Sonntag, 15. März 2015

Gütesiegel vom Polizeiposten

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Iden des März
Von Roger Crutchley. Diese Woche machte ich auf einem dafür unwahrscheinlichen Ort eine sehr angenehme Erfahrung - auf dem Phra Khanong Polizeiposten. Ich muss sagen, ich ging nicht dorthin, weil ich irgendwie gegen das Gesetz verstossen hätte, in letzter Zeit war ich immer ein guter Junge, vielleicht abgesehen vom Rumstreunen.

Ich musste, wie alle fünf Jahre, mein Polizeibuch erneuern. Das Polizeibuch, eigentlich Alien Registration Book, besitzen Ausländer, die in Thailand ein permanentes Aufenthaltsrecht geniessen.

In der Vergangenheit waren auch noch andere Polizei Distrikte involviert, und das bedeutete lange Wartezeiten, manchmal dauerte es einige Tage.

Also kam ich gut vorbereitet, hatte ein paar Kreuzworträtsel gegen Langweile mit dabei.

Kaum trat ich ein, wurde ich an eine Polizistin verwiesen, welche für „Alien“ Angelegenheiten zuständig war. Ich gab ihr mein Buch und setzte mich hin.

Der Posten hatte einen frischen Anstrich erhalten und ich verbrachte einige Zeit bewundernd, wie sauber und ordentlich alles aussah, so für einen Polizeischuppen.

Polizeiposten können ziemlich übel riechen, aber der einzige Duft in der Luft in Phra Khanong war der von trocknender Farbe.

Nachdem ich einige toll ausschauende Dokumente unterschrieben hatte, hörte ich zu meiner Überraschung die magischen Worte: Riep Roi, alles in Ordnung. Und die Polizistin überreichte mir mein Buch mit einem freundlichen Lächeln.

Ich hatte nicht mal eine Chance, Kreuzworträtsel zu lösen. Als ich die Gebühr bezahlte, grüsste mich ein Polizist nebenan mit seinem besten Englisch: „See you again in five years.“ Die ganze Prozedur hatte nur 15 Minuten gedauert. Wow!

Schurken Galerie

Die Taxifahrt nach Hause dauerte durch den stockenden Verkehr Bangkok’s. Ich blätterte durch mein zerschlissenes Polizeibuch, welches ich seit mehr als 40 Jahren besitze.

Es war keine nur angenehme Erfahrung. Der erste Stempel datierte auf den März 1972 und das Buch fällt langsam auseinander, genau so wie der Besitzer.  

Ein Problem mit dem Polizeibuch ist, das immer ein aktuelles Foto mit drin ist. Auf der ersten Seite ist eine Art Fahndungsfoto eines 25-jährigen Lulatschs mit weit aufgerissenen Augen.

Beim Weiterblättern sieht man in 5 Jahres Schritten den physischen Zerfall, all die Jahre bis zum 2015er Schuss eines bestätigt runzligen Relikts.

Dazu litt ich auf einem der früheren Fotos an einem Schlechte-Haare-Tag, und glich irgendwie wie einem Zirkusclown.

Auf den jüngeren Fotos kann mein Gesicht, trotz erheblicher Bemühungen wie ein jugendlicher Alter auszusehen, nicht verstecken, dass es die müde Optik von jemanden ist, der weiss, dass seine besten Tage vorbei sind. 

Matt und matter

Ich begann durch meinen Pass zu blättern. Nicht, dass da irgend etwas von grosser Bedeutung drin ist. Es waren nur Serien von Ausreise- und Einreisestempeln von Thailand und benachbarten Ländern.

Beinahe alle Stempel hatten diese undefinierbare, blau-purpurne Tinktur, welche von allen Stemplern dieser Welt so geliebt wird.

Es wäre doch schön, wenn sie Erinnerungen an einmalige Reisen in exotische Gegenden auslösen würden, aber es waren unweigerlich nur Erinnerungen an lange Schlangen vor Zollkontrollen und panisches Warten am Gepäckband, hoffend, dass es nicht irgendwo im All verschwunden ist.

Ich musste daran denken, dass es Zeiten gab, als mich mein Pass auf Reisen an aussergewöhnliche Ort begleitete. Diese Tage nutze ich ihn nur noch auf der Bank. 

Eine heisse Spur

Ich erinnere mich mit einigem Vergnügen an meinen ersten Pass, den ich in den 60er Jahren erhielt. Dazu musste ich nach London reisen, was für mich damals schon eine Weltreise für sich war.

Einige Monate später fand ich mich mit einigen Klassenkameraden im Ausland, auf der spanischen Insel Ibiza. Nach meiner Rückkehr trug der Pass einen Spanien Stempel, und ich war stolz darauf.

Ich war ein internationaler Reisender - und mehr, ich hatte sogar einige spanische Wörter aufgeschnappt, Vino und Paella, ich war sogar ein Sprachkundiger. Im folgenden Jahr war es Italien und nicht lange darauf hatte ich ganz Europa erkundet - ich war nichts weniger als ein Globetrotter.

Ein Überlandtrip von England nach Indien erweiterte den Inhalt des Passes. Aber das herausragendste war das Visum für Afghanistan, welches 1969 einige Seiten mit dutzenden von exotischen Stempeln bedeckte. Es gab das Gefühl, dass du wirklich an einen sehr aussergewöhnlichen Ort fuhrst - was im Fall von Afghanistan Ende der 60er sicher auch der Wahrheit entsprach.

Iden des März

Für alle, die heute etwas besonderes tun wollen und etwas abergläubisch sind: bleiben sie zu Hause und spielen sie mit dem Hund oder der Katze.

Es war am 15. dieses Monats, in der römischen Geschichte als Iden des März bekannt, und markiert die Ermordung von Julius Cäsar 44 vor Christus.

Wie auch immer, ich bin glücklich berichten zu können, dass seither nicht allzu viele dramatische Dinge in den Iden des März geschehen sind.

Aber, 1877 war es dieser Tag, als die Cricket Testspiele geboren wurden. Das erste Spiel lautete England gegen Australien - etwas, das insbesondere Engländer als finstere Nachrichten betrachten.

Und du Brutus?

Es mag schon eine ganze Menge Zeit vergangen sein, aber die Geschichte, welche zu Cäsar’s Ermordung durch Brutus geführt hat, bleibt aktuell.

Es ist eine Geschichte von Fallgruben der Macht, politischen Intrigen, Bereicherung, Betrug, in den Rücken fallen - etwas, mit dem Politiker rund um die Welt familiär sind.

Sicher kennen wir nichts Vergleichbares in Thailand.

Quelle: Bangkok Post

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