Montag, 16. März 2015

Ein Gouverneur unter Druck

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Meine Augen tränten, als ich diesen morgen ins Regierungsgebäude der Provinz Chiang Mai ging, auf ein Interview mit dem Gouverneur Suriya Prasartbandit selbst hoffend. Ich hatte nicht zu viele Erwartungen, meine erste Anfrage lag acht Monate zurück, aber die Luftverschmutzung, welche durch Augen, Nase und Lunge dringt, sagte, dass die Zeit gekommen ist.
Gouverneur Provinz Chiang Mai
Der Gouverneur der Provinz Chiang Mai, Suriya Prasartbandit. 
Nach einer Änderung des Büros des Gouverneurs Ende letzten Jahres, hatten wir einen weiteren Brief mit der Bitte um ein Interview gesandt, zusammen mit einer langen Liste von Fragen, wie es offizielle Interviews verlangen. Geschickt per Post, Fax und E-Mail an seine Sekretärin. Das Wartespiel ging weiter.

Dann, vor ein paar Wochen, erfuhr ich, dass mir der Gouverneur eine volle Stunde Zeit gab. Ich war furchtbar aufgeregt. Ich fuhr zum Internationalen Kongresszentrum Chiang Mai's, wo er sein sollte, und setzte mich in einem luxuriösen Raum - nichts weniger als das Banharn Silpa-Archa Büro - wo ich eine gute Stunde oder so wartete. 

Schliesslich kam der Gouverneur, ein kleiner, schlanker Mann, wie immer in einer braunen Uniform gekleidet, mit Boonlert Buranupakon, dem Leiter der Verwaltungsorganisation der Provinz, im Schlepptau. Boonlert, ein vollendeter Politiker erinnerte sich an meinen Namen und das Magazin, für das ich schreibe. Er war sehr besorgt, bevor der Gouverneur mir sagte, dass ich nochmals eineinhalb Stunden bis zum Ende seiner nächsten Sitzung warten müsse. Dann könne er mir fünf oder zehn Minuten geben.

Ich lehnte dankend ab.

Einige Stornierungen und Änderungen später fand ich mich heute Morgen in einem Aufzug voller maskierter Regierungsbeamter. Alle beschwerten sich über die Luftverschmutzung und bald wurde ich ich im dritten Stock in den Sitzungssaal des Gouverneurs geleitet. Die Mitarbeitenden wuselten umher, Telefone klingelten, sie wehrten sich mit: "Ja, das Feuer wurde gemeldet", "die Armee ist mit Hubschraubern in Bereitschaft", "das Treffen mit dem Gesundheitsamt ist für kommenden Woche geplant" und "der Kommandant der dritten Armeeregion kommt jede Minute".

Offensichtlich war das Büro des Gouverneurs von der Luftverschmutzungskrise belagert. Und das zu Recht.

Schliesslich stürzte der Gouverneur herein und verkündete, dass er wenig Zeit habe. Ohne weiteres zu tun fragte ich, was denn in diesem Jahr bei der Bekämpfung der Umweltverschmutzung anders als im Vorjahr gemacht werde und warum die Ergebnisse bisher so trostlos sind.

"Man muss die Wahrheit suchen", sagte er. "Es ist der Wind aus dem Golf von Bengalen. Die Winde kommen aus Myanmar, passieren Tak oder Mae Hong Son und wir müssen die Methoden unserer Nachbarn akzeptieren."


Smog Provinz Chiang Mai
Smog, verursacht durch Brandrodung in Chiang Mai. 
Ich wies darauf hin, dass Satelliten Karten eigenes Verschulden zeigen. "Unsere Leute machen dasselbe, selbstverständlich", gibt er zu. "Vor allem die Produzenten von Mais. Dieses Jahr haben wir früh darauf hingearbeitet, wirklich früh, schon im November. Wir gingen in die Dörfer, sprachen über die Verwendung von Kompost, wir haben Umweltschutzgruppen Geld zum Bau eines Feuerwalls von 1'300 Kilometer Länge entlang Nationalparks gegeben. Es sind nicht viele Nationalparks, ich weiss, aber wir haben gemacht, was wir machen konnten und die Resultate waren sehr gut, insbesondere in den Gebieten Chomthong und Hod.

Wir schlugen das Feuer an der Wurzel, indem wir die kleinen, drei Zentimeter hohen Büsche verbrannten, besser als zu warten, bis sie zehn oder mehr Zentimeter hoch gewachsen sind. Wir begannen die kontrollierten Brände im Januar. Dies trug dazu bei, Buschfeuer im Wald zu verhindern, auch später in der Saison wird es zu weniger Bränden kommen. Das Problem in diesem Jahr sind die Nordwinde aus Tak, Mae Hong Son, aus Myanmar. Chiang Mai liegt in einem Becken, die Luft kommt hier zum Stehen. Das ist, was ich fortwährend zu den Leuten sage, die Luftverschmutzung kommt mit dem Wind, und sie wird mit dem Wind gehen.

