende Unterstützung. Unter Androhung von Strafen sind die Projekte von Anfang an zum Scheitern verurteilt. 

Wirksame Interventionen müssen auf Vertrauen, Diskretion und Achtung der Rechte der Mädchen basieren. Diese Prinzipen werden von der NLA mit Füssen getreten.

Der Entwurf erlaubt Lehrern beispielsweise Beamte von anderen staatlichen Ämtern intervenieren und „Hochrisikoverhalten“ von Mädchen stoppen zu lassen. Ohne die Zustimmung der Betroffenen und ihrer Familien.

Darüber hinaus erhalten Beamte die Befugnis, Warnungen an Eltern abzugeben, Schulen oder Eltern Berichte über familiäre Situation, Verhalten der Mädchen und private Informationen über Sexualität und sexuelle Aktivitäten abzugeben. Das ist nicht akzeptabel.

Beamte werden berechtigt, in jegliche Orte einzudringen, in denen ihrer Vermutung nach Mädchen sich sexuellen Aktivitäten hingeben. Sie können sie zur Befragung für 12 Stunden verhaften.

Mädchen können ihren Eltern weggenommen werden, wenn Beamte die Qualität der Erziehung anzweifeln. Wer nicht kooperiert kann mit bis zu einen Monat Gefängnis und/oder 10’000 Baht bestraft werden.

Der Entwurf ist stark sexistisch. Er fokussiert ausschliesslich auf Mädchen, „Bad Girls“. Alle Massnahmen zielen ausschliesslich auf Bestrafung. Er ist zutiefst elitär, weist Eltern die Schuld zu ohne strukturelle Faktoren zu berücksichtigen, schwächt Familien und entfremdet Kinder von der Schule.

Ein weiteres Stück Gesetzgebung, das aufzeigt, dass die für die Reform verantwortlichen Gesetzgeber in einer vergangenen Welt stehen geblieben sind. Der Entwurf - geschrieben von Beamten, die ihre Macht ohne Rücksprache mit anderen Interessengruppen ausbauen wollen - ist überholt.

Dieses Zwangsrecht hat nichts mit der Realität und den komplexen Problemen von Teenager Schwangerschaften zu tun. Eine grobe Verletzung der Grundrechte, welche verworfen werden muss.

Quelle: Bangkok Post

Donnerstag, 20. August 2015

Schwarz ist hässlich

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Die Abneigung gegen dunkle Haut ist in Thailand weit verbreitet, zahllose Weissmacher verstellen die Regale in Apotheken. Die Verkünder dieser Produkte sind die scheinbar unverbesserlichen Werbekampagnen, Katalysator der Kampagnen ist eine nationale Unsicherheit, die mit Klassenvorurteilen verwoben scheint. Dunkel gleich arm, Symbol eines harten Lebens unter heisser Sonne. Hell korreliert mit neureich, der in Büros arbeitenden Mittelschicht oder Leuten, die ein Leben voller Freizeitvergnügen geniessen. Auch in Europa war dieses Phänomen während Jahrhunderten weit verbreitet.


Eines der Produkte, der Verena L-Gluta Berry Plus Drink, spielt in seiner Werbung auf den Trugschluss, dass schwarz, oder dunkel gleichbedeutend mit am Anfang der Evolution stehen geblieben zu sein. Das Getränk könne jedoch auf magische Art weisser machen, an die Spitze der Entwicklung bringen. Wer am Anfang noch nicht an Rassismus denkt wird bald belehrt, die Werbung zeigt die dunkelste Haut überhaupt, die Haut von jemanden aus Schwarzafrika.

Vor zwei Wochen erschien ein Lehrmittel für Kinder. Ein Plakat zeigt Fotos von Objekten und Personen mit einem korrespondierenden Wort. Handsome, gutaussehend, lernen wir, sieht aus wie ein koreanischer Popstar. Schön wie ein westliches Girl und pretty, hübsch, wie ein junges japanisches Manga-Girl. Währenddessen wird ugly, hässlich, als junger afrikanischer Mann dargestellt, inklusive glitzernden Ohrringen. Unten auf dem Plakat steht: Eine Art zu denken und zu lernen. Wenn eine solch offensichtlich beleidigende Beschreibung als Hilfe für Kinder zu denken und lernen existiert, welche Art von Denken und Lernen geschieht in Thailand?

