Mittwoch, 29. April 2015

Abseits der Schlagzeilen - Flüchtlingslager in Thailand

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Für viele Menschen auf der Welt ist es selbstverständlich frei zu reisen und frei zu arbeiten. Andere müssen es für selbstverständlich halten, dies nicht zu tun. Zehntausende Flüchtlinge aus Burma leben seit 30 Jahren in Lagern in Thailand. Obwohl Flüchtlingslager kaum natürliche Orte zum Leben sind, wurden Tausende in Lagern geboren und haben sie nie verlassen. Für viele junge Flüchtlinge ist das Lager der Ort, in dem sie geboren wurden und aufwuchsen - die einzige Realität die sie kennen existiert innerhalb der Zäune des Lagers.


Mae La Flüchtlingslager Thailand
Flüchtlingslager Mae La: mehr als 40'000 Menschen leben hier. 
Ältere Menschen leben schon so lange in den Lagern, dass sich kaum mehr an ihre Heimat erinnern. Als temporäre Unterkünfte bezeichnet, macht Thailand in den letzten Jahren keinen Hehl daraus, dass sie geschlossen werden sollen und sorgt für wachsende Besorgnis unter den Flüchtlingen. Sie fühlen sich nicht sicher heimzukehren.

Als die ersten Flüchtlinge 1984 kamen, konnte niemand voraussagen, dass sie 30 Jahr später noch immer da sind. Die Mehrheit, 90%, sind ethnische Karen und Karenni aus dem Osten Burma's. Sie flohen vor bewaffneten Konflikten und Menschenrechtsverletzungen durch die burmesische Armee. Die "Four Cuts" Politik der Regierung wurde als langsamer Genozid der ethnischen Völker bezeichnet und führte zur weitgehenden Zerstörung von Gemeinschaften und Niedergang von traditionellen Kulturen. Tausende von Dörfern wurden, manchmal sogar inklusive der Haustiere, verbrannt. 

In vielen Dörfern wurde es Norm in ständiger Angst vor dem burmesischen Militär zu leben. Sie stahlen ihre Nahrung, zwangen sie als Träger und Minensucher zu arbeiten und vergewaltigten die Frauen. Wurde jemand verdächtigt, eine Verbindung zur bewaffneten Opposition zu haben, drohten Folter und Tötung. Während einige durch Warnsysteme und kurzzeitige Flucht in den Dschungel den Missbrauch ertrugen, entschieden sich andere ihre Heimat zu verlassen. Oft hatten sie keine Wahl, den ihr Dorf war in Schutt und Asche gelegt worden. 


Lager Mae La: eng zusammengepferchte Häuser durch begrenzte Fläche. 
Bis 1995 lebten die Flüchtlinge an der thailändisch-burmesischen Grenze in einer Art von Dörfern, durften sie verlassen um Nahrung und anderes zu suchen. Das Lagerleben änderte sich im Jahr darauf nach Angriffen der DKBA dramatisch. Aus den Dörfern wurden grosse, weitläufigen Lager, die zunehmend von Hilfe von Aussen abhängig wurden und ihren Bewohnern keinen Bewegungsraum mehr gaben. 

Einige Flüchtlinge hielten und halten sich nicht daran. Wer erwischt wird, dem drohen Gefängnis und manchmal Deportation. Es gibt sogar Berichte, dass Leute ausserhalb der Lagerzäune unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sind. 

Bis in der 2000er Jahre kamen immer mehr Flüchtlinge über die Grenze nach Thailand. Mit dem steigenden Bedürfnis wuchs ein humanitäres Netzwerk. Eine der Organisationen ist The Border Consortium, TBC, welche bis heute der hauptsächliche Versorger mit Lebensmitteln und anderer Hilfe ist. Die Organisation wuchs zu einer grossen Hilfsorganisation und ist Vorstandsmitglied des Committee for Coordination of Services to Displaced Persons in Thailand, CCSDPT, welche zusammen mit der UNHCR alle humanitären Dienste und Schutzmassnahmen in Thailand koordiniert.

Gemäss TBC lebten Ende Dezember 2014 110'607 Menschen in Thailand's Flüchtlingslagern. Rund 100'000 konnten in Drittländer umgesiedelt werden, eine unbekannte Anzahl floh aus den Lagern und lebt irgendwo in Thailand.


Die thailändische Regierung beherbergt zur Zeit entlang seiner Grenze zu Myanmar in 9 Lagern Flüchtlinge aus Myanmar.

Mit mehr als 40'000 Bewohnern ist Mae La das grösste Flüchtlingslager an der Grenze von Thailand und Burma. Es liegt 3 Fahrstunden weg von Mae Sariang auf der Strasse nach Mae Sot in der Provinz Tak.

Thailand ist kein Unterzeichnerstaat der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 sowie des Protokolls von 1967 und hat auch keinen formalen nationalen Rahmen für Asylsuchende. 

Seit Anfang 2012 ein Waffenstillstand zwischen der Regierung von Myanmar und den wichtigsten nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen unterzeichnet wurde, konnte ein Rückgang an Vorfällen in Süd-Ost Myanmar festgestellt werden.

Während die Bedingungen für die UNHCR noch nicht für eine freiwillige Rückkehr genügen, könnte es möglich sein, dass es zu mehr spontanen Rückkehrern kommt.

In Folge des Militärputschs vom Mai 2014 in Thailand wurden die Einwanderungsmassnahmen verschärft und die Politik von Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit von Papierlosen strenger umgesetzt. 

Der Staat Thailand unterstützt die Arbeit der UNHCR für die Flüchtlinge jährlich mit $20'000. Private spendeten 2013 $4.1 Mio. 

Auszug aus Burmalink:"Refugee Camps in Thailand", UNHCR

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