Freitag, 17. April 2015

Blut auf dem Asphalt

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Sie ist ein Musterbeispiel einer Bürgerin Thailand's. Sie fastet einmal wöchentlich nach dem Mittagessen am Buddha Tag, sie kennt die Pali Antworten buddhistischer Zeremonien, weiss aber nicht immer, was sie bedeuten. Noch religiöser als ihre religiösen Bräuche trägt sie gelb oder lila bei entsprechender Gelegenheit.


Unfall Songkran Thailand
Am Mittwoch in Surin: Umgekipptes Pickup-Taxi, 1 Toter, 17 Verletzte. 
Sie lässt den Fernseher als bewegtes Bild tagein und tagaus an, weiss von Thai Soap Operas, dass Vergewaltigung nur ein Schritt im Balz-Prozess ist und lacht schallend und oft herzlich bei den immer wieder gleichen Slapstick-Witzen. Besonders herzlich, wenn es sich um Demütigungen anderer handelt.

Sie glaubt liebevoll an die Zeit, als Bangkok's Verkehr frei zirkulierte, als Songkran nur eine ruhige Zeremonie zur Respekterbietung älterer Menschen war und Preise niemals stiegen.

Sie mokiert sich über die von einem Polizisten mit grimmigen Gesicht vorgetragenen Unfallzahlen an Songkran, vor allem am Bericht, dass die Provinz Surin die höchste Zahl Verkehrstote beklagt - sie kommt aus dem Nordosten, nicht aus Surin, aber sie kann diesbezüglich noch immer beleidigt werden.

Aber, um für den Moment einen Schuss Realität einzugeben, wenn sie sie fragen, wie viele Menschen auf Thailand's Strassen ausserhalb von Songkran sterben, hat sie keine Ahnung. Fragen sie sie nach der Unfallstatistik Thailand's gegenüber anderen Ländern, kann sie nur patriotisch die Hoffnung ausdrücken, dass die Zahlen nicht zu schlimm sind.

Sie wurde im Glauben erzogen, von den Behörden und den Medien, fraglos zu wiederholen, was gesagt wird, dass die Schlachtung auf den Strassen an Songkran nur ein Verirrung ist, eine jährliche Schande, was im nächsten Jahr besser gemacht werden muss, aber bis dahin alles vergessen werden kann.


Das neueste Bulletin der 7 gefährlichen Tage zeigt 364 Tote, 3'559 Verletzte in 3'373 Unfällen. Durchschnittlich 52 Tote pro Tag. Aber diese Zahl stimmt wahrscheinlich nicht.

Nicht jeder Tod taucht in der Statistik auf. Einige Opfer leiden vor sich hin bis sie sterben. Internationale Statistiken erfassen Unfalltote gemäss einer 30-Tages Frist.

Und dann gibt es die allgemeinen Verschleierungsmethoden der Bilanzierung in Statistiken wie diesen. So, dass der WHO Report über Unfälle weltweit auf zu tief angesetzte Zahlen greifen muss. In Bericht von 2013 steht, dass 2010 in Thailand geschätzt 26'312 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet wurden, die Rohdaten wiesen aber nur 13'365 aus. Oder 72 zu 36 Todesfälle pro Tag.

Beide Zahlen überschreiten übrigens zufälligerweise die politisch verursachten Todesfälle in den 7 Monaten vom November 2013 bis Mai 2014, die aber als völlig ausreichendes Chaos erachtet wurden einen Putsch zu rechtfertigen.

Die täglichen Songkran Unfallzahlen sind Basiswerte. Andernfalls müssten wir zur eher unwahrscheinlichen Erkenntnis kommen, dass die Anzahl Verkehrstote während Songkran im Vergleich zum übrigen Jahr tiefer liegt.


Verdienen die Verkehrstoten während des grossen Jahresurlaubs das Mokieren von angesehenen Bürgern? Ja, sicher. Tanzen sie aus der Reihe des täglichen Blutbades auf Thailand's Strassen? Nein, nicht wirklich. Besonders nicht, wenn der gewaltige Anstieg an Verkehr eingerechnet wird. 

Und wie sieht die Unfallstatistik Thailand's im Vergleich mit anderen Ländern aus? Nun, das ist eine schwierige Frage. Es gibt eine Reihe von Faktoren die eine Rolle spielen. Eine offensichtliche ist die Grösse der Bevölkerung im Verhältnis zur Anzahl Opfer. Die WHO weist für Thailand pro 100'000 Einwohner 38.1 Verkehrstote aus, nichts weniger als erschreckend. Die viert höchste Zahl aller Länder.

Aber die Häufigkeit von Verkehrstoten hängt auch von der Anzahl Fahrzeugen auf den Strassen ab - Thailand ist da in einem mittleren Rang - und wie oft diese benutzt werden, normalerweise gezählt durch die Kilometer, die ein Fahrzeug zurück legt - etwas, was in Thailand nicht ausgewertet wird.

Und die Zahlen zeigen, dass der Rückgang in Fahrzeugverkäufen über die letzten 2 Jahre die Sicherheit auf den Strassen nicht erhöht hat. In Thailand gibt es eine unverhältnismässig hohe Anzahl an Motorrädern und -rollern - und ihre Fahrer und Beifahrer sind wie anfälliger auf Unfalltod und -verletzungen, wie überall auf der Welt.

Nicht wie überall auf der Welt ist das Verhalten der Motorradfahrer, es ist sogar weit weg davon, und die tief verwurzelte Sorglosigkeit gegenüber Verkehrsregeln verhilft nicht zu höherer Lebenserwartung.

Das Ausweichen von entgegenkommenden und überholenden Motorrädern auf dem Radweg des Bürgersteigs der Sukhumvit hatte mich bereits annähernd erledigt, dass ich, als die grossen Plakate mit Warnung vor Bussen für's Parken von Motorrädern auf auf dem Bürgersteig auftauchten - er bietet guten Schatten für die Jungs von der Pizza-Auslieferung - meine persönliche öffentliche Sicherheitskampagne begann.

Ich warnte die gesetzbrechenden Motorradfahrer, dass die Polizei im Hinterhalt der nächsten Gasse warte. Ihre Antworten waren: " Nein, das gibt's nicht", "Ich verstehe sie nicht, ich komme aus Burma (wohlgemerkt mit Isaan-Akzent)", "Und? Was denken sie, was meine orangefarbene Weste darstellt?"

Aber das entscheidende Argument war der Kerl, welcher mit dem Finger auf das nächste Fussgänger-Slalom fahrende Motorrad wies: Ein Polizist, auf dem Bürgersteig, in falscher Richtung, ohne Helm.

Quelle: Prachatai

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