Sonntag, 31. Mai 2015

Thailand lehnt Sex unter Jugendlichen weiterhin ab

1 Kommentar :
Und das bedeutet, unsere bereits schon atemberaubende Anzahl schwangerer Teenager wird weiter klettern. Die hohe Schwangerschaftsrate von jungen Mädchen ist seit Jahren ein ernstes und zunehmendes Problem, trotzdem schenkten ihm die Behörden nie mehr als saisonale Aufmerksamkeit.

Schwangerschaftsrate Mädchen Thailand
130'000 Mädchen im Alter von 15-19 gebaren 2012 in Thailand ein Kind. 
Sie müssen die Angewohnheit, das Problem nur an Feiertagen wie dem Valentinstag anzusprechen ablegen und erkennen, dass jeden Tag thailändische Mädchen schwanger werden. Alleine 2012 gebaren 130'000 Thai Teenager ein Kind.

Die gute Nachricht ist, dass das Gesundheitsheitsministerium das Problem bestätigt hat und Bemühungen eingeleitet hat,  die steigende Schwangerschaftsrate einzudämmen. Alarmiert von Schwangerschaften bei 5.4% aller jungen Frauen zwischen 15 und 19 beschloss das Ministerium endlich Massnahmen, die Rate innerhalb von 2 Jahren unter 5% zu senken.

Seine 3 Strategien beinhalten ordnungsgemässe Sexualerziehung in den Schulen anzubieten, Teenager Kliniken in staatlichen Krankenhäusern einzurichten und lokale Administrationen für Präventionsarbeit miteinzubinden.

Weil das Ministerium die Führung übernommen hat, können wir Fortschritte bei der Bekämpfung ungewollter Schwangerschaften erwarten. Die Behörden betonen, dass die Strategien einen integrierten Ansatz von Gesundheitsbehörden, Schulen und Gemeinden verfolgen.

Teenager Schwangerschaften sind nicht nur en gesundheitliches Problem. Schwangere Mädchen müssen üblicherweise die Schule verlassen, ihre Chancen auf gute Karriere und glänzende Zukunft enden.

Trotz der insgesamt niedrigen Geburtenrate in Thailand ist der Zahl der Mädchen, die schwanger wurden, in den letzten 10 Jahren um 43% gestiegen.

Es ist an der Zeit, dass die gesamte Gesellschaft das Problem bekämpft - Eltern, Lehrer, Erzieher, Politiker und die Jugendlichen selbst.

Die vom Ministerium festgelegten Strategien sind lobenswert, aber das Durchsetzen der Massnahmen ist eine andere Sache.

Haupthindernis ist die tief verwurzelte Mentalität. Viele orientieren sich an der Annahme, dass Jugendliche nicht sexuell aktiv sind - oder nicht sein sollten. Das gefährdet die Ausführung der Massnahmen.

Erst muss das Ministerium sicherstellen, dass jede beteiligte Partei dem weiteren Vorgehen vorbehaltlos zustimmt. Anfang Jahr wurde ein Plan des Ministeriums, in Schulen und Berufsschulen Kondom-Automaten aufzustellen verschrottet, nachdem das National Office of the Basic Education, Obec, die Idee verwarf. Die Obec sah sie nicht als Lösung, glaubt offenbar lieber, dass Jugendliche Sex scheuen.

Sex unter Jugendlichen ist auch unter Lehrern und Eltern ein Tabuthema. Aber die Realität zu leugnen wird uns zu keiner Lösung verhelfen. Dazu müssen wir die Uneinigkeit innerhalb der Behörden beseitigen und selbst erkennen, dass das Problem existiert.

Last but not least müssen Jugendliche über Risiken von ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten aufgeklärt werden. Die Sexualerziehung für Jungen und Mädchen muss erweitert werden, da Teenager Schwangerschaften nicht ohne Wissen verhindert werden können. Kondome und Kondom-Automaten allein genügen nicht. Jugendliche müssen aber wissen, wie man sie benutzt.

Der Zeitrahmen von 2 Jahren ist kurz, weil das Ministerium eine harte Nuss zu knacken hat, noch bevor auch nur etwas in die Tat umgesetzt werden kann. Es muss alle Beteiligten von den Gründen des Problems überzeugen und Differenzen beiseite legen, damit es gelöst werden kann. Wer weiterhin darauf besteht, dass Sexualerziehung in Lehrplänen keinen Platz hat, sollte auf die Zahlen hingewiesen werden:

2012 gab es in Thailand 2.4 Millionen junge Mütter im Alter von 15 bis 19, und seither ist das Problem weiter gewachsen. Es ist wirklich Zeit, sich mit den Ursachen zu befassen.

Quelle: Nation

Samstag, 30. Mai 2015

Wo bleibt Aung San Suu Kyi?

Keine Kommentare :
Aung San Suu Kyi war einst unantastbare Meisterin von Myanmar’s Machtlosen. Aber ihre Verweigerung inmitten der Krise über die verfolgte Muslim Minderheit ihres Land zu sprechen lassen Zweifel über ihr moralische Stärke wachsen - und erntet sogar eine sanfte Rüge von Kollege Nobelpreisträger Dalai Lama.

Aung San Suu Kyi 2011 inmitten von Anhängern. Bild: Htoo Tay Zar, Wikipedia
Bilder hungriger Migranten aus Myanmar und Bangladesh auf Booten vor der südostasiatischen Küste nach Monaten auf See haben nicht nur Aufrufe zu unmittelbaren humanitärer Hilfe angespornt, sondern auch dazu, die Wurzel des Problems anzugehen.

17 Nationen der Region haben sich gestern Freitag in Thailand's Hauptstadt Bangkok darüber unterhalten.

Die Weltaufmerksamkeit hat ihren Kopf in Richtung Abfahrtsort der Migranten, den zerrissenen Rakhine State im Westen Myanmar gewendet. Dort, wo Zehntausende staatenloser Rohingya zum Leben in miserablen Lagern gezwungen werden und verzweifelt auf einen Ausweg hoffen.

Während die Regierung in Myanmar zwischen Hilfeangeboten und und Leugnen, für den Exodus verantwortlich zu sein schwankt, haben internationale Rechtsgruppen auf der Suche nach etwas moralischem Leuchtfeuer bei Aung San Suu Kyi wenig Gehör gefunden.

Ihre Abwesenheit in der Diskussion fällt so stark auf, dass selbst der Dalai Lama sie diese Woche drängte, ihre Gewicht hinter die Rohingya zu stemmen. 

„Es ist sehr traurig. In Sachen Myanmar hoffe ich, dass Aung San Suu Kyi, als Nobelpreisträgerin, etwas machen kann“, sagte er am Donnerstag in einem Interview mit einer australischen Zeitung.

Der spirituelle buddhistische Führer sagte weiter, er anerkenne ihre schwierige Position in einem Land, wo schon Mitgefühl für muslimische Gruppen einer Verurteilung gleichkomme.

„Aber trotzdem fühle ich, dass sie etwas machen könnte“, fügte er hinzu.

Aung San Suu Kyi verbrachte für ihren unermüdlichen Kampf für Demokratie 15 Jahre ihres Lebens im Gefängnis und unter Hausarrest.

Ihre persönlichen Opfer, welche sie von ihren Kindern und ihrem sterbenden Ehemann trennte, zusammen mit ihren wortgewandten Plädoyers, dass die lange leidende Bevölkerung frei von Angst leben sollte, gewannen ihr einen Platz als eine der am meisten verehrten Friedensstifterinnen der Welt.

Doch seit ihrer Entlassung aus dem Hausarrest 2010 hat Suu Kyi ihre Rolle neu definiert -  von einer trotzigen Menschenrechtsverteidigerin zu einer hartgesottenen politischen Akteurin, die ihre Oppositionspartei in die Wahlen diesen Herbst anführt.

Die Nobelpreisträgerin sei mit ihrem Dauerausfall sich für Menschenrechte in Myanmar einzusetzen eine grosse Enttäuschung, sagte Phil Robertson, stellvertretender Asiendirektor für Human Rights Watch.

Während Myanmar’s Regierung die Hauptverantwortung für die Notlage der Rohingya trage, beklagte Robertson das Versäumnis der altgedienten Aktivistin, ihre moralische Autorität für eine bessere Unterstützung der Vertriebenen einzusetzen. 

Meinungsäusserung ist keine Option

Nur wenige Monate vor der besten Chance ihrer politischen Karriere auf einen Wahlsieg, sieht sich Suu Kyi mit Druck von der anderen Seite konfrontiert, weil sich die öffentliche Meinung im zu 95% buddhistischen Myanmar gegen die muslimische Minderheit verstärkt. Sie werden als illegale Immigranten aus Bangladesh angesehen.

Ihr schwierigste Aufgabe ist eine Änderung der Verfassung in der von der Armee dominierten Legislative zu erreichen, welche ihr zur Zeit noch - weil sie mit einem Ausländer verheiratet war - eine Präsidentschaft verunmöglicht.

Eintreten für die Rohingya „wäre wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, mit der Suu Kyi’s Partei das Risiko eines Wahlverlusts eingehen würde.. ihre Meinung zu äussern ist zur Zeit keine Option“, sagte Myanmar Analyst Mael Raynaud.

Das Elend der Rohingya, einer der meist verfolgten Minderheiten der Welt, hat sich seit 2012 dramatisch verschlechtert, als ein kommunales Blutvergiessen tödliche Wunden hinterliess und 140’000 Menschen aus ihrem Zuhause in miserable Lager trieb, welches sie nicht verlassen dürfen. Sie sind Fischer, aber die Regierung hat ihnen verboten, ihre Boote zu benutzen. 

Die Gewalt löste eine Welle von tödlichen Anti-islamischen Unruhen aus. Sie wurde von steigendem buddhistischem Nationalismus begleitet, der die Feindseligkeit gegenüber der Minderheit weiter förderte.

