Sonntag, 21. Juni 2015

Korruption gegen Demokratie: neuer Widerspruch droht

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Zeichen, dass der Putschist wohl länger an der Macht bleibt, als er ursprünglich sagte, verwirren sowohl Demokratie als auch Korruption. Die Letztere hat eine seltene Unsicherheit an den Tag gelegt, obwohl sie ihre Anstrengungen aufgegeben hat, die Demokratie auf die dunkle Seite zu bringen. Der verbale Krieg ob die Demokratie sich der Korruption im Guten anschliessen sollte, damit beide glücklich zusammen leben können, wurde von den letzten Entwicklungen in Thailand verdunkelt.


Die Erzrivalen, welche eine mörderische Schlacht um Thailand geführt haben, entwickeln nun etwas wie Sympathie für einander. 

Korruption: Jetzt sprechen sie davon, dich noch länger auszuschliessen. Wenn du einen Pakt mit mir geschlossen hättest, wäre es nie soweit gekommen.

Demokratie: Frag mich nicht auf deine Seite zu wechseln, weil das zur Zeit die geringste meiner Sorgen ist. Mein aktuell grösstes Bedenken ist die thailändische Idee darüber abzustimmen, ob Wahlen verschoben oder, in Wirklichkeit, Prayut länger an der Macht bleiben soll. Diese Abstimmung würde jeden höllisch verwirren und ich bete zu Buddha, das sie nie durchgeführt wird. 

Korruption: Warum?

Demokratie: Wählen ist das Grundprinzip einer Demokratie, nicht? Mann kann nicht abstimmen, um etwas zutiefst Undemokratisches durchzusetzen. 

Korruption: Kapiert. Du denkst daran, was passiert, wenn eine Mehrheit nein zur Demokratie sagt. Was, wenn die Mehrheit der Thais keinen Wert auf Wahlen legen? Ist es das, wovon du sprichst?

Demokratie: Genau.

Korruption: Alles klar. Aber weshalb sich darüber sorgen? Die letzten Wahlen ergaben auch etwas irgendwie Paradoxes.

Demokratie: Wenn du die Wahlen vom Februar 2014 ansprichst, sicher. Sie mögen angezeigt haben, dass das Volk damals nicht wählen wollte. Aber wir hatten einige Wahllokale blockiert, und viele eigentliche Wähler kamen nicht, weil sie desillusioniert oder ganz einfach zu faul waren.

Korruption: Wenn heute ein Referendum zur Verlängerung der Militärherrschaft stattfinden würde, wären alle Wahllokale offen und die meisten Wähler würde es reizen etwas anzukreuzen, meinst du das?

Demokratie: Ja. Würden sie „Wahlen jetzt“ ankreuzen, würden wir vom grossen Paradox verschont. Wenn nicht, helfe uns Buddha.

Korruption: Eine Entschuldigung würde sein, dass das Referendum unter Militärherrschaft statt findet. So könnte ein Resultat Pro-Militär hingenommen werden.

Demokratie: Eine Menge Leute würde dem zustimmen. Aber ich fühle mich trotzdem nicht gut. Wenn das Resultat eh klar ist, bin ich aus dem Schneider. Aber ich spreche von einem echten Votum für „Keine Wahl“. Einem, dass, wie auch immer es ausgelegt wird, mich in den Grundfesten erschüttern wird. Wenn das geschieht, weiss ich nicht was machen. Wenn eine Mehrheit wirklich Wahlen verschieben will, wie sollen wir das nennen?

Korruption: Einfach. Wir sagen, dass die Thais keine unmittelbare Wahlen wollen.

Demokratie: Aber Wahlen sind das, was Demokratie ausmacht, nicht wahr?

Korruption: Schau, wer mir diese Frage stellt. Hast mir nie zugehört? Du bist ein Idol. Nicht von dieser Welt. Menschen drehen an den Regeln oder ändern sie für dich, immer wieder. Manche werden nein sagen, dass Wahlen undemokratisch sind. Manche werden sagen, die Wähler wären bedrängt, andere wiederum, sie wären einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Mein Punkt ist: was ist der Punkt? Aber nichts kann den Fakt ändern, dass du das bist, was die Leute aus dir machen. Wirklicher wirst du nur, wenn du mir folgst. So lange du das nicht machst, wirst du dir immer Sorgen über all das Gewäsch machen.

Demokratie: Also bist der Beste, korrekt?

Korruption: Sicher. Für Anfänger, während die Menschen die Regeln für dich verbiegen, verbiege ich ich die Regeln für sie. Während Menschen dich formen, forme ich die Menschen. Ich brauche keine Entschuldigungen. Ich brauche keine Verleugnungen. Das ist das Beste daran, das Böse zu sein. Du weisst wirklich nicht, wie viel du aus geringen Erwartungen machen kannst.

Demokratie: Du willst also die Erwartungen an mich auf dein Level senken, oder so ähnlich?

Korruption: Gerade heraus gesagt, ja. Aber damit biete ich dir einen grossen Gefallen. Alles Systeme unter dir kommen mit grossen Erwartungen, sind aber unrealistisch. Ein wenig mehr Bodenhaftung kann nicht schaden. Tatsächlich beweist das Referendum meine Ansicht. Demokratie und Korruption wirken zusammen viel besser als getrennt. Wenn Prayut schlecht ist, in anderen Worten korrupt, sieh, wie er das Konzept von Demokratie nutzt. Wenn Thaksin Shinawatra gut ist, in andern Worten schikaniert wird, sieh, wie er mit Demokratie und Korruption nicht wirklich auf dem selben Blatt Papier endete.

Demokratie: Du bist ein elender Puppenspieler.

Korruption: Lustig, das du das sagst. Schau, die Leute links und rechts ziehen an deinen Armen - Politiker, Lobbyisten, Aktivisten und überhaupt alle. Und ich ziehe an ihren. Schau, wo du dich in der Pyramide befindest, alter Kollege.

Demokratie: Es schaut nicht so aus, also ob du mich brauchst.

Korruption: Im Gegenteil, mein Freund - ohne dich zu beleidigen - jeder Puppenspieler braucht etwas zu spielen.

…und Erde, Himmel und Hölle halten weiter den Atem an.

Quelle: Nation

Donnerstag, 18. Juni 2015

Eines der am wenigsten friedlichen Länder der Welt

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Nach Monaten von Strassenprotesten und anschliessendem Militärputsch verbleibt Thailand eines der am wenigsten friedlichen Länder in der Welt, glaubt man dem neu veröffentlichten Global Peace Index. Gerade noch 4 Ränge vor Myanmar. Wieder auf 126. Rang von 162 Ländern, ist Thailand 16. von 19 Nationen in Asien, nur noch vor Myanmar, den Philippinen und Nordkorea.



Der jährliche Index, der gestern Mittwoch von der in Australien beheimateten Vision of Humanity’s Institute for Economics and Peace  veröffentlicht wurde, bewertet den Drang für Frieden auf den Faktoren: Soziale Sicherheit, Militarisierung und dem Grad an Konflikten im In- und Ausland.

Island führte die Rangliste 2015 als friedlichstes Land der Welt an, gefolgt von Dänemark, Österreich, Neuseeland und der Schweiz. 

In Südostasien erreichte Singapur mit Rang 24 die beste Platzierung, gefolgt von Malaysia auf Rang 28. Laos rutschte dieses Jahr als 41. knapp aus den Top 40, dahinter liegen Indonesien als 46. und Vietnam als 56. Kambodscha verlor 5 Ränge und belegt den 111. Platz.

Myanmar, wo im Norden der bewaffnete Konflikt weiter besteht und das Flüchtlingsproblem mit den Rohingya wieder aufflammte gewann 6 Ränge und liegt auf Platz 130, nur wenig hinter Thailand.

Der Gobal Peace Index 2015 - je grüner, desto friedlicher. 
Ein hohes Mass an politischer Instabilität, gewalttätige Demonstrationen, politischer Terror und Terrorismus bedeuteten für Thailand einen Rang unter den am wenigsten friedlichen Ländern der Welt, wie Vision of Humanity in seiner Zusammenfassung zum Königreich sagte.

Es wird geschätzt, dass die Kosten der Gewalt $50.1 Milliarden betragen, oder $748 pro Einwohner - 5% des Bruttoinlandproduktes.

Thailand erhielt eine 1.4 von 5 möglichen Punkten für Militarisierung, 2.9 für Soziale Sicherheit und 2.1 für In- und ausländische Konflikte. Nur im letzten Punkt gab es gegenüber Vorjahr eine leichte Verbesserung.

Die schlechteste Bewertung einer Detailkategorie gab es für die Haftbedingungen - 4.5 von 5. Bei Auswirkung von Terrorismus 4.0 aufgrund des Konflikts im tiefen Süden und 3.5 für gewalttätige Verbrechen.

Die besten Bewertungen, 1.0, erhielt Thailand bei den Kriterien Kontrolle über ausländische Waffen, Militärpersonal und externe Konflikte.

Die USA liegen in dieser Rangliste auf dem 94. Range, haben sich um 7 Plätze verbessert. Deutschland erreichte den 16. Rang.

Quelle: Bangkok Post

Montag, 15. Juni 2015

Verfolgt von Geistern der Abtreibung

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Noi überprüfte ihre Liste. Sie wollte nichts Wichtiges für ihr Baby vergessen. Fein säuberlich packte sie eine Milchflasche, Süssigkeiten und Spielzeug ein, sie war bereit für die Reise. Aber die Utensilien in ihrer Tasche waren nicht für ein lebendes Kind. Einmal im Jahr nimmt Noi an einer Zeremonie im Wat Kae in Suphan Buri teil. Beladen mit Gaben für ihre Tochter, die sie im Alter von 13 abgetrieben hatte.

Goldjunge: Der Wat Kae in Suphan Buri ist ein beliebter für Abtreibungsrituale - weil gesagt wird, das hier im 16. Jahruhundert der erste Kuman Thong gemacht wurde. 
„Nach all dieser Zeit fühle ich, dass Mint immer noch bei mir ist.“ Sie versuchte ihr Unbehagen zu erklären, dass sie seit beinahe 20 Jahren verfolgt. „Ich weiss nicht, ob es sie irgendwo gibt, aber mein Leben wurde viel besser und erfolgreicher, seit ich mich damit auseinander setze.

Abtreibung ist in Thailand mit wenigen Ausnahmen illegal, aber es gibt unzählige Kliniken in versteckten Gassen, die sie durchführen.

Sich der Religion zuzuwenden half Noi die Folgen ihrer Entscheidung zu bewältigen. Sie, und Tausende anderer Frauen wie sie, setzten ihr Vertrauen in buddhistische Abtreibungszeremonien. Die Zeremonien sollen sie von ihren Sünden befreien, als sie jung und rücksichtslos waren.

Der Schwarm eines Schulmädchens

Mit 32 ist Noi erfolgreich und arbeitet in einem hoch angesehenen Beruf. Aber vor 19 Jahren, als sie 13 war, verliebte sie sich in einen „Bad Boy“, Mitglied einer lokalen Motorrad Gang.

Sie war in eine wohlhabende Familie geboren worden und ihre Kindheit war nahezu perfekt, bis sich eines Tages ihre Mutter von ihrem Vater scheiden liess. Zurückgelassen bei ihrem Vater, der damals in der Navy Dienst leistete, sehnte sich nach der Aufmerksamkeit, die sie zu Hause nicht mehr erhielt.

Jeder warnte sie vor dem Jungen, aber Noi war erstmals in ihrem Leben verliebt und verfiel seinem Charme. Eins fügte sich zum anderen, aber alles war gut bis ihre Periode zum dritten Mal ausblieb. Sie kaufte einen Schwangerschaftstest und sah sich ihrem schlimmsten Albtraum gegenüber. „Mein Vater bringt mich um, wenn er davon erfährt“, vertraute sie sich einer Klassenkameradin an. Sie wusste, dass es keinen Weg gab, ihrer Familie die Schwangerschaft zu beichten.

Sie bat ihren Freund um Hilfe. Er wollte nichts mit einem Kind zu tun haben. „Werd es los“, sagte er und gab ihr 3’000 Baht für eine Abtreibung.

Verlassen und alleine fühlte Noi, dass ihr nichts anderes übrig blieb. Sie fragte eine Freundin, sie zu einer illegalen Abtreibungsklinik ausserhalb von Bangkok zu begleiten. Eine Woche ging sie nicht zur Schule und kam zurück, als sei nichts gewesen.

„Ich werde diese Erfahrung nicht vergessen“, sagte Noi. „Sie verfolgt mich für den Rest des Lebens.“

Viel zu jung

Bong sagte, dass die Abtreibung die schlechteste Entscheidung ihres Lebens war. Sie hatte ihren Freund mit 16 getroffen. Die Verliebten verbrachten jeden Moment zusammen, bis sie ein Jahr später schwanger wurde. Bong war sicher, dass ihr Freund sich um sie kümmern würde, was immer auch geschehe. So fassten sie Mut zur Wahrheit und erzählten es ihren Eltern.

Mutter noch Vater waren sich einig. Das Kind muss abgetrieben werden oder sie würde ihre Zukunft wegwerfen. Verängstigt durch die Warnung war sie mit der Abtreibung im dritten Monat ihrer Schwangerschaft einverstanden.

„Danach ging’s in meinem Leben bergab.“ Sie wurde, nicht lange, nachdem die Lehrer von ihrer Schwangerschaft erfahren hatten, aus der Schule geworfen. Sie sagten ihr, sie hätte zu viele Unterrichtsstunden gefehlt.

Zwei Jahre danach ging sie auf eine andere Schule und später aufs College. Aber sie kämpfte nach ihrem Studium darum, einen guten Job zu finden. Und wenn sie denn einen fand, war sie unfähig ihn für mehr als drei Monate zu behalten.

Den Preis bezahlen

Bong behauptet nicht, etwas Übernatürliches erfahren zu haben. Aber sie glaubt, dass sie von einer unüblichen Menge an Stolpersteinen geplagt wurde. Ihre Theorie ist, dass sie ihrem ungeborenen Kindes das Leben genommen hatte.

Mit 28 kam sie zur Ruhe und heiratete einen guten Mann. Sie versuchte, schwanger zu werden. Sie wollte alles gut machen. Aber jedes Mal verlor sie ihre Kind im dritten Schwangerschaftsmonat. Sie versuchten es wiederholt, aber immer mit dem selben Resultat.

Frustriert und beängstigt sprach sie mit ihren Eltern darüber. Es war ihre Mutter, die ihr vorschlug, eine Zeremonie zur Reinigung von Sünden für Frauen die abgetrieben hatten zu besuchen.

Bong plant im August am nächsten Ritual im Wat Kae teilzunehmen. Ihr wurde aufgetragen eine Menge Dinge mitzubringen, inklusive einer Baby Matratze, einem Schoppen, Spielzeug und Baby Kleider. Das Wichtigste aber, sagte sie, ist dem abgetriebenen Kind einen Namen zu geben und diesen auf eine besonderen Stück Papier aufzuschreiben.

Als Teil der Zeremonie werden die Mönche die selben Gebete sprechen, welche sie an Beerdigungen und Karma spendenden Ritualen für Tote verwenden. All die Utensilien sind symbolische Geschenke der Mutter für ihr Kind, damit beide den Frieden finden.

„Ich muss von meinem abgetriebenen Kind bedrängt werden,“ sagte Bong.

Noi nahm vor sieben Jahren zum ersten Mal an der Zeremonie teil, kurz bevor sie eine Familie gründete. Anfangs ging sie in einen anderen Wat in Samut Prakan. Die Rituale sind überall ähnlich. Sie bot den Mönchen Baby Sachen an. Die Mönche rezitierten zur Beschwichtigung der ungeborenen Seele Gebete.

„Ich weiss nicht, ob mein ungeborenes Mädchen wirklich erhielt, was ich durch die Mönche gab. Aber es liess mich besser fühlen.“

Jedes Jahr besuchte Noi die Abtreibungsrituale, jetzt im Wat Kae. Sie hat sich mit anderen Frauen mit dem gleichen Schicksal angefreundet und ist heute offener, über das zu sprechen, was sie in der Vergangenheit erlebt hatte.

„Ich glaube, wir fühlen uns alle schuldig und beschämt. Wir können nicht ungeschehen machen, was passiert ist, aber wir können es heute besser machen.“

Sünden, die nicht vegeben werden können

Mönche in ganz Thailand führen Rituale für Menschen durch, die glauben, dass ihre Verfehlungen durch Religion getilgt werden können. Tempel ziehen viele an, die von ihren Sünden wegrennen wollen - von Lügen und Missbrauch, von Diebstahl und Mord.

Phrakru Paisan Thammawong, der Abt des Wat Kae in Suphan Buri, bestätigt, dass sein Tempel für die Abtreibungszeremonien bekannt ist. Aber er sagte, dass die Rituale keinen Anspruch haben, die Taten der Frauen zu rechtfertigen. Er spricht von weit verbreiteten Missverständnissen über die jährliche Zeremonie.

„Abtreibung ist eine der schlimmsten Sünden. Nichts kann’s sie reinigen, nichts auf dieser Welt. Was wir tun, hilft den Menschen sich besser zu fühlen, weniger schuldig. Es hilft ihnen, Hindernisse in ihrem Leben zu bewältigen.“

Der Grund, weshalb genau Wat Kae so beliebt für diese Zeremonie ist, liegt in der Legende von Khun Chang Kuhn Phaen, einem Klassiker der thailändische Folklore aus dem späten 16. Jahrhundert.

Khun Phaen, einer der Hauptakteure der Geschichte, soll im Wat Kae gelebt haben. Gemäss der Legende macht er den ersten Kuman Thong, ein Baby Amulett, in dem er den Fötus seiner verstorbenen Frau aus ihrem Leib nahm und in einem Ritual von schwarzer Magie schwarz grillierte. Die Legende besagt, dass der Fötus danach vergoldet und das ungeborene Kind ein Geist wurde - Kuman Thong, der goldene Junge. Khun Phaen nutzte das Baby Amulett zu seinem Schutz auf dem Schlachtfeld.

Verfolg von Erinnerungen

Viele Frauen und Mädchen treiben in illegalen Kliniken ab. Was die meisten nicht wissen ist, dass eine Abtreibung in Thailand legal durchgeführt werden kann, wenn die Schwangere sich an ein Konsultationszentrum und eine zertifizierte Klinik wendet.

Supharpha Ongsakul ist stellvertretender Direktorin der Holt Sahathai Foundation, die diesen Service anbietet. Sie hat beinahe 40 Jahre Erfahrung in diesem Gebiet und sagt, dass 90% der Frauen mit ungewollten Schwangerschaften eine Abtreibung wünschen.

Das Gesetz in Thailand erlaubt Abtreibungen unter vier Bedingungen: wenn die Schwangerschaft die Mutter gefährdet, wenn das Kind nicht gesund ist, wenn die Mutter ein Vergewaltigungsopfer ist und wenn die Schwangerschaft die mentale Gesundheit der Mutter gefährdet wird.

Wenn Frauen für eine Konsultation zur Stiftung kommen, eine dieser Kriterien erfüllen und den Evaluationprozess bestehen, werden sie in eine zertifizierte Klinik überwiesen.

Die Mehrheit sind Studentinnen und junge Frauen zwischen 17 und 23. Eine geringe Anzahl älterer Frauen ist auch darunter - die meisten von ihnen sind die Liebhaberinnen von älteren Männern mit Affären.

Erlaubt werden Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12. Woche. Danach werden die Frauen angewiesen, ihr Baby auszutragen und zur Adaption freizugeben. In vielen Fällen behalten die Mütter aber nach der Geburt ihr Kind, sagt Supharapha.

„Wenn Frauen zu uns kommen entscheide nicht ich. Wir sprechen über die mögliche Folgen und lassen sie selbst entscheiden“, fügt sie hinzu.

Wenn die Familie der Mutter bereit zur Unterstützung ist - finanziell und emotional - ermutigt die Stiftung das Kind zu behalten. In einigen Fällen ist dies möglich, in anderen nicht.

Supharapha sagte, Frauen würden nach Abtreibungen häufig von Schuldgefühlen geplagt, die Einstellung der Gesellschaft mache es noch schlimmer. „Nur weil jemand nicht die Normen erfüllt, bedeutet das nicht, dass der Mensch schlecht ist.“

Unerklärliche Erfahrungen

Gegen aussen scheint, dass die 57-jährige Pen alles hat - ein erfolgreiches Geschäft, einen liebenden Ehemann und zwei intelligente Kinder. Aber bis es soweit war, machte sie viel durch.

Als sie jung war, hatte sie ein Kind abgetrieben, weil sie noch nicht bereit dafür war. Zu dieser Zeit wollte sie ihr Leben voranbringen. Später heiratete sie und gründete eine Familie.

Das Leben meinte es gut bis ihre 19-jährige Tochter mitten in der Nacht aufwachte und nicht mehr atmen konnte. „Ich erinnere mich, dass ihr Gesicht grün wurde. Es schien als würde sie grundlos ersticken.“

Sie brachte sie ins nicht weit entfernte Krankenhaus. Die Ärzte konnten nichts feststellen. Sie blieb zwei Nächte und wurde ohne Diagnose entlassen. Zu Hause passierte dasselbe noch einmal. Pen brachte ihre Tochter zurück ins Spital, wo sie eine Woche an ein Beatmungsgerät angeschlossen wurde.

Sie sprach von wiederkehrenden Albträumen, in denen eine Mädchen auf ihr sass und sie während des Schlafes zu erwürgen versuchte. Sie versuchte wach zu bleiben, dass sie nicht von den Träumen heimgesucht würde. Die Ärzte testeten alles Mögliche, ohne Resultat.

Pen brachte ihre Tochter für eine Zweitmeinung in ein anderes Krankenhaus. Auf dem Weg schrie sie ohne Grund und wurde bewusstlos. Im neuen Spital wurde sie auf die Intensivstation gebracht. Die Ärzte konnten keine Fehlfunktion feststellen, aber sie blieb während eine Woche ohne Bewusstsein.

Unkonventionelle Lösung

Pen war verzweifelt und gewillt, alles zu versuchen. „Ich ging zu einem Wunderheiler. Er fragte mich, ob ich einst abgetrieben hätte. Als ich ja sagte, erklärte er mir, dass der Geist des abgetriebenen Kindes meine Tochter töten, ihren Körper und ihr Leben als Menschen besitzen wolle.“

Er verschrieb ihr ein Ritual zur Lösung des Problems. Er sagte ihr, sie müsse sich eine Kuman Thong Amulett als Wohnstätte für den Geist ihres ungeborenen Kindes besorgen.

Innerhalb einer Woche hatte Pen alles vorbereitet und ihr abgetriebenes Kind in den Körper des Kuman Thong eingeladen. Sie gab ihm einen Namen, kaufte Kleider, Süssigkeiten und Spielzeug.

Ihre Tochter blieb bewusstlos bis die Zeremonie vorbei war. Sie konnte sich an nichts erinnern.

Noi berichtet ebenfalls von befremdlichen Erfahrungen, nachdem sie abgetrieben hatte - dazu hatte sie das Gefühl, dass sie ständig beobachtet und verfolgt wurde. „Oft meinte ich, jemand berührt mein Bein, spielt mit meinen Haaren oder versucht zu mir ins Bett zu kommen. Manchmal sah ich in meinen Träumen ein wunderschönes Mädchen. Es sagte mir, sie wäre meine Tochter.“

Noi hatte niemals Angst. Sie war froh, dass es ihrem ungeborenen Kind gut ging.

Eine zweite Chance

Seit sie Anfang der 70er Jahr mit ihrer Arbeit begonnen habe, sagt Supharpha, habe sich die Anzahl von abtreibungswilligen Frauen nicht gross verändert. Was sich aber geändert habe, sei die Bildungshintergrund.

Statistiken der Vergangenheit zeigen, dass die meisten ungewollten Schwangerschaften Mädchen vom Land betrafen, die auf Arbeitssuche nach Bangkok gekommen waren. Schon mit 11 hatten sie die Schule verlassen.

Aber heute sind die Abtreibungswilligen in Bangkok geboren und aufgewachsen, haben Abitur oder Universitätsausbildung.

„Abtreibung macht aus jemanden keinen schlechten Menschen. Das Problem sind die Frauen, die abtreiben wollen. Es besteht darin, dass wir sie nicht wirklich aufklären.“

Supharpha denkt, dass mangelhafte Sexualerziehung in Zukunft noch viel grössere Probleme bringen wird. „Wenn es zu viele ungewollte und verlassene Kinder ohne Unterstützung gibt, werden sie von der Gesellschaft ausgeschlossen.“

Die Meisten der Frauen erfüllen gemäss Supharpha eines der Kriterien und können legal abtreiben. Sie werden von der Stiftung die Abtreibung vorbereitet, kommen aber nach der Operation nicht für Gespräche oder Beratung zurück.

„Ich höre von vielen Frauen mit Abtreibungen, dass sie unerklärliche Ereignisse erleben. Aber ich glaube nicht, dass sie von Geistern heimgesucht werden. Es ist eher die Schuld, die sie Dinge sehen lässt. Was sie wirklich brauchen, ist eine zweite Chance im Leben.“

Quelle: Bangkok Post

Sonntag, 14. Juni 2015

Über Steinhaufen und Kriegselefanten

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Letzten Sonntag wanderte ich in dem herum, das als Stonehenge von Thailand bekannt ist - nein, ich meine nicht die aufgegebenen Säulen des fatalen Hopewell Projektes in Bangkok. Mor Hin Khao, der Hügel der weissen Felsen, liegt in Chaiyaphum, rund 300 Kilometer nordöstlich von Thailand’s Hauptstadt.


Mor Hin Khao
Felsformation im Mor Hin Khao, dem thailändischen Stonehenge. 
Wandern ist nicht ganz korrekt - nach Luft hechelnd wäre wohl treffender, da die Temperaturen doch etwas auf der wärmeren Seite lagen, oder, um den korrekten meteorologischen Begriff zu verwenden, es herrschte eine Affenhitze. Und ja, wir waren dummerweise am frühen Nachmittag dort - was sich sonst nur streunende Hunde und Touristen antun.

Meine Frau hatte entschieden, dass ich mich als zertifiziertes altes Fossil unter Steinhaufen, die älter als ich sind, wohl finden würde.

Sicher, Mor Hin Khao ist nicht wie das echte Stonehenge, welches von Menschen geschaffen wurde. Diese Thai Felsen sind vielmehr das Werk von Mutter Natur, geformt vom Wetter.

