Mittwoch, 20. Mai 2015

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Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einer von Bangkok’s Shopping Malls bemerkten meine Tochter und ich einen grossen Menschenauflauf vor einem Stand, der Geld für die Opfer des Erdbebens in Nepal sammelte. Sie fragte: „Gäbe es an einem Stand für Rohingya Boat People gleich viel Unterstützung?“

Rohingya
Ein Rohingya Kind am 17. Mai in einer Notunterkunft in Aceh, Indonesien.*
Beide wussten wir die Antwort. An diesem Morgen hatten wir über eine Menge Facebook Posts gelesen. Posts mit Hass Tiraden gegen Rohingya und Posts von Leuten, die denken, dass die Regierung sie aufs offene Meer verjagen sollte.  Gleichbedeutend damit, sie sterben zu lassen.

Facebook war auch geflutet mit geteilten Artikeln, die besagen, dass Rohingya Ausländer sind. Durch die Engländer während der Kolonialzeit nach Myanmar gebracht. Dass sie aggressive Muslime sind. Nur gut sich zu vermehren. Und das die Feinseligkeiten in Myanmar nur begannen, weil Rohingya buddhistische Frauen vergewaltigten.

Alle waren sich einig, dass Thailand den Rohingya nie helfen sollte. Weil wir nicht Probleme anderer auf uns nehmen sollten. Als Gründe gegen Hilfe der Regierung wurden genannt: Warum den Rohingya helfen, wenn es im Land selbst schon viele arme Menschen gibt? Warum vor den USA auf die Knie fallen und ihnen Unterkunft gewähren? Warum helfen ihnen nicht die Vereinigten Staaten selbst, statt Thailand zu sagen, was es zu tun habe?

Es wurde sogar behauptet, dass zwischen Rohingya und der Gewalt im Süden Thailand’s Verbindungen bestehen. Viele teilten ihre Befürchtung, dass Hilfe nicht nur unsere wenigen Ressourcen verknappen und die Kriminalität erhöhen würde, sondern auch eine Gefahr für „unsere“ buddhistische Identität bedeute.

Kurz gesagt, die Stimmen in Thailand entsprachen dem Hass Myanmar’s auf Rohingya, genauer, dem Hass gegen Muslime.

Wie können wir so freigiebig für Opfer in Nepal sein und so herzlos zu Rohingya Boat People, die an unsere Tür klopfen, verzweifelt Hilfe suchen?

Weil es viel einfacher ist, in den Geldbeutel zu greifen als unsere Herzen zu öffnen?

Letzten Monate wurde die langjährige Reporterin Thapanee Ietsrichai vom Kanal 3 als Heldin gefeiert, weil sie Thai Sklaven half, aus indonesischer Inseln heimzukehren. Heute wird sie angefeindet und lächerlich gemacht, weil sie für die Rohingya Boat People Sympathie zeigt und angeklagt „Feinde in unsere Heimat zu bringen“.

Der Journalist Vanchai Tantivitayapitak schrieb über seinen Vater, der 60 Jahre zuvor, Teil des Zustroms chinesischer Boat People war, die vom Bürgerkrieg nach Thailand flohen. Wir, wir waren auch Flüchtlinge, schrieb er. Er, auch er, fühlt den Stachel von schroffen Worten und Spott.

Gibt es irgendeinen Grund den Rohingya zu helfen, ohne Mitgefühl zu zeigen und Menschenrechte zu ignorieren?

„Es gibt so viele Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Gib mir einen guten Grund, weshalb wir den Rohingya helfen sollten“, fragte mich ein Kollege. „Gib mir Gründe, keine Emotionen.“

„Sie sind Opfer von Menschenhändlern“, antwortete ich.

„Dann bestrafen wir die Händler. Das ist das, was wir tun sollten. Aber warum den Rohingya helfen?“ fuhr er fort.

Deshalb: Wenn wir den Sklavenhandel stoppen wollen, können wir die Boat People nicht aufs Meer zurück schicken. Rohingya sind Augenzeugen. Mit ihren Aussagen können wir die Netzwerke aufdecken. Wenn wir die Boote mit Wasser und Nahrung versorgen, sie weiter auf dem Meer treiben lassen, helfen wir den Menschenhändlern.

Wenn wir den Boat People saubere, temporäre Unterkunft gewähren, können wir sie befragen und zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Opfern von Verfolgung trennen, sie entsprechend behandeln. Viele wollen zurück. Wir sollten aus unserem Vorgehen von 2008 lernen.

In jenem Jahr geriet Thailand unter Beschuss von CNN. Der Nachrichtensender veröffentlichte Berichte, die zeigten, wie unsere Navy Boote voller Rohingya aufs offene Meer drängte. Um ihr Ansehen zu bewahren, half die Regierung der nächsten Ladung Boat People, brachte sie an Land. Aus intensiven Interviews mit den Opfern ermittelte der Lawyers Council die Namen der Menschenhändler und die Sklaven Routen. Er verhalf den Rohingya auch zur Rückkehr in ihre Heimat nach Bangladesh. 

Dadurch nahm die Zahl der Boat People, welche nach Thailand wollten, von 5’000 im 2008 auf 90 im folgenden Jahr ab.

Danach war wieder Business as usual. Die Boote stoppten für Wasser und Nahrung in Thailand und fuhren weiter. Die Netzwerke der Menschenhändler breiteten sich aus und die Zahl der Opfer stieg, bis das Problem explodierte.

Wir sollten den Boat People helfen, weil ihre Informationen zu mehr Verhaftungen führt und uns näher bringt, den Menschenhandel auszulöschen. Wenn wir sie zurück aufs offene Meer treiben, unterstützen wir den Sklavenhandel und betrügen unser eigenes Gewissen. 

Von Sanitsuda Ekachai in der Bangkok Post

*Bild: Khaosod


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