Freitag, 5. Juni 2015

Thailand's Schulen produzieren funktionale Analphabeten - Weltbank schlägt Reform vor

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Ein Drittel aller 15-jährigen Thailänder sind gemäss Weltbank funktionale Analphabeten. Sie schlägt vor, dass Thailand sein Bildungssystem durch Zusammenführung und Optimierung seiner landesweit mehr als 20’000 nicht isoliert gelegenen Schulen reformiert. 

Dorfschule in Thailand
Klassenzimmer in einer Dorfschule Thailand's. Bild: EDF-International
Bei der Veröffentlichung des „Thailand Economic Monitor“ erklärte Südostasien Direktor Ulrich Zachau, die Verlangsamung des Exportwachstums seit 2012 sei ein langfristiger Trend, dem durch Strukturreformen, bessere Ausbildung und höhere Produktivität der Arbeitskräfte begegnet werden müsse.

„Das Wichtigste für Thailand ist, Bildung und Ausbildung ausserhalb Bangkok’s zu verbessern.“

„Ich wage nicht, meine Meinung im Kabinett zu äussern, weil es dort gleich drei für das Bildungswesen verantwortliche Minister gibt, und alle sind Militärs“, fügte Zachau an. „Aber wir gehen noch nicht auf dem richtigen Weg und wir gehen noch immer langsam.

Der jüngste Bericht der Weltbank prognostiziert für Thailand in diesem Jahr aufgrund der niedrigen Ölpreise, Mehreinnahmen aus Tourismus und höheren Konsumausgaben ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3.5%. Angenommen werden weiterhin langsam, um 0.5% in US-Devisen wachsende Exporte.

Von 2012 bis 2014 stiegen die Exporte um jeweils 1%. Ein bemerkenswerter Rückgang zum Durchschnitt von 13% in den Jahren 2006 bis 2011. Der Bericht zeigt auf, dass die Wettbewerbsfähigkeit zum Teil von im Vergleich zu anderen Ländern langsam voranschreitenden Produktivitätssteigerungen untergraben wird.

Der Ökonom für menschliche Entwicklung der Weltbank, Dilaka Lathapitat sagt, dass beinahe ein Drittel aller 15-jährigen Thailänder funktionale Analphabeten sind. Ihnen mangle es aufgrund fehlender Lesekompetenz jenseits einer grundlegenden Basis an den notwendigen Fähigkeiten, tägliches Leben und Beschäftigung zu verwalten.

Stark unterfinanzierte Schulen

Obwohl Thailand 24% des Staatshaushaltes für Bildung ausgibt - weltweit am Meisten - sind kleine Dorfschulen stark unterfinanziert. Das verunmöglicht, eine qualitativ hochstehende Bildung zu gewährleisten, weil Unterrichtsmaterialen unzureichend, Infrastruktur mangelhaft und Lehrer unerfahren sind.

„Besonders akut ist das Problem in kleinen Dorfschulen, die mit Lehrermangel konfrontiert sind und weniger als einen pro Klasse haben“, sagt Dilaka. Deshalb wird die Weltbank Thailand’s Bildungsminister bald eine formale Empfehlung unterbreiten, Zusammenführung und Organisation von Netzwerken kleiner Schulen auf dem Land in Erwägung zu ziehen. Damit könnten mehr Schüler von kompetenten Lehrern profitieren und der Unterricht in den Klassenräumen verbessert werden.

Der Ökonom Kirada Bhaopichitr denkt, dass ein Zusammenschluss von Dorfschulen problemlos durchgeführt werden könnte, weil 85% der 19’864 kleinen Schulen - weniger als 20 Kindern pro Klasse - weniger als 20 Minuten entfernt von einer anderen liegen.

Entgegen dem Plan der früheren Regierung, kleine Schulen einfach aufzulösen, was zu heftiger Opposition führte, schlägt die Weltbank vor, dass die Regierung die Aufgabe für gute, einvernehmliche Lösungen den lokalen Gemeinden überträgt. Die Regierung soll ihren Fokus auf Anreize zur Förderung von Schulnetzwerken legen.

Nicht alle Dorfschulen müssten geschlossen werden, wenn es gelingt, ein Netzwerk von kleinen und grossen Schulen der näheren Umgebung zu bilden, Lehrer und Ressourcen untereinander zu teilen. Die Regierung könnte kostenlosen Transport oder Reisespesen als Anreize offerieren.