Hardliner Mönche setzten sich für eine Gesetzgebung ein, welche die Muslime als Ziel für nur lokal gültige Regulierungen der Familienplanung haben - nach einer Geburt soll eine Frau 3 Jahre bis zur nächsten Schwangerschaft warten müssen - und die „Weissen Karten“, Identifikationsdokumente, die hauptsächlich an Rohingya ausgegeben wurden, zurück zu ziehen.

Suu Kyi’s National League for Democracy sagt, sie sei grundsätzlich gegen die kontroversen religiösen Gesetze, welche sie als diskriminierend gegenüber Frauen und Minderheiten ansieht.

Eingeschlossen von einer feindlichen buddhistischen Mehrheit, welche ihre Arbeits- und Reisefreiheit einschränkt, stiegen die Rohingya in zunehmender Zahl auf Boote mit dem Ziel Malaysia und Indonesien.

Am 19. Mai sagte Suu Kyi, dass die Regierung Myanmar’s das Problem lösen muss. Es war der einzige öffentliche Kommentar zur Krise, welche bisher 3’500 gezählte und eine unbekannte Zahl weiterer Flüchtlinge - Rohingya und Bangladeshi - an die Küsten von Thailand, Malaysia und Indonesien spülte.

Ihr Sprecher war mitteilsamer, er sagte der AFP letzte Woche, dass die Rohingya „zu Menschenrechten berechtigt“ wären.

Vor dem Hintergrund von tiefem Hass gegen die Rohingya und baldigen Wahlen muss Aung San Suu Kyi eine komplizierte Partie Politik-Schach spielen, sagt Peter Popham, Autor einer Biographie der Oppositonsführerin.

Vorsicht und Kompromisse haben ihre Zeit im Parlament dominiert, seit sie in einem Erdrutschsieg bei den Wahlen vor drei Jahren einen Sitz gewann und seither in einem Land, dass darum kämpft, sich nach einem halben Jahrhundert von Versäumnissen unter der Militärjunta wieder zu finden, in der widerlich süssen nationalen Politik watet.

Aber Popham sagt auch, dass das Hervorheben fehlender Meinungsäusserung in ausländischen Medien, unter Berufung auf ihre Reden während Auslandreisen, in denen sie die Probleme im Rakhine State sehr prominent betonte, „in einem bestimmten Ausmass unfair“ sind.

Quelle: Bangkok Post

Freitag, 29. Mai 2015

Wo sind all die Wasserbüffel?

Keine Kommentare :
Früher prägten sie das Landschaftsbild Thailand's, heute sind sie ein seltener Anblick. Das Ministerium für Landwirtschaft treibt ihre Anstrengungen in Zusammenarbeit mit Genossenschaften voran, den Bestand an Wasserbüffeln in Thailand in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln und möchte damit die Angst vor dem Aussterben der Tiere vertreiben. 


Selten gewordener Anblick in Thailand: Wasserbüffel im Einsatz
Minister Pitipong Puengboon na Ayutthaya präsentierte das Entwicklungsprojekt als Teil der Bemühungen der Regierung die Struktur der tierischen Erzeugung 2015-2019 einzupendeln. Es kommt im Gleichschritt mit der rasch fallenden Anzahl an Büffeln im Königreich.

Vom Projekt wird eine Erhöhung der Mutterzuchtiere im reproduktiven Alter von 25'000 auf 45'000 angestrebt, die qualitativ hochstehende Büffel gebären können. Damit soll gemäss Pitipong das Einkommen von 5'000 Züchtern in Thailand um 100'000 Baht pro Jahr erhöht werden. 

Der Wasserbüffel zählt zu den wichtigsten Haustieren in Südostasien. In Thailand wird er Ai-Tui, ehrlich königlicher Arbeiter, genannt und stellt zusammen mit dem Elefanten ein nationales Symbol dar. Bis vor 20 Jahren hegte das Königreich nach China grösste Population Asiens. 

Seine Zugkraft hatte einen hohen Stellenwert für die Landwirtschaft, thailändische Bauern verwendeten Bullen, um ihr Land auf die Pflanzung von Reis vorzubereiten. Büffel wurden auch als Transportiere verwendet.


Dramatischer Rückgang an Wasserbüffeln seit Anfang der 90er. 
Der Bestand an Büffeln in Thailand nahm von 5.5 Millionen in den 70-er Jahren auf heute unter 1 Million ab. Die Reduktion wird durch Abnahme der Reisanbaugebiete, Urbanisierung und Industrialisierung von ländlichen Gebieten, Ersatz durch Traktoren, Kastration der stärksten Bullen und ineffiziente Reproduktion, d.h. lange Zeit nach Geburt bis erneuter Schwangerschaft, verursacht. 

Da die robusten Tiere sich recht aggressiv verhalten können und entsprechend schwierig zu halten sind, hatten viele ihre grössten und stärksten Bullen kastriert.

Deshalb wurden relativ viele kleine Bullen für die Zucht verwendet. Resultat war ein allmählicher Rückgang der Körpergrösse, mit gleichzeitigem Verlust an Zugkraft.

Wie in den letzten 3 Jahrzehnten die thailändische Bevölkerung von 30 auf über 60 Millionen stieg, stieg auch die Nachfrage nach Büffelfleisch. Immer mehr wurden geschlachtet, während die Zucht erfolglos blieb.

Der Mangel an Wissen über verschiedene (Unter-) Arten behindert spezifische Aspekte der Wasserbüffel Reproduktion. Darüber hinaus gibt es nur einen begrenzten Einblick in den Umfang und die Muster der genetischen Vielfalt, während molekulare Werkzeuge für das genetische Management nicht zur Verfügung stehen. Auszug aus: Veterinary Science Tomorrow

Der Plan des Ministeriums sieht die Entwicklung von Fortpflanzungsmethoden zur beschleunigten Produktion von Büffeln in kommerziellem Ausmass vor. Von 20'000 Bullen sollen Spermien zur künstlichen Besamung entnommen werden. 500 Gruppen von Büffel-Züchtern sollen zur Stärkung ihrer Kompetenzen und dem Anbau von Tierfutterpflanzen auf 5'000 Rai Grundstücken in einem Netzwerk verbunden werden. 

Gemäss Minister Pitipong verringert sich der Bestand an Büffeln seit 2004 jährlich um 5.6% und betrug im letzten Jahr noch 840'064 Tiere. Der gleiche Trend besteht bei Haltern von Wasserbüffeln. Ihre Zahl fiel in den letzten 10 Jahren von 371'086 auf die 185'702.

Nebst allen anderen Gründen, die zum Rückgang der Population führen, werden immer mehr junge weibliche Büffel nach Vietnam und China verkauft. Letztes Jahr betrugen die Einnahmen aus dem Export von lebenden Büffeln beinahe 1 Milliarde Baht in Devisen.

Übrigens: sollte Sie jemals jemand in Thailand Kwai - Büffel - nennen, hat das ungefähr die selbe Bedeutung wie Hornochse oder dumme Kuh.

Quelle: NNT

Donnerstag, 28. Mai 2015

Weniger intelligent, weil sie bei Grosseltern aufwachsen?

Keine Kommentare :
Der Intelligenzquotient der Kinder in Thailand fiel gemäss Erhebungen des Gesundheitsministeriums von 94.0 vor 4 Jahren auf noch 93.1 im letzten Jahr. Der IQ der Erstklässler liegt damit unter dem weltweiten Durchschnitt von 100." Aber der emotionale Quotient der Thai Kinder ist normal", sagte Minister Rajata Rajatanavin an der gestrigen Pressekonferenz.


Erziehung Kinder Thailand
Millionen von Kindern in Thailand wachsen bei ihren Grosseltern auf.  
Bei der Erhebung wurden 4'929 Erstklässler im gesamten Land erfasst. Rajata führte weiter aus, das Kinder in städtischen Gebieten einen höheren IQ als auf dem Land haben. Kinder auf dem Land hätten nur begrenzten Zugriff auf ihre Entwicklung fördernde Anreize, wie bildendes Spielzeug und ausgewogene Ernährung - was ihre Intelligenz beeinflusse.

Der Generaldirektor des Amtes für psychische Gesundheit, Jedsada Chokdamrongsuk, gab als weiteren, entscheidenden Faktor an, dass viele Kinder nicht bei ihren Eltern, sondern in sogenannten Skipped-Generation Familien - bei ihren Grosseltern -  aufwachsen.

Er geht davon aus, dass nur 62% der Kinder gemeinsam mit beiden Elternteilen leben. Nicht weniger als 32% der Kinder gaben an, dass Mutter und Vater getrennte Wege gehen, bei 8% war ein Elternteil bereits gestorben.

In Thailand leben gemäss einer 2012 mit Unterstützung der UNICEF durchgeführten Erhebung des nationalen statistischen Amtes 21% oder 3 Millionen Kinder nicht bei ihren Eltern. Im Nordosten Thailand's beträgt die Rate gegen 30%, in einzelnen Dörfern bis zu 80%.

Meist müssen beide Elternteile arbeiten. Paare mit gutem Job können sich Tagesstätten leisten, schlecht Ausgebildete ziehen vom Land in die Stadt oder einen Touristenort und bekommen ihre Kinder einmal im Jahr während der Neujahrsferien zu Gesicht.

In Thailand wird gerne, und auch sehr jung, nicht richtig geheiratet - nur in einer buddhistischen Zeremonie, nicht aber auf dem Standesamt - und Väter machen sich einfach auf und davon, ohne von Staates wegen für ihre Kinder gerade stehen zu müssen. In diesem Fall bleibt den verlassenen Mütter nichts anderes übrig als irgendwo Arbeiten zu gehen und die Kinder ihren Eltern zu überlassen. 

