Samstag, 16. Mai 2015

Auf's Karma gesetzt - billige Kredite vom Mönch

Keine Kommentare :
Karma gibt vor zu geben, was man bekommt. Der Mönch Subin Paneeto könnte der erste sein, der dieses selbstlose buddhistische Prinzip in der ruinösen Welt des Handels anwendet. 

Phra Subin Panetto gibt einem Schuldner finanzielle Ratschläge. 
Der sozialbewusste Thailändische Abt war kürzlich Hauptperson in einer Reportage des Wall Street Journals. Sie zeigt, wie Mikrokredite mit niedrigen Zinsen verarmte Bewohner in Baan Na Kluea, einem Dorf in der Provinz Trat, von lästigen Schulden befreien. Phra Subin's Verleihservice, genannt Sajja Sasom Sab, begann in den frühen 90er Jahren mit ein paar Tausend Baht, wuchs aber zu einem gewaltigen, voll philanthropischen Unternehmen, welches 2 Milliarden Baht an Krediten und Einlagen verwaltet.

66'000 Mitglieder machen Sajja Sasom Sab jeden Monat Angebote von 10 - 500 Baht. Mitglieder, die Geld ausleihen möchten werden mit drei bis fünf Garanten, ebenfalls Mitglieder, üblicherweise Freunde oder Familienangehörige gruppiert. Der Kreditnehmer kann dadurch zu einem Zinssatz von ein bis zwei Prozent pro Monat, abhängig von seinen buddhistischen Tugenden wie Ehrlichkeit und Solidität, mehr ausleihen, als deren Beiträge zusammen. 

"Andere Finanzinstitutionen sind ihre Bilanzen, Vermögenswerte und Sicherheiten wichtig", wird Phra Subin zitiert. "Aber für uns wird die Gemeinschaft für ihre guten Taten bewertet. Wer nicht ehrlich oder aufrichtig zu anderen Mitgliedern ist, dem wird nicht geholfen, wenn er Geld ausleihen will. Diese Gemeinschaft verpflichtet jeden, Dharma zu praktizieren, hart zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Sonst will niemand etwas mit ihm zu tun haben."

Abgesehen vom philosophischen Vorteil sehen die Dorfbewohnern im System auch den praktischen Nutzen. Im Gegensatz zu den meisten Banken sind Sajja Sasom Sab's Zinsen nicht fix, sondern verringern sich, je schneller der Kreditnehmer seine Schulden begleicht.

Im WSJ wird ein solcher Kreditnehmer beschrieben, Panisa Satharalai. Ihr Vater hatte 1 Million Baht von Sajja Sasom Sab ausgeliehen. Damit liess er das Haus der Familie sanieren. In der Zwischenzeit hat Panisa ihr Einkommen verdoppelt, sie vermietet im neu gestalteten Haus Zimmer und betreibt ein kleines Catering Unternehmen. "Es sind glückliche Schulden", wurde sie zitiert. "Das Darlehen gab mir einen Job und lässt mich morgens früh gerne für harte Arbeit aufstehen. Es zeigt, wie vereint unsere Gemeinschaft ist. Ich muss mir keine Sorgen machen, dass ich nicht zurückzahlen und alles verlieren könnte." 

Kritiker weisen darauf hin, dass viel von dem Erfolg mit grosszügigen Mikrokrediten von der Ausstrahlung und der harten Arbeit von den Leitern des Programms von Phra Subin Paneeto abhängt. Luxmon Attapich, Ökonom bei der Asian Development Bank fragt: "Was geschieht, wenn es sie nicht mehr gibt?" Von vielen aber werden diese kreativen, Graswurzel-Lösungen akzeptiert, weil so viele von Thailand's Einwohnern mit wenig Einkommen in Schulden gefangen sind. 

Ein Artikel im Economist vor zwei Jahren beschreibt detailliert, wie weit verbreitet Kredithaie in Thailand sind und wie gewalttätig sie gegenüber ihren Schuldnern werden, wenn diese in Verzug geraten, das ausgeliehene Geld mit astronomisch hohen Zinsen zurückzuzahlen. Kürzlich wurde festgestellt, dass die Schuldenquote  85% des BIP beträgt und dies Thailand zum überschuldetsten Land Südostasiens macht.

Während faire Darlehen ein entscheidender Faktor zur Bekämpfung der Armut in Thailand sein könnte, insistiert Orapan "Kate" Pratomlek, dass das alleine nicht genüge. Die Sprecherin der Goodwill Group Foundation in Bangkok sagte: "Die thailändische Regierung sollte die Löhne erhöhen, bessere Arbeitsplätze mit Sozialleistungen schaffen statt zinslose Darlehen bereit stellen."

Quelle: Asian Correspondent

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen