Freitag, 8. Mai 2015

Nichts scheint einfacher - obwohl es ein guter erster Schritt wäre

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Ich war schon ein Teenager, als ich mein erstes Fahrrad erhielt. Bangkok wurde gerade modernisiert. Neue Strasse asphaltiert und Ampeln aufgehängt. Die elektrischen Trams fuhren noch. Tuk-Tuk’s hatten soeben Rikscha’s ersetzt. Sie waren nur noch Aussenbezirken und ausserhalb der Hauptstadt gut genug.

Radfahrer protestierten gestern vor dem Innenministerium für mehr Gerechtigkeit.
Fahrräder gab es in grosser Anzahl, sowohl für persönlichen Gebrauch als auch fürs Geschäft. Rad-freundlich war Bangkok schon immer, flach und eben, ausgenommen nur die Brücken über die zahllosen Klongs. Bei vielen ging’s steil hoch und genauso steil wieder nach unten, sie waren so hoch, damit Boote passieren konnten.

Als ich eines Tages auf einer Hauptstrasse nach Hause fuhr und schon nahe an meinem Soi war, fuhr ein Tuk-Tuk von hinten auf mich auf und liess mich vornüber springen. Glücklicherweise kamen sowohl meine Fahrrad als auch ich ohne grossen Schaden davon. 

Daran erinnere ich mich immer wieder, wenn ich von den immer häufigeren Unfällen mit Fahrrädern lese. Sie geschehen immer häufiger, weil immer mehr Leute radeln, für ihre Gesundheit und einige sogar für den Weg zur Arbeit.

Im grossen Ganzen der Dinge zählen diese Unfälle nicht viel, klar. Keine grosse Sache. Kleine Sachen sagen jedoch oft viel aus über die Gesellschaft und seine Beteiligten.

Bedenken, dass Thailand zum Fatland wird und Bewusstsein für die Umwelt haben Radfahren wieder populär gemacht. Unglücklicherweise hat die Modernisierung Thailand’s motorisierte Gefährte zu Königen der Strasse gemacht.

Wir alle wissen, was mit den einst berühmten Klongs und den sie befahrenden Booten geschah. Auch Fahrräder gab es bald nicht mehr. Bald wurde für Fussgänger das Überqueren einer Strasse ein Abenteuer, wenn nicht ein Spiel auf Leben und Tod.

Nicht nur wegen der vielen Autos, Pickups, Lastwagen, Bussen und Motorrädern wurden sie zu tödlichen Strecken. Auch nicht, weil sie so schlecht konzipiert und gebaut wurden. Denn einer der weniger tugendhaften Aspekte des thailändischen Charakters gibt den entscheidenden Schuss zur ihrer Tödlichkeit.

Es ist ehrbar zu sagen, dass Thais pragmatische Leute sind. Aber es ist auch Tatsache, dass viele das Wort Disziplin nicht kennen. 

Also fahren sie da, wo immer sie denken, dass sie am schnellsten zum Ziel kommen. Zum Teufel mit Verkehrsregeln und Höflichkeit.

Jedoch wissen sie nicht, oder kümmern sich ganz einfach nicht darum, dass gerade sie den Verkehr noch zäh fliessender machen und um so später ankommen.

Nicht nur der komplett fehlende Respekt vor Verkehrsregeln ist schuld, denn auch Politik, Polizei und Verwaltung in diesem Land scheren sich wenig um Durchsetzung von Verkehrsgesetzen und Strafverfolgung.

Wir sehen Verkehrspolizisten nur, wenn sie das Leben von normalen Motoristen unglücklich machen. Lange Staus verursachen, weil sie Strassensperren für obskure Kontrollen errichten. Oder sie bleiben gleich ganz in in ihren klimatisierten Kontrollkabinen an Kreuzungen mit flackernden Ampeln, statt auf die Strasse zu gehen und die Rowdys zu schnappen.

Verstösse gegen Verkehrsregeln können überall und jederzeit beobachtet werden. Deshalb ist es nur rational zu denken, dass man selbst auch straffrei Regeln brechen kann. Und sehr viele kommen davon, manchmal vor den Augen eines Polizisten.

Aber auch wenn man gestoppt wird, kein Problem. Ein paar Noten wechseln die Hand, das war’s.

Selbst in schweren Fällen wie Trunkenheit am Steuer oder rücksichtslosem Fahren mit Todesfall gibt es mit beinahe hundert Prozent Sicherheit den Weg, mit einem Bündel Geld auf die Hand freizukommen. Wie im Fall des 16-jährigen Mädchens, welches auf einer Stadtautobahn neun Leute tötete. Sie wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Tödlichkeit auf Thailand’s Strassen, besonders für Fahrradfahrer, und dem, was als ineffizient und ineffektive Administration wahrgenommen wird, machte in den letzten Jahren rund um den Globus immer wieder Schlagzeilen.

Im Februar 2013 endete die Radtour eines britischen Paares abrupt in Chachoengsao. Beide waren tot. Ein Jahr später wurde der Unfallverursacher, ein Lastwagen Fahrer, schuldig gesprochen. Er erhielt 2 Jahr Gefängnis auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1’000 Baht für rücksichtsloses Fahren.

Im Februar diesen Jahres versuchte ein Radfahrer aus Chile, ebenfalls auf Tour um die Welt, mit seiner Familie im Schlepptau, Thailand zu durchqueren. Auch sein Trip endete mit verfrühtem Tod. Nahe bei Nakhon Ratchasima, als ein Pickup in ihn hinein krachte, ihn tötete sowie Frau und Sohn dahinter auf einem Tricycle verletzte. 

Im März erreichte der Fall mit Fahnen und Trompeten das Gericht. Der Fahrer wurde zu einer zwei jährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Dieses Schnellgerichtsverfahren verursachte bei der Frau des chilenischen Fahrradfahrers viel Elend. Auf Facebook postete sie, dass sie dazu überredet wurde, eine Dokument zu unterschreiben, dass sie gegen eine Bezahlung von 100’000 Baht Kompensation keine weiteren rechtlichen Schritte mehr zu unternehme. Sie beklagt dazu, nicht über den Zeitpunkt und das Verfahren des Gerichts informiert gewesen zu sein.

Alles andere als eine Freilassung der Täter, die kürzlich in einer ähnlichen Art und Weise drei Radfahrer in Chiang Mai und einen in Bangkok tötete wäre eine Überraschung. In all den vorangegangen Fällen wurde darüber spekuliert, irgend etwas sei hinter den Szenen vorgefallen. Irgend etwas, das in Nachsicht für die Verursacher resultierte. 

Sind Gefängnisse nur für diejenigen, die sich ihren Weg nicht freikaufen können?

Für einige gibt es nicht anderes als eine Generalüberholung der Verkehrspolizei, vielleicht Ersetzen des nachlässigen Personals durch besser bezahlte, professionelle Leute. 

Aber lassen wir sie doch einfach auf die Strasse los, Tag und Nacht patrouillieren und stete Präsenz zeigen, wie das in weiter entwickelten Ländern gemacht wird.

Nichts scheint einfacher. Obwohl es ein guter erster Schritt wäre. 

Quelle: Bangkok Post

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