Montag, 8. Juni 2015

Das grosse Problem: er ist ein Mann mit Geschichte

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Wer immer das Drehbuch für den Film über sein Leben schreibt - was irgendwie wirklich jemand tun sollte - muss die Wahrheit etwas herunterspielen, weil sonst niemand glauben wird, was Drei-Sterne General Manas Kongpan getan hat. 

Generalleutnant Manas Kongpan: ein Mann mit Geschichte. 
Und sicherlich, ob er noch mehr tun wird ist fraglich, wenigstens zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels sitzt er in der südlichen Provinz Songkhla ein. Die Polizei hat dem Richter gesagt, er sollte nicht freikommen bis sein oder seine Gerichtsverfahren über ein Dutzend schwerer Anklagen stehen.

Generalleutnant Manas hat, in der Polizei Version, Menschen- und Kinderhandel betrieben, illegale Ausländer entführt, von illegalen Migranten Lösegeld erpresst, einige getötet und Massengräber zur Vertuschung benutzt. Es gibt noch mehr Vorwürfe wie die Durchführung grenzüberschreitender Kriminalität.

Bemerkenswert an der Geschichte ist, dass die Polizei nichts damit zu tun hat. Die Verhaftung von Generalleutnant Manas ist mehr als aussergewöhnlich. Im Gewirr mit der geheimen Seite des Militärs geht der nationale Polizeichef Somyot Poompunmuang so weit, wie es nur wenige Männer in braun jemals gewagt haben.

Der General in der Zelle, der wiederholt verneint, in Menschenhandel verwickelt gewesen zu sein, ist nicht der normale, gut vernetzte Offizier mit Verbindungen zum Kommando für interne Sicherheitsoperationen ISOC.

Wenige Stunden nach seiner Verhaftung bürgte der Verteidigungsminister und nationale Putsch-Experte General Prawit Wongsuwan für Manas. Die Eingesperrte sei eine guter Mann, der viel für das Land gegeben habe.

Einige mögen zynisch über interne Deckung für Offizierskollegen denken. Oder General Prawit zog in Erwägung, dass Generalleutnant Manas einer derjenigen ist, von denen George Orwell einst schrieb: Männer fürs Grobe, die bereit sind mit Gewalt für die Sicherheit eines Landes zu sorgen. 

Gemäss offiziellen Angaben wurde Manas für seine militärische Arbeit hoch dekoriert. Er schoss zum Drei-Sterne General hoch. Obwohl zuvor alles danach aussah, dass er lebenslang Oberst bliebe, zumindest bis zum 27. April 2004.

Das war die Nacht von sehr seltsamen, koordinierten Attacken von mehr als 100 Männern im Süden Thailand’s. Männer, die nur mit Messern bewaffnet waren.

Die Sicherheitskräfte konnten die Situation rasch kontrollieren, töten einige der Angreifer und veranlassten viele zu fliehen. 32 Männer rannten in die Krue Se Moschee in der Provinz Pattani und behaupteten, sie hätten Anspruch auf religiöses Asyl.

Die Befehle aus Bangkok lauteten, die Belagerung auszustehen. Aber nach sieben Stunden waren der ISOC Gottvater General Panlop Pinmanee und andere Offiziere gelangweilt von der Warterei und sandten ihre Top-Agenten in die Moschee. Auftrag: alle 32 aus nächster Entfernung töten.

Damals-Oberst Manas war an vorderster Front der einseitigen Attacke auf die historische Moschee - genannt „Mörder“ im gesamten Süden und von manchen in Bangkok.

Im Oktober 2007 wurde er beordert, in den drei südlichsten Provinzen zu arbeiten. Er veranlasste eine Durchsuchung eines verdächtigen Drogendealers in Sungai Kolok und fand 30 Millionen Baht in bar, versteckt in einem PVC Rohr. Man vermutete, dass der Dealer etwas mit den Unruhestiftern zu tun hat. 

Später wurde enthüllt, dass mehr als 70 Millionen Baht versteckt waren. Aber zwei der drei PVC Rohre gingen unter den Augen von Manas verloren und nur 30 Millionen wurden der Polizei übergeben. Gegen den Generalleutnant wurde ermittelt, aber aus Mangel an Beweisen kam keine Klage zustande. Das Mysterium um das fehlende Geld besteht bis heute.

2008, nachdem die Militärregierung unter General Surayud Chulanont sich für die Ermordungen in der Moschee entschuldigt hatte, entschied ein Gericht in Pattani, dass Oberst Manas und einige seiner Kollegen dafür verantwortlich waren. Die Regierung Abhisit reichte keine Klage ein.

Oberst Manas wurde Spezialist der Unruhen im Süden. „Die Leute sagen, ich würde Muslime hassen“, sagte er einmal in einem Interview. „Aber wie könnte ich? Mein Bruder ist mit einer Muslima aus Yala verheiratet.“

Im gleichen Jahr, in dem er nicht vor Gericht für Missachtung von Befehlen und illegalen Tötungen erscheinen musste, arbeitete Manas am Problem mit Migranten, insbesondere Rohingya, die auf ihrem Weg nach Malaysia den Umweg über Thailand nahmen.

Eine grosse, klapprige Schiffsladung von Migranten aus Myanmar kam in thailändische Gewässer, wo sich Oberst Manas ihrer direkt annahm.

Medien und Augenzeugen berichteten von Befehlen des ISOC an der Oberst vor Ort. Die Navy sandte ein Patrouillenboot aus, trieb das Holzboot voller Migranten von der Küste weg und vertrieb es. Ohne Nahrung, Wasser und Treibstoff waren die Rohingya den Meeresströmungen überlassen, präziser: der Unbarmherzigkeit. Alle an Bord verschwanden, und manche Körper wurden an indische Inseln angespült.

Oberst Manas bewies dem Parlament, dass die Berichte Quatsch waren, die Augenzeugen etwas verwechselten, die Medien Lügner. Niemand starb durch Thai Hände, weil er persönlich für die massive Versorgung der Rohingya mit Nahrung, Wasser, Treibstoff, Werkzeug und vielem mehr gesorgt habe. Er war der einzige Mensch, der die Ereignisse so sah. Die Regierung Yingluck reichte keine Klage ein.

2013 wurde er zum Kommandanten des 42. Militär Kreises in Songkhla befördert. Dieser Posten ist sehr einflussreich. Wer immer ihn besetzt, erhält einen Spitznamen: der Boss von Hat Yai oder der Boss von Songkhla.

Die interessante Geschichte von Generalleutnant Manas öffnete sich bereits 2010 um einen kleinen Spalt in der mysteriösen Wand vor Konspiration des ISOC und seinen aktuellen Operationen. Öffnet bezieht sich offensichtlich auf Khattiya „Seh Daeng“ Sawasdipol. Er wurde am 10. Mai 2010 während eines Interviews mit einem Journalisten der New York Times von einem Scharfschützen getötet. Nachdem das Militär jede Schuld an der Ermordung von sich wies, übernahm am 19. Mai das Königshaus ohne weitere Erklärungen die Begräbniskosten. 

Was der Schütze gemacht hatte, was sein Waffenbruder Generalleutnant Manas 2015 macht, lässt Thailand sicher und tief schlafen. Wenige wissen davon, keiner sagt etwas.

Und niemand räumt ein, dass Generalleutnant Manas aufhört, es zu tun.

Quelle: Bangkok Post

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