Freitag, 24. Juli 2015

Thailand: Asiens neue Prohibitionisten

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Thailand setzt sich durch das Verbot von Alkoholverkauf in der Nähe von Universitäten und Fachhochschulen an die Spitze der Länder in Asien, die der Trinkerei Einhalt geben wollen. Mittels von der Regierung verabschiedeter Änderung des Gesetzes zur Alkoholkontrolle gilt ab Ende August ein Verbot des Verkaufs von Bier, Wein und Spirituosen in Shops, Bars und Clubs, die innerhalb eines 300 Meter Radius von einer höheren Bildungseinrichtung entfernt liegen. 

Ausschank von Saigon Bier in Hanoi. Der Bierverkauf wächst in Vietnam doppelt so schnell wie das BIP.
Das wird (würde?) gemäss Naptatsarum Junyavijuck, Inhaber eines Spirituosen Shops bei der Rangsit Universität, ein Verkaufsverbot in Teilen des Stadtzentrums von Bangkok, beispielsweise Siam Square oder Asoke und Vergnügungsviertel wie Soi Cowboy zur Folge haben. 35-40% der Fläche von Bangkok würden sozusagen alkoholfrei werden. 

Die Massnahmen sollen einen gesunden Lebensstil fördern und alkoholbedingte Probleme bekämpfen, einschliesslich Sex Minderjähriger, gab das Ministerium für Gesundheit bekannt.

Thailand geht damit weiter als andere Staaten in Eindämmung der wachsenden Nachfrage nach Alkohol in Asien und dem pazifischen Raum - dem am schnellsten wachsenden Markt für den Bierbrauer Heineken. Die Weltgesundheitsorgansiation WHO hatte auf Basis des Konsums 2010 zu einer Reduktion von 10% bis 2025 aufgerufen. Sie verweist auf mehr als 200 Krankheiten und 3.3 Mio. Tote pro Jahr, die unmittelbar mit dem Konsum von zuviel Alkohol zusammenhängen.

„Thailand hat die stärkste Tradition im Versuch, den Alkoholkonsum einzudämmen und alkoholbedingte Schäden zu verringern“, sagt Jürgen Rehm, Professor und Vorsitzender Suchtpolitik der Dalla Lana School of Public Health in Toronto. Während der letzten 10 Jahre hat er mit vielen Behörden an Alkoholprogrammen gearbeitet. „Die Regierung besitzt einen Steuermechanismus, der es ihr ermöglicht, die Steuerhölle aus jedem Getränk zu machen, das attraktiv für die Jugend ist.“ 

Bier wächst stärker als BIP

Vietnam, die Philippinen, Indonesien, China und einige Bundesstaaten Indiens haben in den letzten Jahren Gesetze zur Eindämmung der Alkoholnachfrage eingeführt. Bierverkäufe in Vietnam stiegen gemäss Euromonitor International in den letzten fünf Jahren immer mindestens doppelt so schnell als das Bruttoinlandsprodukt. In der gesamten Region wuchsen sie in den letzten fünf Jahren jährlich um 7.7%.

Anheuser-Busch, der weltweit grösste Bierbrauer, öffnete im Mai nahe Ho Chi Minh City eine Brauerei, in der Budweiser und Beck’s produziert werden.

„Asien-Pazifik ist jetzt die drittgrösste Zone in Bezug auf Volumen, und Vietnam gilt für uns als der nächste Wendepunkt in Südostasien“, sagte Michel Doukeris bei der Eröffnungsfeier. Er ist der regionale Präsident des belgischen Bierbrauers. Die Kapazität der Anlage liegt bei 1 Mio. Hektoliter Bier pro Jahr. 

Der regionale Präsident von Heineken, Roland Pirmez, sagte auf einer Konferenz im März 2014 das mehr als 70% des Bierwachstums in den nächsten Jahren aus Asien und dem pazifischen Raum kommen wird.

Ungenutztes Potenzial

2013 betrug der durchschnittliche Alkoholkonsum pro Kopf in der Region 29 Liter - verglichen mit 59 Litern in Europa und 48 Litern im Rest der Welt. Ungenutztes Potenzial, wie Pirmez sagte. Heineken erhöhte seinen Anteil an United Breweries, Indien’s grösstem Bierbrauer, am 7. Juli auf 42.1%, weniger als eine Woche vor der Eröffnung einer $60 Mio. Brauerei nahe Yangon.

