Donnerstag, 5. März 2015

Ein Wrack von oben bis unten - die 124 Jahre alte Bahn Thailand’s

Keine Kommentare :
Die Dusche danach ist das, was wahrscheinlich nach einer Bahnfahrt in der dritten Klasse in Thailand in Erinnerung bleibt - Klumpen von Staub kommen aus der Nase, russiges Wasser läuft am Körper ab und die Haare riechen auch nach dem dritten Mal Waschen noch nach Metall.

Zug Thailand
Einfahrt in einen Bahnhof. Auch Warteraum für's Passieren von Zügen aus der Gegenrichtung. 
Nicht nur schmutzig, sondern auch langsam, unbequem und oft unzuverlässig, nicht zu erwähnen die sporadischen Fälle von Verbrechen an Bord. So ist das Bild, welches sich über lange Zeit von der State Railway of Thailand in den Köpfen eingeprägt hat. 

Und als der Nationale Rat für Frieden und Ordnung mit China das Abkommen für die Konstruktion einer doppelspurigen Verbindung von Nong Kai über Nakhon Ratchasima nach Map Ta Phut, mit Anschluss an Bangkok, bekannt gab, geriet der vernachlässigte Standard der Thailändischen Bahn nochmals in den Fokus.

Wenn das Projekt realisiert wird, wäre dies der erste wirkliche Upgrade in der 124-jährigen Geschichte.

Nach einer kürzlichen Reise von Bangkok nach Nong Kai in einem nicht klimatisierten 3. Klasse Wagen ist es schwierig nicht zu bestätigen, dass die Bahn Thailand’s weit der Zeit hinterher hinkt.

Der 8-Jahresplan der Militärjunta zur Verbesserung des Transportservices ist dem 2 Billionen Baht Infrastruktur Projekt der früheren Yingluck Regierung ähnlich, mit einem Unterschied - einem Wechsel von Hochgeschwindigkeitszug zu einer Zweigleis Variante. Die zwei neuen Gleise Normalspur sollen neben die bestehende Schmalspur, welche weiterhin genutzt wird, gebaut werden.

Klumpen von Staub kommen tatsächlich aus der Nase, die 3. Klasse Wagen haben nur harte Bänke, keine Klimaanlage und sind seit nicht weniger als 40 Jahren in Betrieb. Abgesehen davon, dass Thailand 1928 das erste Land Südostasiens war, welches Diesel Loks einsetzte, fahren die Züge auch nach 80 Jahren nicht schneller, und das auch nicht zu oft, als 90 Kilometer pro Stunde.

Mit dem Bummler durch den Isan nach Nong Khai

Das 3. Klasse Ticket nach Nong Kai kostete 253 Baht und es dauert trotz der nur 624 Kilometer mehr als 11 Stunden, das Reiseziel zu erreichen. Es würde beinahe 2 Tage dauern von Chiang Mai zum südlichsten Punkt des thailändischen Bahnnetzes in Sungai Kolok, einer Grenzstadt in der Provinz Narathiwat, zu erreichen. 

Eindrücklich, der Zug fuhr pünktlich um 18.35 Uhr aus dem Hauptbahnhof Hua Lamphong in Bangkok ab. Aber schon nach 5 Minuten stoppte er auf einem Seitengleis für eine halbe Stunde. Ungefähr 98% der thailändischen Bahn sind eingleisig geführt und solche Stopps sind notwendig, Züge aus der Gegenrichtung passieren zu lassen. 

Mit der von der Regierung geplanten zweigleisigen Streckenführung werden nicht mehr nur solche Stopps unnötig, die 1.435m Normalspur erlaubt auch Geschwindigkeiten von bis zu 160km/h. Die 873 Kilometer neue Geleise kosten über den Daumen gepeilt 350 Milliarden Baht.

Abgesehen davon, wie die Passagiere gekleidet waren und beinahe alle auf ihre Smartphones starrten, gab es keinen Unterschied zu einer Fahrt vor einem halben Jahrhundert. Rhythmisch auf seinem Ticketlocher klickend war der Schaffner noch in eine traditionelle, dunkelbraune Uniform mit Käppi gekleidet. 

Als der Zug auf Höhe Don Mueang und Rangsit die Hektik und Lichter der Grossstadt verliess und Richtung Ayutthaya fuhr, wäre es eine richtige Nostalgiefahrt geworden, hätten wir nicht auf diesen das Kreuz brechenden Bänken gesessen, welche nach ein, zwei Stunden zur Qual wurden. 

Das Bahnnetz Thailands besteht aus drei Linien: Northern, Northeastern und Southern. 
Die Bänke bei den Türen sind wie im Skytrain seitlich angeordnet, die anderen sind Viererabteile. Auch wenn man nicht sehr gross ist, werden die Beine bald mit denen des Nachbars gegenüber intim. Viele hatten deshalb ihre Beine als bewusstes Signal für zusteigende Passagiere auf die gegenüberliegende Bank ausgestreckt.

Ungeachtet dessen, das die Brise nach Eindunkeln kühler und angenehmer wurde, drang der Geschmack von Metall und Rost im Wagen - Dach, Türen, Fensterrahmen, Handgriffe, usw. - in die Kleider und auf die Haut, und es war unmöglich zu schlafen. Weil die Türen jedes Wagens offen standen, flog auch immer wieder Müll von den Geleisen hinein und wirbelte durch die Abteile.

