Donnerstag, 9. April 2015

Ein Lehrer auf einer Mission

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Bildung war immer die treibende Kraft in Samadthachai Pungpong's Leben. Als Sechstklässler weinte er eine Woche, als seine verarmte Eltern sagten, er müsse die Schule verlassen um sie auf ihrer Farm zu unterstützen. Sie gaben nach, aber das nächste Ultimatum kam in der High-School: "Vergiss die Schule, es geht nicht."
Schule ohne Grenzen
Samadthachai Pungpong in seiner Schule ohne Grenzen. 
Diesmal weinte er nicht, er verliess sein zu Hause - zu Fuss, ohne Geld und Essen, dass wollte er sich unterwegs schnorren - und lief entlang der Bahngleise, welche ihm gleichzeitig den Weg wiesen ins 250 Kilometer entfernte Bangkok. Dort hoffte er, eine Chance auf Ausbildung zu erhalten.

Samadthachai realisierte seine Träume und verpflichtete sein Leben anderen eine Chance zu geben. Er gründete eine Schule für Kinder von Migranten an der Thai-Burmesischen Grenze. Er nannte sie "Schule ohne Grenzen", der Name spiegelt seine Überzeugung, dass jeder Mensch Recht auf Bildung hat.

"Bildung ist die beste Lösung für alle Probleme. Sie hilft, riskante Dinge wie Prostitution, Drogen - alles Illegale und Schädliche - zu vermeiden. Bildung ermöglicht uns Menschen bessere Entscheidungen zu treffen." 

Sein Glaube an Bildung schlug früh Wurzeln und bleibt trotz ständigen Herausforderungen wie Lehrerfluktuation, Widerstand von Nationalisten - Teach Thai First  - und kleinem Budget unerschütterlich.

Seine Schule ohne Grenzen in Toong Ka, einem Dorf im Bezirk Had Sompan in der Provinz Ranong, funktioniert als Lernzentrum der Gemeinde. Ziel ist, die Unerreichten zu erreichen - jene, ausserhalb des formalen Schulsystems. Ein Ansatz, welcher von Bildungsexperten, auch denen der Unesco, vertreten wird.

Vier Lehrer und ein Mönch unterrichten zur Zeit 64 Schüler, die meisten von ihnen Migranten im Alter von 3 bis 17. Viele kommen aus Myanmar, wie an der traditionellen Thaka im Gesicht zu sehen ist.


Schule ohne Grenzen
Schule ohne Grenzen in der Provinz Ranong. 
Ideale haben Samadthachai nach Ranong gebracht, Pragmatismus ermöglicht ihm zu bleiben. Die Kinder zur Schule zu bringen ist eine Herausforderung - täglich fährt er 50 bis 70 Kilometer um sie von abgelegenen Siedlungen abzuholen. Das kostet 40'000 Baht pro Monat. Weniger als ein Zehntel können die Eltern der Kinder dazu selber beitragen. 

Trotzdem ist er misstrauisch gegenüber Spenden. "Ich akzeptiere Spenden von NGO's, aber sie müssen von Herzen kommen und nicht an Bedingungen geknüpft sein."

Deshalb bewirtschaften Samadthachai und seine Schüler das grosse Schulgelände, pflanzen Früchte und Gemüse an, das sie an Restaurants in der Umgebung verkaufen. "Es ist die einzige Möglichkeit, dass sich die Schule selbst erhalten kann, aber die Schüler profitieren auch vom "lebenden Klassenraum". 

Abgesehen von der schönen Landschaft macht die isolierte Lage die Schule für Lehrer wenig attraktiv. "Wer hierher kommt, muss stark sein. Die Meisten kommen mit grossen Ambitionen, aber dann wird es schwierig und nach einem Monat sind sie weg." Deshalb hat Samadthachai je nach Anforderungen des Tages viele Funktionen, darunter Schulleiter, Lehrer, Depotbank, Koch, Entertainer, Tröster, Fahrer und Vermittler.

Mit 20 trat er in die thailändische Armee ein, sie gab Einkommen und ermöglichte ihm, nebenbei zu studieren. Als er in Ranong stationiert war, spürte er eine Empathie für die Strassenkinder. Viele von ihnen waren Waisen aus Myanmar, andere von ihren als Prostituierte arbeitenden Mütter verlassen.

"Sie erinnerten mich an meine Jugend, als ich Müll durchwühlen musste, nur um etwas essen zu können." Als er 17 war hatte er selbst die Schule schon viel länger besucht als seine 6 Geschwister. Obwohl er oft einige Wochen Unterricht verpasste, weil seine Hilfe auf der elterlichen Farm verlangt wurde, erlahmte sein Drang nach Bildung nie. 


"Ich wusste nicht, wo Bangkok ist. Aber ich wusste, dass die Bahngleise dorthin führen, also folgte ich ihnen. Ich hatte kein Geld, kein Essen, nur die Kleider, die ich trug. Ich dachte, dass, wenn ich nur dorthin komme, sich Möglichkeiten zum Studium ergeben."

Als er schliesslich in Bangkok an einer Bus-Station ankam, war er so schwach vor Hunger, dass er zusammenbrach. Nach einer Reihe von Gelegenheitsarbeiten und dem Einschreiben in die thailändische Armee sah sich Samadthachai selbst in den Migrantenkindern und wollte helfen.

Nach Abschluss seines Studiums in Bangkok und der Unterstützung eines sympathischen Abtes konnte er in einem Wat 130 Migrantenkinder zum Start seiner Schule begrüssen. Die Waisen darunter erhielten Nahrung und Obdach.

Die Spannungen an der Grenze waren damals hoch und die Behörden in Ranong misstrauisch gegenüber Menschen aus Myanmar, so dass es gut war, die Schüler im Tempel verstecken zu können.

Im Laufe der Jahre entspannte sich die Lage und die Behörden ermöglichten Samadthachai eine Schule einzurichten und Geld zu sammeln. Schliesslich häuften sich 3 Millionen Baht an, viel davon kam aus burmesischen Gemeinschaften in Thailand.

Die Schule ohne Grenzen wurde vor einigen Jahren gebaut. Ein buntes und gepflegtes Gebäude wuchs auf einer verlassenen Palmenplantage.


Immer wieder wurde Samadthachai in der ersten Zeit gesagt, er solle Thais helfen. Sie sagten: "Sie sind Thai, warum helfen und unterrichten sie Burmesen?"

"Ich möchte, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben, vor allem, wenn es um Ausbildung geht. Die Leute sollten verstehen, dass alle gleich sind und wir uns nicht von anderen absondern sollten."

Mit Anfang 40 sieht Samadthachai mit Stolz auf beinahe zwei Jahrzehnte als Ausbilder von hauptsächlich burmesischen Migranten zurück. Die Kinder aus seiner ersten Klasse im Tempel besuchen noch immer ihren Lehrer. Einige haben Arbeitsplätze in Unternehmen gefunden, andere sich ebenfalls zu Lehrern weitergebildet. Keiner hat ein Verbrechen begangen - ein wichtiger Grund für seine Zufriedenheit.

Wenn er nicht gerade an der Schule ohne Grenzen unterrichtet, hilft Samadthachai ähnliche Schulen zu etablieren, zuletzt in der Provinz Kanchanaburi. Sie richtet sich an Migrantinnen im Alter von 15 bis 18, viele von ihnen sind in Gefahr von Ausnützung.

"Bildung ist endlos. So lange es Kinder gibt, die nicht in die Schule können, kann ich nicht aufhören." 

Quelle: Chiang Rai Times

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