Donnerstag, 2. April 2015

Der Putsch, der alle Putsche beendet - Lesekultur in Thailand

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Letzte Woche fand wieder die jährliche Buchmesse statt und wie in den Vorjahren präsentierte die Chulalongkorn Universität eine neue Statistik über Lesen in Thailand. Sie enthält einige Überraschungen, vor allem für diejenigen, die immer noch glauben, dass Thais nicht lesen.


Lesen Thailand
95% der Kinder in Thailand lesen regelmässig. 
Gesponsert durch die Vereinigung der Publisher und Buchverkäufer Thailand's, der Veranstalterin der Bangkok International Book Fair, wurden in der Studie 3'232 Leute in 8 Provinzen im Alter von 15 bis 69 befragt.

12% sagten, sie hätten ausserhalb ihres Studiums oder ihrer Arbeit keine Zeit, kein Interesse oder zu schlechtes Sehvermögen um zu lesen.

Unter denen, die lesen, sagten lediglich 40% dass sie an mehr als an 3 Tagen pro Woche dies auch tatsächlich tun. Im Durchschnitt lesen sie in ihrer Freizeit täglich 46 Minuten, hauptsächlich Webseiten, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. 

Die durchschnittliche Lesezeit aller Befragten beträgt 26 Minuten pro Tag. Viel weniger, als die 37 Minuten bei der viel grösser gefassten Studie des nationalen Statistikamtes, NSO, welche 2013 durchgeführt wurden und 50'000 Haushalt landesweit befragt hatte. Ihre Hauptaussage war, dass 81% der Bevölkerung, mehr als 50 Mio. Menschen, tatsächlich lesen. Die grösste Gruppe Leser waren Kinder, von denen mehr als 95% regelmässig lesen.

Das eigene Zuhause war der beliebteste Ort zum Lesen, nicht Bibliotheken, öffentliche Plätze, Parks oder der Arbeitsplatz.

Was lesen Thais? Print liegt immer noch vor Internet. Bei Print waren Zeitungen mit 73% am beliebtesten, gefolgt von Zeitschriften. Die meist gelesenen Bücher waren Titel über Religion, Romane und Comics.

Die Umfrage der Chulalongkorn Universität ergab, dass 41% der Leute, die lesen, mehr im Internet als Printmaterial lesen.

Das stimmt überein mit Marktforschungsdaten von DJS Research von letztem Oktober, die zeigten, dass Internet Nutzer in Thailand sich 3.1 Stunden pro Tag mit ihrem Smartphone beschäftigen, gefolgt von Fernsehen mit 2.6 Stunden, Desktop Computer/Laptop 1.5 Stunden und Tablet 0.7 Stunden.

Also, lesen Thais wirklich weniger?

Gemäss Veranstalter begrüsste die Buchmesse in Bangkok letztes Jahr 1.9 Mio. Besucher, welche 700 Mio. Baht ausgaben - Rekord. Ein Umfrage bei Ausstellern zeigte, dass sie an ihren Ständen 34% mehr Besucher verzeichneten als im Vorjahr. Sie schrieben das dem Anstieg an neuen Titeln und Aktionen, der Erschwinglichkeit, limitierten Auflagen und der Lage ihrer Stände zu.

Das deutet auf einen wachsenden Appetit auf Lesen in Thailand.

Aber es könnte noch viel mehr getan werden, diesen Hunger unter Menschen aller Altersgruppen zu nähren. Vor allem wenn wir daran glauben, das Lesen Wissen erweitert, frische Ideen bringt und neues Denken weckt.

In der NSO Umfrage von 2013 gaben 39% der Befragten an, dass sie mehr lesen würden, wenn die Buchpreis tiefer wären. 26% schlugen vor, dass Eltern ihre Kinder animieren sollten. Viele sagten auch, dass Schulen und Behörden die Zahl der öffentlichen Leseplätze und der mobilen Bibliotheken erhöhen sollen.

Derzeit bietet Verleger attraktive Cover Designs und hochwertiges Papier um Leser anzulocken. Das bedeutet aber, dass der Durchschnittspreis eines Romans beinahe 200 Baht beträgt, mehr als die Hälfte des täglichen Mindestlohns. In einem Land, wo Millionen nicht mehr verdienen, sind diese Preis absurd.

Seit Jahren unterhalten die Provinzen eigene Bibliotheken. Aber nur wenige sind ordentlich bestückt, die meisten bestehen aus einem grossen Zimmer mit Magazinen und Zeitschriften. Obwohl sie jetzt ein grösseres Stück vom Staatshaushalt erhalten, widmen lokale Verwaltungen ihre Aufmerksamkeit mehr dem Strassenbau als weicher Infrastruktur wie Büchern. Kein Wunder, ist Bibliothekar in Thailand unter der unbeliebtesten Karrieremöglichkeiten.

Es ist auch kein Überraschung, dass das Zuhause der Ort, wo am meisten gelesen wird. Ruhe in einigen öffentlichen Parks in Bangkok wird häufig gestört durch Veranstaltungen wie öffentliches Aerobic Turnen, einhergehend mit lauter Disco-Musik. Die 40-minütige Fahrt im Skytrain von Bang Na nach Mor Chit wäre lange genug, ein Comic Heft zu lesen, wenn da nicht das unaufhörliche Geschwätz von TV-Spots und Leuten an ihren Smartphones wäre.

Was kann getan werden? Wie wäre es mit einem nationalen Wettbewerb zu Allgemeinwissen, welche Bewerber animieren würde, eine breite Palette an Themen zu lesen?

Einige Unternehmen helfen, Bibliotheken zu renovieren und spenden Bücher. Aber sie könnten viel mehr, viel gezielter machen, wenn wir eine Agentur hätten, die das Lesebedürfnis einer Gemeinschaft kennen würde. Buchhandlungen bieten monatliche Top 10 Listen, aber es gibt keine neutrale Ratingagentur, die aussagt, welches die beliebtesten Bücher Thailand's sind.

Eine Innovation, die Anerkennung verdient ist die Liste von 50 empfohlenen Titeln der Siam Cement Group. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Art von Bemühungen fortsetzen und Unterstützung von Regierung und Privatwirtschaft erhalten.

Obwohl der Appetit auf's Lesen in Thailand wachsen könnte, wird er bescheiden bleiben. Als schockierender Beweis kann die Website des Verfassungsausschusses stehen. Obwohl die neue Verfassung täglich ein Thema in den Medien ist, haben seit Oktober 2014 bis bis 1. April 2015 gerade einmal 15'647 Leute die Seite aufgerufen.

Einer der Gründe für das mangelnde Interesse könnte sein, dass Thailand zu viele Verfassungen hatte. Die Besucherzahl repräsentiert nur 0.2% der Bevölkerung, trotz der Tatsache, dass die neue Verfassung für alle 65 Mio. Thais gelten wird.

Die thailändische Gesellschaft braucht dringend mehr Leser.

Quelle: Nation

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