Dienstag, 28. Juli 2015

Myanmar wird seine Betel Sucht nicht los

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Seiner Arbeit im scheinbar ewigen Verkehrschaos von Myanmar’s boomenden Geschäftszentrum nachgehend ist er mehr als nur daran gewöhnt, lange Tage auf den Strassen zu verbringen. Kun Ja - besser bekannt als Betelnuss - ist das, was ihn wachhält.

Betel Verkäufer auf einem Grosshandelsmarkt in Yangon. 
„Ich bin so müde, wenn ich meine Taxi Schicht beginne“, sagte der 32-jährige. „Deshalb kaue ich Kun Ja um wach zu bleiben.“

Kun Ja ist ein enorm populäres Stimulans und wird in ganz Myanmar gekaut. Aber es kommt mit einer langen Liste an ernsthaften Nebenwirkungen, inklusive Suchgefahr, tief dunkelrot gefärbtem Zahnfleisch und hohem Risiko an Mundkrebs zu erkranken.

Die kleinen Päckchen mit Tabak, Nüsse der Betelpalme, gelöschtem Kalk und optional Gewürzen, eingewickelt in frisch grüne Blätter des Betelpfeffers sind allgegenwärtig.

Kauer singen ihr Lob auf das Hallo-Wach, welches die Aufmerksamkeit erhöht, die Energie steigert und den Atem erfrischt.

„Als ich wegen Zahnschmerzen mit Kauen begann, mochte ich es nicht. Aber die Schmerzen gingen weg und ich begann es gern zu haben“, sagt Myo Min Htaike mit verräterischen roten Flecken auf den Lippen.

„Es ist Myanmar’s Gewohnheit“

Yangon ist nach Jahrzehnten brutalem Militärregime seit den Reformen 2011, welche die Sanktionen der westlichen Welt aufheben liessen, eine Stadt im konstanten Wandel.

Kräne drängen sich in einer mehr und mehr dichten Skyline während die Bewohner besessen auf ihre Handys tippen - etwas, was nur wenige Jahre früher undenkbar war.

Aber eines hat sich nicht geändert, wie die klaren roten Spritzer von ausgespucktem Betelnüssen auf praktisch jedem Pflasterschein und jeder Wand beweisen. 

Kauer stehen Schlange vor kleinen Kiosks, welche die Bündel für 200 Kyats, ca. $20 Cents, verkaufen. Strassenhändler tragen sie auf Schalen um den Hals gehängt und verkaufen sie an vorbeifahrende Autofahrer an belebten Kreuzungen.

Für die Verkäufer bringt die Fütterung der nationale Gewohnheit ein gutes Leben. Myo Myint Tun steht täglich um 3 Uhr morgens auf um Pendlern an einer Bahnstation Betel zu verkaufen. Zu den 20 Stammkunden schätzt er, dass weitere 80 täglich bei ihm kaufen. Das bringt ihm $40 Dollar pro Tag - genug für ein gutes Leben in einem Land, wo der Durchschnittslohn im Monat 2012 bei weniger als $100 lag.

„Die meisten Menschen in Myanmar kauen Betel. Es ist Myanmars Gewohnheit, schon seit langer Zeit.“, sagt er.

Aber die Ärzte warnen, dass der nationale Appetit auf das Stimulans in einem Land mit einem praktisch inexistenten medizinischen System der Gesundheit schadet. 

„Myanmar zählt weltweit zu den Ländern mit den meisten Konsumenten von rauchreifreiem Tabakkonsum, besonders unter Männern“, sagt Dr. Dhirendra Narain Sinha, ein Spezialist der Weltgesundheitsorganisation WHO. Seine Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Männer die Substanz kauen, dazu kommen 16% aller Frauen.

Beides, Tabak und Areca Nuss sind bekannte Karzinogene, welche Mundkrebserkrankungen auslösen können. Mundkrebs macht 20% aller Krankheitsfälle in Myanmar aus. 

Diejenigen, die Betel ohne Tabak kauen, haben eine um 250% grössere Chance an oralen Krebs zu erkranken als Nichtkauer. Bei denen, die mit Tabak kauen steigt das Risiko auf 770%.

„Die Leute kennen die Nebenwirkungen und gesundheitlichen Auswirkungen nicht“, warnt Dr. Than Sein vom Interessenverband der Public Health Foundation, PHF,  Myanmar’s.

Tiefe Gesundheitsausgaben

Gemäss den aktuellen Angaben der WHO gibt Myanmar weltweit den geringsten Anteil des Bruttoinlandproduktes für Gesundheitsversorgung aus - nur 0.5% im 2013, weniger als der Südsudan oder Haiti. Im Vergleich dazu betrug das Militärbudget 4.3% des BIP.

Der Beginn von Mundkrebs ist oft ein langsames und vermeidbares Todesurteil.

Wie in den Nachbarländern sind in Myanmar auf Zigaretten Päckchen Warnbilder vor gesundheitlichen Risiken angebracht, Kun Ja aber ist frei von jeglichen Warnungen.

Die PHF hat Flugblätter und Poster mit Warnungen gedruckt, die sie an sie an Betel Kiosken platzieren will. Das Gesundheitsministerium sagt, es würde sich den Vorschlag ansehen.

Aber Myanmar aus der Sucht zu helfen wird nicht einfach. Betel kauen ist eine tief verwurzelte kulturelle Gewohnheit in ganz Süd- und Südostasien, die mehrere Jahrhunderte zurück reicht.

Dennoch, meint Dr. Than Sein, sei er inspiriert von den Nachbarländern. „Wenn Sie nach Thailand gehen, werden sie nicht mehr viele Leute sehen, die Betel kauen, auch in ländlichen Gebieten. In Malaysia ebenso. Weshalb sollten unsere Leute an der Tradition festhalten?“

Hinter dem Lenkrad seines Taxis sitzend sagte Myo Min Htaike, dass er sich den Gesundheitsrisiken mehr als bewusst sei, aber nach 12 Jahren keine Aussicht auf einen Ausstieg sehe.

„Ich habe Angst“, gibt er zu. „Aber ich kann nicht ohne leben.“

Quelle: Bangkok Post

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