Nachdem wir Ayutthaya verlassen hatten, fuhr der Zug nach der Verzweigung in Ban Phachi, wo sich die Bahntrassen in den Norden und Nordosten trennen, in Richtung Saraburi. Auf grösseren Bahnhöfen wie dem in Kaeng Khoi oder Pak Chong drängten sich während des kurzen Halts Essen Verkäufer in die Wagen und priesen ihren Waren lautstark an, obwohl es schon bald Mitternacht war.

Als wir endlich Nakhon Ratchasima erreichten, glich der Warenverkauf schon bald einem Tumult.  

Eine Gruppe von mehr als 10 Verkäufern bestieg den Wagen wie eine Guerilla Truppe, ihre Waffen waren alle Arten von Essen, gebratener Reis mit Basilikum, Nudeln mit Huhn, gegrilltes Schwein oder gebratenes Rind mit Klebreis, Reisporridge, Würste, Fleischbälle und noch vieles mehr.

Verkäufer Supat Sukasem sagte, dass die Bewohner rund um den Bahnhof schon seit Jahrzehnten von der gemächlichen Bahn leben und sich keineswegs auf neue, schnelle Züge freuen.

Wenn einmal die modernisierten Züge einfahren, sei es vorbei mit seiner und seiner Freunde Karriere und er wisse nicht, wie er dann seine Kinder noch bis zur Universität durchfüttern könne.

Für die Passagiere im Zug aber schien gutes Essen mitten in der Nacht nur wenig mehr Komfort zu bedeuten. Einige hatten dünne Matratzen dabei und schliefen auf dem Boden, andere füllten den kleinen Raum zwischen den Bänken mit ihrem Gepäck und machten daraus eine Art temporäres Bett.

Zug Thailand
Schlafversuche in der 3. Klasse der State Railway of Thailand. 
Auch ein Teil Nostalgie waren die Toiletten. Das Geräusch der Gleise und knisternder Wind strömten durch das Loch im Boden und, obwohl jede Toilette ein grosses Fenster zur Belüftung hat, stank es bestialisch. Drei flach gedrückte Rollen Papier an einem bunten Plastikseil ergänzten das Bild des traurigsten Anblicks auf der gesamten Reise.

Ungefähr um 2 Uhr in der Früh verliessen einige den Zug in Khon Kaen und dann später auch in Udon Thani. Von den verbleibenden Passagiere bis Nong Khai stammten die meisten aus Laos.

Toni Chantirat, ein ungefähr 30-jähriger Laote, der als Sicherheitsmann in Bangkok arbeitet, sagte, er müsse wegen einer dringenden Familienangelegenheit nach Hause. Einer Mutter mit Tochter auf dem Weg zurück nach Vientiane nach einem Urlaub in Pattaya scherte sich nicht um die Verspätung.

Die sollte es dann nicht mehr geben, wenn die zweigleisige Normalspur Bangkok via Vientiane in Laos mit Kunming, der grössten Stadt im Südwesten Chinas, verbindet.

Der Weg zurück

Für viele Passagiere ist Nong Khai der Abfahrtspunkt ihrer Reise ins grosse Bangkok. Für Bangkoker ist es eine Reise zurück nach Hause und die lange Fahrt bietet viel bessere Ausblicke, weil sie tagsüber dauert. Gegenteilig zur kühlen Brise in der Nacht strömt heisse und staubige Luft in die Abteile. Während der Fahrt durch die meist trockene Landschaft im Nordosten wurden Blätter und Staub von den Feldern aufgewirbelt und in den Zug aufgesogen, wo beides lustig durch die Wagen tanzte.

Den spektakulärsten Blick bot die Fahrt über den Pasak Chonlasit Staudamm in der Provinz Lopburi.

Ausgenommen demjenigen für die neuen Gleise über den Damm gehört der grösste Teil des Landes jeweils 40 Meter links und rechts der bestehenden Bahnlinie der State Railway of Thailand, genug für die parallele Konstruktion der neuen, zweigleisigen Trasse.

40 Meter links und rechts des Geleises gehört das Land der Bahn. 
Viele Passagiere waren Migranten auf dem Weg zurück zu ihrer Arbeit. Ein kleines Kind reiste mit seinen Grosseltern von Nong Khai zu einem Arzt in der Hauptstadt.

Die Grossmutter sagte, der Junge hätte seit der Geburt Probleme mit den Nerven in seiner rechten Hand. Nach einer Operation muss er häufig zur Visite, eine Reise von jeweils 3 Tagen hin- und zurück. Sie denkt, schnellere Züge würden die Reise angenehmer machen, aber ihr macht die langsame Fahrt nichts aus. "Es geht gemächlich, aber es ist schön und sicher."

Zur Zeit wird das Abkommen zwischen Thailand und China von beiden Seiten im Detail geprüft. Während die Investitionsstruktur noch diesen Monat verabschiedet wird, sollte das Projekt im April freigegeben werden. 

Die Junta sagt, dass eine Kooperation mit anderen Ländern, insbesondere Japan und Korea, zum Bau weiterer Strecken möglich ist. Ziel ist eine bessere Verbindung mit den Nachbarländern der Asean Gemeinschaft. 

Aber die Strecke in den Nordosten wird die erste sein. Wenn sie in Betrieb genommen wird, reduziert sich die Fahrtzeit von Bangkok nach Nong Khai auf vier Stunden.

Hoffen wir, dass die Isan Bahn nicht ein weiteres Luftschloss, sondern ein solides Fundament für bessere Zugverbindungen im gesamten Land wird und den Menschen ein Stück besseres Leben bringt.

Quelle: Bangkok Post

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen