Dienstag, 10. März 2015

Staudämme ersticken das Leben am und im Mekong

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Mehr als ein Dutzend gestrandete chinesische Frachtkähne liegen am ausgetrockneten Ufer des Mekong in Chiang Saen. Die chinesischen Handelsunternehmen haben ihre Türen verriegelt. Ein einsamer thailändischer Zollbeamter dreht in seinem leeren Büro Papiere um. Draussen vor dem Fenster fliesst der Mekong, einer der grossen Flüsse der Welt, langsam und träge an einem stillen Hafen vorbei. 

Gestrandete chinesische Handelsschiffe am Mekong. 
"Die grossen Schiffe können weder vor- noch zurück, weil der Wasserstand so niedrig ist", sagt der Besitzer eines Restaurants.

Crewman Zheng Liang, 24, aus der südchinesischen Provinz Yunan beobachtet die rostigen Schiffe. Er ist einer der wenigen zurückgebliebenen, die anderen sind alle wieder nach Hause gefahren.

Der Mekong war in der kühlen, trockenen Jahreszeit immer flach. Aber jetzt ist es extrem und unvorhersehbar. Er steht und fällt plötzlich, Schlamm und Sedimente ändern das Flussbett. Pflanzungen am Ufer sind entweder überschwemmt oder leider unter Dürre. Die Fänge der Fischer sind gering. Der wahrscheinlichste Grund: sechs riesige Staudämme, hunderte von Kilometern flussaufwärts in China.

"90-95% des Wassers in Chiang Saen kommt aus China und seit die Dämme gebaut wurden sehen wir unnatürliche Pegelschwankungen", sagte Pianporn Deetes von der Umweltschutzorganisation International Rivers. "Der Pegel schwankt ohne jede Erklärungsmöglichkeit. Wir wissen nicht einmal, wie viel Wasser jeden Tag kommt."

Markthändler Sanchai Somkien weist auf Körbe mit kleinen, getrockneten Fischen, wichtigen Proteinlieferanten der lokalen Bevölkerung. "Nicht viele", sagte er, "aber teuer."

Die Quelle des mächtigen Mekong liegt auf der tibetischen Hochebene, sie wird von schmelzendem Schnee gefüttert. Er fliesst durch China und Myanmar bis zum Dreiländereck, dem touristischen Goldenen Dreieck nahe Chiang Saen, dann weiter als Grenze zwischen Thailand und Laos, später durch Kambodscha und entleert sich schliesslich über ein enormes Delta in Vietnam ins Südchinesische Meer.

Entlang seiner 4'350 Kilometer leben mehr als 40 Millionen Menschen vom Fluss. Seine Monsun getränkten Wasser schufen die weltweit grösste Binnenfischerei, mehr als 850 Fischarten leben im Mekong, er bewässert die Reisfelder entlang seines Laufes.

Das ist jetzt in Gefahr. Auf der Suche nach vorgeblich sauberer Energie plant China in den nächsten 10 Jahren 14 weitere Dämme zu bauen. In entlegenen, gut geschützten und deshalb uneinsehbaren Regionen können Dämme nicht überprüft werden, bis vor kurzem galten sie gar als Staatsgeheimnis.

All diese Faktoren können für Länder, deren Menschen von der Landwirtschaft, Navigation, Fischwanderung und anderen wichtigen Ökosystemleistungen abhängig sind zum Desaster werden, wie ein Bericht von International Rivers besagt.

Aber China ist nicht das einzige Land, welches weitreichende Umwelteinschnitte ohne Rücksprache mit seinen Nachbarn und der eigenen Bevölkerung trifft. Laos und Kambodscha haben grosse Pläne für bis zu 11 Staudämme am unteren Mekong.

In Laos wird für $ 5.7 Mio. der Xayaburi Staudam gebaut. Weiter untern beklagen sich thailändische Fischer, dass sich Gezeiten und Fänge bereits geändert haben. In einem Zeitraum von 3 Tagen kann der Wasserpegel um 1 Meter steigen und fallen.

Ein Gericht wird sich die Klage von Bewohnern aus 8 Provinzen Thailand's anhören, welche behauptet, dass der Vertrag zwischen den Betreibern des Xayaburi Staudamms und der thailändischen Strombehörde Egat illegal sei, da keine Gesundheits- und Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht wurde.

Aber das kommunistische Regime in Laos, einem der ärmsten Länder, will die "Batterie von Asien" werden und plant bereits einen zweiten Damm, bekannt als Don Sahong, nahe der Stelle, wo der Mekong nach Kambodscha fliesst. Einer seiner Kritiker, der Umweltaktivist Sombath Somphone wurde im Dezember 2012 in der Hauptstadt Vientiane festgenommen und seitdem nicht mehr gesehen. Die laotische Regierung ignoriert Appelle von Amnesty International, der UNO und EU für seine Freilassung.

Staudämme Mekong
Gebaute und geplante Staudämme am Hauptstrom des Mekong.
Kambodscha hat einen Vertrag zum Bau eines Staudamms an einem Nebenfluss des Mekong mit einem chinesischen Staatsunternehmen über $ 1 Milliarde unterschrieben. Er wird starke Wirkung auf den Tonle Sap, diesen riesigen Süsswassersee, der entscheidend für die kambodschanische Wirtschaft und Fischerei ist, haben.

4 weitere Dämme sind geplant. Eine seltene Einheit spukte letzten Monat unter den südostasiatischen Ländern, die den Mekong als Energiequelle nutzen wollen. Bei einem Treffen der Mekong Kommission, bestehend aus Delegationen von Laos, Thailand, Vietnam und Kambodscha, vereinbarte die laotische Seite weitere Gespräche über das Don Sahong Projekt.

Eine ungeahnte Erholung der Goldgrube Staudämme, von der Kritiker behaupten, sie sei anfällig für Korruption und Amtsmissbrauch. Eine wissenschaftliche Studie der Kommission hatte schon 2010 gewarnt, dass, wenn alle Dämme gebaut würden, 55% des unteren Mekong zu einer Reihe von statischen Seen verkommt und die Gefahr von Hochwasser zunehmen werde.

Die Studie prognostiziert, dass die Fischbestände zwischen 26 und 42% fallen und bis zu 100 Arten, darunter der Riesenwels und der Irrawady Delfin, aussterben werden. Die nährstoffreichen Sedimente des Mekong würden um mehr als die Hälfte reduziert.

Sie empfiehlt, alle Entscheidungen über Staudämme im Hauptstrom bis 2020 zu verschieben, in der Zwischenzeit Risikoanalysen und Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung von Wasserkraft zu erarbeiten.

Steht man am brüchigen Ufer in Chiang Saen und lauscht der Stille des Mekong, beschleicht jeden das Gefühl, dass es vielleicht schon zu spät ist.

Quelle: Chiang Rai Times

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