Freitag, 22. Mai 2015

Die versteckten Kosten von Thailand's Strom

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Der Nationale Energie Rat hat letzte Woche den neuen Energieplan, verabschiedet. Er legt den Rahmen für Thailand’s Stromversorgung und diesbezügliche Investitionen der nächsten 21 Jahre fest. Der Plan zielt darauf ab, die Energieleistung Thailand’s in den nächsten zwei Jahrzehnten bis 2016 auf 70’140 Megawatt zu verdoppeln. Der Schlüssel zur Steigerung liegt zum Grossteil darin, erhebliche Mengen Strom aus Kraftwerken in Laos und Myanmar zu importieren. 


Don Sahong Damm Laos
Baustelle Don Sahong, dem zweiten Damm am Mekong, den Laos 2015 in Betrieb nehmen will. 
Diese Entscheidungen können von politisches Interessen und einem Schub für die Wirtschaft getrieben sein. Aber die versteckten Kosten des neuen Energieplans und die Implikationen für Thailand und die Mekong Region sind alarmierend. 

Eines der wichtigsten Anliegen von Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist, dass die Reserve, oder der Überschuss ungenutzter Energie 15% beträgt, was den tatsächlichen Bedarf eines Landes schon beträchtlich übersteigt. Der Plan sieht in einigen Jahren eine Reserve von 39% vor.

Weshalb braucht Thailand so viele neue Kraftwerke - einschliesslich Kohle-, Wasser- und sogar Kernkraftwerke, wenn mehr als ein Drittel der Energie nicht benutzt wird? Kraftwerksprojekte sahen sich in der Vergangenheit aufgrund ihrer negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen starker Opposition der lokalen Bevölkerung ausgesetzt.

Durch strengere Gesetze und Vorschriften sowie die wachsende Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Thailand werden die neuen Energiequellen einfach jenseits der Grenze nach Laos, Myanmar und in die Provinz Yunnan im südwestlichen China gelegt. 

Im September 2014 betrug der Anteil an importiertem Strom 7% von Thailand’s Kapazität. Diese Quelle wird sich in den nächsten 10 Jahren auf 10-15% erhöhen, danach auf 15-20%. Das schliesst Strom aus dem umstrittenen Xayburi Staudamm am Mekong und dem Hongsa Kohlekraftwerk, das zu 80% Thailand gehört, in Laos mit ein.


Standort des Hongsa Kohlekraftwerks, es soll in diesem Jahr ans Netz gehen. 
Während Thailand mit seinem Plan für vordergründig billige Energie voranschreitet, ignoriert es eklatant die unsichtbaren Kosten seiner Kraftwerksprojekte.

Was als billige Energie bezeichnet wird, ist eigentlich sehr teuer - wenn die permanente Zerstörung der Umwelt, der Sozialabbau und die langfristigen Auswirkungen auf die Region und ihre Bevölkerung eingerechnet werden.

Neben dem Xayaburi Staudamm und dem Hongsa Kohlekraftwerk ist Thailand auch in weiteren Projekten in der Region beteiligt. Auf dem Saluen Fluss in Myanmar sind gleich zwei Staudämme geplant, die Talsperre von Hat Gyi und der Mong Ton Damm, früher Ta Sang genannt. Beide haben verheerende ökologische und soziale Auswirkungen.


Staudamm Saluen Myanmar
Geplante Staudämme am Saluen in Myanmar. 
Entlang des Saluen sind ethnische Gruppen in den von Bürgerkrieg heimgesuchten Karen- und Shan Staaten betroffen. Der Mong Ton Damm wird Häuser und Ackerland von 300’000 Menschen überfluten. Menschen, die bereits durch die massive Zwangsumsiedlung der Militärjunta Myanmar’s zwischen 1996 und 1998 aus dem zentralen Shan Staat entwurzelt wurden.

Während der Mong Ton Damm gebaut wird, riskieren die aus ihrer Heimat vertriebenen Flüchtlinge Kollateral-Kosten für billigen Strom zu werden. Es ist Zeit, dass wir die grenzüberschreitenden sozialen und ökologischen Auswirkungen unseres unlöschbaren Energiedursts auf unsere Nachbarländer erkennen. Thailand muss beginnen, ihrer extraterritorialen Verpflichtungen zu berücksichtigen, wenn Investitionen in grosse Infrastrukturprojekte im Ausland gemacht werden.

Angesichts der staatlichen Gleichgültigkeit, nahmen sich thailändische Dorfbewohner, die vom Xayaburi Staudamm in Laos betroffen sein werden, der Sache an und zogen zum Stopp des Baus gegen fünf Regierungsbehörden, inklusive Egat, der nationalen Energiebehörde, vors Verwaltungsgericht.


Geplante, sich im Bau befindende und gebaute Staudämme am Mekong. 
Thailand’s Energieplanung wird seit langen als persistent überprgnoszierend charakterisiert. Sie führt zu Überinvestitionen und einer erhöhten wirtschaftlichen Belastung der Verbraucher. Der Prozess selbst ist wenig transparent und schliesst die Öffentlichkeit aus.

2012 veröffentlichten die Energieexperten Chuenchom Sangasri Greacen und Chris Greacen einen alternativen Energieplan für Thailand. Er wurde dem Energieministerium und Vertretern der Egat vorgestellt. Im Bericht werden die bestehenden Energiepläne analysiert und festgestellt, dass der zukünftige Bedarf um 13’200 Megawatt überschätzt wurde und Thailand seinen Energiebedarf ohne zusätzliche Stromimporte aus Wasserkraft und ohne zusätzliche Investitionen in Kohle- und Kernkraftwerke stillen könnte.

Mit einem transparenten, Rechenschaft ablegenden und partizipativen Planungsprozess, der alle, auch die versteckten Kosten beinhaltet, müssen wir Mekong und Saluen nicht zerstören, diese Flüsse, welche die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen sind.

Es gibt Optionen, zerstörerische Wasser- und Kohlekraftwerke zu ersetzen. Aber unsere Flüsse sind unersetzlich.

Von Pianporn Deetes, sie ist Koordinatorin in Thailand von International Rivers.


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