"In den ländlichen Regionen Thailand gibt es mehr als 1.4 Millionen Grosseltern-Grosskinder Familien", sagte Jedsada. Ausländische Studien hätten gezeigt, dass Kinder, die bei ihren Grosseltern aufwachsen, mit einem Bildungsnachteil konfrontiert sind.

"Wir haben auch festgestellt, dass die Bildungsqualität in Tagesstätten den IQ steigern kann. Vorschulische Lernprogramme können die Entwicklung der Kinder fördern."

Rajata sagte, dass zu Ehren von Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn anlässlich ihres 60. Geburtstags ein Projekt zur Verbesserung der Entwicklung von Kindern ins Leben gerufen wurde. "Es richtet besonderes Augenmerk auf Kinder in Risikogruppen, wie mit Untergewicht Geborene oder denjenigen, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen."

Neben Bereitstellung von freiwilligen Hilfskräften und Krankenstationen in Dörfern versuche das Projekt die Eltern in Förderung der Entwicklung ihrer Kinder zu engagieren.

"Die Beziehung zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen zählt", sagte Rajata. "Körperliche Nähe und Gespräche sind immens wichtig, die Zeit vor dem Fernseher sollte reduziert werden."

Das Mental Health Department will die Intelligenz der thailändischen Kinder und ihren emotionalen Quotient durch drei Massnahmen steigern.

"Wir versuchen, die Entwicklung von Kindern über Gesundheitseinrichtungen zu unterstützen und werden die Vorschulentwicklung in der Familie und im Kindergarten fördern", sagte Jedsada.

Ein Fokus soll auch auf die Erkennung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen gelegt werden. "Lehrer sollen Kinder mit Autismus, emotionalen Problemen, Verhaltensstörungen und Lernschwierigkeiten erkennen und Hilfe anbieten", wie Jedsada weiter ausführte.

"Eltern, die Begleitung in der Entwicklung ihrer Kinder brauchen, können auf dmh.go.th und rajanukul.go.th einen Leitfaden beziehen. Wer Beratung braucht, soll 1667 oder 1323 anrufen", sagte Jedsada.

Da bleibt nicht mehr viel anzufügen.

Quelle: Nation

Mittwoch, 27. Mai 2015

Wie Spielen ist Macht eine Sucht

Keine Kommentare :
Als Saraphee Rukthong einen Termitenhügel hinter ihrem Haus anschaute, hob eine schwarze Kobra ihren Kopf heraus. Viele hätten alles fallen gelassen und um Hilfe gerufen, aber Saraphee sah es als Glückszeichen und baute der Schlange einen Altar. Sobald die Leute in den umliegenden Dörfern davon gehört hatten, besuchten sie den Altar. Sie beteten und starrten auf die im Termitenhügel gefangene Kobra. Sie glaubten, etwas so Bizarres müsse etwas Besonderes bedeuten. Und, wenn sie lange und intensiv genug schauten, ihnen die Lotteriezahlen offenbart würden. Nach vielen Interpretationen entschieden sie, dass die 10 die 2er Gewinnzahl werde.

Lotterie Lose in Thailand: einziges erlaubte Glücksspiel und Goldesel nicht nur für den Staat. 
Auch wenn es am Ende selbstverständlich eine andere, die 38, wurde, haben Saraphanee und ihre Schlange zum Erfolg der Thai Lotterie Industrie beigetragen - der monopolistische Goldesel, welchen die Militärregierung züchtigen will.

Angereichert mit Glauben an übernatürliche Kräfte und Träumen, über Nacht der Armut zu entfliehen, ist Lotterie ein grosses Geschäft in Thailand. Mehr als 19 der 67 Millionen Thais kaufen staatliche Lotterielose und brachten letztes Jahr gemäss Wanchai Boonpracha von der Family Network Foundation Einnahmen von 76 Milliarden Baht. Ungleich zu anderen Ländern, in denen die Regierung Lizenzen vergibt und die Betreiber kontrolliert, druckt  das staatliche thailändische Lotteriebüro, GLO, die Lose selbst und verkauft sie an Händler. Dank strikten Gesetzen, welche jegliche Form von Glücksspiel verbieten, fühlt sich die Regierungslotterie als einzig legales Kasino im Land an. Die GLO steckt 28% des Gewinns, zwischen 13 und 14 Milliarden Baht jährlich, für den Staat in ihre Taschen.

Daneben, und ausserhalb des Gesetzes, setzten Untergrundlotto- oder Huay-Händler das 4 bis 5-fache des Geldes um. Gegen 500 Milliarden Baht pro Jahr, nimmt Assistenz Professor Doktor Sungsidh Piriyarangsan, Dekan des Colleges of Social Innovation RSU, an. Die Händler benutzen die Zahlen der offiziellen Lotterie, bieten aber bessere Gewinnquoten, Kauf auf Kredit und deutlich mehr Optionen. Weil dazu lediglich ein Notizblock und Stift notwendig sind, haben sie sich rasend schnell in jeden Winkel Thailand’s verbreitet. Eine Niederschlagung scheint ausgeschlossen bis unmöglich.

Das war einer der Gründe, weshalb die Regierung Thaksin zwischen 2003 und 2007 eine offizielle Untergrundlotterie einführte. Sie erlaubte selbst 2 oder 3-stellige Zahlen auszuwählen, statt in den 6-stelligen Lose herumzuwühlen und herauszufinden, dass die gewünschte Endzahl schon weg war. Auch wenn es ein Stachel in die Untergrundlotterie war und den Gewinn der staatlichen GLO verdoppelte, wurde nach dem Sturz Thaksin’s festgestellt, dass sie gegen Gesetze verstiess, süchtig machte und schliesslich gestoppt. Seither gibt es wieder wie zuvor nur die traditionelle Lotterie. 

Während die staatlich zugelassene Untergrundlotterie illegal und ethisch fragwürdig war, mieft auch das traditionelle Geschäft mit Losen. Die Öffentlichkeit war immer misstrauisch gegenüber dem Vorgehen der GLO mit Gewinnmargen und Profiten hinter verschlossenen Türen. Vertragshändler werden verdächtigt, mit dem Weiterverkauf an Kleinhändler im Handumdrehen viel Geld zu verdienen. Diese wiederum verkaufen an die Endverkäufer, und wie immer beissen den letzten die Hunde, sie haben zu höheren Kosten die kleineren Gewinne. 

Von drei Nachrichtenagenturen, Isra News, TCIJ und ThaiPublica, kürzlich veröffentlichte Berichte geben ein noch verdächtigeres Bild der Rolle der grössten und langjährigsten Vertragshändler ab. Mit ihren enormen Los-Quoten und Geschäftspartnern haben sie beinahe ein Monopol im Markt und können die Endverkaufspreis der Lose beeinflussen. Das Geheimnis ihrer Langlebigkeit in einer Dekade von regulatorischen Anstrengungen hat nichts mit Glück zu tun, viel mehr mit guten Beziehungen.  

Der Umgang mit der Thai Lotterie war schon immer problematisch, weil er einem Balanceakt gleichkommt: Austarieren von bedeutender Einnahmequelle, ethischen Fragen mit Billigung von Glücksspiel und Druck von einflussreichen Politikern. Deshalb wollte die Junta unter General Prayuth Chan-o-cha das Lotterieproblem bereits einen Monat nach Amtsübernahme lösen. Die Öffentlichkeit konnte das Ergebnis kaum erwarten. Generalmajor Apirat Kongsompong wurde zum Vorsitzenden des Vorstands der GLO ernannt. Nach Monaten ohne Resultate bestätigte er, dass es Preisabsprachen von Leuten gebe, die mit Angestellten der GLO verbunden sind, nannte aber keine Namen. 

Anfang Mai lancierte die Junta mit Hilfe von Artikel 44 einen neuen Anlauf, berief mehr Regierungsleute in den Vorstand der GLO und führte ein neues Gewinnmodell ein, welches auch einen neuen Wohltätigkeitsfond für soziale Entwicklung füttert, der von den neuen Vorstandsmitgliedern geleitet wird. General Prayuth will jeden ins Gefängnis stecken, der Lose über dem staatlich vorgeschriebenen Preis von 80 Baht verkauft. 

Die Kobra, gefangen im Termitenhügel-Altar, streckt ihren Kopf heraus.
Wie der Blick auf eine in einem Termitenhügel festgehaltene Schlange, übt die Junta ihre absolute Macht auf den Preis von Lotterie Losen aus. Lose sind kein lebensnotwendiges Konsumgut und jedwede Anstrengung dafür scheint fehl am Platz. Auf der anderen Seite wissen die Generäle nur zu gut, wie alle Thais, dass der inflationäre Lospreis lediglich Endprodukt eines falsch laufenden Systems ist und nur durch Mut in eine verantwortungsbewusste, transparente Struktur umgewandelt werden kann. 

Wie Spielen ist Macht eine Sucht. Ohne sich dessen bewusst zu sein kommt beides zu einem hässlichen Ende.

Von Thitipol Panyalimpanun im Asian Correspondent

Dienstag, 26. Mai 2015

Kaum zu glauben

Keine Kommentare :
Nachdem Premier Prayuth gestern gefordert hatte, nur noch positive Nachrichten aus Thailand zu vermelden - hier kommt eine seltene, aber rührende Geschichte des Lebens im Land des Lächelns:  


Kaum zu glauben - alter Ausländer heiratet Thailänderin in seinem Alter. 
Eine Hochzeit wurde in der Provinz Singburi zum Stadtgespräch, nachdem ein 74-jähriger Australier eine 66-jährige Thailänderin in einer aufwändigen, traditionellen Thai Hochzeitszeremonie geheiratet hat.

Noel Sunder führte die Khan Maak, oder Mitgift-Prozession zum Haus von Pemikar Mueansri in Tonpho um bei den Eltern um die Hand ihrer Tochter zu bitten.

Sie wurden mit der Rod Nam Sang Zeremonie getraut, bei der Eltern, Verwandte und Gäste Wasser über ihre Händen zur Segnung und für eine glückliche Ehe giessen.

Der Zeremonie wohnte eine grosse Anzahl von Freunden in ihrem Alter, viele Verwandte und Nachbarn bei.

Pemikar sagte, sie hätte Noel, eine Freund eines Freundes, vor drei Jahren kennen und lieben gelernt. Sie spreche einigermassen gut Englisch, weil sie einst auf Zypern als Köchin gearbeitet habe.

Sie mag Noel, weil er unternehmensfreudig und lustig ist, er liebt ihre Familie und ist ein guter Mann. Sehr wichtig war Pemikar, dass ihre Tochter und Enkelkinder ihn akzeptieren und ihr es nicht verübeln, sich zu binden.

Auf die Frage, wie es sich anfühle, in diesem Alter zu heiraten, meinte Pemikar, dass sie sehr glücklich sei, dass jemand ihres Alters sie liebe.

Ihre Tochter sagte, dass ihr Mutter erst nicht mit einer Hochzeitszeremonie einverstanden gewesen sei, weil sie sich zu alt dafür fühlte. Aber Noel habe darauf bestanden, dass nur eine Hochzeit im traditionellen Thai Stil eine richtige Hochzeit sei. 

Und fügte hinzu, dass sie so glücklich sei, ihr Mutter glücklich verheiratet zu sehen. Die Beiden werden in ihrem neu gebauten Haus in Singburi leben.

Quelle: Thairath

Montag, 25. Mai 2015

Der humanitäre Tanz

Keine Kommentare :
Thailand war nach dem 3-Nationen Treffen von letzten Mittwoch in den Augen der restlichen Welt der Bösewicht. Während Malaysia und Indonesien sich bereit erklärten, 7’000 Rohingya und Bangladeshi Flüchtlingen für ein Jahr Aufenthaltsrecht zu gewähren, wollte sich Thailand nicht anschliessen.

Rohingya Flüchtlinge am 11.11.14: erst festgehalten und dann zurück auf's Meer geschickt. 
Das Land hatte nichts anderes als Kritik erwartet - und sie kam, aus jeder Richtung, von innerhalb und ausserhalb des Landes. Im Königreich müsse doch etwas falsch laufen, dass es Bootsflüchtlingen keinen temporären Unterschlupf gewähren wolle.

Hätten nach dem Meeting in Malaysia Ärzte Thailand’s befremdliches Verhalten untersucht, wären alle zum gleichen Ergebnis gekommen: Thailand leidet auch nach Jahrzehnten noch immer am Kater der letzten Unterstützung von Flüchtlingen. 

Das Land ist mit Flüchtlingsfragen vertraut, lange bevor die aktuelle Welle Rohingya aus Myanmar und Menschen aus Bangladesh an die Küsten spülte oder sie im Dschungel des tiefen Südens verstecken liess. Kambodschaner suchten Schutz vor den mörderischen Roten Khmer, Laoten entkamen dem geheimen Krieg der CIA. Wellen von vietnamesischen Bootsflüchtlingen schwappten nach dem Ende des Krieges in den 70er Jahren an Thailand’s Küste, gefolgt von von einem Zustrom von Karen, Karenni und Shan nach Kämpfen zwischen der Armee und bewaffneten ethnischen Gruppen in Myanmar.

Es brauchte viele Jahre, die Flüchtlingscamps an der östlichen und nordöstlichen Grenze zu schliessen - aber die Probleme sind bis heute nicht wirklich gelöst. Zumindest 100’000 Menschen - von der thailändischen Regierung „Displaced Persons“, von den Vereinten Nationen und NGO’s Flüchtlinge genannt  - verbleiben in neun Lagern in acht Provinzen an der westlichen Grenze Thailand’s. 

Wie auch immer sie genannt werden ist nicht so wichtig. Was niemand zugeben will ist, dass die Lager und ihre Insassen für immer da bleiben werden, weil die Regierung Myanmar’s sich, vornehm ausgedrückt, sehr zurück hält, sie zurück zu nehmen. Drittländer, welche auf Thailand zugunsten einer humanitären Politik Druck ausübten, als die Gebiete an der Grenze zu Myanmar von bewaffneten Konflikten heimgesucht wurden, sind nicht mehr daran interessiert, sie je wieder umzusiedeln.

Malaysia und Indonesien habe Gründe Bootsflüchtlinge aus Myanmar und Bangladesh aufzunehmen. Als muslimische Nationen sind sie verpflichtet, ihren muslimischen Brüdern und Schwestern aus anderen Ländern zu helfen.

Die USA bestimmte den Ton für andere Länder Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Das ist der Klang aus den Vereinigten Staaten, der perfekt zu ihrer Strategie passt, wieder mehr Einfluss in der Region zu gewinnen.

Aber die beste Botschaft kam aus Australien. Es ging nicht darum, dass Canberra die Türe für Migranten schliesst. Vielmehr ging es um die Art und Weise, wie das Problem angegangen werden soll. 

„Australien wird absolut nichts tun, was irgend jemanden ermutigt daran zu denken, auf ein Boot zu steigen, mit Menschenschmugglern zu arbeiten, um ein neues Leben zu beginnen“, sagte Premierminister Tony Abbott. 

Das entspricht ziemliche genau der Linie, die Premier Prayuth Cha-o-cha für Thailand gewählt hat, als er immer wieder davon sprach, dass das Problem mit Bootsflüchtlingen an ihrer Wurzel gelöst werden müsse.

Alle wissen, weshalb sie ihr Heimatland verlassen. Aber niemand weiss genau, mit welchen Massnahmen sie zu stoppen sind.

Flüchtlingslager einrichten wird mehr Migranten auf Booten anlocken - und das Problem wird weiter und weitergehen. Sie können umgesiedelt werden, aber wo? Sie können in die Heimat zurück geführt werden. Aber eine Regierung zu überzeugen, Menschen aufzunehmen, welche sie nicht mehr will, ist noch schwieriger.

Wie auch immer, als Gastgeber der internationalen Konferenz zur Krise mit Bootsflüchtlingen vom kommenden Freitag muss Thailand mehr anbieten, als General Prayuth bisher bereit war. „Wir werden für bessere Lebensbedingungen der Migranten Erweiterungen der bisherigen Gebieten anbieten“, sagte er letzten Freitag. 

Die internationale Gemeinschaft sollte aufgrund der schwierigen Position Thailand’s keine Bedenken haben. Das Land wird in der Sage der Bootsflüchtlinge sicher spuren. Diesmal mit dem Unterschied, dass es das Tempo selbst bestimmt. 

Sonntag, 24. Mai 2015

Eine schicke Feier zum 250. Geburtstag

Keine Kommentare :
Bangkok wird für seinen nächsten Grossanlass umgewandelt. Schnell nähert sich die Stadt ihrem 250. Gründungstag. Während sie täglich damit kämpft, den komplexen Anforderungen einer modernen Grossstadt gerecht zu werden, planen die Stadtväter sie einem überraschenden Wechsel zu unterziehen.

Bangkok Krung Thep Thailand
Blick auf Chao Phraya und die Skyline Bangkok's von der Rama IX Brücke. 
Wenn es 2032 soweit sein wird, glaubt das Bürgermeisteramt, soll die Hauptstadt Thailand’s unter dem Claim „Bangkok 250“ eine bemerkenswerte Verwandlung hinter sich haben. „Es ist nicht zu früh zu planen“, sagt Vanchai Thanomsak, Leiter der Abteilung für Stadtplanung von Bangkok. „Wir versuchen unser bestes, die Stadt lebenswerter zu gestalten.“

In weniger als zwei Jahrzehnten soll „Bangkok 250“ Sanierung im grossen Stil bedeuten, mit enormen Massnahmen für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.

Bangkok, offiziell Krung Thep Maha Nakhon, ist seit 1782 die Hauptstadt des Königreichs Thailand. Kein Thai nennt seine Hauptstadt Bangkok, sondern kurz Krung Thep, Stadt der Engel. Der zeremonielle und auch längste Name Stadtname der Welt lautet:

„Stadt der Devas, große Stadt und Residenz des heiligen Juwels Indras (Smaragd-Buddha), uneinnehmbare Stadt des Gottes, große Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wieder geborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishvakarman gebaut wurde.“

Damit das ambitiöse Ziel erreicht werden kann, hat die Stadtverwaltung das Urban Design und Development Centre UDDC verpflichtet. Gemeinsam wurde ein Masterplan zur Restaurierung Bankgok’s alter Stadtviertel und der Konservierung von Kadee Jeen sowie Khlong San ausgearbeitet. Dazu wurde ein Weg zu mehr Wachstum in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht skizziert.

Die UDDC wurde ebenfalls beauftragt, die historische und kulturelle Bedeutung von Gemeinschaften in der Rattanakosin Periode zu untersuchen und ihre Ursprungsgebiete attraktiver zu gestalten. Innerhalb der Stadt gibt es in 17 Distrikten 200 dieser Gemeinschaften.

Während der letzten 10 Jahre hat die Direktorin der UDDC, Niramon Kulrisombat, mit Gemeinden in Kadee Jeen und Khlong San zusammengearbeitet, die Stadtteile erfolgreich zu lebenswerteren Gegenden verwandelt. Lehren und Erkenntnisse aus dieser Arbeit sollen auf andere Gemeinden angewendet werden.

Die aktuellen Studie, genannt 10/8/6, sollen im Juli fertiggestellt werden. 10 steht für 10 Trends im Lebensstil von Städtern, 8 für für 8 Merkmale, welche die Stadtviertel charakterisiert und 6 für 6 Veränderungen der Landschaft Bangkok’s.

Die vorausschauende Methode vermesse den Weg der 10 wichtigsten Trends der Stadt und verhelfe zu Restaurierungsplänen für lokale Gemeinden, sagte Niramon, und fügte hinzu, dass in Zukunftsplanungen immer auch viele Unsicherheiten mit eingeschlossen werden müssten.

Die Vorgehensweise erlaubt ihrem Team sich die Stadt in der Zukunft vorzustellen und potentielle Entwicklungen zu erforschen.

Die UDDC will eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit Bürgern, Autoritäten jeglichen Grades, Akademikern und Aktivisten bilden. Deren Aufgabe besteht darin, die bestmöglichen Plan zu ermitteln.

Aus Betroffenen Beteiligte machen sei der Schlüssel zum Erfolg, sagt Niramon.

Der Name Bang Kok entspringt der Zeit bevor der Ort Hauptstadt wurde. Bang bezeichnet einen Ort an einer Wasserstraße, Kok leitet sich entweder von Makok ab, der thailändischen Bezeichnung für die Früchte der gelben Balsampflaume oder von Ko für Insel, bzw. Khok für Hügel. Der Ort Bang Kok tauchte in Europa zum ersten Mal 1511 auf einer portugiesischen Landkarte und hat sich bis heute bewahren können.


Tram Bangkok Thailand
Von 1887 bis 1968 gab es in Thailand's Hauptstadt Trams. Bild: bangkoktram.com
Um 1680 gab es südlich des Dorfes nur drei bewohnte Plätze: ein Zollhaus, die von den Holländern 1622 angelegte Faktorei namens Fort Amsterdam sowie den Ort Ban Vat. Noch während der Epoche des Königreichs Ayutthaya entwickelte sich der Ort zu einem ansehnlichen Handelshafen und bedeutenden Haltepunkt an der Wasserroute zur Hauptstadt.

Der Ursprung des heutigen Bangkok liegt in der Kleinstadt Thonburi, heute Teil der Hauptstadt, am westlichen Ufer des Chao Praya. General Taksin machte Thonburi im Jahr 1772, nachdem die Hauptstadt des Königreiches Ayutthaya 1767 im Krieg mit Burma weitgehend zerstört worden war, zur neuen Hauptstadt. 

Zehn Jahre später verlegte der neue König Rama I., Begründer der bis heute regierenden Chakri-Dynastie, den Regierungssitz auf das östliche Ufer und begann damit das Gebiet namens Rattanakosin, mit dem damals vor allem von Chinesen bewohnten Dorf Bang Kok, nach dem Vorbild der früheren Residenzstadt zur Hauptstadt auszubauen.

Sie hat heute einen Sonderverwaltungsstatus und wird von einem Gouverneur regiert. Die Hauptstadt zählte in der Volkszählung von 2010 8.3 Mio. Einwohner und ist die mit Abstand größte Stadt des Landes. In der Bangkok Metropolitan Region (BMR) leben insgesamt 14.6 Millionen Menschen.

„Wir besitzen die Stadt. Wir müssen Hand-in-Hand eine lebende Stadt als Schaufenster des besten von Thailand kreieren - eine Stadt, auf die alle Thais stolz sind.“

Die fertige Studie wird dem Sekretariat des Stadtrats zur Prüfung übergeben, erklärt Vanchai. Das Projekt erlaube Bangkok im Gegensatz zu anderen Gebieten, wo Konzepte üblicherweise nur einer gewissen Norm entsprechen, den ersten umfassenden Stadtplan Thailand’s zu erstellen.

„Die Studie wird der Stadtverwaltung ermöglichen, Verordnungen im Einklang mit kulturellen und landwirtschaftlichen Aspekten für jeden Bezirk auszusprechen“.

Er ist überzeugt, dass sein Plan keine Auswirkungen auf bestehende Pläne hat. Der Sanierungsplan sage insbesondere aus, welche Gebiete der Stadt verbessert und restauriert werden müssten. Bewohner hätten Kommentare und eigene Vorschläge einbringen können.

Die Stadtverwaltung habe ihren Fokus von Expansion - neue Wohngebiete wurde dezentral erstellt, sozusagen Dorfleben mitten in der Stadt - auf Restaurierung verändert. Er beinhalte Verbesserungen öffentlicher Einrichtungen und optimale Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel zur Anpassung an den städtischen Lebensstil seiner Bewohner.

Die Studie zeigt auf, dass landwirtschaftlich nutzbares Land in den Aussenbezirken der Stadt oft für Wohngebiete missbraucht wird. Wie zum Beispiel in Klong Samwa. Dort wurden in den letzten Jahren Tausende von Rai bestes Reis-Land in Einfamilien- und Reihenhaus-Siedlungen verwandelt.

Verdichtetes Bauen soll auch in Thailand’s Hauptstadt zum Mass der Dinge werden. Physikalische Eigenschaften der Innenstadt und optimale Nutzung des verfügbaren Landes würden im Plan berücksichtigt, fügt Vanchai hinzu.

„Wir ermutigen die Menschen daran zu denken, wie die Stadt in den nächsten 10 bis 20 Jahren aussehen soll und versuchen, eine Art von gemeinsamen Konsens zu erreichen.“

Quelle: Bangkok Post, Wikipedia

Freitag, 22. Mai 2015

Die versteckten Kosten von Thailand's Strom

Keine Kommentare :
Der Nationale Energie Rat hat letzte Woche den neuen Energieplan, verabschiedet. Er legt den Rahmen für Thailand’s Stromversorgung und diesbezügliche Investitionen der nächsten 21 Jahre fest. Der Plan zielt darauf ab, die Energieleistung Thailand’s in den nächsten zwei Jahrzehnten bis 2016 auf 70’140 Megawatt zu verdoppeln. Der Schlüssel zur Steigerung liegt zum Grossteil darin, erhebliche Mengen Strom aus Kraftwerken in Laos und Myanmar zu importieren. 


Don Sahong Damm Laos
Baustelle Don Sahong, dem zweiten Damm am Mekong, den Laos 2015 in Betrieb nehmen will. 
Diese Entscheidungen können von politisches Interessen und einem Schub für die Wirtschaft getrieben sein. Aber die versteckten Kosten des neuen Energieplans und die Implikationen für Thailand und die Mekong Region sind alarmierend. 

Eines der wichtigsten Anliegen von Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist, dass die Reserve, oder der Überschuss ungenutzter Energie 15% beträgt, was den tatsächlichen Bedarf eines Landes schon beträchtlich übersteigt. Der Plan sieht in einigen Jahren eine Reserve von 39% vor.

Weshalb braucht Thailand so viele neue Kraftwerke - einschliesslich Kohle-, Wasser- und sogar Kernkraftwerke, wenn mehr als ein Drittel der Energie nicht benutzt wird? Kraftwerksprojekte sahen sich in der Vergangenheit aufgrund ihrer negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen starker Opposition der lokalen Bevölkerung ausgesetzt.

Durch strengere Gesetze und Vorschriften sowie die wachsende Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Thailand werden die neuen Energiequellen einfach jenseits der Grenze nach Laos, Myanmar und in die Provinz Yunnan im südwestlichen China gelegt. 

Im September 2014 betrug der Anteil an importiertem Strom 7% von Thailand’s Kapazität. Diese Quelle wird sich in den nächsten 10 Jahren auf 10-15% erhöhen, danach auf 15-20%. Das schliesst Strom aus dem umstrittenen Xayburi Staudamm am Mekong und dem Hongsa Kohlekraftwerk, das zu 80% Thailand gehört, in Laos mit ein.


Standort des Hongsa Kohlekraftwerks, es soll in diesem Jahr ans Netz gehen. 
Während Thailand mit seinem Plan für vordergründig billige Energie voranschreitet, ignoriert es eklatant die unsichtbaren Kosten seiner Kraftwerksprojekte.

Was als billige Energie bezeichnet wird, ist eigentlich sehr teuer - wenn die permanente Zerstörung der Umwelt, der Sozialabbau und die langfristigen Auswirkungen auf die Region und ihre Bevölkerung eingerechnet werden.

Neben dem Xayaburi Staudamm und dem Hongsa Kohlekraftwerk ist Thailand auch in weiteren Projekten in der Region beteiligt. Auf dem Saluen Fluss in Myanmar sind gleich zwei Staudämme geplant, die Talsperre von Hat Gyi und der Mong Ton Damm, früher Ta Sang genannt. Beide haben verheerende ökologische und soziale Auswirkungen.


Staudamm Saluen Myanmar
Geplante Staudämme am Saluen in Myanmar. 
Entlang des Saluen sind ethnische Gruppen in den von Bürgerkrieg heimgesuchten Karen- und Shan Staaten betroffen. Der Mong Ton Damm wird Häuser und Ackerland von 300’000 Menschen überfluten. Menschen, die bereits durch die massive Zwangsumsiedlung der Militärjunta Myanmar’s zwischen 1996 und 1998 aus dem zentralen Shan Staat entwurzelt wurden.

Während der Mong Ton Damm gebaut wird, riskieren die aus ihrer Heimat vertriebenen Flüchtlinge Kollateral-Kosten für billigen Strom zu werden. Es ist Zeit, dass wir die grenzüberschreitenden sozialen und ökologischen Auswirkungen unseres unlöschbaren Energiedursts auf unsere Nachbarländer erkennen. Thailand muss beginnen, ihrer extraterritorialen Verpflichtungen zu berücksichtigen, wenn Investitionen in grosse Infrastrukturprojekte im Ausland gemacht werden.

Angesichts der staatlichen Gleichgültigkeit, nahmen sich thailändische Dorfbewohner, die vom Xayaburi Staudamm in Laos betroffen sein werden, der Sache an und zogen zum Stopp des Baus gegen fünf Regierungsbehörden, inklusive Egat, der nationalen Energiebehörde, vors Verwaltungsgericht.