Gemäss der Studie der Weltbank könnte Thailand die Anzahl Klassenräume mit weniger als einem Lehrer von derzeit 110’725 drastisch auf 12’600 reduzieren. Nur durch die Zusammenlegung seiner 9’421 nicht abgelegenen, grossen Schulen mit den 16’943 nicht abgelegenen, kleinen Schulen. Damit würde das Königreich gleichzeitig die Anzahl Schulen auf 14’252 oder die Hälfte reduzieren.

„Soll die Anzahl Lehrer pro Klasse auf dem Land derjenigen Bangkok’s entsprechen, müssten zusätzlich 160’000 Lehrer rekrutiert werden“, schloss Dilaka.

Quelle: Nation

Kommentare :

  1. Neben meines Erachtens viel zu positiver Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung zwar eine richtige Einschätzung der Lage der kleinen Dorfschulen und das katastrophal niedrige Bildungsniveau - aber absolut unzureichende Vorschläge zur Abhilfe. Es nutzt nichts, Schulen und Klassen zusammenzulegen, wenn die Lehrer nicht besser ausgebildet sind. Die gleichen Lehrer vor grösseren Klassen - das kann nur noch schlechter werden. Das System des Frontalunterrichts sowie mangelhafte bis keine Kontrolle des echten (!) Lernerfolges führen dazu, dass Schüler auch nach vielen Jahren Englischunterricht kaum ein Wort, geschweige denn einen Satz auf Englisch herausbringen.Wettbewerbe z.B. in Englisch werden dadurch gewonnen, dass Kinder Texte nach Lauten auswendig lernen, so wie ein chinesischer Sänger einen arabischen Liedertext auswendig lernen würde, um dort auftreten zu können - ohne im Geringsten zu wissen, was sie überhaupt sagen, welcher Bestandteil des Textes ein Wort und welcher in ganzer Satz ist. Die Mathematikhefte sind zwar akkurat geführt, fragt man aber, was denn diese Formeln, Dreiecke und Rechnungen zu bedeuten haben, dann kommt nur ein Achselzucken - nicht nur partiell, sondern zumeist auf der ganzen Linie. Aber auch bei den etwas teureren städtischen "Privat"-Schulen sieht s nicht besser aus: Nichtwissen kann man mit Geld kompensieren - so haben wir dort 12jährige, die nicht mal das kleine 1x1 können, beim Addieren müssen häufig noch die Finger zuhilfe genommen werden, die zugegeben etwas schwierige thailändische Schrift wird bestenfalls rudimentär beherrscht - macht nix, durch das Geld der Eltern steht der Versetzung in die nächste Klasse nichts im Wege. Allgemeinbildung? Au weia - da lasse ich mich besser nicht drüber aus, um mir den heutigen Tag nicht ganz zu verderben, denn in ein paar Stunden habe ich wieder ein Treffen mit Dorfschullehrern, Sponsoren und anderen Schulgrössen, um meinen nächsten Tropfen auf den heissen Stein anzubringen............

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  2. Hallo Doc,
    stimme in vielen Punkten zu. Erlebe seit gut 4 Jahren den "Dorfschul"- Stillstand mit. Englisch (trotz Privatunterricht) bei 2 Kindern, 8 und 12 Jahre jetzt, ungenügend - setzen ! Komisch, bei der Mutter hat es hervorragend geklappt. Ich habe mich dann lieber dem schon genannten 1 x 1 gewidmet und siehe da, es funktioniert super. Übt man es mit 1 Baht Münzen, bevor der Eiswagen kommt (5 Baht ein Eis), werden aus kleinen Dummköpfen wahre Einsteins. Was ist schon perfekt ? Auch in Deutschland haben wir unsere Schulprobleme. Ziehen wir den Faden von der anderen Seite auf: Schüler die die Schule doof finden, gehen dann an die Uni, die aber auch mehr oder weniger doof ist, um dann als Lehrkräfte (hier wie dort) der Jugend zeigen soll wie das Leben funktioniert. Woher wissen Sie es aber ??
    Viele Grüße aus dem Nordosten, wo Thailand sowieso anders ist.

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