Donnerstag, 14. Mai 2015

Verstört im tiefen Süden Thailand's

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Letzte Samstag Nacht nahm ein Soldat der Royal Thai Army im Hauptquartier einer Ranger Kompanie in der Provinz Pattani sein M-16 Sturmgewehr in die Hand und begann zu schiessen. Er tötete einen Soldaten und einen Ranger.  

Thahan Phran Ranger Thailand
Der Schatten eines Rangers bei Ermittlungen eines Anschlags in Yala.  
Das ist kein Einzelfall. Am 23. März 2014 erschoss ein anderer Soldat in der operativen Basis in Yala einen Kameraden. Am 16. Mai 2014 knallte ein Ranger auf einer Basis im Distrikt Sai Buri der Provinz Pattani zwei seiner Offiziere ab und verwundete einen Dritten. Am 28. Mai 2014 erschoss ein Matrose der Royal Thai Navy in Pattani einen Kollegen und verwundete einen weiteren. Am 12. Oktober 2014 erschoss ein Ranger zwei schlafende Kameraden und verletzte einen anderen. Am 15. Oktober 2014 versuchte ein Ranger seinen Kollegen zu erschiessen, mit dem er zuvor getrunken hatte. Er tötete dessen 5 Jahre alte Tochter.

Drei Woche später schoss und killte ein betrunkener Ranger in einem abgelegen Camp in Nong Chik nach einem Disput drei Kollegen und verwundete zwei weitere. Er versuchte auch sich selbst zu töten, überlebte aber. Am 27. Dezember 2014 tötete sich im selben Camp ein Soldat selbst mit seiner M-16. Am 30. Dezember 2014 erschoss ein Ranger an einer Strassensperre in Panare nach einer Auseinandersetzung seinen Sergeant. 

Seit März 2014 gab es 9 individuelle Fälle, in denen Mitglieder der Royal Thai Army oder Ranger ihre Waffen gegen Kameraden erhoben. In zwei Fällen war Alkohol im Spiel, aber in allen Fällen war posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, der wirkliche Grund. Fünf Ranger, drei Soldaten und ein 5-jähriges Mädchen verloren ihr Leben. 5 Ranger und ein Matrose wurden verletzt. Ein Soldat begann Selbstmord, ein Ranger versuchte es.

Zwischen Januar 2014 und April 2015 wurden in den Unruhen im Süden Thailand’s 12 Soldaten und 39 Ranger getötet. Mit anderen Worten: beinahe ein Viertel der Todesfälle, in die Soldaten und Ranger in den letzten 16 Monaten involviert waren, wurden von eigenen Leuten verursacht. Von den 88 verwundeten Rangern seit Januar 2014 wurden 6%, durch einen Kameraden verwundet.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass es um mehr als nur routinemässigen Kampf-Stress geht. In der US-Armee wird geschätzt, dass 11-20% der Veteranen der Afghanistan und Irak Kriege unter PTBS litten und heute mehr Soldaten Selbstmord begehen, als dass es Tote bei Kampfhandlungen gibt. Aber die Anzahl Opfer unter Soldaten selbst erreicht bei weitem nicht die Thailand’s.

Was läuft falsch?

1. Ranger waren in 56% Verursacher und in 74% Opfer der Attacken. Die Royal Thai Army hatte angekündigt, ab April 2015 fünf Ranger-Bataillone aus dem tiefen Süden abzuziehen.

Gegen 23’000 Ranger, Thahan Phran, waren für der Grossteil der statischen Verteidigungsarbeit in der Region verantwortlich. Aber jetzt werden sie immer mehr für offensive Operationen und aktive Patrouillen eingesetzt. 

Die schwarz bekleideten Ranger, Thahan Phran, sind eine paramiltärische leichte Infantrie Truppe, die normalerweise in Zusammenarbeit mit der Border Police die Grenzen bewacht. Sie wurden 1978 zum Kampf gegen die Kommunisten im Nordosten Thailand's gegründet. Mitmachen können thailändische Staatsbürger im Alter von 18-29, wenn sie einen physischen Test bestehen, bis 15 zur Schule gegangen sind und in der Nähe des Truppenstandorts zu Hause sind oder besondere regionale oder lokale Kenntnisse besitzen.