Sie meinte, dass es Spass machen würde zu erraten, welcher Form die Felsformationen gleichen. Sie bestand darauf, dass eine Gruppe Elefanten ähnlich sind. Aber wie auch immer ich mich anstrengte, alles was ich sehen konnte waren alte Steine.

Dann sah ich einen, der wie ein Pilz aussah. Aber das beeindruckte meine Frau nicht wirklich.

Mor Hin Khao bietet wunderbare Sicht auf die Täler von Chaiyaphum, einer der westlichsten Provinzen des Isan. Es ist auch einer der wenigen Orte, die noch nicht von Horden von Touristen überlaufen sind.

Dinosaurier und Jungfern

Mir vorzustellen wem oder was Felsen ähneln könnten, erinnerte mich an einen Ausflug vor vielen Monden in den Steinwald bei Kunming in China.

Der Shilin ist ein seltenes geologisches Phänomen von Kalkstein Säulen, die aus dem Boden ragen. Mehr als 250 Millionen Jahre alt. Auch selbst fühlte ich mich nach einem halben Tag auf und ab durch durch den Steinwald ungefähr gleich alt.

Wie die Felsen in Chaiyaphum musste auch im Steinwald jede Säule irgend einer Kreatur, von Eidechsen über Löwen bis zu wunderschönen Jungfrauen, ähneln.

Unser enthusiastische chinesische Reiseleiterin liess uns nicht weiter, bis wir die Form eines Steins korrekt identifiziert hatten.

Sie wurde sogar aufbrausend, als wir eine nicht enträtseln konnten und, um ihr zu helfen, sie als Dinosaurier bezeichneten.

Das war nicht genau die Antwort, die sie erwartet hatte, da war sogar eine versteckte Drohung, als sie mir sagte, dass das, was ich als Dinosaurier bezeichnet hatte, in Wahrheit wunderschönen Jungfern gleichkomme.

Alterssteine

Vor einigen Jahren wurde in einer Umfrage in England Stonehenge überraschenderweise als die am meisten enttäuschende Sehenswürdigkeit benannt, obwohl gleichzeitig eine der am meisten besuchten.

Wer nur auf einen Blickfang aus ist, sollte nicht dorthin. Beindruckend wird es erst, wenn man die Geschichte dahinter berücksichtigt.

Etliche Jahre her war ich an einem eher trüben Tag dort. Der unfreundliche Wind fegte über die Ebene von Salisbury und durch meine Kleider.

Ich war mit einigen amerikanischen Touristen dort. Nach einem ersten Gang um die Steine schienen sie mehr an einem Besuch im nächsten Pub interessiert. Und ich muss gestehen, mir als so etwas wie einem kulturellen Dinosaurier ging es ebenso.

Eine halbe Stunde später assen wir Fisch und Chips, tranken ein Bier und hatten Stonehenge schon lange vergessen.

Säulen der Hoffnung

Ich weiss nicht genau, wie es mit den Hopewell Säulen in Bangkok weitergeht. Geplant ist, dass sie für den Bau der Red Line des Skytrains abgerissen werden.


Überreste des Hopewell Projekts in Bangkok. 
Irgendwie wäre es eine Schande sie zu zerstören. Nach 20 Jahren sind sie eine Art Institution unter Bangkok’s Bewohnern und auch von Besuchern geworden.

In den Tagen, als Don Muang noch der einzige Flughafen Bangkok’s war, gehörten sie zu den ersten Impressionen von Amazing Thailand - aber nie erhielten sie eine Bemerkung in Reiseführern.

Zugegeben, sie sind nicht unbedingt das achte Weltwunder, aber sicher gut genug für ein schönes Stück Konversation.

Hoch leben die Kriegselefanten

Seit ich vor vielen Jahren in einem Exhibition Match gegen die Frauen Nationalmannschaft Thailand’s spielen durfte und dabei eine heftige Verstauchung durch ein junges Thai Mädchen als Erinnerung mitnahm, verfolge ich deren Glück durch dick und dünn. Meist dünn.

Deshalb ist die Nachricht über den 3:2 Sieg gegen die Elfenbeinküste an der Weltmeisterschaft in Kanada die Beste der Woche.

Nur schon die Qualifikation für das Turnier war ein grosser Erfolg. Aber dann noch ein Spiel gewinnen ist schon besonders. Er erinnert an ihren Spitznamen, Chang Suk - Kriegselefanten.

Man musste nur ihr von Ekstase begeisterten Gesichter am Ende des Spiels gesehen haben um zu wissen, was er ihnen bedeutet.

Und sie feierten auf dem Kunstrasen in wahrer thailändischer Tradition - mit Selfies. Warum nicht? Gut gemacht Mädchen!

Jetzt geht’s, nun nicht mehr so wichtig, gegen Deutschland, den Favoriten auf den Weltmeistertitel. Macht euch keine Sorgen, dass ihr aufgerieben werdet. Freut euch einfach auf das Spiel.

Von Roger Crutchley in der Bangkok Post

Samstag, 13. Juni 2015

Regen lässt die Hölle ausbrechen

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Wie die Hölle liegt Bangkok tief, ist heiss wie Feuer, aber anfällig auf Überschwemmungen. Es beherbergt verzweifelte Seelen, die durch Hitze und Regen bestraft werden, manchmal auf wundersame Art und Weise am gleichen Tag. Die Stadt ist nicht nur, aber auch extrem anfällig auf Wasser vom Himmel. Wie letzten Montag, als durch mitternächtlichen Sturzregen Strassen zu Seen, Abflussrohre zu Geysiren und Pendler zu Sündern auf der Suche nach Erlösung wurden. Was haben wir nur getan, das zu verdienen? Alles.


Bangkok Überschwemmung
Überschwemmung in Bangkok am 24. März 2015
Die Hölle wird von Hades regiert, und er hat sich den heissesten Zyklus ausgesucht. „Es regnet gerne wenn ich weg bin“, sagte Bürgermeister Sukhumband Paribatra nach seiner Rückkehr von einem Studientrip in Rotterdam ins verdammte Bangkok. Und in eine Flut von Verfluchungen von wütenden Bewohnern der Stadt. 

Im März hatte ein verrückter Sturm Bangkok überschwemmt und ihn selbst ins Scheinwerferlicht gesetzt. Das jüngste Schlamassel macht es noch schlimmer. Der kollektive Aufschrei zeigt die wahre Angst. Wenn nur schon ein stürmischer One-Night-Stand uns in ein derartiges Chaos stürzt, was wird nur während der Monate dauernden Regenzeit geschehen? Es wird, wie gesagt wird, die Hölle losbrechen.

Ernsthaft, ich bemitleide Sukhumband, unseren gewählten Gouverneur und Bürgermeister - wie Premier Prayout Chan-o-cha uns dankbarerweise erinnert hat - teilweise weil er den freudlosen Blick einer stark leidenden Person hat. Aber hauptsächlich weil das Schlimmste erst kommt. Die auf ihn gerichtete Attacke kam nicht überraschend. Weil er der Bürgermeister ist. 

Das heisst: Hausmeister, Wischmop, Besen, Boxsack und etwas im Putzmittel muss ziemlich giftig gewesen sein. Das Schlimmste war die von Srisuwan Jana angeführte Bürgergruppe, welche den Premierminister anfragte, ihn mittels des Zauberstabes Artikel 44 abzusetzen. Der galante Prayut antwortete, philosophisch, dass wir mit dem leben müssten, den wir gewählt haben. Ich füge hinzu: auch mit denen, die wir nicht gewählt haben. 

Wir haben noch zwei Jahre mehr mit dem, den wir wollten (Gott segne uns), genug Zeit, dass er aus der Ecke springen und härter arbeiten kann. „Ich bin ein Arbeiter, ich will mit niemandem Streit“, sagte er und dem ich stimme aufrichtig zu. Die Flak feuert auf Bürgermeister Sukhumband, weil er so grimmig ist, und immer grimmiger wird. Manchmal antwortet er seinen Gegnern in einer so trotzigen Weise, dass seine Sprüche unmittelbar Klassiker werden: „Geh’ auf die Berge wenn du keine Überflutungen willst“ oder „Es regnet gerne wenn ich weg bin“. 

Dann haben wir die schwarze Komödie auf diesen Plakaten an Busstationen, angebracht von der Stadtverwaltung Bangkok’s. „Der grosse Wasser Tunnel“, steht da voller Stolz. Das Beunruhigendste von allen ist: „Dein ganzes Leben kümmern wir uns um dich“. Wie eine evangelistische Fantasie mit dem Lächeln des Bürgermeister drauf. Wir sehen sie und kichern. Aber wenn etwas Schlimmes passiert, wie die Schock-Flut am Montag, fühlen sie sich an wie taktlose Witze. Alle ärgern sich. Ganz zu schweigen, dass die selbstgefälligen Plakate - der Favorit von Politikern aller Couleur - mit Steuergeld bezahlt wurden.

