Freitag, 31. Juli 2015

Zeit zur Selbstbetrachtung

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Die jährliche dreimonatige buddhistische Fastenzeit beginnt heute. Viele gläubige Buddhisten nutzen diese Zeit sich strikter an moralische Vorschriften zu halten. Alle Buddhisten können die fünf grundlegenden Gebote auswendig: nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, niemanden verletzten, auf Rauschmittel verzichten. Viele beachten während der Fastenzeit mehr als nur diese Gebote - aber egal, wie viele, alle beruhen auf dem Grundsatz von nicht verletzten und nicht ausbeuten.


Für ein Land, dass sich stolz als blühendes Zentrum des Theravada Buddhismus bezeichnet, ist es höchste Zeit für ernsthafte Seelensuche: weshalb es zur Heimat einer der schlimmsten Form von Ausbeutung verkommen ist - Menschenhandel.

Am Montag hatte das US-Aussenministerium den jährlichen TIP, Traffiking in Persons, veröffentlicht. Thailand wurde zum zweiten Mal in Folge in der untersten Ebene der Rangliste aufgeführt. Nichtumsetzung erheblicher Anstrengungen zur Eliminierung moderner Sklaverei werden dem Königreich vorgeworfen.

Während Sklavenarbeit in der Fischereiindustrie das Land weltweit in Verruf gebracht hat, macht der Bericht deutlich, dass der Handel mit Frauen und Kindern für kommerziellen Sex ein vorrangiges Problem bleibt.

Betrug, Erpressung, Folter und schwerer Arbeitsmissbrauch haben viele Opfer verstümmelt und getötet. Sie sind nicht ohne Wissen und Absprache mit Regierungsbeamten möglich. Deshalb lauten die ersten beiden Empfehlungen im TIP Bericht an Thailand, korrupte Beamte und Menschenhändler zu bestrafen.

Während die Verurteilung der Täter zwingend ist, wäre es viel zu einfach einzelne Individuen als Hauptübel zu betrachten, ohne Berücksichtigung der weiteren Faktoren, die den Menschenhandel ermöglichen.

Menschenhandel und Arbeitsmissbrauch in erschreckenden Ausmass gibt es in Thailand seit Jahrzehnten. Die Tentakel der Handelsnetzwerke erstrecken sich weit und breit. Sie erschweren die Strafverfolgung und schwächen Bemühungen, die Opfer zu schützen. All das wäre unmöglich ohne tief verwurzelte ethnische Diskriminierung und auf Rassen basierter Nationalismus. Sie lassen die Ausbeutung der Arbeitskraft von Migranten dulden.

Buddhismus lehrt, dass alle Menschen - unabhängig von Herkunft, Glauben und Geschlecht - eins und gleich sind, miteinander verbunden wie mit den Rechten und Pflichten auf Vergänglichkeit ausgestattet.

Solche Erkenntnis, normalerweise von Meditation und tiefer Betrachtung abgeleitet, wird die Illusion von „ich und mein“ erodieren lassen und grenzenlose Barmherzigkeit erzeugen. So stellt sich die Frage, warum ethnische und Geschlechter spezifische Diskriminierung noch immer tief in der buddhistischen Gesellschaft Thailands verwurzelt ist.

Im TIP Bericht sind etliche Empfehlungen zum besseren Schutz von Opfern im Menschenhandel aufgeführt. Dazu gehören bessere Arbeitsvermittlungssysteme und Ausbildung von Beamten um Opfer erkennen zu können. 

Klar ist, dass der allgemeine Mangel an Respekt von Menschenrechten für Migranten der vorherrschenden ethnischen Diskriminierung entstammt.

Unbestritten ist, dass das Bildungssystem ein wichtige Rolle bei der Förderung der rassischen Überlegenheit spielt und Feindseligkeit gegenüber unseren Nachbarn verewigt. Viele gelangen dadurch zur Überzeugung, dass Migranten  weniger gut behandelt werden können.

Statt nationalistisch und wütend auf dem TIP Bericht zu reagieren, der den Namen des Landes in den Dreck zieht, sollten wir einen ehrlichen Blick darauf werfen, was solch schreckliche Missbräuche verwurzeln liess. Das Bildungssystem muss als eines der ersten Dinge generalüberholt werden.

Während der Fastenzeit lohnt es, abgesehen von Gebeten und Almosen spenden, darüber nachzudenken, weshalb viele Buddhisten sich gleichgültig gegenüber der Ausbeutung von Migranten zeigen, die noch dazu ebenfalls  Buddhisten sind. Die Antwort ist notwendig für Thailand, damit es effektiv gegen Menschenhandel vorgeht - und für thailändische Buddhisten um echte Buddhisten zu werden.

Quelle: Bangkok Post

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