Geplante, sich im Bau befindende und gebaute Staudämme am Mekong. 
Thailand’s Energieplanung wird seit langen als persistent überprgnoszierend charakterisiert. Sie führt zu Überinvestitionen und einer erhöhten wirtschaftlichen Belastung der Verbraucher. Der Prozess selbst ist wenig transparent und schliesst die Öffentlichkeit aus.

2012 veröffentlichten die Energieexperten Chuenchom Sangasri Greacen und Chris Greacen einen alternativen Energieplan für Thailand. Er wurde dem Energieministerium und Vertretern der Egat vorgestellt. Im Bericht werden die bestehenden Energiepläne analysiert und festgestellt, dass der zukünftige Bedarf um 13’200 Megawatt überschätzt wurde und Thailand seinen Energiebedarf ohne zusätzliche Stromimporte aus Wasserkraft und ohne zusätzliche Investitionen in Kohle- und Kernkraftwerke stillen könnte.

Mit einem transparenten, Rechenschaft ablegenden und partizipativen Planungsprozess, der alle, auch die versteckten Kosten beinhaltet, müssen wir Mekong und Saluen nicht zerstören, diese Flüsse, welche die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen sind.

Es gibt Optionen, zerstörerische Wasser- und Kohlekraftwerke zu ersetzen. Aber unsere Flüsse sind unersetzlich.

Von Pianporn Deetes, sie ist Koordinatorin in Thailand von International Rivers.


Donnerstag, 21. Mai 2015

Gegen schlechtes Benehmen buddhistischer Mönche

Keine Kommentare :
Denken sie an einen buddhistischen Mönch, kommen ihnen wahrscheinlich weder Bodyguards noch Bombendrohungen in den Sinn. Aber genau damit muss sich Buddha Issara auseinander setzen, weil er eine Kampagne zur Generalüberholung Thailand’s religiöser Institutionen gestartet hat. 

Mönch Thailand
Nicht so selten: Rauchender Mönch in Thailand.  
Der Mönch-Aktivist hat sich viel Feinde erworben, seit er dazu aufruft, den Buddhismus in Thailand zu säubern, die 300’000 Mönche dazu drängt, ihre finanziellen Transaktionen offen zu legen und vom Obersten Sangha Rat fordert, gegen Fehlverhalten vorzugehen.

„Es gibt eine offene Krise in der Sangha, wie es sie seit Menschengedenken nie gab“, sagt Michael Montesano, Thailand Experte am Institute of Southeast Asia Studies. „Dies ist eine Krise einer weiteren Institution in Thailand’s.“

Mönche werden in Thailand, wo 95% der Bevölkerung Buddhisten sind, verehrt. Sie haben ihre eigenen Durchgänge an Flughäfen, ihre eigenen Sitze in öffentlichen und privaten Institutionen wie auch in der U-Bahn Bangkok’s. Aber in den letzten Monaten haben Geschichten über Fehlverhalten die Runde gemacht, die eigentlich in die Klatschpresse gehören.

Es gab Mönche mit Liebhaberinnen und Liebhabern, betrunkene Mönche, die mit ihrem Auto Unfälle verursachten, Mönche, die Geld für Bestattungen in die eigene Tasche steckten und an der Börse spekulierten. Noch nicht mal den Louis-Vuitton Mönch erwähnt, der durch Selfies in seinem Privat Jet den Skandal 2013 auslöste.

Buddha Issara leitete die Klage gegen finanzielles Fehlverhalten und sagt, dass, weit davon entfernt einen tragenden Pfeiler der Thai Gesellschaft zu erschüttern, jetzt auch der richtige Zeitpunkt für eine Generalüberholung der religiösen Institutionen sei.

Seit einem Jahr wird Thailand von einer Militärjunta regiert, die immer mehr diktatorische Macht gegen Oppositionspolitiker, Menschenrechtsaktivisten und die Presse einsetzt.

„Wenn wir unser Haus reinigen, sollten wir nirgendwo Schmutz hinterlassen. Wir sollten jede Ecke säubern“, sagte Buddha Issara während des Interviews in einer Sala im Wat Ornoi, seinem Tempel in den Aussenbezirken von Nakhon Pathom. Der Stadt, wo Buddhismus in Thailand erstmals aufblühte.

Ein Hardliner, der den Stereotyp des freundlichen, kichernden Mönches auf den Kopf stellt. Buddha Issara nahm das Interview mit einer Videokamera auf, während im Hintergrund mit Tattoos übersäte Männer herumschlichen. Er unterstützte den Sturz der gewählten, aber polarisierenden Regierung Yingluck und ihm wird nachgesagt, nahe am General und aktuellem Premier Prayuth Chan-o-cha zu sein.

„Wir werden etwas erschöpfter sein, aber das Haus wird rein sein, wenn wir den Buddhismus generalüberholen. Das ist besser, als einige Ecken schmutzig zu belassen. Wenn wir das tun, wird sich der Dreck wieder über das ganze Haus ausbreiten.“

Obwohl Skandale nicht Ungewöhnliches sind, war Buddha Issara erbost, als der Sangha Rat Anfang Jahr den Abt des grössten Tempel in Thailand von Missbrauch freisprach, nachdem er wegen Veruntreuung von fast $30 Millionen angeklagt wurde. Da er den grössten Teil des Geldes zurückgab, wurde ihm kein Fehlverhalten angelastet.

Thailand’s 38’000 Tempeln hängen traditionell von Spenden der Gläubigen ab. Sie erhalten gemäss dem National Institute of Development Administration jährlich zwischen $3.0 und $3.6 Milliarden.

Phra Buddha issara
Buddha Issara auf dem Weg zum Hauptquartier der Thai Police Crime Depression Division.   
Buddha Issara verlangt mehr Transparenz bei Spenden, damit den Tempeln Korruption ausgetrieben wird. Er rief die Militärregierung auf, ein Komitee zur Kontrolle der buddhistischen Kassen einzurichten und reichte letzten Monat bei der nationalen Anti-Korruptionsbehörde eine Petition zur Untersuchung der zwei obersten buddhistischen Institutionen auf Betrug ein.

Don Pramudwinai, stellvertretender Aussenminister, sagt, dass viele in der Regierung Bedenken über Missbrauch in buddhistischen Institutionen haben. „Wir befürworten eine Reform der Mönche selbst. Aber noch ist es nicht soweit.“

Der Sangha Rat verweigerte ein Interview und beantwortete auch eine Liste mit Fragen nicht.

Vielleicht nicht überraschend schuf sich Buddha Issara keine neuen Freunde. Aber das Ausmass des Zorns seiner Feinde ist etwas anderes. Bewaffnete Männer eröffneten mit M-16 Sturmgewehren das Feuer auf seine Tempelanlage, Entführungsdrohungen gingen ein.

Polizeiwachen sitzen hinter Sandsäcken am Eingang des Wat Ornoi. Die Besucher werden von Männern auf Motorrädern entlang einer von Bananen Stauden gesäumten Strasse zur Anlage geführt.  

„Wenn ich Menschen über die sich in langer Zeit angehäuften Probleme informieren und Lösungen anbieten kann, bin ich froh. Selbst wenn ich dabei sterbe“, sagt Buddha Issara.

Saluk Savarias, eine 82-jährige Autorität in Thai Buddhismus, mag die Aussicht auf Erfolg von Buddha Issara nicht. „Die grundlegenden Lehren des Buddhismus lauten Umwandlung von Gier in Grosszügigkeit und Hass in gütige Liebe. Aber die neuen Religionen in diesem Land sind Konsum und Kapitalismus. Es gibt mehr buddhistische Bilder als Mönche und alle stehen zum Verkauf.“

Heute werden viele Thai Männer wegen Vorteilen Mönch - inklusive eines kostenlosen Universität Studiums. „Mönch zu sein bedeutet ein Engagement für ein edles Leben. Sie sind angeblich besser als normale Menschen“, sagt Sulak im Garten seines Hauses in Bangkok. „Wir geben Mönche Kleidung, Nahrung und Unterkunft weil wir glauben, dass sie ein besseres Leben führen. Wenn sie sich schlecht benehmen, sollten wir sie herausschmeissen.

Aber er es gebe keine moralische Führung in der Sangha, sagt er, und so werde Fehlverhalten nicht bestraft.

Tatsächlich erhält Buddha Issara von der Institution wenig Unterstützung. „Ich denke, das ist ein menschliches Problem. „Wir stehen mitten in der Gesellschaft und manchmal gehen in einer Gesellschaft gewisse Dinge schief“, sagt Anil Sakya, ein hoher Beamter der Mahamakut Buddhist Universität in Bangkok, zur Zurückweisung der Vorschläge, dass Reformen notwendig sind um schlechte Äpfel auszusondern.

„Jedes Land, jede Religion hat gute und schlechte Menschen. Schauen Sie sich das Christentum mit all seinen verwerflichen katholischen Priestern an, die schlechten Menschen im Islam. Es ist kein religiöses Problem, es ist ein Problem bestimmter Menschen.“

Draussen in Nakohn Pathom, im Schatten der höchsten Stupa der Welt, scheinen die Gläubigen unbeeindruckt von den immer reisserischen Schlagzeilen. Ubol Wongrukthai, eine pensionierte Lehrerin, die jetzt ein buddhistisches Meditationsprogramm leitet, gibt Sakya's Gedanken wieder: " Das ist das Resultat von Individuen, von Leuten, die gierig werden. Diese Leute sind nicht wirklich Gläubige, es sind nur Menschen, die eine Mönchsrobe tragen."

Sulak glaubt, dass die Religion mit zunehmender Häufigkeit von Skandalen unvermeidlich eine eigene Regeneration angehe. 