Obwohl ihre Ausrüstung in den letzten 10 Jahren verbessert wurde, haben sie weniger Körperpanzer und Kevlar Helme zur Verfügung, müssen alte Waffen verwenden und besitzen weniger gepanzerte Fahrzeuge als die Soldaten der Royal Thai Army.

Dazu kommt, dass die meisten Ranger aus dem Isaan, dem Nordosten Thailand’s stammen und von der lokalen Bevölkerung für ihre angeblichen Menschenrechtsverletzungen geschmäht werden.

Auch wenn die Ranger technisch ein Teil der regulären thailändischen Streitkräfte sind, sind sie nicht so gut ausgebildet und weniger diszipliniert. Doch ihre Verantwortung, besonders seit dem Coup im Mai 2015, ist gewachsen.

Trotzdem die Armeeführung mehr lokale Ranger rekrutieren möchte, gelingt es oft nur den Abschaum der Gesellschaft zu erreichen. Während deren Familien unter intensiven Druck von den Aufständischen geraten, leiden sie unter noch mehr Stress.

2. Der nationale Rat für Frieden und Ordnung, NCPO, und die Royal Thai Army behaupten stolz, dass zwischen September 2014 und April 2015 die Anzahl gewalttätiger Zwischenfälle um 60% und deren Opfer um 47% abgenommen hätten. Das ist zu einfach.

Die Gewaltrate ändert sich von Monat zu Monat. Sie stieg beispielsweise im April 2015 auf den höchsten Stand seit dem Putsch 11 Monate zuvor. Während dieses Monats wurden 32 Menschen getötet, mehr als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres zusammen, zurück zum Durchschnitt der letzten 5 Jahre. 

Es gab über 50% mehr Verwundete als durchschnittlich. Nach dem Coup d’Etat sank die Zahl der Todesopfer auf 47 im Monat, im April aber waren es 71. 

Die Zahl der Bombenanschläge und Schiessereien erreichte den höchsten Stand seit dem Putsch.

Mehrheitlich sind Zivilsten die Opfer, aber die Sicherheitskräfte bleiben das primäre Ziel der Aufständischen. Vom 22. Mai 2014 bis Ende April 2015 waren 24% der Getöteten und 38% der Verletzten Soldaten oder Ranger. Kurz gesagt, der tiefe Süden bleibt ein gefährlicher Ort für Sicherheitskräfte.

Die Regierung kann von so vielen Siegen berichten wie sie will, aber die Sicherheitskräfte vor Ort teilen diesen Optimismus nicht zwingend.

3. Die Regierung hält an ihrem Versprechen den Friedensprozess wieder zu aktivieren fest. Es ist sehr schwierig, sie ernst zu nehmen. Den Aufständischen wird nichts angeboten.


Die Friedens-Idee des NCPO besteht darin, dass die Aufständischen ihren Kampf aufgeben. Ohne sinnvolle Zugeständnisse. Das ist Nonsens.

Die Sicherheitskräfte haben es den Aufständischen mit ihrer robusten Präsenz zweifellos schwieriger gemacht. Trotzdem werden sie nie militärisch siegen.

Es ist eine politische Auseinandersetzung. Nur durch Verhandlungen kann eine dauerhafte, breit abgestützte Lösung erzielt werden.

Diese Angaben sollten ein Weckruf für den Führungszirkel der Armee sein. Im November 2014 versprach Armeechef Udomej Sitabutr denen mehr Berater und Mönche zur Seite zu stellen, die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

Die Royal Thai Army hat sich selbst seit dem Coup mit einer Budgetsteigerung von 218% belohnt. Das von der Regierung vorgeschlagene Verteidigungsbudget 2016 soll 207 Milliarden Baht betragen. 7% mehr als 2015, obwohl keine Änderung in der Sicherheitslage erwartet wird.

Es ist wichtig, dass mehr Gelder für das Wohlergehen ihres Personals ausgegeben wird. Aber auch das könnte nicht genug sein. 

Die Ungewissheit im Kampf, nicht zu wissen, wo die nächste Bombe hochgeht, wird von der Sicherheit begleitet, dass der Konflikt im tiefen Süden nicht so bald endet. Trotz allem, was ihre Vorgesetzten behaupten. 

Von Zachary Abuza, Spezialist für südostasiatische Politik und Sicherheitsfragen, Autor von mehreren Büchern wie „Der militante Islam in Südostasien“, in der Bangkok Post.


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