Freitag, 20. März 2015

Wir werden alt bevor wir reich werden

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Thailand ist eine alternde Gesellschaft, mit gegen 10 Millionen Menschen über 60, rund 15% der Bevölkerung. 2030 wird dieser Anteil 25% betragen. Sinkende Geburtsrate und höhere Lebenserwartung treiben den Wechsel voran. Sicher, es ist eine gute Nachricht, dass wir soweit gekommen sind, dass Thais durchschnittlich 74 Jahre alt werden.

alternde Gesellschaft Thailand
Thailand wird schneller zur alternden Gesellschaft als seine Nachbarn. 
Sind die Thais aber finanziell darauf vorbereitet? Unglücklicherweise ist die Antwort ein starkes Nein.

Wir werden ein paar Jahrzehnte nach Japan und Europa älter, aber lange vor unseren südostasiatischen Nachbarn. Tatsächlich speziell an Thailand ist, dass es die erste alternde Gesellschaft eines Schwellenlandes ist. Das bringt einige ernsthafte Herausforderungen mit sich.

Um es perspektivisch zu sehen, Thailand’s Bevölkerungsstruktur ist heute so alt wie es die von Japan in den 80er Jahren. Aber Japan’s Bruttosozialprodukt war damals dreimal höher als es in Thailand heute ist. Wir werden alt bevor wir reich werden.

Die alternde Bevölkerung wird bedeutenden Einfluss auf die thailändische Wirtschaft und ihre Entwicklung in den kommenden Jahren haben. Bereits jetzt ist es für Arbeitgeber schwierig. Sie finden häufig nicht genügend Leute auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote beträgt 0.7% und ist eine der tiefsten der Welt. Viele billige Arbeitskräfte machten Thailand früher stark wettbewerbsfähig. Das Bevölkerungswachstum war Teil der explosiven wirtschaftlichen Entwicklung in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts.

2018 wird der Anteil der arbeitenden Bevölkerung zu sinken beginnen, weil die Geburtsrate aufgrund von Abwanderung in die Stadt und Trend zu kleineren Familien bereits seit einem Jahrzehnt sinkt. Das sinkende Bevölkerungswachstum wird das Wirtschaftswachstum jährlich um 0.8% drücken.

Langsameres Wirtschaftswachstum wird Thailand’s loderndes Problem ungenügender Altersguthaben anheizen. Eine Kundenstudie der Siam Commercial Bank zeigt, dass Thais die finanziellen Mittel für das Alter oft unterschätzen. Viele haben überhaupt keinen Plan für ihren dritten Lebensabschnitt.

Früher lebten alte Leute häufig als Teil der erweiterten Familie, einherkommend mit finanzieller Unterstützung ihrer Kinder. Aber heute leben mehr und mehr alte Menschen alleine, sie machen gemäss des nationalen Statistikamtes etwa 10% aller Haushalte Thailand’s aus.

Umso wichtiger ist ein Plan fürs Alter. Statistische Daten der Regierung zeigen, das die Alten Thailand’s weit weg von finanzieller Unabhängigkeit sind. Sie sind abhängig von Verwandtschaft und Staat, welche für mehr als ein Drittel ihres Einkommens aufkommen.

Diese Quelle wird immer prekärer, je älter die Bevölkerung wird und je tiefer die Geburtenrate sinken. Viele werden vom sozialen Sicherheitsnetz des Staates abhängig werden. Die Situation erschweren könnten sinkende Steuereinnahmen sein, weil die Abhängigen im Vergleich zu den Verdienern immer mehr werden. Zur Zeit gibt es sieben Arbeitende für jeden Menschen im Pensionsalter. In den nächsten 15 Jahren wird diese Zahl halbiert.

Länder mit alternder Bevölkerung tendieren zu hoher Staatsverschuldung, weil die Ausgaben für Gesundheit und Renten steigen. Thailand sollte steuerliche Bürden auf sich nehmen und vorausplanen. Die bestehenden Pensionspläne sind hauptsächlich starr ausgelegt. Das heisst, den Pensionären wird ein vorgegebener Betrag ausbezahlt. Das unterscheidet sich vom Ansatz einer leistungsdefinierten Summe, die abhängig vom einbezahlten Betrag geleistet wird.

So scheint es, dass Thailand’s starkes Vertrauen in vorgegebene, bestimmte Leistungspläne zusammen mit den steigenden Gesundheitskosten zur Insolvenz führen wird. Die Regierung muss ihre Finanzpläne restrukturieren, nachhaltiger gestalten. Sonst wird die junge, arbeitende Bevölkerung substanziell höhere Steuerlasten tragen müssen. Dies würde zur immensen Belastung  für das soziale Gefüge der Gesellschaft, wie auch für die Regierung und den Staat werden.

Die Strategien der meisten thailändischen Sparer werden nicht den erwarteten Erfolg haben. Ein grosser Teil des Geldes liegt auf traditionellen Sparbüchern. Die Aussichten auf Zinsertrag sind aufgrund kleiner Guthaben der Pensionäre gering, und die Zinssätze werden durch Änderungen im Kreditgeschäft sinken. Ausserdem, angesichts der alternden Bevölkerung, werden Portfolios mehr und mehr Richtung sichere Anlagen geschoben, welche Profite auf Staatsanleihen u.ä. potentiell noch mehr drücken. Dies könnte zu einer Deflation führen, wie sie gemäss International Monetary Fund Japan und Europa zur Zeit erleben. 

Finanzielle Kenntnisse würde Haushalte ermöglichen, ihr Geld besser zu verwalten und höhere Erträge auf Guthaben zu erzielen.

Späteres Pensionsalter könnte ebenso helfen. Die Regierung sollte institutionelle und gesetzliche Barrieren, welche Menschen im Pensionsalter vor Arbeit abhalten, entfernen. Viele fite und fähige Pensionäre würden ihre Karriere gerne vorsetzen, werden aber durch Arbeitsgesetze, Rentenregulierungen und die Einstellung der Firmen davon abgehalten.

Obwohl ein heute 60-jähriger heute viel gesünder als nur vor einem Jahrzehnt ist, er noch viel länger lebt und noch viele Jahre rüstig und gesund bis zum goldenen Alter bleiben wird, spiegelt das offizielle Rentenalter diesen Umstand nicht.

Die Option verzögerte Pension würde nicht nur den älteren Arbeitnehmern selbst zugute kommen, aber auch Unternehmen und Organisationen. In vielen Bereichen und Berufen ist Erfahrung entscheidend. Firmen könnten wertvolle Arbeitskräfte gewinnen, wenn sie älteren Arbeitnehmern erlauben würden, von zu Hause aus oder Teilzeit zu arbeiten. Im Gegenzug könnten Angestellte mit Akzeptanz eines tieferen Lohnes ihren Firmen entgegenkommen.

Der heimtückische demographische Wandel wird tiefen und unvermeidlichen sozio-ökonomischen Einfluss auf Thailand haben. Schon wirtschaftlich starke Nationen wie Japan und europäische Staaten kämpfen mit ihrer alternden Bevölkerung. Jetzt ist es höchste Zeit, mit Thailand’s laxer Haltung aufzuhören und die Rentenpolitik zu reformieren.

Von Sutapa Amornvivat für die Bangkok Post. Sie ist Chef Ökonomin und First Executive Vice President des Economic Intelligence Center der Siam Commercial Bank. 

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