„Im Buddhismus, glauben wir, dass Dinge sterben und wieder geboren werden. In der Zukunft werden wir vielleicht weniger, aber bessere Mönche haben.“

Quelle: Guradian

Mittwoch, 20. Mai 2015

Zeige Herz

Keine Kommentare :
Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einer von Bangkok’s Shopping Malls bemerkten meine Tochter und ich einen grossen Menschenauflauf vor einem Stand, der Geld für die Opfer des Erdbebens in Nepal sammelte. Sie fragte: „Gäbe es an einem Stand für Rohingya Boat People gleich viel Unterstützung?“

Rohingya
Ein Rohingya Kind am 17. Mai in einer Notunterkunft in Aceh, Indonesien.*
Beide wussten wir die Antwort. An diesem Morgen hatten wir über eine Menge Facebook Posts gelesen. Posts mit Hass Tiraden gegen Rohingya und Posts von Leuten, die denken, dass die Regierung sie aufs offene Meer verjagen sollte.  Gleichbedeutend damit, sie sterben zu lassen.

Facebook war auch geflutet mit geteilten Artikeln, die besagen, dass Rohingya Ausländer sind. Durch die Engländer während der Kolonialzeit nach Myanmar gebracht. Dass sie aggressive Muslime sind. Nur gut sich zu vermehren. Und das die Feinseligkeiten in Myanmar nur begannen, weil Rohingya buddhistische Frauen vergewaltigten.

Alle waren sich einig, dass Thailand den Rohingya nie helfen sollte. Weil wir nicht Probleme anderer auf uns nehmen sollten. Als Gründe gegen Hilfe der Regierung wurden genannt: Warum den Rohingya helfen, wenn es im Land selbst schon viele arme Menschen gibt? Warum vor den USA auf die Knie fallen und ihnen Unterkunft gewähren? Warum helfen ihnen nicht die Vereinigten Staaten selbst, statt Thailand zu sagen, was es zu tun habe?

Es wurde sogar behauptet, dass zwischen Rohingya und der Gewalt im Süden Thailand’s Verbindungen bestehen. Viele teilten ihre Befürchtung, dass Hilfe nicht nur unsere wenigen Ressourcen verknappen und die Kriminalität erhöhen würde, sondern auch eine Gefahr für „unsere“ buddhistische Identität bedeute.

Kurz gesagt, die Stimmen in Thailand entsprachen dem Hass Myanmar’s auf Rohingya, genauer, dem Hass gegen Muslime.

Wie können wir so freigiebig für Opfer in Nepal sein und so herzlos zu Rohingya Boat People, die an unsere Tür klopfen, verzweifelt Hilfe suchen?

Weil es viel einfacher ist, in den Geldbeutel zu greifen als unsere Herzen zu öffnen?

Letzten Monate wurde die langjährige Reporterin Thapanee Ietsrichai vom Kanal 3 als Heldin gefeiert, weil sie Thai Sklaven half, aus indonesischer Inseln heimzukehren. Heute wird sie angefeindet und lächerlich gemacht, weil sie für die Rohingya Boat People Sympathie zeigt und angeklagt „Feinde in unsere Heimat zu bringen“.

Der Journalist Vanchai Tantivitayapitak schrieb über seinen Vater, der 60 Jahre zuvor, Teil des Zustroms chinesischer Boat People war, die vom Bürgerkrieg nach Thailand flohen. Wir, wir waren auch Flüchtlinge, schrieb er. Er, auch er, fühlt den Stachel von schroffen Worten und Spott.

Gibt es irgendeinen Grund den Rohingya zu helfen, ohne Mitgefühl zu zeigen und Menschenrechte zu ignorieren?

„Es gibt so viele Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Gib mir einen guten Grund, weshalb wir den Rohingya helfen sollten“, fragte mich ein Kollege. „Gib mir Gründe, keine Emotionen.“

„Sie sind Opfer von Menschenhändlern“, antwortete ich.

„Dann bestrafen wir die Händler. Das ist das, was wir tun sollten. Aber warum den Rohingya helfen?“ fuhr er fort.

Deshalb: Wenn wir den Sklavenhandel stoppen wollen, können wir die Boat People nicht aufs Meer zurück schicken. Rohingya sind Augenzeugen. Mit ihren Aussagen können wir die Netzwerke aufdecken. Wenn wir die Boote mit Wasser und Nahrung versorgen, sie weiter auf dem Meer treiben lassen, helfen wir den Menschenhändlern.

Wenn wir den Boat People saubere, temporäre Unterkunft gewähren, können wir sie befragen und zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Opfern von Verfolgung trennen, sie entsprechend behandeln. Viele wollen zurück. Wir sollten aus unserem Vorgehen von 2008 lernen.

In jenem Jahr geriet Thailand unter Beschuss von CNN. Der Nachrichtensender veröffentlichte Berichte, die zeigten, wie unsere Navy Boote voller Rohingya aufs offene Meer drängte. Um ihr Ansehen zu bewahren, half die Regierung der nächsten Ladung Boat People, brachte sie an Land. Aus intensiven Interviews mit den Opfern ermittelte der Lawyers Council die Namen der Menschenhändler und die Sklaven Routen. Er verhalf den Rohingya auch zur Rückkehr in ihre Heimat nach Bangladesh. 

Dadurch nahm die Zahl der Boat People, welche nach Thailand wollten, von 5’000 im 2008 auf 90 im folgenden Jahr ab.

Danach war wieder Business as usual. Die Boote stoppten für Wasser und Nahrung in Thailand und fuhren weiter. Die Netzwerke der Menschenhändler breiteten sich aus und die Zahl der Opfer stieg, bis das Problem explodierte.

Wir sollten den Boat People helfen, weil ihre Informationen zu mehr Verhaftungen führt und uns näher bringt, den Menschenhandel auszulöschen. Wenn wir sie zurück aufs offene Meer treiben, unterstützen wir den Sklavenhandel und betrügen unser eigenes Gewissen. 

Von Sanitsuda Ekachai in der Bangkok Post

*Bild: Khaosod


Dienstag, 19. Mai 2015

Umweltschützer in Thailand bezahlen hohen Preis

Keine Kommentare :
Jintana Kaewkao, eine 53-jährige Aktivistin, Laden Besitzerin und Mutter von drei Kindern kam am 12. März ins Büro der Bezirksregierung, bereit für einen Kampf. Spannungen wachsen über den geplanten Bau einer weiteren Stahlproduktionsanlage inmitten von Feuchtgebieten und Kokospalmen in der Küstengemeinde Bang Saphan in der Provinz Prachupa Khiri Khan.


Jintana steht an der Küste bei Ban Krut, wo ein Kohlekraftwerk hätte gebaut werden sollen.
Mehr als 30 Dorfbewohner haben sich in der Morgenhitze versammelt. Die meisten waren Frauen, einige mit Kleinkindern im Schlepptau. Sie waren bereit ihre Besorgnis über potentielle Verschmutzung und fragwürdigen Landerwerb eines lokalen Konglomerats mit dem Distriktleiter zu diskutieren.

Wie üblich warteten sie auf Jintana, Anführerin der Bang Saphan Conservartion Group und charismatische Umweltschützerin aus dem Nachbardorf Ban Krut.

Sie wurden nicht enttäuscht. Informiert, dass der Top Beamte des Bezirks die Dorbewohner versetzt hatte, erklomm sie die Stufen zum Gebäude und forderte ein Treffen mit seinem Stellvertreter. Jintana referierte spielerisch mit dem Beamten, erklärte die Feinheiten des Landrechts und gewann das Versprechen eines neuen Treffens.

Dann stieg sie in einen wartenden Polizeiwagen. Im Innern sassen zwei fröhliche Beamte in Zivil. Sie trugen schwarze Polo-Shirts und waren mit 9m Glock Pistolen bewaffnet.

Die Polizei war nicht hier, sie zu verhaften. Vielmehr dienten sie als ihr persönlicher rund um die Uhr Schutz. Beauftragt damit, dass sie am Leben bleibt.

Jintana's Erfolg vor zehn Jahren, als sie den Druck der Gesellschaft dazu verwendete, den Bau eines grossen Kohlekraftwerks in Ban Krut zu blockieren, machte sie zur Legende. Er machte sie auch zu einer gekennzeichneten Frau. In Thailand ist Umweltaktivismus überaus gefährlich - und manchmal tödlich.

In den letzten Jahrzehnten sahen sich Aktivisten gegen Kohlekraftwerke, Deponien und Bergbauprojekte ständigen Drohungen ausgesetzt. Laut einem Bericht von Global Witness, einer NGO aus Washington DC, wurden zwischen 2002 und 2013 16 thailändische Umweltschützer getötet. Andere Experten sagen, die Zahl steige auf über 30, würden die Fälle mit Landrechten und breiteren Menschenrechtsfragen hinzugenommen. Die Täter sind oft 20'000 Baht Killer, verknüpft mit lokalen Geschäftsinteressen oder vage als "Mafia" definiert, wie die Leute hier sagen.

Bewaffnetet Täter haben in den letzten 10 Jahren vier Mal Schüsse auf Jintana's Haus abgegeben. Während der vergangenen zwei Jahre war es ruhig, aber sie ist besorgt, dass die Kampagne gegen die Stahlfabrik neue Gewalt weckt.

"Hier gibt es viel bewaffnete Männer - wenn ich mich nicht sicher gefühlt hätte, wäre ich nicht dorthin gegangen", sagte sie auf der Fahrt zurück nach Ban Krut. Vorbei an Fischerbooten und Bungalows der Resorts, welche das Rückgrat der Dörfer sind. Nach Jahren des Aktivismus merkt sie an: "Ich bin glücklich nicht tot zu sein".

Die düsteren, oft gewalttätigen Auseinandersetzung über Energie- und Ressourcenprojekte sind kaum erzählte Geschichten von Thailand, das lange den Ruf als eine der demokratischsten und prosperierendsten Nationen in Südostasien hatte. Seit der Machtübernahme der Junta und der Limitierung der Bürgerrechte wird befürchtet, dass sich das Klima für Umweltaktivismus verschlechtert.

