Dienstag, 2. Juni 2015

Wie bei Hamlet

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Kürzlich lud mich der britische Botschafter zu einer Aufführung von Shakespeares Hamlet ein. Sie wurde von der Botschaft und dem British Council organisiert und fand an der Chulalongkorn Universität statt. Ich muss zugeben zuvor noch nie Hamlet gesehen zu haben. Aber ich bin froh, dass ich es endlich tat, weil es mich in Teilen daran erinnerte, was hier in Thailand geschieht. 

Thailand's politische Landschaft erinnert an die Hamlet's. 
Ich bin nicht sicher ob jemand bemerkt hat, dass Thailand in den letzten Monaten immer wieder in den Schlagzeilen der internationalen Presse auftauchte. Es begann mit dem Militär Putsch, dann folgte Yingluck Shinawatra’s Amtsenthebung, später die grausamen Morde auf Koh Tao, darauf die Rohingya Krise, kürzlich mit dem Einzug aller Pässe von Thaksin und schliesslich mit Spielern des des einem Thailänder gehörenden englischen Premier League Klubs Leicester City, welche sich vor laufender Kamera mit thailändischen Barmädchen verlustierten.

Es scheint, dass „etwas im Staate Dänemark faul ist“. Wir alle wissen, dass dieses Land sich selbst einige Fragen stellen muss.

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ für Thailand. Wollen wir eine freiere und fairere Gesellschaft und unseren eigenen Platz auf der internationalen Bühne oder kreieren wir eine ungleiche und ungerechte Gesellschaft, in der nur wenige profitieren und verschliessen uns vor der modernen Welt wie Einsiedler?

In Bezug auf Entwicklung als Land gibt es für Thailand keinen Grund nicht das zu erreichen, was Südkorea gelang. Wir haben die Hardware dafür. Aber der Grund unseres Versagens ist die Software. Sie ist veraltet, langsam, altmodisch und überholt. Unsere Führer müssen lernen, dass Alte gehen zu lassen und das Neue zu umarmen, weil „alles was lebt sterben muss, durch die Natur in die Ewigkeit“.

Nehmen sie zum Beispiel die tägliche Prime-Time Fernsehsendung zur Bekanntmachung der letzten Erfolge des Regimes. Sie würden es schwierig finden, nicht einzuschlafen ohne einen spitzen Bleistift zur Hand, mit dem sie sich kurz vor Einnicken in den Oberschenkel piksen können. Die wöchentlichen Fernsehauftritte des Premierministers dauern so lange, selbst deutsche Opern scheinen dagegen kurz. Diese veraltete Art der Kommunikation mit der Öffentlichkeit ist sinnlos. Niemand schaut zu. Nur die kleinen, witzigen Filmchen auf You Tube, die zeigen, wie dem Premier sein Temperament durchgeht, erregen Aufmerksamkeit. 

In aller Ehrlichkeit, ich fühle nicht, dass General Prayut Chan-o-cha einen unheimlichen Charakter hat. Für mich scheint er nicht nachtragend, rach- und selbstsüchtig, launisch oder bösartig wie Hamlet zu sein. Aber manchmal erinnert er mich an Polonius. Amüsant wie er war, ist sein Rat an Laertes besonders relevant für Thailand: „Zu deiner Selbst bleib treu“.

Grundsätzlich müssen wir aufhören, uns selbst anzulügen. Wir sind nicht auf dem Weg zur Versöhnung. Als Land sind wir gespaltener wie je zuvor, weil nur schon ein dummes Interview von Thaksin die Junta laut schreien lässt: „Oh Schurke, Schurke, Lächeln, verdammter Schurke“.

Wir sind nicht auf dem Weg zur Demokratie. Die neue Verfassung hat allen gewählten Vertretern den Krieg erklärt und absolute Macht in die Hände von nicht gewählten Beamten in Form von „unabhängigen Stellen“ wie die nationale Anti-Korruptionsbehörde und die Justiz gelegt. Aber, noch deprimierender, wir sind nicht auf dem Weg eine bessere und harmonischere Gesellschaft zu werden.

Unsere Politik der letzten 10 Jahre war eine grosse shakespearsche Tragödie. Eine bittere Fehde zwischen zwei rivalisierenden Parteien, die in nutzlosen Toten auf beiden Seiten endete. Politik voll von Rache, die selbst Hamlet hätte erröten lassen. Und vielen der einst hellen, angehenden Führungskräfte zerbrach ihr Leben in Scherben, weil sie sich in die thailändische Politik wagten.

Der Shinawatra Clan steht vor einer Flut von strafrechtlichen Gerichtsverfahren. Hunderte von politischen Akteuren sind zum ewigen politischen Exil verurteilt. Unterdessen wurden aufstrebende Führer wie Abhisit Vejjajiva und Chaturon Chaisaeng mit einst einem guten Namen zu Unrecht in die Gosse gedrängt.

Wenn der nationale Rat für Reform, NRC, für Thailand wirklich eine Wendung zum Besseren will, sollte er eine Arena für fähige, ehrliche und hart arbeitende Führern schaffen, die in der Politik mitmachen können ohne ihre Reputation, Privatsphäre, Lebensgrundlage und manchmal sogar ihr Leben zu riskieren.

Weil im bestehenden politischen Umfeld nur Leute ihr Schwergewicht auf Politik legen, die total wahnsinnig von Selbstmordtendenzen sind oder narzisstische Karrieremenschen, die darin einen schnellen Weg zu einem grossen Namen sehen.

Der NRC muss realisieren, dass in Thailand das Gesetz ein Instrument ist, Macht über die Gesellschaft auszuüben. Es hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Thaksin’s Pass wurde auf der Grundlage des selben Gesetzes von verschiedenen Regierungen eingezogen und wieder ausgegeben. 

Ein Amnestie Gesetz wurde gegen Thaksin verfassungswidrig deklariert, aber komplett verfassungsgemäss für die Junta. Die Multi-Milliarden Baht High-Speed-Bahnprojekte wurden von der Pheu Thai Regierung aufgehoben, aber vom Verfassungsgericht ohne mit der Wimper zu zücken bewilligt - alle unter Berufung auf ein- und dasselbe Gesetz.

Hamlet sagte in seinem Selbstgespräch: „So macht Gewissen uns alle Feige“. Thailand braucht dringend Führer, die nicht nur das tun, was legal ist, sondern Führer mit dem Gewissen auch das zu tun, was richtig ist.

Von Songkran Grachangnetara in der Bangkok Post. Er ist Unternehmer und studierte an der London School of Economic und an der Columbia Universität.


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