"Auf der einfachsten Ebene heisst weiss gut und schön, schwarz das Gegenteil. Das verbleibt tief in der thailändischen Seele verwurzelt", sagte Kaewmala 2013, als sie gefragt wurde, ob Thailand's Abneigung gegen dunkle Haut nur mit Schönheit zu tun habe oder auch Element von Rassismus enthält.

"Thais haben ein starke Abneigung wie auch Misstrauen gegenüber dunklehäutigen Burmesen und Minderheiten im eigenen Land. Sie finden wenig Schönes in ihnen, den Armen aus Nachbarländern und dem Isan oder den Thai-Malay aus dem Süden wie auch Afrikanern. Rassismus im kulturellen Kontext ist verflochten mit der chauvinistischen Haltung, basierend auf dem Ultranationalismus der Erziehung, die lehrt, dass wir besser sind als unsere Nachbarn und der auf Bangkok basierten Weltsicht, vermischt mit Diskriminierung auf Basis der Klasse - urban gegen ländlich und sozialer Status."

Im Artikel "Beeing in Black in Thailand" vom Dezember 2014 beschrieben einige Befragte, dass sie eine gewisse Haltung ihrer Hautfarbe wegen verspürten und wie schwarz sein in Thailand übermässige Aufmerksamkeit entlocken kann, die kein Rassismus, mehr Neugier schien. Alyx Shephard, eine amerikanische Lehrerin sagte: "Rassismus? Nein. Ich denke, nicht so vielen verschiedenen Hauttönen ausgesetzt zu sein hat sie im Umgang mit verschiedenen Kulturen im Dunkeln gelassen. Es ist nicht Rassismus, aber ich meine, mit der Zeit, je mehr sie dem ausgesetzt sind, wird das weniger stigmatisiert werden. Ich glaube nicht, dass es Rassismus ist, nur ein Mangel an Belichtung."

Ein schwarzer Lehrerin berichtete von einer Stellenanzeige: Kaukasier erforderlich, weiss bevorzugt. Sie fragte einen Thai Freund, was dies bedeute. Ob es um das befleckte Mantra "Helle Haut ist schön" gehe. Sie erinnerte sich auch an eine dunklere Seite ihres Studiums in Thailand, als sie ein Überbleibsel rassistischer Vergangenheit sah, die kleine schwarze Sambo Puppe. Der New Yorker berichtete in der selben Zeit von einem schwarzen Amerikaner, dem eine Stelle als Lehrer verweigert wurde, weil er gemäss Schuladministrator die Kinder erschrecken könnte.

Brooke Lew, eine schwarze Kanadierin, die ein während eines Praktikums einige Monate in Thailand arbeitete, erzählte: "Die Leute starrten mich die ganze Zeit an, überall, wo ich auch ging. Ich dachte, sie hätten noch nie eine Schwarze gesehen und fühlte mich oft wie ein Fetisch unter all den Leuten, die mich anglotzten oder mit mir Diskussionen über die Schönheit meiner Haut führten. Als ob sie fortschrittlich und sogar an sowas gedacht hatten. Ich traf ein Künstlerehepaar, die mir buchstäblich Angst machten. Sie wolltem mich malen, wie sie auf Safari eine Gazelle malen würden." Vielleicht habe das Fehlen einer soliden Rassen-Bürgerrechtsbewegung Asien zur Bühne für Hierarchie Denken im Kolonialstil verkommen lassen.

Neugier ist natürlich und unbeabsichtigt. Aber es gibt genügend Beweise für offensichtlichen Rassismus in Thailand. Schwarz angemalte Gesichter in Thai Comedy Shows, die dumm und albern sind. Das wiederspiegelt auch die Anzeige, die nicht nur sagt, dass Schwarze hässlich, sondern auch zurückgeblieben sind. Darkie, die Zahnpaste, die nun Darlie heisst, aber der schwarze Mann ist noch drauf. Black Man Reinigungsartikel von Toilettenbürste mit Spülmittel, zu haben in den meisten Thai Supermärkten. Eine Verbindung von Markenname zu Knechtschaft, sogar Sklaverei scheint hergestellt. Diese Art gehässiger Stereotypen waren sicher kein Zufall, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass es in Thailand deswegen einen Aufschrei geben wird. Politische Korrektheit ist noch nicht in der Thai Seele angekommen.

