Sonntag, 7. Juni 2015

Die deutsche Winzerin, die in Thailand Weinberge pflegt

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Seit dem Umzug nach Thailand hat sich Kellermeisterin Kathrin Puff ihrer körperlichen Fitness beinahe mit der gleichen Leidenschaft wie Weinen gewidmet. Und sie hat die Muskeln, das zu beweisen. Puff, aus Krefeld in der Nähe von Düsseldorf, bereitet sich derzeit auf ihre fünfte Teilnahme am Ironman vor, einer von 10 Triathlons, die sie jährlich bestreitet.

Kathrin Puff bei der Arbeit preisgekrönte Weine zu schaffen. Bild: Chiang Rai Times
Sie zog nicht für den Sport nach Asien, vielmehr um das Ruder von Thailand’s Monsoon Valley Wine in die Hand zu nehmen. Sie will das Rätsel entschlüsseln, wie Weltklasse Weine nur gerade 13 Grad nördlich des Äquators entstehen können.

Die 36-jährige Chef-Kellermeisterin von Moonsoon Valley kam 2007 nach Bangkok. Ein deutscher Berater hat sie mit der Firma in Verbindung gebracht.

Monsoon Valley hatte das Geld für die passende Frau: sie gehört Siam Winery, deren Inhaber Chalerm Yoovidhya auch Vorsitzender von Red Bull UK und ein wirklicher Weinkenner ist. Monsoon brauchte einen erfahrenen Fachmann für seine Weinkellerei, Puff war jung, voller Energie und in Europa ausgebildet. 

„Sie machten mir ein sehr interessantes Angebot - ich war zuvor noch nie in Asien. Ich dachte einfach, geh hin und schau mal.“

Ihr Sprachtalent zeichnete sie zusätzlich aus. Während ihrer Lehrjahre von Spanien bis Neuseeland, inklusive einer Stelle als Kellermeisterin in Dievole in der Toskana, brachte sie sich, zusätzlich zur Kunst des Weinmachens, Sprachen bei. Puff spricht neben ihrer deutsche Muttersprache fliessend englisch, spanisch und italienisch.

Der grösste Reiz war für sie der „Alten Welt“ zu entfliehen. Sie glaubt, Europa stecke zu stark in festgefahrenen Pfaden fest. Tatsächlich musste sie für ihre neue Aufgabe ihren Job in Neuseeland aufgeben. Da Thailand nicht wirklich ein traditionelles Weinland war, dachte sie, wäre es viel offener für Innovationen und einfacher für einen jungen Menschen, seine Ideen umzusetzen.

Puff’s Interesse an Wein erwachte früh. Mit 16 begann sie sich Notizen über die Rebsorten der Weine im Keller ihres Vaters, einem Zahnarzt, zu machen und sammelte alle schönen Etiketten. Nach verschiedenen Lehrstationen und je einem Diplom in Weinbau und Önologie landete sie schliesslich in der Toskana.

Unter ihrer Leitung gewannen Monsoon Valley Weine Dutzende von Auszeichnungen. 2013 die Goldmedaille für Dessertweine an den Decanter World Wine Awards und im gleichen Jahr eine Bronzene für einen weissen Cuvée.

Das im In- und Ausland verkaufte Portfolio ist klein und süss. Colombard und Chenin blanc, Shiraz sowie ein Rosé und ein Schaumwein.

Aus einigen der Trauben kann Spitzenwein gekeltert werden. Der Cuvée de Siam Rouge 2008, er ist nur in Thailand erhältlich, aus Sangiovese und Shiraz Trauben, gewann 2010 Gold bei der International Wine Challenge in Wien.

Trauben durch brütende Hitze und eine heftige Regenzeit in Nektar zu verwandeln ist ein technischer Prozess. Er benötigt eine zusätzliche Ernte als Ausruhzeit für die Weinstöcke, eine innovative Überdachung der Reben, konstantes Experimentieren und ein grosses Budget. 

Glücklicherweise mag Puff Technologie. Die Freiheit von Strukturen der „Alten Welt“ erlaubt ihr mit „Regeln“ zu spielen. „Ich bin eine Frau der Tat und will wissen, weshalb gewisse Dinge funktionieren. Ich glaube nicht an Magie. Einige Kellermeister machen Dinge nur, weil es schon ihre Väter getan haben. Aber ich bin anders. Ich denke in einer anderen Art und Weise.“

Puff’s typische Arbeitswoche beinhaltet einen Tag im 200 Hektar grossen Weinberg unweit der Touristenmetropole Hua Hin, 150 Kilometer südlich von Bangkok, wo als Attraktion auf Elefanten durch die Reben geritten werden kann und ein erstklassiges Restaurant Besucher erwartet. Die verbleibenden vier Tage verbringt sie in der Weinkellerei in Samut Sakhon, führt Weinproben und Qualitätskontrollen durch. „Und jeden Morgen widme ich Chaorai Zeit, meinem Winzer.“ Chaorai ist ihre rechte Hand und genau so fanatisch wie sie im Experimentieren mit Weinbau-Technologien.

Kurz vor sie ihren Job in Thailand annahm, hatte sie in der Toskana mit einem Mann einen Beziehung begonnen. Heute ist Matthia ihr Mann. Er spielt in einer Band, sie nahm Gitarren Lektionen und sie trafen sich bei einer Probe auf einem Bauernhof. 

Der sechs Jahre jüngere Matthia entschloss sich ebenfalls, umzuziehen und beendete sein Studium in Thailand. Jetzt ist er Photo Editor bei der European Pressphoto Agency. Das Paar wohnt in einem netten kleinen Viertel zwischen Hochhäusern im Stadtzentrum Bangkok’s. Puff sagt, der Charme der Stadt mache die Nähe zu vielen von Asien’s paradiesischen Flecken, gutes Essen und eine Vielfalt von interessanten Menschen aus.

Ihr Job sei eine grosse Herausforderung gewesen, sagt sie, und ergänzt: „Da war die Sprachbarriere. Auch die Arbeitskultur ist unterschiedlich. Aber ich mag wie die Leute sogar schlechte Nachrichten mit einem Lächeln überbringen.. es ist so erfrischend.“


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