Gefragt, wie er mit dieser Krise und der Verschlechterung der Lage umgehe, greift er in seine Tasche und nimmt sein Telefon in die Hand. "Sehen sie? Ich erhalte Berichte via Line immer unmittelbar. Eben habe ich gesehen, dass es in der Provinz Chiang Mai elf grosse Feuer gibt. Es ist nicht so schlimm, wie manche denken. Tatsächlich sollte sich die Luftverschmutzung inzwischen verringert haben. Ich verstehe es nicht, aber ich werde bald eine Bericht darüber erhalten."

"Es ist eine Krise des Gesundheitswesens, eine Krise des Tourismus und eine Krise für uns alle. Wir warten auf ein Tiefdruckgebiet aus China, das alles wegbläst. Wir haben bereits am 15. Februar ein 60-tägiges Feuerverbot ausgesprochen. Es gibt also bereits weniger Brände.

Ich sagte dem Gouverneur, dass ich jede Nacht Feuer sehe. Sie sind überall und es sieht nicht so aus, als es weniger als in früheren Jahren wären und sie in irgend einer Weise kontrolliert sind.


Verbot Feuer zu machen Chiang Mai
Feuer machen verboten, wenn auch nur zwischenzeitlich. 
"Einige Leute nutzen eine Art grosse Streichhölzer mit einer Schnur, die in brennbare Flüssigkeiten getränkt wird. Sie zünden sie an und laufen weg. Wenn wir eine Beschwerde erhalten, mobilisieren wir ein Löschteam und machen uns auf den Weg zur Brandstelle, wenn sie überhaupt mit einem Fahrzeug zu erreichen ist. Der oder die Täter sind schon lange weg. Es ist nicht einfach. Aber wir haben sehr hohe Strafen ausgesetzt und viele Gemeinden sind auf der Suche nach den Brandstiftern.

"Wieviele wurden festgenommen?"

"Ein Mann. Aber weitere werden folgen."

Ich befragte ihn über Pilze und ob der Verkauf bestimmter Sorten verboten werde, wie dies einige Bürger vorgeschlagen haben.

"Ich stimme einem generellen Verbot nicht zu. Es gibt viele Nationalparks, welchen für die Pilzsaison geöffnet werden und wo nichts brennt. Sie wollen den Sammlern sicher nicht ihren Lebensunterhalt wegnehmen, nicht wahr? Und es würde auch nicht möglich sein, ein Verbot durchzusetzen. Einige Dörfer sind gewissenhaft. Aber viele melden nichts. Sie schützen sich selbst."

"Ich komme aus der Provinz Tak, wir haben eine 400 Kilometer lange Grenze mit den Karen Staaten Myanmar's. Die Menschen dort haben keine Maschinen und keine moderne Landwirtschaft wie wir. Sie wenden altmodische Methoden wie Brandrodung an. Nehmen sie Indonesien, als es Feuerprobleme hatte, die bis nach Singapur reichten. Singapur musste sich auf nationaler Ebene damit befassen. Wie auch wir."

Zehn Minuten waren vorbei, mit jeder Frage schien der Gouverneur mehr und mehr frustriert und beäugte alle paar Augenblicke seine Uhr.

"Sie haben noch ein paar Minuten. Ich muss gehen, treffe den Kommandanten der Armeeregion." Ich schaute auf meine Liste voller Fragen und begann zu schiessen.

"Neuer Flughafen?", lachte er. "Das ist ein Gerücht. Alles was wir bis jetzt, und ich meine wirklich gerade jetzt, getan haben, war eine Anfrage an die Zentralregierung für eine Machbarkeitsstudie. Die Prognose für den bestehenden Flughafen bei einem jährlichen Wachstum von 5% liegt für weitere 10 Jahre Betrieb. Aber im letzten Jahr wuchs er um 27%. Wir müssen also neu bewerten. Eine Studie wird bald gemacht werden und ja, es wird allenfalls einen neuen Flughafen ausserhalb der Stadt geben. Aber das sind alles Gerüchte."

"Vierte Ringstrasse? Sicher. Zur Zeit versuchen wir Land zu kaufen und schon bald startet die Ausschreibung."

"Werbeplakate? Das liegt nicht in meiner Zuständigkeit. Alles was ich weiss ist, dass alle Regierungsbehörden sich zur Minimierung der hässlichen Plakatwälder einsetzen und Unternehmen trotzdem wachsen können."