Vom ersten, den Rama IX-Ramkhamhaeng Wasser Tunnel, der 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde pumpen soll, wird gesagt, er sei voller Müll. Damit sind wir zu einem gewissen Mass selber Schuld an unserer eigenen Misere. Der zweite Tunnel wurde beim Klong Bang Sue gebaut und der dritte ist im Prozess, einen Erbauer zu finden. Für 5.9 Milliarden Baht werden sicher viele Leute für einen Vertrag schwitzen. Acht Wurmlöcher sollen in drei bis vier Jahren fertig sein. Bis dahin rette jeder seine Seele selbst. 

Wenn das die Hölle ist, macht es wenigstens eine Erträgliche. Ich sage dies als loyaler, in Bangkok geborener und hier zur Schule gegangener Bewohner, der schon viele Bürgermeister kommen und gehen sah und hoffentlich noch lange genug für ein paar mehr leben wird. Die Reihe von Stadtoberhäuptern begann in den Tagen, als ich Süsswasser Fische in meinen Wohnzimmer fing - kein Scherz - während der Amtszeiten von Chaowat Sudlapa und Tiam Makarananda - beide wurden ernannt - und ging durch Höhen und Tiefen weiter mit Generalmajor Chamlong Srimuang, Bhichit Rattakul, Samak Sundaravej und Apirak Kosayodhin - alle gewählt. All diese aufeinander folgenden Bürgermeister hinterliessen keine Erinnerungen an eine trockene, gepflegte Stadt der Engel in sauberer Luft. Sie existiert nur in unseren Träumen und hochglanzpolierten Lügenbroschüren. Sukhumband muss die Latte nicht hoch legen, sein Job ist nur den Level zu halten. Und es gibt keine Entschuldigung, wenn er nicht mal das hinkriegt. 

Die Wasser Tunnels, die Turbo-Power Pumpen, die gigantischen Besen mögen dermaleinst helfen, wenn uns der Monsun trifft. Aber das wahre Problem liegt tiefer: es ist ein Problem des Glaubens und des Vertrauens. Wir müssen mit dem leben, den wir gewählt haben. Das ist die nackte Wahrheit, an die wir uns erinnern müssen, wenn es wieder soweit ist - soweit uns der Premierminister dies auch in zwei Jahren wieder erlaubt. 

Von Kong Rithdee in der Bangkok Post

Freitag, 12. Juni 2015

Der letzte Wunsch

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Wenige Tage bevor meine Mutter starb bat sie mich, ihr ältestes Kind: „Wenn ich sterbe, beerdige mich bitte in Ban Tha Lo.“ „Sicher. Wie immer du es willst“, erwiderte ich schnell und dennoch ruhig. Zugleich aber lief in meinem Gehirn eine Szene wie in einer Kommandozentrale ab, jede meiner Hirnzellen versuchte herauszufinden, wie ihr, wie sich später herausstellte, letzter Wunsch am besten zu erfüllten ist.


Krematorium in Thailand. 
Früher lebten wir in Ban Tha Lo, dem Heimatdorf meiner Mutter in der Provinz Phetchaburi. Es liegt zwei Stunden von Bangkok weg, keine grosse Distanz. Aber für jemanden, der sich nie um religiöse Prozedere oder andere Formalitäten gekümmert hatte, war diese Mission ungemein entmutigend. In meiner imaginären Kommandozentrale schaute sich jeder an, jeder mit leerem Blick.

Dann wollte es der Zufall, dass am Tag ihres friedlichen Ablebens meine Schwester im Internet unsere Rettung fand. Ein One-Stop-Service Bestattungsinstitut.

Neben dem Verkauf von „letzten Heimstätten“ für Verstorbene bietet das Institut eine Vielzahl von Dienstleistungen rund um Beerdigungen, einschliesslich Transporte von Leichen aus Heimen und Krankenhäusern von überall aus der Welt. Plötzlich war es kein Problem mehr, die Überreste meiner Mutter nach Phetchburi zu bringen.

Die Kosten dafür: 4’000 Baht zusätzlich zum 13’000 Baht-Package, welches einen verzierten Holzsarg, Einbalsamierung, Blumenschmuck, Räucherstäbchen, Kerzen und anderes beinhaltet. Ein vernünftiger Preis. Als die Sterbeurkunde und andere Dokumente bereit waren, fuhr ein Van mit einem drei-köpfigen Team des Bestattungsinstituts vor unserem Haus vor.

Während zwei Männer meine Mutter in ihrem Schlafzimmer für ihre letzte Reise vorbereiteten, bat mich der Dritte ihm zum Eingangstor zu folgen. Er gab mit ein Räucherstäbchen und sagte, wir müssten die Schutzgeister des Hauses über den Tod informieren und um Erlaubnis es zu verlassen bitten. „Oh-oh“, dachte ich. Es geht nicht nur um Logistik.

Als er mein „ich habe keine Ahnung was ich tun muss“ Gesichtsausdruck bemerkte, sagte der Mann: „Keine Sorge. Wiederholen sie nur, was ich mache.“ So wurde die Durchführung des ersten Rituals zum Kinderspiel.

Schon bald wurde der Sarg in den Van verladen und wir waren auf dem Weg. Einer der Männer entfachte ein Räucherstäbchen und gab mir einen Beutel voller Münzen.

„Ich hatte ihre Schwester gebeten, alle Münzen zu sammeln, die sie finden kann.“

„Wozu?“ fragte ich. Jedes Mal, wenn der Van eine Brücke überquere oder abbiege, müsse ich einige wenige Münzen in einen Behälter neben mir werfen, damit der Geist meiner Mutter nicht auf Irrwege kommt. 

„Was immer sie sagen“, dachte ich und legte den Beutel neben mich.

Sobald der Van anfuhr, sagte der Fahrer mit lauter Stimme: „Mutter, wir fahren ab. Bitte folge dem Geruch des Weihrauchs. Wir haben dir das Durchgangsrecht zu deiner Beerdigung im Wat Tha Lo in der Provinz Phetchaburi gekauft.“

„Vergessen sie nicht die Münzen zu werfen“, erinnerte mich einer der Männer.

Zwei Minuten später: „Mutter, wir biegen links ab. Folge dem Geruch von Weihrauch. Wir haben dir das Durchgangsrecht für deine Beerdigung im Wat Tha Lo gekauft“. Und ich warf Münzen in den Behälter.

„Mutter, wir überqueren eine Brücke über die Autobahn..“

„Mutter, wir überqueren eine Brücke über einen Kanal..“

„Mutter, wir überqueren eine Brücke über einen Fluss..“

Der Satz wurde unzählige Male wiederholt, auf dem gesamten Weg von Bangkok nach Phetchaburi und weiter zum Tempel. Ich war überrascht über die Menge an Brücken. Es gab Dutzende. Ich bin sicher, dass die meisten Autofahrer sie normalerweise nicht mal bemerken. Von dem Moment, als wir auf die Rama II trafen, musste ich jeweils nur noch eine Münze werfen, sonst wären es nicht genügend bis zum Ziel gewesen. Am meisten erstaunt war ich jedoch über die Unermüdlichkeit des Fahrers, den bewussten Satz zu wiederholen, meine Mutter ständig über jedes Detail ihrer letzten Reise zu informieren.

Als wir den Tempel erreichten, trugen die Männer den Sarg zum Beerdigungsort, schmückten alles mit Blumen. Die Verwandten meiner Mutter und die Mönche kümmerten sich um alle erforderlichen Rituale.

Mutter, ich habe in den letzten Tagen definitiv einige Dinge über traditionelle Rituale gelernt. Jeder Schritt wurde korrekt ausgeführt und ich bin sicher, dass du dort oben glücklich bist. Ausserdem weiss ich jetzt, weshalb du deine Beerdigung in deinem Heimatdorf abhalten wolltest. 

Von Pongpet Mekloy in der Bangkok Post

Donnerstag, 11. Juni 2015

Neue Brücke für mehr Handel zwischen Myanmar und Thailand

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Anfang Juni haben die Arbeiten an der zweiten Mae Sot - Myawaddy Friendship Bridge begonnen. Anwohner auf der thailändischen Seite des Moei Flusses, welcher Thailand von Myanmar trennt, berichten, dass grosse Bagger und Planierraupen den Boden nivellieren, Vermesser Mass nehmen und Betonbauer mit dem Bau der Brückenstützen starteten.


Die Arbeiten an der neuen Freundschaftsbrücke in Mae Sot haben begonnen. 
Gemäss einem beteiligten Bauunternehmer wird eine Hängebrücke errichtet, welche Yae Pu im Karen State Myanmar's mit Ban Wang Takhian in Thailand verbindet. Die Grundsteinlegung soll im Juli erfolgen. Geplant ist, dass sowohl Myanmar's Präsident U Thein Sein wie auch Thailand's Premier Prayut Chan-o-cha dabei sein werden. Die Brücke soll auch den Warenverkehr aus Asien nach Europa verstärken.