Aber die Gefahren für Aktivisten sind älter als die aktuelle Militärregierung, und sie unterstreichen, was einige als Kultur der Straflosigkeit für Geschäftsinteressen bezeichnen. Insbesondere in ländlichen Gebieten und Industriezonen, weit weg von der hellen Lichtern Bangkok's. Sie zeigen auch, wie erfolgreich Jintana und ihre Mitstreiterinnen waren.

Strand und Küste von Ban Krut wäre zerstört worden, hätten Jintana und andere Aktivisten das Kohlekraftwerk nicht abwenden können. Heute zeugen nur noch verlassene Gebäude, wenige Meter vom Meer, vom Projekt des 1'400 Megawatt Kohlekraftwerks von Ban Krut.

Die thailändische Regierung hatte das Projekt mit Finanzierung von Investoren aus Japan und Hong Kong erstmals in den 90er Jahren vorgeschlagen. Neben dem in Ban Krut sollte ein separates, kleineres Kraftwerk eine Stunde nördlich in Bo Nok entstehen. Dieses wurde von der in Kalifornien ansässigen Edison Mission Group, heute Teil der NRG Energy, unterstützt.

Die Projekte sollten helfen, Thailand's wachsenden Energiebedarf zu decken. Heute ist Thailand gemäss der US Energy Information Administration der 21. grösste Energieverbraucher der Welt. Das Land kann nicht genug Erdgas produzieren um Schritt zu halten, sagen Analysten, und aufeinanderfolgende Regierungen sahen in Kohle den Weg aus dem Fehlbetrag.

Die Kraftwerke wuchsen nie aus dem Boden. Aber die Narben des lange dauernden Kampfes blieben. Er wurde Mitte der 2000er Jahre beendet, nachdem die Regierung beschlossen hatte, die Projekte in anderen Provinzen zu realisieren.

"Das Dorf wurde in zwei Gruppen aufgeteilt", sagt Chainerong Noiphon, ein 55-jähriger Fischer, der unweit von Jintana wohnt. "Selbst die kleinsten Dinge können bei uns grosse Zerwürfnisse zur Folge haben." Er setzte sich gegen das Kraftwerk ein und beschuldigt die Investoren für die bis heute andauernde Teilung. "Wir hatten Glück, dass wir Jintana hatten", fügt er an.

1982 kam sie nach ihrer Heirat in die Heimat ihres Mannes, einer Fischerei und Landwirtschaftsgemeinschaft. Sie begann als Teilnehmerin in der Anti-Kraftwerk-Bewegung, aber sie entwickelte sich mit ihrer natürlichen Autorität schnell zur Anführerin - und einem Dorn im Auge von Thailand's Union Power Development Company Ltd., UPDC, welche das Projekt leitete.

Zusicherungen der UDPC, das Projekt füge der der nahe gelegenen Kulturlandschaft und dem vorgelagerten Korallenriff keine Schaden zu, konnten Jintana und andere nicht überzeugen. Besonders inmitten von Berichten über hohe Schwefeldioxid Emissionen aus einem ähnlichem Kraftwerk in Nordthailand, welche die Anwohner schädigen. Die Betreiber wurden im Februar 2014 nach Jahren der Klagen vom Obersten Gerichtshof Thailand's zu einem Schadenersatz von rund 30 Mio. Baht an mehr als 100 Menschen aus der näheren Umgebung verurteilt.

Jintana anerkennt, dass viele Einwohner Ban Krut's das Kraftwerk haben wollten. Die UPDC, sagt sie, lieferte eine hochstehende PR-Kampagne und versprach viele neue Arbeitsplätze. Kritiker hielten ihr vor, den wachsenden Energiebedarf Thailand's zu verkennen. Was das Land wirklich brauche sei ein grösserer Fokus auf Erhaltung und erneuerbare Energie, war ihre Antwort.

1998 organisierte sie eine Blockade der Petchkasem, dem Asia Highway, der auf seiner Strecke von Bangkok in den Süden Thailand nahe an Ban Krut und der geplanten Anlage vorbei führt. Sie kaufte für 30 Baht eine Aktie der UDPC, damit sie an deren Meetings teilnehmen konnte. Die Bewegungen in Ban Krut und Bo Nok erhielten Unterstützung von Greenpeace und anderen internationalen Gruppen. Das stärkte ihr Profil. Die US Export-Import Bank entschied sich gar, die geplante Finanzierung der Bo Nok Kraftwerks zu widerrufen. Es kam soweit, dass die Einwohner drohten, Bo Nok anzuzünden, sollte es je gebaut werden.

Auch Jintana schrak gelegentlich nicht vor konfrontativer Taktik zurück. Mehr als einmal landete sie im Gefängnis.

2001 gruben Dorfbewohner einen toten Wal aus, der kurz zuvor an Land gespült worden war. Sie füllten das ranzige Wasser aus dem Loch, wo er begraben worden war, in Plastiktüten und schleuderten sie an einem Bankett der UDPC auf die Teilnehmer. Chainerong Noiphon erinnert sich: "Es war Mutter Natur, die uns half."

Obwohl Jintana beteuerte, nicht dabei gewesen zu sein, warf ihr die Regierung vor, die Proteste organisiert zu haben. Sie wurde schliesslich wegen Hausfriedensbruch verurteilt und verbrachte später, nach mehrere Berufungen, zwei Monate im Gefängnis.

Wie das Ansehen Jintana's, stiegen auch die Bemühungen ihrer Gegner sie zu kaufen oder zu diskreditieren. Sie sagt, ihr wären riesige Summen von Unternehmensseite offeriert worden, sie habe alles abgelehnt. Dennoch gebe es ein Gerücht, sie besässe ein Haus im Wert von 50 Mio. Baht.

Jintana und ihr Mann beschlossen, ihre Kinder nicht mehr in die örtliche, von der Kraftwerksgesellschaft finanzierte Schule zu senden. Als jemand ihr Haus beschoss - sie wachte einmal morgens um 2 aufgrund des Geräuschs von Schüssen auf der anderen Strassenseite auf - blieben sie über Nacht bei Verwandten. Ein anderes Mal schoss ein Bewaffneter auf's Haus, obwohl ein Polizeiwagen davor stand.

Die Angriffe auf ihr Haus scheinen einem Muster zu entsprechen, dem in Thailand seit Jahrzehnten gefolgt wird: wird ein Industrieprojekt von der Regierung verabschiedet und bildet sich eine lokale Protestgruppe, wird ein Attentat auf den Anführer ausgeführt. Die Angriffe sind meist kühn, geschehen manchmal am helllichten Tag inmitten von Menschenmassen.

Die Aktivisten kämpfen jedoch oft mit einem Mangel an Beweisen. Wie im Fall von Pachern Ketkaew in Bo Nok. Er sass am 31. Januar 2011 mit seiner Frau abends um 6 Uhr vor seinem kleinen Laden, als ein Mann mit eine 9mm Pistole aus einem herannahenden Auto sprang und das Feuer eröffnete. Die Kugel verfehlten ihr Ziel, verletzten aber zwei in der Nähe sitzende Kunden.

Pachern erinnert sich, in den Wald hinter dem Laden gerannt zu sein, der Attentäter ihm auf den Fersen. Ein anderer Mann schwang ein M-16 Sturmgewehr und übersah den Laden mit Kugeln. Daraufhin drehte sich der Attentäter um, beide flohen. Pachern rief einen anderen Aktivisten, Korn-um Pongroi an, der schnell zum Laden eilte und ihn für zwei Monate zu Jintana brachte.

Jintana versucht, nicht an die Auswirkungen ihres Handelns auf ihr persönliches Leben zu denken. Aber wenn dazu aufgefordert, sagte sie, es sei schon schwierig. Ihr Geschäft hat gelitten. Nachdem sie aus dem Gefängnis kam, wurde sie gezwungen, ihr Auto für neue Ware zu verkaufen. Die Ausbildung ihrer Kinder wurde unterbrochen und sie kann nicht einfach irgendwo hin reisen, weil es zu gefährlich ist. "Das ist, was ich verloren haben, weil ich mich gegen das Kraftwerk einsetzte."

Immer wieder erhält sie, manchmal beunruhigende, Anrufe von Armee Beamten, die sie zu Treffen einladen oder sie tadeln, weil sie "nicht ihr Freund sein wolle".

Führende Mitglieder der regierenden Militärjunta sind mit umstrittenen Bergbauprojekten verbunden, einschliesslich einer Goldmine in der Provinz Loei. Dort hatten bewaffnete Männer eine Gruppe von Demonstranten angegriffen. Paul Chambers, Dozent an der Chiang Mai Universität sagt, dass das thailändische Militär in der Regel misstrauisch gegenüber Menschenrechtsgruppen ist und die aktuelle Regierung zusätzlich Hindernisse für Umweltaktivisten bringen könnte. "Hochrangige Beamte haben ureigenes Interesse in einigen dieser Unternehmen."

Unabhängig von der Regierung beobachten Jintana und ihre Anhänger wachsam alle Bemühungen, das Kraftwerk Projekt in Ban Krut wieder zu beleben. Die US Energy Information Administration schrieb in einer Analyse im November 2013, dass "die thailändische Energiebehörde trotz Umwelt- oder anderer Probleme Strom aus Kohle als Mittel zur Reduktion ihrer Abhängigkeit von Erdgasimporten zur Elektrizitätserzeugung ansieht".

In der Zwischenzeit sagt Jintana, müsse dieses Stahlwerk gestoppt werden. Als der Polizeiwagen entlang der reichen Flora und Fauna der Feuchtgebiet der Küste fuhr, sah sie sich um: "Wenn die Fabrik kommt, wird es hier nicht mehr so aussehen. Ich möchte ein Teil davon sein, der das beschützt."

Joseph J. Schatz in Al Jazeera America