Dafür ist Ethnozentrismus allgegenwärtig. Von Medien und Politikern verkündet ist der Glaube, dass bestimmte, abscheuliche Verbrechen nicht von einem Thai begangen werden können. Der exilierte politische Aktivist Giles Ji Ungpakorn weist in seinem Blog Post über Rassismus in Thailand darauf hin, dass Beleidigungen grosse Gruppen von Menschen oder ganze Rasse beschreibt:

"Die meisten Thais bezeichnen Malaien, Inder, Türken, Araber als "Kaek". Nichts anderes als die angelsächsische Rassisten, die Südländern Wop, SPICs oder Dago austeilen. Das höchst beleidigende Wort Kaek wird auch verwendet, die muslimischen Malaien im tiefen Süden von Thailand zu verunglimpfen, die Unterdrückung verdeutlichend." Schwarze afrikanischer Abstammung würden oft "Aye Murd" genannt, er nennt dies das Äquivalent zu Nigger. Buchstäblich übersetzt bedeutet es Dunkle.

Kaukasier werden Farang genannt, und Farang kommt mit zahlreichen, allumfassenden charakterlichen Missverständnissen. Der Punkt ist nicht, ob der Begriff abfällig, mit bösem Willen oder nur versehentlich bösem Willen gemeint ist. Polarisierung ethnischer Gruppen ist in Thailand üblich, das gehört zum Konzept der Thainess, welche in sich selbst schon eine reduktive ethnozentrische Ansicht ist.

Der Glaube an Thainess, vom Grossteil der Öffentlichkeit begrüsst und in die Gehirne von Schülern und Studenten gedrückt, ist die Wurzel des Übels. Die nationale Solidarität durch Thainess zu fördern ist ein Paradox. Denn Thainess spaltet, auch den Erfolg.

Thailand hat Nachholbedarf in Sachen politische Korrektheit, aber wir dürfen den bis vor nicht langer Zeit allgegenwärtigen Rassismus gegenüber Schwarzen im Westen nicht vergessen. Leute, die noch in den späten 70er Jahren Aschenbecher in der Form eines schwarzen Dieners benutzten. "Wenn du einen Neger als Nachbar willst, wähle Labour", war ein oft benutzte Slogan zu Zeiten Margaret Thatchers. Das Motto wurde vom britischen Konservativen Peter Harry Steve Grifftiths für die Wahlen 1964 kreiert, aber der abscheuliche Spruch lebte bis in die 80er Jahre - und starb erst, als politische Korrektheit Mass der Dinge wurde.

Sie hat auf der Welt viele Kritiker, und vielleicht haben sie manchmal recht. Wenn die Schafe im Kinderreim "Bah, bah, black Sheep" in regenbogenfarbige Schafe verwandelt werden, wer profitiert und wie? Schwarze Menschen haben dies als Witz bezeichnet. Der in Bangkok ansässige Blogger Stickman schreibt: "Das fast völlige Fehlen von jeglicher Form von politischer Korrektheit ist die Eigenschaft Thailand's, die mich anzieht. Ihr Fehlen bietet Frische und Spontanität, die weit von der aktuellen westlichen Kultur entfernt sind."

Die Übervorteilung politischer Korrektheit kann manchmal bedrücken. Wenn geschrieben wird, dass schwarze Menschen hässlich sind ist nicht wirklich bedrückend. Es ist menschlich. Politische Korrektheit ist etwas, dass durch eigenes kritisches Nachdenken gelernt werden muss, sie ist ein Resultat der intelligenten Reflexion und Selbstwahrnehmung. Ein Zustand des Geistes, der gefördert aber nicht gelehrt werden kann.

Wenn Thais beginnen Thainess abzubauen kommt politische Korrektheit automatisch. Sobald dies geschieht, wird ein schwarzes Gesicht bedeutungslos.