Montag, 25. Mai 2015

Der humanitäre Tanz

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Thailand war nach dem 3-Nationen Treffen von letzten Mittwoch in den Augen der restlichen Welt der Bösewicht. Während Malaysia und Indonesien sich bereit erklärten, 7’000 Rohingya und Bangladeshi Flüchtlingen für ein Jahr Aufenthaltsrecht zu gewähren, wollte sich Thailand nicht anschliessen.

Rohingya Flüchtlinge am 11.11.14: erst festgehalten und dann zurück auf's Meer geschickt. 
Das Land hatte nichts anderes als Kritik erwartet - und sie kam, aus jeder Richtung, von innerhalb und ausserhalb des Landes. Im Königreich müsse doch etwas falsch laufen, dass es Bootsflüchtlingen keinen temporären Unterschlupf gewähren wolle.

Hätten nach dem Meeting in Malaysia Ärzte Thailand’s befremdliches Verhalten untersucht, wären alle zum gleichen Ergebnis gekommen: Thailand leidet auch nach Jahrzehnten noch immer am Kater der letzten Unterstützung von Flüchtlingen. 

Das Land ist mit Flüchtlingsfragen vertraut, lange bevor die aktuelle Welle Rohingya aus Myanmar und Menschen aus Bangladesh an die Küsten spülte oder sie im Dschungel des tiefen Südens verstecken liess. Kambodschaner suchten Schutz vor den mörderischen Roten Khmer, Laoten entkamen dem geheimen Krieg der CIA. Wellen von vietnamesischen Bootsflüchtlingen schwappten nach dem Ende des Krieges in den 70er Jahren an Thailand’s Küste, gefolgt von von einem Zustrom von Karen, Karenni und Shan nach Kämpfen zwischen der Armee und bewaffneten ethnischen Gruppen in Myanmar.

Es brauchte viele Jahre, die Flüchtlingscamps an der östlichen und nordöstlichen Grenze zu schliessen - aber die Probleme sind bis heute nicht wirklich gelöst. Zumindest 100’000 Menschen - von der thailändischen Regierung „Displaced Persons“, von den Vereinten Nationen und NGO’s Flüchtlinge genannt  - verbleiben in neun Lagern in acht Provinzen an der westlichen Grenze Thailand’s. 

Wie auch immer sie genannt werden ist nicht so wichtig. Was niemand zugeben will ist, dass die Lager und ihre Insassen für immer da bleiben werden, weil die Regierung Myanmar’s sich, vornehm ausgedrückt, sehr zurück hält, sie zurück zu nehmen. Drittländer, welche auf Thailand zugunsten einer humanitären Politik Druck ausübten, als die Gebiete an der Grenze zu Myanmar von bewaffneten Konflikten heimgesucht wurden, sind nicht mehr daran interessiert, sie je wieder umzusiedeln.

Malaysia und Indonesien habe Gründe Bootsflüchtlinge aus Myanmar und Bangladesh aufzunehmen. Als muslimische Nationen sind sie verpflichtet, ihren muslimischen Brüdern und Schwestern aus anderen Ländern zu helfen.

Die USA bestimmte den Ton für andere Länder Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Das ist der Klang aus den Vereinigten Staaten, der perfekt zu ihrer Strategie passt, wieder mehr Einfluss in der Region zu gewinnen.

Aber die beste Botschaft kam aus Australien. Es ging nicht darum, dass Canberra die Türe für Migranten schliesst. Vielmehr ging es um die Art und Weise, wie das Problem angegangen werden soll. 

„Australien wird absolut nichts tun, was irgend jemanden ermutigt daran zu denken, auf ein Boot zu steigen, mit Menschenschmugglern zu arbeiten, um ein neues Leben zu beginnen“, sagte Premierminister Tony Abbott. 

Das entspricht ziemliche genau der Linie, die Premier Prayuth Cha-o-cha für Thailand gewählt hat, als er immer wieder davon sprach, dass das Problem mit Bootsflüchtlingen an ihrer Wurzel gelöst werden müsse.

Alle wissen, weshalb sie ihr Heimatland verlassen. Aber niemand weiss genau, mit welchen Massnahmen sie zu stoppen sind.

Flüchtlingslager einrichten wird mehr Migranten auf Booten anlocken - und das Problem wird weiter und weitergehen. Sie können umgesiedelt werden, aber wo? Sie können in die Heimat zurück geführt werden. Aber eine Regierung zu überzeugen, Menschen aufzunehmen, welche sie nicht mehr will, ist noch schwieriger.

Wie auch immer, als Gastgeber der internationalen Konferenz zur Krise mit Bootsflüchtlingen vom kommenden Freitag muss Thailand mehr anbieten, als General Prayuth bisher bereit war. „Wir werden für bessere Lebensbedingungen der Migranten Erweiterungen der bisherigen Gebieten anbieten“, sagte er letzten Freitag. 

Die internationale Gemeinschaft sollte aufgrund der schwierigen Position Thailand’s keine Bedenken haben. Das Land wird in der Sage der Bootsflüchtlinge sicher spuren. Diesmal mit dem Unterschied, dass es das Tempo selbst bestimmt. 

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