"Öffentliche Verkehrsmittel? Das liegt in der Verantwortung der Stadt."

"Die Wahl der Provinz- und Gemeinde Verwaltungsorganisationen wird wie üblich abgehalten. Das Ende der Laufzeit ist noch nicht erreicht, aber ob die Regierung Wahlen abhält oder nicht und es Provinzbehörden sind oder nicht, ist irrelevant."

Jetzt wollte der Gouverneur aufstehen, deshalb zeigt ich ihm, was wir als Magazin repräsentieren, dass viele der Leser Ausländer sind und etliche davon schwierige Zeiten auf der Immigration erleben. 

Warten in langen Schlangen ab zwei Uhr morgens. Unternehmen und Organisationen, die vom Personal belästigt werden und von denen einige angeblich korrupt sind. Von der allgemeinen Apathie der Ausländerbehörde in der Zusammenarbeit mit der Ausländergemeinschaft. Sie macht nichts dafür, das Leben in der Provinz angenehmer und legitimer zu gestalten.  

"Ich weiss nicht, wovon sie sprechen. Ich habe noch nie von diesem Problem gehört", äusserte er sich sichtlich verärgert. "Geben sie mir Namen und ich werde Beamte feuern, ich weiss wie mit ihnen umzugehen ist."

Ich erklärte, dass viele Angst haben, Namen zu nennen, auch ich. Wir wollen nicht in Schwierigkeiten geraten.

"Sagen sie mir die Namen, geben sie mir eine Liste. Sagen sie ihren Lesern sie zu senden. Ich werde das behandeln. Wenn sie ihrer Regierung nicht vertrauen, weshalb leben sie denn in diesem Land?", schnappte er mir zu. Ich antwortete, ich sei eine Thai und dies wäre mein Land.

"Meine Prioritäten seit meinem Amtsantritt waren Forstwirtschaft und soziale Harmonie", erklärte er nach tiefem Luftholen. "Wir haben in den Nationalparks grosse Dinge getan, illegale Hausbesitzer verjagt, 6-7'000 Rai Land alleine im Sri Lanna Nationalpark dazu gewonnen. Und ich glaube, dass in unserer Gesellschaft jetzt Frieden herrscht. Ich hatte vor kurzem ein Treffen mit ein paar hundert Menschen." Er sah mich an und fragte: "Weshalb waren sie nicht dabei? Welche Art von Journalistin sind sie?" 

"Wie auch immer, an dieser Sitzung fragte ich, wer Freiheit vor Frieden bevorzuge. Nur eine Handvoll Studenten hob ihre Hände. Eine Handvoll Studenten, die sowieso nicht viel weiss, im Vergleich zu einer ganzen Nation, die Stabilität will. Das ist kein Problem für mich."

"Wir alle fühlten den Druck der vorherigen politischen Umwälzungen. Als Gouverneur, das können sie sich nicht vorstellen. Der Druck von oben, der Druck von unten. All diese Menschen, die Freiheit wollen und darüber sprechen. Gibt es Sicherheit durch Sprechen? Können sie Freiheit essen? Können sie mit Freiheit Leben retten? Die Menschen sind betrunken von Fernsehen, sie schauen rot, blau, grün, was immer für eine Farbe von Fernsehen und werden davon betrunken."

"Ich sagte, die Zeit der Seifenopern ist nun abgelaufen. Gehen wir zurück zu den Grundbedürfnissen des Lebens. Unterkunft, Nahrung, Bildung, Gesundheit. Es gibt keine Notwendigkeit mehr, anderen Menschen blind zu folgen. Wir haben jetzt Frieden, uns das ist gut genug für mich."

Jetzt musste der Gouverneur los, der Armeekommandant wartete. Er sagte, ich soll mit ihm gehen und ihm auf dem Weg weitere Fragen stellen. Ich wollte, aber da er auf dem gesamten, kurzen Spaziergang telefonierte, verabschiedeten wir uns vor dem Aufzug mit einem kurzen Wai.

Ich werde einen Antrag für ein weiteres Interview stellen und hoffe, er wird dann mehr als zwanzig Minuten Zeit haben.

Ein Interview von Pim Pemasinki, Chiang Mai City News

1 Kommentar :

  1. Für die paar Minuten seiner Zeit, war das doch ein recht respektables Ergebnis. Er scheint ein durchaus engagierter Gouverneur zu sein. Die Probleme auf der Immigration sind ja unglaublich. In Pattaya gibt kann ich keine Probleme solcher Natur erkennen. Aber der Gouverneur hat leider recht, ohne Namen und konkrete Fälle gibt es nichts zu beweisen und alles bleibt wie es war.

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