Derweil hielt das Vereinigungskomitee für bewaffnete Gruppen der Karen eine Sondersitzung zur Verwaltung der Mautstellen auf dem Myawaddy-Kawkareik Abschnitt des Asian Highway. Zur Zeit werden die Stellen von verschienden bewaffneten Gruppen der Karen betrieben, was für Reisende und Händler immer wieder zu Schwierigkeiten führt. 

Der Asia Highway auf diesem Abschnitt ist die schnellste Strassenverbindung zwischen Thailand's Hauptstadt Bangkok und Myanmar's Wirtschaftsmetropole Yangoon. Von dort führt er weiter durch Myanmar nach Assam in Indien.


Asia Highway Thailand Indien
Der Asia Higway von Indien von Thailand. 
Das Treffen hatte Ende Mai in der Zentrale der Karen National Liberation Army, KNLA, Brigade 7 stattgefunden. Ein hochrangiger Sprecher der Karen National Union, KNU, verlautbarte, dass die Kräfte zusammengeführt, eine einheiltliche Basis geschaffen und somit das Leben für Verkehrsteilnehmer erleichtet werde.

Padon Roger Khin, Mitglied des KNU Verteidigungsministeriums und Teilnehmer der Meetings, sagte: "Aufgrund der vielen Mautstellen auf dieser Strasse ist für die Zivilbevölkerung und Reisende schwierig."

Die Dringlichkeitssitzung zu den Autobahnmautstellen war eine Reaktion auf eine Reihe von aktuellen Problemen unter den bewaffneten Gruppen der Karen. Teilnehmer waren der stellvertretende Vorsitzende der KNU, der Kommandant der KNLA, ander Top Leader, Vertreter andere bewaffneter Gruppen und Beobachter.

Drei Gruppen - KNU, DKBA, KNLA  - haben nun vereinbart, dass sie zwei kombinierte Mautstellen, eine in Kawkareik und eine in Thingan Nyi einrichten wollen.

Entlang der neuen Autobahn gibt es insgesamt acht Mautstellen, betrieben von der nationalen Armee Myanmar's wie auch von bewaffneten Gruppen der Karen. Basierend auf den Einnahmen erhält die Strasse nicht nur viel negative Kritik von Zivilisten sondern bewirkt auf die meisten Auseinandersetzungen unter den bewaffneten Gruppen.

General Saw Kyaw Thet von der DKBA Klohtoowah Tactical Unit sagte: " Der Hauptgrund für die Vereinbarung sind Anfragen und Beschwerden der Öffentlichkeit. Die Entscheidung wird für Zivilsten und uns gut sein. Wir müssen sie jetzt dem Personal der Mautstellen erklären."

Gemäss einem Offizier von regierungstreuen Karen Miliz, der Border Guard Force, welcher ebenfalls am Treffen dabei war, sind die kombinierten Mautstellen das Resultat von Diskussionen und Verhandlungen unter den bewaffneten Gruppen der Karen. Er erklärte, dass noch nicht entschieden sei, ob die Mautstelle der Regierungsarmee der Gruppe beitreten würde oder weiterhin selbst betreibe.

Ein anonym bleiben wollender Fahrer, welcher die Autobahn regelmässig benutzt, sagte, das Ergebnis seit gut für Öffentlichkeit und Händler.

"Jetzt bezahlen wir an 8 Mautstellen von KNU, DKBA, PC und Regierungsarmee jeweils 1000 Kyat. Aber an der DKBA Mautstelle sind 1000 nie genug, sie fordern das Doppelte. Sie sagen, ihre Aufträge kämen aus dem Hauptquartier. Wenn wir nicht 2000 Kyat bezahlen würden, könnten wir nicht passieren."


Mautstelle Asian Highway Myawaddy
Mautstelle ausserhalb von Myawaddy. Fotografieren verboten. 
Früher, am 4. März hatte das Unity Committee der bewaffenten Karen Gruppen die seit November 2012 gebaute Autobahn gesperrt. Sowohl die Regierungsarmee als auch die bewaffneten Gruppen der Karen richteten daraufhin die Mautstellen ein und verlangen seither von allen Reisenden Geld zur Benutzung der Strasse.

Thailand ist verantwortlich für den Bau und übernimmt auch die Kosten der Hängebrücke, die von 12 Pfeilern beidseitig des Moei getragen wird. Die neue Brücke wird 5 Kilometer nördlich der bestehenden Mae Sot - Myawaddy Friendship Bridge liegen.

Die alte Brücke wurde, ebenfalls von Thailand, für 79 Millionen Baht gebaut und am 15. Oktober 1997 eröffnet. Seit dem 25. Juli 2006 können Waren aus Sicherheitsbedenken bezüglich Tragfähigkeit nur auf Kleinlastwagen transportiert werden. 

Der Grenzübergang Mae Sot - Myawaddy ist der wichtigste Handelsweg zwischen Thailand und Burma. Gemäss der thailändischen Handelskammer werden monatlich Waren im Wert von über 3 Milliarden Baht umgeschlagen.

Quelle: Karen News

Mittwoch, 10. Juni 2015

Die Axt ist die Waffe im staatlichen Krieg gegen Arme

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Lass die Armen alleine. Das war der Befehl des mächtigsten Mannes des Landes, als er zur Vertreibung von Landbesetzern Truppen entsandte - zur Rettung der rasch schwindenden Wälder und um Thailand Glück zurück zu bringen. Die Niederschlagung ist nicht ohne. Fragen Sie nur die 82-jährige Jantra Banghom aus dem Dorf Ban Nong Wang in der Provinz Sakon Nakhon.

Forstbeamte fällen Kautschukbaum. 
Am 15. Mai stürmte eine Gruppe von Soldaten und Förstern ihre 18 Rai grosse Kautschukplantage und zerstörte mehr als 2’000 ausgewachsene Bäume. Zeugen berichteten von Siegesgeschrei nach jedem gefälltem Baum.

Der gnadenlose Angriff auf das Wenige, was sie in ihrem täglichen Kampf ums Überleben haben tat sehr weh, wie sie dem Isan Land Reform News Centre sagten. Grossmutter Jantra schaute nach, nachdem die Truppen ihr Land verlassen hatten. Überwältigt von Schmerz und Trauer brach sie zusammen.

„Wie können meine Enkelkinder jetzt ohne Einkommen aus dem Kautschuk in die Schule gehen?“ fragte sie, schluchzend.

Die Dorfbewohner versuchten zu erklären, dass Jantra schon immer dort gewohnt habe. Lange bevor das Gebiet zum Teil des Phu Khao Lek Nationalpark erklärt wurde. Aufgrund von angefochtenen Landrechten war ihr Stück Land Teil des Gebietes, in dem Besitzer mit Erlaubnis des Gouverneur von Sakhon Nakhon bis zur Klärung der Eigentumsrechte mit den Behörden bleiben durften.

Ihr Versuch scheiterte. Während Grossmutter Jantras Kautschukbäume schon in Stücken liegen, erliegen umstrittene Waldflächen von Kleinbauern in anderen Provinzen weiterhin der Axt.

Dieser Krieg gegen die Armen begann letzten Monat, als der Minister für natürliche Ressourcen und Umwelt, General Dapong Ratanasuwan, ankündigte, Landbesitznahme durch Fällen von Kautschukbäumen in Waldgebieten zu stoppen.

Obwohl er sagte, dass die Niederschlagung sich auf reiche Besitzer von Kautschukplantagen fokussieren würden, ist die Realität vor Ort eine andere. Seit dem Start mussten viele arme Bauern in verschiedenen Provinzen die gewaltsame Zerstörung ihrer Plantagen mit ansehen.

Ihre Verbitterung ist verständlich. Der Rückgang des Waldes in Thailand über die letzten fünf Jahrzehnte war dramatisch. Aber der grösste Teil der Zerstörung wurde durch der Regierung vergebene Holzschlag Konzessionen verursacht und endetet erst 1989. Danach förderte Regierungspolitik den Anbau von Cash Crops in Grenzgebieten.

Während des kommunistischen Aufstandes fielen weite Teile unberührter Wälder der Militärpolitik zum Opfer. Durch den Bau von Strassen und Siedlungen in den Wäldern sollten Guerilla Hochburgen zerstört werden. Mehr Wälder verschwanden aufgrund grosser Staudämme und die Politik des Forstamtes, natürlichen Wald mit schnell wachsenden Bäumen zu ersetzen.

Während dessen drückten die Forstbeamten bei reichen Immobilien Spekulanten und illegalem Holzschlag von Leuten in Uniform beide Augen zu.

Inmitten von all dem wurden die Armen zu den Sündenböcken der Waldzerstörung gemacht. Schlimmer noch, die Forstbehörde geht mit drakonischen Strafen vor, macht die Bewohner des Waldes zu Kriminellen, die zu verhaften und ins Gefängnis zu stecken sind. Selbst deklariert sie sämtliches Land ohne offiziellen Landtitel zu nationalem Wald unter ihrer alleinigen Macht.

