Mittwoch, 3. Juni 2015

Nationalismus ist Thailand’s wahre Religion

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Die thailändische Gesellschaft war sich letzten Monat darüber einig, dass die verzweifelten muslimischen Rohingya und Bangladeshi Bootsflüchtlinge zurück auf’s offene Meer zu stossen sind. Soll das Schicksal sich um sie kümmern.

 "Thainess basiert auf dem Mythos der reinen Thai Rasse."
Am Montag füllten Kerzen und Gebete landesweit die Tempel, als Gläubige an Visakha Bucha versprachen, Buddha’s Weg zu beschreiten. Die Welt ist verblüfft. Wie kann ein Land, das sich selbst als Hort des Buddhismus sieht, so grausam sein?

Jedes Mal wenn Thailand weltweit Schlagzeilen macht - sei es Kinderprostitution, Zwangsarbeit, Menschenhandel oder politische Gewalt - fragen sich alle: wie kann ein buddhistisches Land solche Verbrechen begehen?

Als erste Reaktion halte ich die Frage für zu simpel. Ist es nicht zu einfach, aus dem Glauben auf Taten zu schliessen? Abgesehen davon, alle Religionen, nicht nur der Buddhismus, lehren Liebe und Mitgefühl. Trotzdem töten jeden Tag Menschen Menschen im Namen von Religionen.

Ist es also nichts als ein grosses Missverständnis, dass religiöse Menschen keine Gewalt ausüben können? Die Wahrheit ist: je gerechter sich Menschen fühlen, desto eher sind sie bereit, Gewalt als Weg zur Eliminierung des Sündhaften zu wählen. Je grösser die religiöse Inbrunst, desto mehr Gewalt. Beispiele gibt es zuhauf, in Thailand wie überall auf der Welt.

Wie thailändische Buddhisten auf solche Fragen reagieren ist interessant:

Weshalb sind gerade wir unmenschlich? Wir geben bereits mehr als 100’000 Flüchtlingen aus Kriegen in Myanmar Unterkunft. Jetzt ist es Zeit für andere ihre Menschlichkeit zu zeigen und Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Thailand hat nur limitierte Ressourcen.

Wir sind freundlich. Deshalb geben wir ihnen Nahrung auf den Weg zum Ort, wo sie wirklich hin wollen. Thailand ist nicht ihr Ziel. Genügt das nicht?

Wir sind freundlich, aber wir können uns die langfristigen sozialen Probleme, die Immigranten mit sich bringen, nicht aufbürden.

Freundlichkeit oder nicht ist nicht das Thema. Der Strom von Bootsflüchtlingen ist nicht unsere Schuld. Er ist das Erbe der Teile- und Herrsche Politik der Kolonisatoren. Der Westen muss Verantwortung übernehmen.

Warum Leuten helfen, die Schleuser bezahlen können um Geld im Ausland zu machen?

Wir sind freundlich, aber Muslime sind aggressiv und haben zu viele Kinder. Sie bedrohen die nationale Sicherheit. Unsere Probleme im tiefen Süden werden noch verschlimmert. 

Wir haben Mitleid, aber wir können nicht allen Leidenden der Welt helfen. Wenn wir nicht helfen können, müssen wir Buddhismus nach dem Prinzip von Upekkha - Gleichmut - leben.

Von allen unsere Kaltherzigkeit legitimierenden Reaktionen halte ich die letzte für die Ärgerlichste.

Angst, angefeuert von Vorurteilen treibt Menschen oft zu grausamen Entscheidungen. Das Leben ist voller schwieriger Dilemmas, wir alle wissen das. Wir mögen mit diesen Entscheidungen nicht einverstanden sein, aber wir können sie verstehen. Aber zu sagen, unsere Unmenschlichkeit werde von Buddha unterstützt - so, dass man sich selbst trotzdem gut fühlt - ist für mich auf die Spitze getriebene Heuchelei und Grausamkeit. Es ist auch der absolute Missbrauch von der Lehre Buddha’s.

Darf ich eine Antwort auf die Frage geben, weshalb ein buddhistisches Land wie Thailand voll von Lastern ist, die im Buddhismus untersagt sind? Weil wir nicht wirklich Buddhisten sind. Unser vorherrschendes Glaubensbekenntnis ist Nationalismus. Rassistischer Nationalismus, um genau zu sein. Weil unsere „Thainess“ auf dem Mythos der reinen Thai Rasse basiert.

Deshalb ist es für viele unter uns so einfach die Augen vor Leidenden anderer Ethnien oder Rassen zu verschliessen - egal, ob es ausländische Arbeiter, Bootsflüchtlinge oder malayische Muslime im unruhigen Süden sind.

Andere Credos sind Patriarchat und Sexismus. Deshalb prosperiert die Sexindustrie, ist Polygamie kulturell verankert, Gewalt gegen Frauen weit verbreitet und sind Geschlechtsvorurteile unbestritten.

Thai Theravada Buddhismus ist mittlerweile voll von Thai Nationalismus und Patriarchat. Deshalb ist der Klerus gegen die weibliche Priesterweihe und schweigt zur Krise mit den Bootsflüchtlingen.

Buddhismus mag in Thailand als dominanter Glaube scheinen, aber weit verbreitete Korruption hat den öffentlichen Glauben erodieren lassen. Das Mönchtum wurde zu einer sozialen Leiter für Burschen vom Land reduziert. Mönche arbeiten hauptsächlich als Briefträger. Sie senden Verdienste an unsere verstorbenen Verwandten. Versteckt im komfortablen Kokon aus Luxus und Privilegien hat der feudale Klerus den Kontakt zur modernen Welt verloren und ist zu schwach einen moralischen Kompass zu liefern.

Man muss keine buddhistische Weisheiten nachschlagen um festzustellen, ob wir getreu unseres Glaubens leben. Es genügt zu sehen, wie wir diejenigen behandeln, die schwächer sind als wir - das ist das wahre Abbild unserer Herzen.   


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