Myanmar kennt keine Gesetze oder Aktionspläne zur Eindämmung des Alkoholverkaufs. Gemäss Global Status Report on Alcohol and Health der WHO aus dem 2014 gibt es keinerlei Werbevorschriften oder Warnungen auf Verpackungen. Mehr als ein Dutzend Länder kennen kein Mindestalter für Alkoholkonsum.

Gefahr für die Wirtschaft

„Einen Rechtsrahmen oder die Verstärkung eines Vorhandenen stellt sich als Aufgabe heraus, die Länder ignorieren, weil sie eine wirtschaftliche Gefahr sehen“, sagt David Jernigan, Direktor des Center on Alcohol Marketing and Youth an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore. „Alkohol kann nicht nur für die Gesundheit ein ernsthaftes Risiko darstellen, sondern für die Entwicklung insgesamt. Er ist die Hauptursache für Tod und Behinderung für Menschen zwischen 15 und 49“.

Thailand hatte dies vor Jahren erkannt und gilt heute als „weltweites Modell“ für seine Fähigkeit, Forschung und Mobilisierung der Gesellschaft zu kombinieren und „die nationale Gesundheitsstimme zu stärken“, sagte er in einem Interview.

„Trotzdem könnten die angekündigten Verkaufsbeschränkungen wenig dazu beitragen, die Leute vom Trinken abzubringen und werden einen geringen Einfluss auf das Verkaufsvolumen haben“, sagte Philip Gorham, Analyst bei Morningstar Inc. in Amsterdam. Gemäss den geltenden Vorschriften ist der Verkauf von Alkohol in Läden und Supermärkten zwischen Mitternacht und 11 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr verboten.

PR Gag?

„Ich sehe die Vorschriften im wesentlichen als PR Gag von Regierungen, die vorgeben, etwas Gutes für die öffentliche Gesundheit zu leisten“, schrieb Gorham in einer E-Mail. „Der wichtigere Punkt aber ist, das sich entwickelnde Märkte zur regulatorischen Front aufschliessen, oder sich zumindest darum bemühen.“

Die Besteuerung von Alkohol würde in den entwickelten Märkten effektiv als Verbrauchsbegrenzung eingesetzt und zerstörerische Steuern würden ein Risiko für sich entwickelnde Märkte bedeuten, fügte Gorham hinzu.

Nach 25 Jahren stetem Wachstum nivellierte sich der Alkoholkonsum in Thailand 2008, nachdem ein nationales Alkoholgesetz verabschiedet wurde. Mehr als zwei Drittel der Thais trinken nicht mehr, wie Daten der WHO zeigen.

Andere Regierungen zogen nach. Die Philippinen führten 2012 eine sogenannte Sünde-Steuer auf Zigaretten und Alkohol ein. Der Preis einer Flasche Premium Bier erhöhte sich dadurch um 22 Pesos, ca. 17 Baht.

Indien’s Kerala Staat verabschiedete im August 2014 ein Gesetz, dass, wenn es tatsächlich umgesetzt wird, einer Prohibition in 10 Jahren gleichkommt. Nur noch Luxus Hotels dürften Spirituosen verkaufen und die Anzahl der staatlich betriebenen Alkohlsverkaufsgeschäfte und Biershops würde jährlich um 10% gesenkt. Mindestens 400 Bars unweit von kleineren Hotels mussten schon schliessen, weil ihnen die Lizenz verweigert wurde. 300 weitere stehen vor dem Aus.

Die Regulationen und Steuerherausforderungen in Indien steigen, sagte Gilles Bogaert, Finanzchef von Pernod Ricard Analysten in einer Konferenz im Februar. „Der indische Markt ist nicht einfach, von einem Regulierungs- und Steuerstandpunkt aus gesehen.“

Alkoholgesetze werden weltweit strenger, sagt Spiros Malandrakis, Senior Analyst Alcoholic Drinks bei Euromonitor International. Er sieht die grösste Gefahr für Getränkeunternehmen in weiterer Konsumreduktion in entwickelten Märkten, wo der Konsum sowieso schon zurück geht.

„Jede weitere Massnahme, den Konsum zu senken wird möglicherweise einen viel grösseren Effekt auf sich entwickelnde Märkte haben, die sich irgendwie in eine mehr oder weniger positive Richtung bewegen. Die dortige Mittelschicht geht voran und orientiert sich an den Trinkgewohnheiten des Westens.“

Quelle: Bangkok Post

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