Grossmutter Jantra ist nur eine von 10 Millionen Menschen, die zu Kriminellen im eigenen Land gemacht wurden. Leider fehlt ihnen die Sympathie der Städter, die dem allgemeinen Bildungssystem und der Gehirnwäsche der Medien unterzogen worden sind: Bergvölker und Siedler im Wald gelten als Waldzerstörer. Die echten Kriminellen kommen aus dem Schneider.

Interessanterweise findet die Niederschlagung gegen die Armen im gleichen Moment statt wie die Vergabe von Bergbaukonzessionen in Zonen mit Regenwald und Förderkonzessionen für Öl in bewaldeten Gebieten. Alte Minen mit Gefahren für Umwelt und Gesundheit dürfen weiterhin betrieben werden.

Auch unversehrt sind Ölpalmen- und Eukalyptus Plantagen in nationalen Wälder. Sie wurden billig an Grossinvestoren vermietet. Das gleiche geschieht mit Maisplantagen auf Vertragsfarmen im Hochland. 

Viele mit der Niederschlagung konfrontierte Waldgemeinden kämpfen für das Recht, Wald und Land der Gemeinde selbst zu verwalten. Das würde ultimativ zu Dezentralisierung und weniger Zentralmacht der Forstbehörde führen.

Wird die Armee zur Zerstörung von Feinden der Forstverwaltung benutzt?

Das ist möglich, weil die Armee rohe Gewalt als Antwort einsetzt. Die militärische Entschlossenheit zur Zurückforderung der Wälder wird eindeutig der grösste Krieg gegen die Armen und Landlosen Thailand's sein. 

Tatsächlich fürchte ich die Konsequenzen, wenn Millionen von armen Menschen sich ohne Ausweg in die Ecke gedrängt fühlen.

Von Sanitsuda Ekachai in der Bangkok Post

Dienstag, 9. Juni 2015

Thailand zu abhängig von Touristen aus China?

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Asien’s am häufigsten besuchte Städte wie Bangkok oder Singapur sind auch die anfälligsten bei einem Rückgang von Ankünften und Einnahmen aus Tourismus, weil es ihnen an Diversifizierung ihrer Besucher mangelt und sie zunehmend von chinesischen Touristen abhängig werden.

4.6 Millionen Chinesen besuchten 2014 Thailand. 
Asien verzeichnete gemäss dem jährlichen MasterCard Global Destinations Index 70% der weltweit am schnellsten wachsenden Städte. Der Index listet die 132 beliebtesten Städte nach internationalen Besuchern und deren Ausgaben. 

Aber der Grossteil des Wachstums ging auf das Konto von Auslandreisen von Chinesen. Sie bringen Destinationen in Gefahr, sollten sie aufgrund sich weiter verlangsamenden Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte ausbleiben.

Letztes Jahr waren mehr als 13% der Besucher in Asien und im pazifischen Raum aus China. Sie machten den grössten Anteil ausländischer Touristen aus. Ihr Anteil hat sich von unter 5% vor 5 Jahren mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Chinesen machten gemäss MasterCard letztes Jahr nur 0.6% aller Ankünfte in London aus.

Entwicklung von Ankünften und Ausgaben chinesischer Touristen im Städtevergleich. 
„China ist eine enorme Quelle an Touristen. Viele asiatische Städte haben davon enorm profitiert“, sagt der Chefökonom von MasterCard, Yuba Hedrick-Wong. „Aber nach schnellem Wachstum hängen sie stark von ihnen ab. Sie müssen vorsichtig sein und sich nicht ausschliesslich auf sie ausrichten, müssen diversifizieren.“

Thailand zählte letztes Jahr 4.6 Millionen Besucher aus China und sagt für dieses Jahr ein Wachstum von beinahe 40% voraus. Einer von fünf oder 20% aller Besucher des Königreichs kamen gemäss der Tourism Authority of Thailand aus China.

Rangliste nach Ländern von Touristen in Thailand 2014: China mit Abstand die Nummer 1. 
Mit Tourismus als wichtige Einnahmequelle stellen Städte mit Touristen aus verschiedensten Ländern für Länder wie Thailand inmitten einer schwachen Weltwirtschaft einen robusten Pfeiler dar.

Weniger diversifizierte Städte sollten durch Werbekampagnen oder einer breiten Palette an Attraktionen aktiv Besucher aus aller Welt anlocken, meint Hedrick-Wong.


Istanbul, die weltweit sechst populärste Stadt nach internationalen Besuchern ist die meist Diversifizierte. Die Hälfte seiner Besucher kommt aus 33 unterschiedlichen Herkunftsländern. Am zweit meisten diversifiziert ist London, Asien’s Top-Destination Bangkok nimmt Rang 7 ein.

Quelle: Bangkok Post

Montag, 8. Juni 2015

Das grosse Problem: er ist ein Mann mit Geschichte

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Wer immer das Drehbuch für den Film über sein Leben schreibt - was irgendwie wirklich jemand tun sollte - muss die Wahrheit etwas herunterspielen, weil sonst niemand glauben wird, was Drei-Sterne General Manas Kongpan getan hat. 

Generalleutnant Manas Kongpan: ein Mann mit Geschichte. 
Und sicherlich, ob er noch mehr tun wird ist fraglich, wenigstens zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels sitzt er in der südlichen Provinz Songkhla ein. Die Polizei hat dem Richter gesagt, er sollte nicht freikommen bis sein oder seine Gerichtsverfahren über ein Dutzend schwerer Anklagen stehen.

Generalleutnant Manas hat, in der Polizei Version, Menschen- und Kinderhandel betrieben, illegale Ausländer entführt, von illegalen Migranten Lösegeld erpresst, einige getötet und Massengräber zur Vertuschung benutzt. Es gibt noch mehr Vorwürfe wie die Durchführung grenzüberschreitender Kriminalität.

Bemerkenswert an der Geschichte ist, dass die Polizei nichts damit zu tun hat. Die Verhaftung von Generalleutnant Manas ist mehr als aussergewöhnlich. Im Gewirr mit der geheimen Seite des Militärs geht der nationale Polizeichef Somyot Poompunmuang so weit, wie es nur wenige Männer in braun jemals gewagt haben.

Der General in der Zelle, der wiederholt verneint, in Menschenhandel verwickelt gewesen zu sein, ist nicht der normale, gut vernetzte Offizier mit Verbindungen zum Kommando für interne Sicherheitsoperationen ISOC.

Wenige Stunden nach seiner Verhaftung bürgte der Verteidigungsminister und nationale Putsch-Experte General Prawit Wongsuwan für Manas. Die Eingesperrte sei eine guter Mann, der viel für das Land gegeben habe.

Einige mögen zynisch über interne Deckung für Offizierskollegen denken. Oder General Prawit zog in Erwägung, dass Generalleutnant Manas einer derjenigen ist, von denen George Orwell einst schrieb: Männer fürs Grobe, die bereit sind mit Gewalt für die Sicherheit eines Landes zu sorgen. 

Gemäss offiziellen Angaben wurde Manas für seine militärische Arbeit hoch dekoriert. Er schoss zum Drei-Sterne General hoch. Obwohl zuvor alles danach aussah, dass er lebenslang Oberst bliebe, zumindest bis zum 27. April 2004.

Das war die Nacht von sehr seltsamen, koordinierten Attacken von mehr als 100 Männern im Süden Thailand’s. Männer, die nur mit Messern bewaffnet waren.

Die Sicherheitskräfte konnten die Situation rasch kontrollieren, töten einige der Angreifer und veranlassten viele zu fliehen. 32 Männer rannten in die Krue Se Moschee in der Provinz Pattani und behaupteten, sie hätten Anspruch auf religiöses Asyl.

Die Befehle aus Bangkok lauteten, die Belagerung auszustehen. Aber nach sieben Stunden waren der ISOC Gottvater General Panlop Pinmanee und andere Offiziere gelangweilt von der Warterei und sandten ihre Top-Agenten in die Moschee. Auftrag: alle 32 aus nächster Entfernung töten.

Damals-Oberst Manas war an vorderster Front der einseitigen Attacke auf die historische Moschee - genannt „Mörder“ im gesamten Süden und von manchen in Bangkok.

Im Oktober 2007 wurde er beordert, in den drei südlichsten Provinzen zu arbeiten. Er veranlasste eine Durchsuchung eines verdächtigen Drogendealers in Sungai Kolok und fand 30 Millionen Baht in bar, versteckt in einem PVC Rohr. Man vermutete, dass der Dealer etwas mit den Unruhestiftern zu tun hat. 

Später wurde enthüllt, dass mehr als 70 Millionen Baht versteckt waren. Aber zwei der drei PVC Rohre gingen unter den Augen von Manas verloren und nur 30 Millionen wurden der Polizei übergeben. Gegen den Generalleutnant wurde ermittelt, aber aus Mangel an Beweisen kam keine Klage zustande. Das Mysterium um das fehlende Geld besteht bis heute.

2008, nachdem die Militärregierung unter General Surayud Chulanont sich für die Ermordungen in der Moschee entschuldigt hatte, entschied ein Gericht in Pattani, dass Oberst Manas und einige seiner Kollegen dafür verantwortlich waren. Die Regierung Abhisit reichte keine Klage ein.

