Sonntag, 14. Juni 2015

Über Steinhaufen und Kriegselefanten

Keine Kommentare :
Letzten Sonntag wanderte ich in dem herum, das als Stonehenge von Thailand bekannt ist - nein, ich meine nicht die aufgegebenen Säulen des fatalen Hopewell Projektes in Bangkok. Mor Hin Khao, der Hügel der weissen Felsen, liegt in Chaiyaphum, rund 300 Kilometer nordöstlich von Thailand’s Hauptstadt.


Mor Hin Khao
Felsformation im Mor Hin Khao, dem thailändischen Stonehenge. 
Wandern ist nicht ganz korrekt - nach Luft hechelnd wäre wohl treffender, da die Temperaturen doch etwas auf der wärmeren Seite lagen, oder, um den korrekten meteorologischen Begriff zu verwenden, es herrschte eine Affenhitze. Und ja, wir waren dummerweise am frühen Nachmittag dort - was sich sonst nur streunende Hunde und Touristen antun.

Meine Frau hatte entschieden, dass ich mich als zertifiziertes altes Fossil unter Steinhaufen, die älter als ich sind, wohl finden würde.

Sicher, Mor Hin Khao ist nicht wie das echte Stonehenge, welches von Menschen geschaffen wurde. Diese Thai Felsen sind vielmehr das Werk von Mutter Natur, geformt vom Wetter.

Sie meinte, dass es Spass machen würde zu erraten, welcher Form die Felsformationen gleichen. Sie bestand darauf, dass eine Gruppe Elefanten ähnlich sind. Aber wie auch immer ich mich anstrengte, alles was ich sehen konnte waren alte Steine.

Dann sah ich einen, der wie ein Pilz aussah. Aber das beeindruckte meine Frau nicht wirklich.

Mor Hin Khao bietet wunderbare Sicht auf die Täler von Chaiyaphum, einer der westlichsten Provinzen des Isan. Es ist auch einer der wenigen Orte, die noch nicht von Horden von Touristen überlaufen sind.

Dinosaurier und Jungfern

Mir vorzustellen wem oder was Felsen ähneln könnten, erinnerte mich an einen Ausflug vor vielen Monden in den Steinwald bei Kunming in China.

Der Shilin ist ein seltenes geologisches Phänomen von Kalkstein Säulen, die aus dem Boden ragen. Mehr als 250 Millionen Jahre alt. Auch selbst fühlte ich mich nach einem halben Tag auf und ab durch durch den Steinwald ungefähr gleich alt.

Wie die Felsen in Chaiyaphum musste auch im Steinwald jede Säule irgend einer Kreatur, von Eidechsen über Löwen bis zu wunderschönen Jungfrauen, ähneln.

Unser enthusiastische chinesische Reiseleiterin liess uns nicht weiter, bis wir die Form eines Steins korrekt identifiziert hatten.

Sie wurde sogar aufbrausend, als wir eine nicht enträtseln konnten und, um ihr zu helfen, sie als Dinosaurier bezeichneten.

Das war nicht genau die Antwort, die sie erwartet hatte, da war sogar eine versteckte Drohung, als sie mir sagte, dass das, was ich als Dinosaurier bezeichnet hatte, in Wahrheit wunderschönen Jungfern gleichkomme.

Alterssteine

Vor einigen Jahren wurde in einer Umfrage in England Stonehenge überraschenderweise als die am meisten enttäuschende Sehenswürdigkeit benannt, obwohl gleichzeitig eine der am meisten besuchten.

Wer nur auf einen Blickfang aus ist, sollte nicht dorthin. Beindruckend wird es erst, wenn man die Geschichte dahinter berücksichtigt.

Etliche Jahre her war ich an einem eher trüben Tag dort. Der unfreundliche Wind fegte über die Ebene von Salisbury und durch meine Kleider.

Ich war mit einigen amerikanischen Touristen dort. Nach einem ersten Gang um die Steine schienen sie mehr an einem Besuch im nächsten Pub interessiert. Und ich muss gestehen, mir als so etwas wie einem kulturellen Dinosaurier ging es ebenso.

Eine halbe Stunde später assen wir Fisch und Chips, tranken ein Bier und hatten Stonehenge schon lange vergessen.

Säulen der Hoffnung

Ich weiss nicht genau, wie es mit den Hopewell Säulen in Bangkok weitergeht. Geplant ist, dass sie für den Bau der Red Line des Skytrains abgerissen werden.


Überreste des Hopewell Projekts in Bangkok. 
Irgendwie wäre es eine Schande sie zu zerstören. Nach 20 Jahren sind sie eine Art Institution unter Bangkok’s Bewohnern und auch von Besuchern geworden.

In den Tagen, als Don Muang noch der einzige Flughafen Bangkok’s war, gehörten sie zu den ersten Impressionen von Amazing Thailand - aber nie erhielten sie eine Bemerkung in Reiseführern.

Zugegeben, sie sind nicht unbedingt das achte Weltwunder, aber sicher gut genug für ein schönes Stück Konversation.

Hoch leben die Kriegselefanten

Seit ich vor vielen Jahren in einem Exhibition Match gegen die Frauen Nationalmannschaft Thailand’s spielen durfte und dabei eine heftige Verstauchung durch ein junges Thai Mädchen als Erinnerung mitnahm, verfolge ich deren Glück durch dick und dünn. Meist dünn.

Deshalb ist die Nachricht über den 3:2 Sieg gegen die Elfenbeinküste an der Weltmeisterschaft in Kanada die Beste der Woche.

Nur schon die Qualifikation für das Turnier war ein grosser Erfolg. Aber dann noch ein Spiel gewinnen ist schon besonders. Er erinnert an ihren Spitznamen, Chang Suk - Kriegselefanten.

Man musste nur ihr von Ekstase begeisterten Gesichter am Ende des Spiels gesehen haben um zu wissen, was er ihnen bedeutet.

Und sie feierten auf dem Kunstrasen in wahrer thailändischer Tradition - mit Selfies. Warum nicht? Gut gemacht Mädchen!

Jetzt geht’s, nun nicht mehr so wichtig, gegen Deutschland, den Favoriten auf den Weltmeistertitel. Macht euch keine Sorgen, dass ihr aufgerieben werdet. Freut euch einfach auf das Spiel.

Von Roger Crutchley in der Bangkok Post

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen