Samstag, 13. Juni 2015

Regen lässt die Hölle ausbrechen

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Wie die Hölle liegt Bangkok tief, ist heiss wie Feuer, aber anfällig auf Überschwemmungen. Es beherbergt verzweifelte Seelen, die durch Hitze und Regen bestraft werden, manchmal auf wundersame Art und Weise am gleichen Tag. Die Stadt ist nicht nur, aber auch extrem anfällig auf Wasser vom Himmel. Wie letzten Montag, als durch mitternächtlichen Sturzregen Strassen zu Seen, Abflussrohre zu Geysiren und Pendler zu Sündern auf der Suche nach Erlösung wurden. Was haben wir nur getan, das zu verdienen? Alles.


Bangkok Überschwemmung
Überschwemmung in Bangkok am 24. März 2015
Die Hölle wird von Hades regiert, und er hat sich den heissesten Zyklus ausgesucht. „Es regnet gerne wenn ich weg bin“, sagte Bürgermeister Sukhumband Paribatra nach seiner Rückkehr von einem Studientrip in Rotterdam ins verdammte Bangkok. Und in eine Flut von Verfluchungen von wütenden Bewohnern der Stadt. 

Im März hatte ein verrückter Sturm Bangkok überschwemmt und ihn selbst ins Scheinwerferlicht gesetzt. Das jüngste Schlamassel macht es noch schlimmer. Der kollektive Aufschrei zeigt die wahre Angst. Wenn nur schon ein stürmischer One-Night-Stand uns in ein derartiges Chaos stürzt, was wird nur während der Monate dauernden Regenzeit geschehen? Es wird, wie gesagt wird, die Hölle losbrechen.

Ernsthaft, ich bemitleide Sukhumband, unseren gewählten Gouverneur und Bürgermeister - wie Premier Prayout Chan-o-cha uns dankbarerweise erinnert hat - teilweise weil er den freudlosen Blick einer stark leidenden Person hat. Aber hauptsächlich weil das Schlimmste erst kommt. Die auf ihn gerichtete Attacke kam nicht überraschend. Weil er der Bürgermeister ist. 

Das heisst: Hausmeister, Wischmop, Besen, Boxsack und etwas im Putzmittel muss ziemlich giftig gewesen sein. Das Schlimmste war die von Srisuwan Jana angeführte Bürgergruppe, welche den Premierminister anfragte, ihn mittels des Zauberstabes Artikel 44 abzusetzen. Der galante Prayut antwortete, philosophisch, dass wir mit dem leben müssten, den wir gewählt haben. Ich füge hinzu: auch mit denen, die wir nicht gewählt haben. 

Wir haben noch zwei Jahre mehr mit dem, den wir wollten (Gott segne uns), genug Zeit, dass er aus der Ecke springen und härter arbeiten kann. „Ich bin ein Arbeiter, ich will mit niemandem Streit“, sagte er und dem ich stimme aufrichtig zu. Die Flak feuert auf Bürgermeister Sukhumband, weil er so grimmig ist, und immer grimmiger wird. Manchmal antwortet er seinen Gegnern in einer so trotzigen Weise, dass seine Sprüche unmittelbar Klassiker werden: „Geh’ auf die Berge wenn du keine Überflutungen willst“ oder „Es regnet gerne wenn ich weg bin“. 

Dann haben wir die schwarze Komödie auf diesen Plakaten an Busstationen, angebracht von der Stadtverwaltung Bangkok’s. „Der grosse Wasser Tunnel“, steht da voller Stolz. Das Beunruhigendste von allen ist: „Dein ganzes Leben kümmern wir uns um dich“. Wie eine evangelistische Fantasie mit dem Lächeln des Bürgermeister drauf. Wir sehen sie und kichern. Aber wenn etwas Schlimmes passiert, wie die Schock-Flut am Montag, fühlen sie sich an wie taktlose Witze. Alle ärgern sich. Ganz zu schweigen, dass die selbstgefälligen Plakate - der Favorit von Politikern aller Couleur - mit Steuergeld bezahlt wurden.

Vom ersten, den Rama IX-Ramkhamhaeng Wasser Tunnel, der 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde pumpen soll, wird gesagt, er sei voller Müll. Damit sind wir zu einem gewissen Mass selber Schuld an unserer eigenen Misere. Der zweite Tunnel wurde beim Klong Bang Sue gebaut und der dritte ist im Prozess, einen Erbauer zu finden. Für 5.9 Milliarden Baht werden sicher viele Leute für einen Vertrag schwitzen. Acht Wurmlöcher sollen in drei bis vier Jahren fertig sein. Bis dahin rette jeder seine Seele selbst. 

Wenn das die Hölle ist, macht es wenigstens eine Erträgliche. Ich sage dies als loyaler, in Bangkok geborener und hier zur Schule gegangener Bewohner, der schon viele Bürgermeister kommen und gehen sah und hoffentlich noch lange genug für ein paar mehr leben wird. Die Reihe von Stadtoberhäuptern begann in den Tagen, als ich Süsswasser Fische in meinen Wohnzimmer fing - kein Scherz - während der Amtszeiten von Chaowat Sudlapa und Tiam Makarananda - beide wurden ernannt - und ging durch Höhen und Tiefen weiter mit Generalmajor Chamlong Srimuang, Bhichit Rattakul, Samak Sundaravej und Apirak Kosayodhin - alle gewählt. All diese aufeinander folgenden Bürgermeister hinterliessen keine Erinnerungen an eine trockene, gepflegte Stadt der Engel in sauberer Luft. Sie existiert nur in unseren Träumen und hochglanzpolierten Lügenbroschüren. Sukhumband muss die Latte nicht hoch legen, sein Job ist nur den Level zu halten. Und es gibt keine Entschuldigung, wenn er nicht mal das hinkriegt. 

Die Wasser Tunnels, die Turbo-Power Pumpen, die gigantischen Besen mögen dermaleinst helfen, wenn uns der Monsun trifft. Aber das wahre Problem liegt tiefer: es ist ein Problem des Glaubens und des Vertrauens. Wir müssen mit dem leben, den wir gewählt haben. Das ist die nackte Wahrheit, an die wir uns erinnern müssen, wenn es wieder soweit ist - soweit uns der Premierminister dies auch in zwei Jahren wieder erlaubt. 

Von Kong Rithdee in der Bangkok Post

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