Oberst Manas wurde Spezialist der Unruhen im Süden. „Die Leute sagen, ich würde Muslime hassen“, sagte er einmal in einem Interview. „Aber wie könnte ich? Mein Bruder ist mit einer Muslima aus Yala verheiratet.“

Im gleichen Jahr, in dem er nicht vor Gericht für Missachtung von Befehlen und illegalen Tötungen erscheinen musste, arbeitete Manas am Problem mit Migranten, insbesondere Rohingya, die auf ihrem Weg nach Malaysia den Umweg über Thailand nahmen.

Eine grosse, klapprige Schiffsladung von Migranten aus Myanmar kam in thailändische Gewässer, wo sich Oberst Manas ihrer direkt annahm.

Medien und Augenzeugen berichteten von Befehlen des ISOC an der Oberst vor Ort. Die Navy sandte ein Patrouillenboot aus, trieb das Holzboot voller Migranten von der Küste weg und vertrieb es. Ohne Nahrung, Wasser und Treibstoff waren die Rohingya den Meeresströmungen überlassen, präziser: der Unbarmherzigkeit. Alle an Bord verschwanden, und manche Körper wurden an indische Inseln angespült.

Oberst Manas bewies dem Parlament, dass die Berichte Quatsch waren, die Augenzeugen etwas verwechselten, die Medien Lügner. Niemand starb durch Thai Hände, weil er persönlich für die massive Versorgung der Rohingya mit Nahrung, Wasser, Treibstoff, Werkzeug und vielem mehr gesorgt habe. Er war der einzige Mensch, der die Ereignisse so sah. Die Regierung Yingluck reichte keine Klage ein.

2013 wurde er zum Kommandanten des 42. Militär Kreises in Songkhla befördert. Dieser Posten ist sehr einflussreich. Wer immer ihn besetzt, erhält einen Spitznamen: der Boss von Hat Yai oder der Boss von Songkhla.

Die interessante Geschichte von Generalleutnant Manas öffnete sich bereits 2010 um einen kleinen Spalt in der mysteriösen Wand vor Konspiration des ISOC und seinen aktuellen Operationen. Öffnet bezieht sich offensichtlich auf Khattiya „Seh Daeng“ Sawasdipol. Er wurde am 10. Mai 2010 während eines Interviews mit einem Journalisten der New York Times von einem Scharfschützen getötet. Nachdem das Militär jede Schuld an der Ermordung von sich wies, übernahm am 19. Mai das Königshaus ohne weitere Erklärungen die Begräbniskosten. 

Was der Schütze gemacht hatte, was sein Waffenbruder Generalleutnant Manas 2015 macht, lässt Thailand sicher und tief schlafen. Wenige wissen davon, keiner sagt etwas.

Und niemand räumt ein, dass Generalleutnant Manas aufhört, es zu tun.

Quelle: Bangkok Post

Sonntag, 7. Juni 2015

Die deutsche Winzerin, die in Thailand Weinberge pflegt

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Seit dem Umzug nach Thailand hat sich Kellermeisterin Kathrin Puff ihrer körperlichen Fitness beinahe mit der gleichen Leidenschaft wie Weinen gewidmet. Und sie hat die Muskeln, das zu beweisen. Puff, aus Krefeld in der Nähe von Düsseldorf, bereitet sich derzeit auf ihre fünfte Teilnahme am Ironman vor, einer von 10 Triathlons, die sie jährlich bestreitet.

Kathrin Puff bei der Arbeit preisgekrönte Weine zu schaffen. Bild: Chiang Rai Times
Sie zog nicht für den Sport nach Asien, vielmehr um das Ruder von Thailand’s Monsoon Valley Wine in die Hand zu nehmen. Sie will das Rätsel entschlüsseln, wie Weltklasse Weine nur gerade 13 Grad nördlich des Äquators entstehen können.

Die 36-jährige Chef-Kellermeisterin von Moonsoon Valley kam 2007 nach Bangkok. Ein deutscher Berater hat sie mit der Firma in Verbindung gebracht.

Monsoon Valley hatte das Geld für die passende Frau: sie gehört Siam Winery, deren Inhaber Chalerm Yoovidhya auch Vorsitzender von Red Bull UK und ein wirklicher Weinkenner ist. Monsoon brauchte einen erfahrenen Fachmann für seine Weinkellerei, Puff war jung, voller Energie und in Europa ausgebildet. 

„Sie machten mir ein sehr interessantes Angebot - ich war zuvor noch nie in Asien. Ich dachte einfach, geh hin und schau mal.“

Ihr Sprachtalent zeichnete sie zusätzlich aus. Während ihrer Lehrjahre von Spanien bis Neuseeland, inklusive einer Stelle als Kellermeisterin in Dievole in der Toskana, brachte sie sich, zusätzlich zur Kunst des Weinmachens, Sprachen bei. Puff spricht neben ihrer deutsche Muttersprache fliessend englisch, spanisch und italienisch.

Der grösste Reiz war für sie der „Alten Welt“ zu entfliehen. Sie glaubt, Europa stecke zu stark in festgefahrenen Pfaden fest. Tatsächlich musste sie für ihre neue Aufgabe ihren Job in Neuseeland aufgeben. Da Thailand nicht wirklich ein traditionelles Weinland war, dachte sie, wäre es viel offener für Innovationen und einfacher für einen jungen Menschen, seine Ideen umzusetzen.

Puff’s Interesse an Wein erwachte früh. Mit 16 begann sie sich Notizen über die Rebsorten der Weine im Keller ihres Vaters, einem Zahnarzt, zu machen und sammelte alle schönen Etiketten. Nach verschiedenen Lehrstationen und je einem Diplom in Weinbau und Önologie landete sie schliesslich in der Toskana.

Unter ihrer Leitung gewannen Monsoon Valley Weine Dutzende von Auszeichnungen. 2013 die Goldmedaille für Dessertweine an den Decanter World Wine Awards und im gleichen Jahr eine Bronzene für einen weissen Cuvée.

Das im In- und Ausland verkaufte Portfolio ist klein und süss. Colombard und Chenin blanc, Shiraz sowie ein Rosé und ein Schaumwein.

Aus einigen der Trauben kann Spitzenwein gekeltert werden. Der Cuvée de Siam Rouge 2008, er ist nur in Thailand erhältlich, aus Sangiovese und Shiraz Trauben, gewann 2010 Gold bei der International Wine Challenge in Wien.

Trauben durch brütende Hitze und eine heftige Regenzeit in Nektar zu verwandeln ist ein technischer Prozess. Er benötigt eine zusätzliche Ernte als Ausruhzeit für die Weinstöcke, eine innovative Überdachung der Reben, konstantes Experimentieren und ein grosses Budget. 

Glücklicherweise mag Puff Technologie. Die Freiheit von Strukturen der „Alten Welt“ erlaubt ihr mit „Regeln“ zu spielen. „Ich bin eine Frau der Tat und will wissen, weshalb gewisse Dinge funktionieren. Ich glaube nicht an Magie. Einige Kellermeister machen Dinge nur, weil es schon ihre Väter getan haben. Aber ich bin anders. Ich denke in einer anderen Art und Weise.“

Puff’s typische Arbeitswoche beinhaltet einen Tag im 200 Hektar grossen Weinberg unweit der Touristenmetropole Hua Hin, 150 Kilometer südlich von Bangkok, wo als Attraktion auf Elefanten durch die Reben geritten werden kann und ein erstklassiges Restaurant Besucher erwartet. Die verbleibenden vier Tage verbringt sie in der Weinkellerei in Samut Sakhon, führt Weinproben und Qualitätskontrollen durch. „Und jeden Morgen widme ich Chaorai Zeit, meinem Winzer.“ Chaorai ist ihre rechte Hand und genau so fanatisch wie sie im Experimentieren mit Weinbau-Technologien.

Kurz vor sie ihren Job in Thailand annahm, hatte sie in der Toskana mit einem Mann einen Beziehung begonnen. Heute ist Matthia ihr Mann. Er spielt in einer Band, sie nahm Gitarren Lektionen und sie trafen sich bei einer Probe auf einem Bauernhof. 

Der sechs Jahre jüngere Matthia entschloss sich ebenfalls, umzuziehen und beendete sein Studium in Thailand. Jetzt ist er Photo Editor bei der European Pressphoto Agency. Das Paar wohnt in einem netten kleinen Viertel zwischen Hochhäusern im Stadtzentrum Bangkok’s. Puff sagt, der Charme der Stadt mache die Nähe zu vielen von Asien’s paradiesischen Flecken, gutes Essen und eine Vielfalt von interessanten Menschen aus.

Ihr Job sei eine grosse Herausforderung gewesen, sagt sie, und ergänzt: „Da war die Sprachbarriere. Auch die Arbeitskultur ist unterschiedlich. Aber ich mag wie die Leute sogar schlechte Nachrichten mit einem Lächeln überbringen.. es ist so erfrischend.“